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Damenmode Paris Fashion Week

Chanel Spring/Summer 2020 – Über den Dächern von Paris

(Chanel Spring/Summer 2020 – Photo by Olivier Saillant)

Wenn ich an Paris denke, fallen mir sofort die grauen Zinkdächer ein mit den vielen Schornsteinen und Dachfenstern, die morgens, wenn ich aus dem Fenster schaue, wie ein endloses Meer vor meinem Blick liegen. Darüber der Himmel und darunter die aufwachende Stadt. Einige Dachluken sind geöffnet und man sieht jemanden, der Café kocht, sich anzieht, seine Kinder für die Schule fertig macht oder die Fenster putzt. Tausende Geschichten unter dem Meer aus Dächern, eine endlose Wiederholung und doch jede anders und voller skurriler Konstruktionen. Unter den Dächern der Rue Cambon, ganz oben, befinden sich die Ateliers von Chanel und dort wird das realisiert, was ein paar Stockwerke darunter von Virginie Viard und dem Team des Studio Chanel erdacht wird. Ob Haute Couture, Prêt-à-porter oder Métiers d‘Art Kollektionen, für alles gibt es Ateliers mit Spezialisten für den jeweiligen Bereich, die sich mittlerweile über mehrere Häuserblöcke erstrecken. Continue Reading

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From Disco to Disco

(MCM Frühjahr/Sommer 2020; © MCM)

Michael Michalsky war es, der Mitte der 2000er-Jahre MCM aus dem Dornröschen Schlaf geküsst hat. Doch das ist lange her. Für die Marke, deren Buchstaben früher häufig mit „Michael Cromer München“ transkribiert wurden, aber eigentlich für „Moderne Creation München“ standen, ist heute Dirk Schönberger, der legendäre Ex-Kreativdirektor von Adidas, als neuer Global Creative Officer verantwortlich.
Für seine erste Kollektion für das Luxuslabel ließ sich Schönberger von der Stimmung und der Haltung sowie den Style und Look aus der Hochphase der Münchner Disco-Zeit mit dem der Berliner Klublandschaft der Gegenwart inspirieren. Sozusagen ein Mix aus P1 und dem Berliner Berghain … Continue Reading

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Ralph Lauren lanciert eine Friends-Kollektion

(„Friends x Ralph Lauren“-Kollektion; © Ralph Lauren)

Hat Ralph Lauren im Kopierraum mit irgendeiner Frau rumgeknutscht? Um diese Frage ging es in Folge 8 der sechsten Staffel von „Friends“. Gestreut wurde das Gerücht von Rachel, die zu dem Zeitpunkt im Headquarter des US-Designers arbeitete und die ihrer Freundin Phoebe erlaubt hat, im Büro einige Kopien zu machen. Phoebe – im Glauben, Ralph Lauren im Kopierraum getroffen und geküsst zu haben – erzählt ihrer Rachel von der Begegnung, die, um sich interessant zu machen, die Begegnung an ihre Chefin weitertratscht. Continue Reading

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Minimalismus à la Gucci

(Bild: Dan Lecca)

Alessandro Michele betrachtet Mode grundsätzlich philosophisch – das, was wir bisher gerne als Wimmelbilder der Mode beschrieben haben – ist kein heilloses Durcheinander, wie es Kritiker dem Designer immer wieder vorgeworfen haben. Es ist eine sehr moderne und durchdachte Form von Design, die – trotz aller Muster und Brüche – regelrecht zeitlos ist. Kann jemand die einzelnen Kollektionen von Gucci der letzten Jahre dechiffrieren? Vielleicht gelingt es dem Kenner, einzelne Statement-Pieces zu benennen. Aber sonst? Michele nimmt der Mode auf überaus geschickter und erfolgreicher Weise die Geschwindigkeit, trotz zwei Haupt-, Pre-, Cruise- und diverser Capsule-Kollektionen.
Auch die Frühling/Sommer-Kollektion erklärt Alessandro Michele äußerst durchdacht. Continue Reading

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Chanel Haute Couture Winter 2019 – Bücher-Träume

(Chanel Haute Couture Fall/Winter 2019 – Photo by Olivier Saillant)

Als Anfang Juli Virginie Viard ihre erste eigene Haute-Couture-Kollektion für das Haus Chanel im Grand Palais zeigte, war die Fashion Welt gespannt, wie sie den Bogen schlagen würde zwischen der Tradition des Hauses und ihrer eigenen modernen Interpretation der neuen Chanel-Frau. Eines sei gleich vorweggenommen, Virginies Kollektion verknüpft perfekt die Wurzeln und Codes der Gründerin Coco Chanel, den Elementen und Inspirationen Karl Lagerfelds und ihrer eigenen Version der modernen Couture-Kundin, die Haute Couture als täglich tragbaren Luxus für sich selbst sieht. Chanel-Kundinnen sind moderne Frauen, die sich handgearbeitete, auf sie zugeschnittene Garderobe leisten, die sie lange in ihrem Kleiderschrank begleiten wird. Unaufgeregt und voller Raffinesse, der neue Chanel-Stil 2019 – Parisienne und „très Chanel“ schlägt Viard wunderbar ein neues Kapitel, der über hundertjährigen Geschichte des Hauses und des Savoir-faire der Haute-Couture-Ateliers auf. Continue Reading

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AMI Spring/Summer 2020 – Der nächste Sommer ist jetzt

(AMI Alexandre Mattiussi, Frühling/Sommer 2010; Bild: PR)

Das Grand Palais pur – lediglich zwei große konzentrische Kreise aus einfachen Holzstühlen unter der großen Kuppel sind für die Besucher aufgebaut – das Dekor von Alexandre Mattiussi für seine Schau am 18. Juni 2019. Etwas meditatives und trotzdem konzentriertes wünschte sich der Designer, um seine neue Linie für Männer und Frauen für das nächste Frühjahr zu präsentieren.
Der Designer, der zwar schon seit längerem auch die Frauenmode für sein kreatives Schaffen entdeckt hat, zeigte diesmal aber eher nicht an seine Herrengarderobe angelehnte Modelle, sondern eine eigenständige Linie, die nach dem Motto „Garderobe rund um die Uhr“ wie ein gut durchdachtes Baukastensystem wirkt. Überhaupt scheint Mattiussi, den wir ja bei Horstson schon seit seiner ersten Kollektion begleiten, das Image des guten Jungen von nebenan, der seine Freunde und Pariser Jungs mit tragbaren, aber raffinierten Kleidungsstücken anziehen möchte, verlassen zu wollen. Etwas, was ja auch bis zum Exzess von einem seiner Kollegen durchgezogen wird und der mit breit erhältlichen Kollektionen die Gefahr der Vergleichbarkeit beinhaltet. Continue Reading

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Chanel Cruise Collection 2019/20 – Le Train Bleu

(Chanel Cruise Collection 2019/2020 Photo by Lucile Perron)

Großer Bahnhof bei Chanel, im wahrsten Sinne des Wortes. Zur Cruise Collection Show im Grand Palais am Freitag den 2. Mai. wurde nach einer Idee von Karl Lagerfeld die prunkvolle, ehemalige Weltausstellungshalle in einen Bahnhof à la Gare de Lyon verwandelt. Inklusive des im Hintergrund über die große Jugendstil Freitreppe erreichbaren Restaurants, das angelehnt an das berühmte „Le Train Bleu“, mit seinen Wandgemälden aller Ziele der Chanel Cruise und Métiers d‘Art Kollektionen der letzten Jahre erinnerte.

Ein Bahnhof, der ideale Platz um in eine neue Chanel Era zu starten und gleichzeitig ein Ort, der viel Bedeutung in der Geschichte von Chanel hat. Coco Chanel lernte ihre große Liebe Boy Capel auf der Abreise von Biarritz nach Paris, auf dem Bahnhof von Pau kennen. Er hatte herausbekommen wann sie Abfuhr und sich einfach auch ein Ticket für den gleichen Zug gekauft. Karl Lagerfeld kam 1952 auf dem Gare du Nord von Deutschland in Paris an und ihn ließ die Stadt und das Reisen nie mehr los. Die Reisen der Chanel Kollektionen sind legendär und da liegt es nah sich im Grand Palais auf eine imaginäre Reise zu begeben, denn das wissen wir ja auch von Lagerfeld selbst, „Die Reisen, die einen am meisten inspirieren, finden im Kopf statt“ und seine besten Ideen bekam das Modegenie ja bekanntlich Zuhause beim Durchblättern seiner Tausenden Bücher und den Gedanken, die ausgelöst wurden durch die Vermischung sämtlicher Themengebiete. Umgesetzt in Zeichnungen verarbeitete er und „chanelisierte“ das Ganze zu Kollektionen.
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Acht Genies, eine Heidi

(Pierpaolo Piccioli für Moncler; Bild: Moncler)

Neulich, als ich gerade bei GNTM und Heidis Määääädchen am Wegnicken war, sah ich die Topmodel-Chefjurorin, wie sie ihren ambitionierten Nachwuchsmodels und zukünftigen Social-Media-Starlets Anweisungen gab, vor Kristian Schullers Kamera möglichst lässig zu posieren, während ihnen bei Eiseskälte Kunstschnee ins Gesicht gepustet wird. Genau mein Humor.
Der Rest war eigentlich nicht der Rede wert – außer vielleicht Klums Sidekick Wolfgang Joop, der dem Format immer noch einen gewissen Touch gibt, wobei ich mir noch nicht sicher bin, in welche Richtung – allerdings trug die „Model-Mama“ (die Presse über Heidi Klum) etwas, was man nur sehr selten sieht: Einen Look aus der „Moncler Genius“-Kollektion, genauer gesagt ein Daunen-Ensemble von Pierpaolo Piccioli. Die Capsule-Kollektion, die der Valentino-Designer als einer von insgesamt acht Gastkreativen für Moncler entworfen hat, war so herrlich drüber, dass ich auf einmal hellwach war und mich umso mehr auf eine Genius-Neuauflage gefreut habe – und siehe da: Das Warten hat sich gelohnt. Continue Reading

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Das Beste zum Schluss

(Fendi Damen Herbst/Winter 2019/2020; Foto: Courtesy of Fendi)

1965, also vor über fünfzig Jahren, unterschrieb Karl Lagerfeld seinen Arbeitsvertrag bei dem Pelzhaus Fendi und entstaubte es. Zum Vorschein kam eine internationale Prêt-à-porter-Marke und eines der führenden Accessoire-Labels.
Der Designer nahm dem Metier die damals anhaftende Schwere. Zur Erinnerung: Als Lagerfeld seine Arbeit bei Fendi begann, wurde in Pelzhäusern noch mit Hausmannequins gearbeitet, die die Pelze vorführten. Die Kunden konnten dann ihre Wünsche mit einbringen – vom Schnitt bis Pelzart waren eigentlich keine Grenzen gesetzt. Nicht zeitgemäß, befand Lagerfeld und sorgte schon mit einer seiner ersten Amtshandlungen für Furore: er entwarf das berühmte doppelte „F“ als Markenzeichen, das gleichermaßen für Fendi steht aber auch für „Fun Fur“: „Ich habe das [Doppel-]F in drei Sekunden entworfen“, wie er sich in Loïc Prigents äußerst sehenswerten filmischen Porträt über den Designer erinnert. Continue Reading

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Gucci Herbst/Winter 2019/20: Sei, was Du scheinen willst!

(Gucci Herbst/Winter 2019/20; Foto: Courtesy of Gucci)

Wer in den letzten Tagen auch nur ein paar Minuten im Internet verbracht hat, wird es mitbekommen haben, so allgegenwärtig waren die Bilder – Alessandro Michele schickte bei der Präsentation der Herbst/Winter-Gucci-Kollektion einige Models mit Masken über den Laufsteg. Das macht der Designer natürlich nicht nur „einfach so“, genauso, wie er eigentlich nichts „einfach so“ macht, sondern mit philosophischem Hintergrund. Die Maske dient ihm nicht als Mittel zum Zweck, also um sich hinter ihr zu verstecken; vielmehr liefert sie die Möglichkeit, so die Idee von Michele, das zu werden, was man in dem Augenblick fühlt bzw. sein möchte. Die Maske soll es also ermöglichen, sich selbst darzustellen – und genau die Rolle zu spielen, die der Träger in dem Augenblick für die beste hält. Das ist konsequent gedacht, denn der Rest der Kleidung dient im Grunde genommen auch für nichts anderes – der Unterstreichung der Persönlichkeit, die man gerade sein möchte. Heute der seriöse Gentlemen im Anzug, morgen der verspielte Träumer und übermorgen vielleicht der sexy Aufreißer. Continue Reading