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Meinung

Meinung

Sollten Männer im Sommer kurzärmelige Hemden tragen?

(Kurzärmeliges Hemd von Oliver Spencer; Bild: Mr. Porter)

„Ich finde, es gab noch nie einen Grund, so etwas zu tragen“, wie Wolfgang Joop im „Stern“ (Heft 25 / 2019) in einem kurzen, aber nicht minder lesenswerten Interview die Frage nach Kurzarmhemden beantwortete. Man würde bei einem Kurzärmelhemd den Ellenbogen sehen, der jedes Alter verrät, wie der Designer erklärte. Auch sollte man beim Ausschnitt darauf achten, dass „kein weißes oder gar rotes Brusthaar zu sehen ist.“ Schwarzes Haar ist hingegen noch okay. Continue Reading

Meinung

No more Jackson?

(Michael Jackson, „Dangerous“-Tour in Monza, Italien, 06. Juli 1994; Bild: Daniele Dalledonne, CC BY-SA 2.0)

Oh my Lord, in Anbetracht der Causa Jackson waren die letzten Wochen ein ziemlicher Paukenschlag: Laut – hinsichtlich der Berichterstattung, unschön und allzu verstörend aufgrund der Anschuldigungen. Nicht zuletzt war die hysterische Informationsflut ein Spiegel dessen, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen aktuell „neu“ formieren. Da wurde, bevorzugt in den Sozialen (Aufschrei-)Medien, aufs Schrillste angeklagt, gemutmaßt und Hebel in Bewegung gesetzt. Mit dem Finger wurde auf Ausstellungshäuser gezeigt, die Formate über den einstigen King of Pop planen und zeigen werden. Radiosender haben Songs aus dem Programm genommen und Paparazzis belagerten die Kinder Jacksons 24/7 vor ihren Häusern. Eine Welle der Entrüstung schlug durch die Presse, landete sogar bei meiner provinzverorteten Verwandtschaft als Titelstory auf der Tageszeitung. Schuld hieran sind a) der 2009 verstorbene Michael Jackson selbst, der jahrzehntelang kleine Kinder um sich gereiht hat (bzw. diese mit zunehmender Wahrscheinlichkeit aufs Perfideste missbraucht hat) und b) die darüber entstandene Dokumentation „Leaving Neverland“, welche in den USA mit Rekordquoten auf HBO gelaufen ist und bald auf Pro7 ausgestrahlt wird. Gefühlt jeder spricht und diskutiert über das – zurecht sehr heikle und höchst sensible – Thema und hat schnell eine eigene Meinung parat. Continue Reading

Kampagne News

Influencer/in als Beruf?

(Bild: Diesel)

Influencer/in als Beruf? Über diese Frage bin ich bei Facebook gestolpert. Die Agentur für Arbeit Bad Oldesloe versucht sie zu beantworten. Schaut man sich die Inhalte genauer an, wird auffallen, an wen sich diese Informationsveranstaltung überhaupt richtet – an Schüler, die gerade auf der Suche nach einer Idee sind, was man beruflich die nächsten 40 Jahre machen kann. Influencer liegt da natürlich nahe, und das meine ich noch nicht einmal böse, denn mit welchem Beruf werden junge Menschen sonst mehrmals täglich konfrontiert? Zudem wirkt es mit Sicherheit verlockender, täglich die neuesten Kollektionen tragen zu dürfen und um den Globus zu jetten – zumindest wenn einem CO₂-Werte egal sind – als für ein vergleichsweise niedriges Ausbildungsgehalt von 9 bis 17 Uhr im Büro zu sitzen und regelmäßig zur Berufsschule zu müssen. Auch ist das Foto, also das Produkt der Arbeit, nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was der Influencer tatsächlich den Tag über so macht – pünktlich Feierabend und am Wochenende regelmäßig frei? Davon können Influencer meist nur träumen. Continue Reading

Düfte

Sind das die neuen Duftklassiker?

(Jean Paul Gaultier; Bild: Rainer Torrado)

Es klingt unglaublich, aber Jahr für Jahr werden ca. 250 bis 300 neue Düfte auf dem Markt lanciert. Der Großteil dieser Neuerscheinungen verschwindet nach nur einer Saison, nur wenige überdauern einige Jahre und noch viel weniger haben das Zeug zum Duftklassiker.
Nischendüfte haben es naturgemäß schwerer, sich am Markt zu behaupten. Dabei sind es gerade diese Düfte, denen man nachsagt, dass sie nicht die breite Masse ansprechen und die sich daher ganz besonders lohnen, entdeckt zu werden. Das machen wir auf Horstson immer wieder gerne und freuen uns, wenn wir uns bis dato unbekannte Düfte kennenlernen und denen wir nur zu gerne eine kleine, feine Bühne bieten.
Aber wie sieht es bei den Duft-Blockbustern aus? Haben es in den letzten Jahren Düfte geschafft, mehr als eine Saison zu überdauern und vielleicht sogar zu neuen Klassikern zu avancieren? Düfte, die irgendwie jeder kennt, vielleicht sogar eine Geschichte mit ihnen verbindet, die sie aber ad hoc nicht zu Klassikern zählen würden, obwohl sie es – zumindest per Definition – sind? Ja, es gibt sie. Continue Reading

Männermode

Virgil Abloh for Louis Vuitton S/S 2019 – Ein Kommentar.

(Virgil Abloh for Louis Vuitton S/S 2019; Louis Vuitton / Ludwig Bonnet)

von Martin Labisch.

Vergangenen Donnerstag war es nun soweit. Virgil Abloh hat als Nachfolger von Kim Jones seine erste Kollektion als Artistic Director für Louis Vuitton präsentiert. So viel vorweg: der „Wow“- Moment war auf jeden Fall gegeben! Die Show wird wohl als popkulturell ikonischer Moment in die Modegeschichte eingehen. Doch was steckt hinter dem Hype, der Virgil Abloh und alles was er anfasst, umgibt? Und warum schreibe ich darüber?
Daher möchte ich mich bei meinem Debüt als Horstson-Contributor kurz vorstellen: Ich bin Martin, 29, aus Stuttgart und habe nach meinem abgeschlossen Masterstudium der Kunstgeschichte, mit Fokus auf der Modegeschichte und der Malerei der Moderne, in diesem Semester eine Individualpromotion über Modetheorie bei Prof. Dr. Barbara Vinken begonnen. Die Mode ist also gewissermaßen mein Fachgebiet und als fanatischer Verfolger aller Modewochen und Beobachter von Trends, bin ich bisher ein lautstarker Kritiker Virgil Ablohs Schaffens. Bleibe ich es? Vielleicht konnte mich seine erste Show für Louis Vuitton ja eines Besseren belehren: Continue Reading

Meinung

Nike setzt den Rosa Winkel für „BETRUE“-Kollektion ein

(Bild: Nike)

Nike richtet sich auch in diesem Jahr mit einer „BETRUE“-Kollektion an die LGBTQ-Community. Der an sich sehr löbliche Hintergrundgedanke der Initiative war, etwas zu entwerfen, mit der Nike die Unterstützung für LGBTQ-Athleten zeigen kann, wie damals Robert Goman, der Sprecher des LBGTQ-Netzwerkes des Unternehmens, erklärte.
Während in den vergangenen Jahren mit den Farben des Regenbogens gespielt wurde, zitiert der Sportartikelhersteller dieses Mal ein anderes Symbol der LGBTQ-Geschichte: den Rosa Winkel. Continue Reading

Eurovision Song Contest

Pussys on fire und Deutschland war nicht Letzter

(Netta; Foto: Andres Putting)

Das Wichtigste zuerst: Deutschland ist nicht letzter geworden, sondern sogar vierter. Damit hat wohl weder Michael Schulte noch wir gerechnet. „You Let Me Walk Alone“ überzeugte die Zuschauer noch ein wenig mehr als die Jury und brachte ihm letztendlich 340 Punkte ein. Obwohl ich selbst kein großer Fan von Song und Performance war: Herzlichen Glückwunsch Michael! Und auch herzlichen Glückwunsch Netta, du Kreuzung aus Chun-Li, Björk und Manga Girl! Wir werden „Toy“ noch eine Weile weiterhören! Continue Reading

Gesellschaft

50 Mütter, 50 Kinder, ein Extrachromosom und der Welt-Down-Syndrom-Tag

(Bild: Screenshot „50 Mums | 50 Kids | 1 Extra Chromosome“)

Heute ist wieder Welt-Down-Syndrom-Tag, also der Tag, der das öffentliche Bewusstsein für die Thematik des Down-Syndroms steigern soll.
Jeder kennt das: Ging man früher spazieren, begegneten einem relativ häufig Menschen mit Behinderung. Weil es aber immer einfacher wird, Behinderungen und Fehlbildungen schon im Mutterleib festzustellen, werden Menschen mit angeborenen Behinderungen weniger. Man geht davon aus, dass sich 90 % der werdenden Eltern gegen ein Kind mit Trisomie und für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Es gibt keine zeitliche Begrenzung für diesen Schritt, d.h. „Spätabtreibungen“ sind legal. Einige halten das für Selektion – andere verweisen auf das Selbstbestimmungsrecht …
Am Ende des Tages muss jede Frau selbst entscheiden, ob eine Abtreibung vorgenommen wird oder nicht. Ein Schritt, der von niemanden zu bewerten ist. Was hingegen zu bewerten ist, ist die Wortwahl einiger Menschen … Continue Reading

Frankreich

In was für einem wunderbaren Land lebe ich!

(Foto: Thomas Kuball)

Das Frankreich für “la mode, création, beauté, charme et les compliments” steht, dafür ist die Grande Nation ja hinreichend bekannt und beliebt.
Ebenso so bekannt ist, dass es hier, neuer dynamischer Präsident hin oder her, an vielen Ecken bröckelt, nicht alles Gold ist was glänzt und selbstverständlich nicht alle Menschen just aus dem Modemagazin gesprungen sind. Darin unterscheidet sich Frankreich nicht von seinen Nachbarstaaten.
Genau für diese Normalität liebe ich dieses Land und seine Bewohner. Es wird allerdings außerhalb des Hexagons geunkt, dass der liebe Gott, als er die Welt und somit auch das schöne Frankreich mit seinen unglaublichen Küstenabschnitten, den Hügeln und Tälern, dem süffigen Wein, seiner köstlichen Küche oder den vielen Sonnenstunden schuf, feststellte, dass dieses Land dem Paradis so zu nahe kommt. Schwups, hat er fix den Franzosen als Gegenpol erschaffen! Continue Reading

Influencer

Streetstyle, Streetstyle

Bill Cunningham at Fashion Week; Foto: Jiyang Chen; CC BY-SA 3.0

Wer schon seit ein paar Jahren dem Modezirkus beiwohnt oder dem Treiben betroffener Akteure aus Leser- und Konsumentensicht folgt, dem wird aufgefallen sein: da ist eine Menge im Umbruch, enorme Geschwindigkeit im Spiel! Dass ist an vielen Stellen auch gut so, keine Frage. Alles andere wäre schlichtweg behäbig, gar langweilig und keinesfalls dem ewig fordernden Zeitgeist entsprechend. Dann und wann sollte man jedoch auch die kritische Distanz suchen, Prognosen vornehmen und diese entweder aussprechen oder flux im Hinterkopf behalten. Letzteres trifft auf mich zu, Kategorie „Immerwährender Beobachter mit wenig Drang zum Mucks“ beschreibt mich wohl ganz treffend. In einem Fall hätte ich jedoch durchaus mal früher den Mund aufmachen können: Stichwort „Streetstyle“. Das Manegenpony der Mode ist nirgends weg zu denken, selbst alteingesessene Publikationen setzen immer häufiger auf internationale „Frisch von der Straße“-Authentisch-Styles und kürzen hierfür fleißig an herkömmlichen Editorial-Seiten. Bei Facebook und Instagram flattert das bunte Treiben ohne Unterlass durch den Feed, von morgens bis abends gibt’s kaum anderes zu sehen – nicht nur während der Modewochen. Prinzipiell nutze auch ich das sehr gerne als Inspirationsquelle und Hübsche-Leute-Schauen, da mag ich mich gar nicht ausklammern. Ich würde wohl auch nichts dagegen einwenden, wenn auch ich ein wenig mehr Talent zum wenig gestellt wirkenden Posen abbekommen hätte. Continue Reading