Über Geschmack und Balenciaga lässt sich ja bekanntlich vorzüglich streiten. Anhand dieser auf den ersten Blick schwierigen Espadrilles wollen wir Euch allerdings mal zeigen, dass auch Streitbares ohne weiteres kombinierbar ist. Oder, was meint ihr?
Hier gehts zu den drei Looks:
Gucci
Gucci Frühling/Sommer 2017 – Magische Lichter by Alessandro Michele
Posted on 28. September 2016(© Courtesy of Gucci)
Als Alessandro Michele letzte Woche seine neueste Kollektion für Gucci präsentierte, glich es einem Paukenschlag. Wie erwartet lieferte der Designer einen weiteren Baustein einer Marke, die im Moment alles anders macht, als alle anderen Luxusbrands. Die Kollektion spaltet gleichermaßen Modepresse und Konsumenten in Fans des Designers oder in Kritiker. Letztere können – mit Verlaub gesagt – meist gar nichts mit der eingeschlagenen Richtung, von grenzenloser Übertretung von sämtlichen Konventionen, von Begriffen wie Bekleidung oder tragbarer Luxusmode und zum eindeutigen Bekenntnis zur Individualität anfangen.
(Bild: Courtesy of Gucci)
Als im Mai in Londons Westminster Abbey die Gucci Cruise Collection zu sakralen englischen Chorälen gezeigt wurde, kam mir sofort ein Song in den Sinn: „West End Girls“- 1984 von den Pet Shop Boys geschrieben. Mit den Zeilen „In a West End Town a dead End World. The East End Boys and West End Girls“ bringt das Lied auf einen Nenner, was bei Gucci die Spannbreite der Kollektion zwischen Brit Punk, New Romantic und High End angeht. Dabei, mit kleinem Abstand betrachtet, ist alles recht tragbar. Es gibt viele Teile, die auch für Kunden geeignet sind, die normalerweise auf urban Streetstyle stehen und gar nicht auf Luxusbrands und formelle Kleidung.
Doc Martens, Domestos Jeans – einst „very East End“ – sind nicht nur Dank des Vetements Hypes und deren Kooperationen deutlich auf der Begehrlichkeitenliste der Fashion Crowd nach oben gerutscht. Dabei handelt sich, zumindest in England, um ewige Klassiker.
Peter beschreibt die Kollektionen von Alessandro Michele gerne mit „Wimmelbilder der Mode“. Er meint damit, dass man immer wieder etwas bei einer Gucci-Kollektion entdeckt, selbst wenn man der Meinung ist, die Entwürfe in- und auswendig zu kennen. So ergeht es mir mit der aktuellen Herbst/Winter-Kollektion: Vor einigen Tagen entdeckte ich dort die Flammen-Sneaker, gestern dann die Kooperation mit GucciGhost und heute eine Zusammenarbeit mit den Peanuts.
(Bild: Glen Luchford)
Nachdem die für den Sommer im Berliner Europa Center fotografierte Kampagne eher den Charme der Siebziger und Achtziger Jahre West-Berlins hatte und die fantasievollen Gegensätze von Alessandro Micheles romantischen Gucci-Statements vereinigte – frei nach dem Motto: Härte trifft auf Verspieltheit – geht es nun in eine Stadt, die wie keine andere für den stetigen unruhigen Dialog zwischen Tradition und Moderne steht: Tokio.
Dass die Japaner mit ihrem unendlichen Drang nach Neuem und dem Talent, die unmöglichsten Sachen und Trends, der Mischung aus Mangakultur und schintoistischer Tradition zu kombinieren, Alessandro Michele reizen, lag auf der Hand.
Bild: Courtesy of Gucci
Bei der etwas ausgedünnten Mailänder Fashion Week, die aufgrund der Entscheidung einiger Labels, ihre Herrenkollektionen im September gemeinsam mit den Damen vorzustellen, Lücken aufwies, wurde eine Schau heiß erwartet: Gucci. Nachdem Alessandro Michele erst Anfang Juni in der Londoner Westminster Abbey seinen Mix aus englischer Jugendkultur und des goldenen Zeitalters von Elisabeth I. und einer Prise edwardianischem Dandytums gezeigt hatte, ging es nun im Gucci Hauptquartier in einem neongrünen, fast futuristisch anmutenden Dekor auf eine ganz andere Entdeckungsreise.
(Bild: Courtesy of Gucci)
Eine der wirklichen Moderevolutionen der Neunziger Jahre war, als der aus Texas stammende Tom Ford durch die Vermittlung von Dawn Mello zum verstaubten Societylabel Gucci kam. In den Siebziger Jahren verkam die Marke durch familiäre Querelen zum Duty-free-Label und setzte kaum noch Impulse. Doch als Tom Ford bei Gucci den Posten des Designers übernahm, begann die Revitalisierung des Brands. Es gilt seitdem, dass man durch totale Brüche auch totgesagte Labels revitalisieren kann. Nachdem es in den Achtziger Jahren das erste Mal gelang, ein Haus zu modernisieren – Karl Lagerfeld fing damals bei CHANEL an – verhalf der damals noch unbekannte Ford Gucci durch eine Mischung aus New Yorker Jetset-Stil, Studio 54-Athmosphäre und einer gehörigen Portion Sex zum Innovationslabel.
Kaum sind die Cruise Shows vorbei und die letzten Töne der Choräle in Westminster Abbey von Alessandro Micheles Gucci-Schau verklungen, zieht die Fashion Crowd weiter zur Mailänder Herrenmodewoche. Michele beeindruckt Saison für Saison mit seinen innovativen und fantasievollen Looks, die die Modewelt komplett auf den Kopf stellen. Sein Feuerwerk an Ideen scheint ungebremst und mixt in ungeheurer Opulenz Zitate der Mode und Kunstgeschichte mit Modernität und einem Füllhorn von Fabeltieren, Tigern, Schlangen und Drachen. Seine Flora und Fauna aus Renaissancestichen, von viktorianischen Oblaten und Dekor aus Verdi Opern – gemixt mit den Gucci-Codes – lässt bei jedem Teil die Herzen der Modefreaks höher schlagen. Ob die Vermischung der Geschlechter oder die Vision, die Romantik in die Mode zurückzubringen – jeder kann sich seine eigene Scheibe davon abschneiden.
Gucci schlägt konsequent den Weg ein, ein Luxusbrand zu werden, das alles anders macht und, wie in einem bunten Bazar des 19. Jahrhunderts, seine Kunden auf Entdeckungsreise schickt.
(Bild: Courtesy of Gucci)
Eigentlich sind die Cruise Kollektionen aus den Garderoben entstanden, die die Passagiere auf den Kreuzfahrten oder den Überfahrten trugen. Da solche Fahrten meist nach Weihnachten stattfanden, handelte es sich bei den Entwürfen um die Sachen, die zwischen der Winter- und Sommerkollektion gebraucht wurden, um gut angezogen durch die einzelnen Klimazonen zu kommen. Das hat sich in den letzten Jahren komplett geändert und so sind daraus, besonders in den „Leading 5“ der Modehäuser, also Chanel, Louis Vuitton, Dior, Prada und natürlich auch Gucci, eigenständige und umfangreiche Saisons geworden.
Schaufensterbummel – Guccis Pre-Fall 2016 Inszenierungen
Posted on 12. Mai 2016(Bild: Courtesy of Gucci)
Auch wenn es vermeintlich altmodisch erscheint und sich viele Geschäfte längst den Schaufensterdekorateur sparen, liebe ich es – besonders an Sonntagen, wenn die Geschäfte geschlossen sind – mir die Nase an den Scheiben platt zu drücken und einen Schaufensterbummel zu machen. Da wir aber nicht alle ständig nach Mailand oder Paris kommen, nehme ich Euch einfach mit und zeige Euch heute die Schaufenster, die Alessandro Michele für die Präsentation seiner Gucci Pre-Fall-Kollektion entworfen hat.
