Das muss auch mal jemand schaffen: Niemand hat die Kollektion gesehen, die das italienische Label Bottega Veneta im Berliner Techno-Club Berghain gezeigt hat, aber jeder spricht darüber. Unter dem Titel „Salon 2“ wurde ein Video aufgenommen, wo sich so manch ein Gast wie beim Tatort-Dreh gefühlt haben wird – denn Schauspieler dürfen doch auch ihrer Arbeit nachgehen. Das Ergebnis wird in den nächsten Wochen zu sehen sein und naturgemäß ist es spannend, was Daniel Lee für Bottega Veneta für die Herbst-Winter-Saison 2021 entworfen hat.
Horst
(Berluti Herbst-Winter 2021/2022; Foto: Valentin B. Giacobetti)
Der offizielle Modenschauenkalender ist Corona-bedingt etwas durcheinandergeraten: Da eh keine Gäste kommen dürfen (oder, wie bei Bottega Veneta, nur sehr wenige und dann auch mit der Gefahr, für, nun ja, ‚Irritationen‘ zu sorgen), sprechen sich viele Labels vom offiziellen Schauenkalender frei und präsentieren dann, wann es aus ihrer Sichtweise am besten passt. Am 8. April 2021 passte es bei Berluti und so zeigte das französische Label seine Herbst-/Winterkollektion 2021 in einer digital inszenierten Kunstinstallation: „Living Apart Together“, so der Name der Performance, was übersetzt „Getrennt zusammen leben“ bedeutet und die gegenwärtige Situation gut zusammenfasst.
Die Idee der Präsentation war es, den Zwängen unserer Zeit zu trotzen. Zur Verstärkung holte sich Kris Van Assche, der künstlerische Leiter von Berluti, den Videoregisseur Antoine Asseraf sowie Yoann Lemoine (hier geht’s zu einem Interview, das wir vor einiger Zeit mit dem Musiker geführt haben), den die meisten als Woodkid kennen.
(Schürze von Jil Sander; Bild: Jil Sander)
Lt. Wikipedia handelt es sich bei einer Schürze „um ein Kleidungsstück, das vor den Bauch und manchmal auch die Brust gebunden wird, um die Kleidung vor Schmutz zu schützen“. Eine modischen Nutzen wird ihr in dem Beitrag allenfalls „als dekoratives Element der Frauenkleidung“ zugeschrieben, Männerkleidung wird hingegen nicht erwähnt. Wahrscheinlich haben die Wikipedia-Autoren die Rechnung ohne Jil Sander gemacht – das Label, das erst vor wenigen Wochen von dem italienischen Luxuskonzern OTB übernommen wurde, hat in der aktuellen Kollektion einige Schürzen für Männer im Angebot.
Doch was zieht man zu einer „Apron“, so die englische Übersetzung, an? Wir haben einige Styling-Ideen …
Ihr werdet es mitbekommen (und vielleicht auch die Augen vor Verwunderung gerieben) haben: Bottega Veneta präsentierte in Berlin im Berghain „Salon 2“. Um was es sich dabei genau handelt, wurde bisher nicht überliefert, von einem Video, das gedreht wurde, ist die Rede. Nur eine Handvoll von Journalisten wurden eingeladen, Fotos waren nicht erlaubt. Der Fokus der Gästeliste lag eben woanders, so zumindest der Eindruck, den die Bilder vermitteln, die die Gäste bei der Ankunft des Berliner Clubs zeigen: Virgil Abloh, Skepta, Marc Goehring, Burna Boy, Sven Marquardt, Slowthai und Honey Dijon wurden gesichtet. Der Imagewandel wird also weitergeführt, den Daniel Lee als neuer Creative Director von Bottega Veneta eingeläutet hat, als er die Nachfolge von Tomas Maier am 1. Juli 2018 übernahm.
Adaptive Collection: Tommy Hilfiger lanciert Kollektion für Menschen mit Behinderung
Posted on 8. April 2021(Tommy Hilfiger Adaptive Collection Frühling/Sommer 2021; Bild: Tommy Hilfiger)
Mehr als 7,8 Milliarden Menschen leben auf der Welt – allesamt unterscheiden sich sowohl von ihren Interessen voneinander als auch von ihren Körpern. Führt man sich das vor Augen, wird es umso befremdlicher, dass sich die Standards für Kleidung verhältnismäßig wenig unterteilen: Was dem einem passt, ist für den anderen schon eine Herausforderung, es überhaupt anzuziehen. Doch das Bewusstsein für dieses Problem wächst in der Industrie, selbst bei dem US-amerikanischen Reality-Format „Project Runway“ war es Thema: Die Kandidatin Nancy Volpe-Beringer entwarf für die Sportlerin Tatyana McFadden ein Kleid, das dank Klettverschlüssen für die Rollstuhlfahrerin leichter an- und auszuziehen war.
Auch im kommerziellen Bereich finden sich mittlerweile Kollektionen, die sich an Menschen mit Behinderung bzw. körperlichen Einschränkungen richten. Doch bei den meisten Modehändlern sucht man vergeblich nach Entwürfen, die das An- und Ausziehen durch kleine Features erleichtern, bzw. wo Nähte so gesetzt werden, dass sie dem Träger keine Schmerzen zufügen. Wird man fündig, sind die meist nicht modisch.
Das ist die „H&M Home“-Interieur-Kollektion von Diane von Fürstenberg
Posted on 7. April 2021(H&M Home x Diane von Fürstenberg; Bild: H&M Home)
Wir hatten im vergangenen Winter drüber gesprochen: Diane von Fürstenberg kooperiert mit H&M Home. Nun wurde seitens des schwedischen Konzerns die Interieur-Kollektion von „Diane, the Huntress“ präsentiert. Diesen Spitznamen bekam die Designerin der Legende nach im New Yorker Nachtleben verpasst, allerdings nicht wegen ihrer gestalterischen Nähe zu Animal-Prints …
(JW Anderson x Uniqlo, Frühjahr/Sommer-Kollektion 2021; Bild: Uniqlo)
Neuigkeiten von Uniqlo: Die japanische Kette gibt den Launch der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2021 aus der Zusammenarbeit mit JW Anderson bekannt.
Die Kooperation mit der Londoner Marke hat sich zu einem Klassiker entwickelt: Schon seit 2017 arbeiten Uniqlo und JW Anderson halbjährlich an Kollektionen. „Der frühlingshafte Neuanfang stand bei mir an erster Stelle als ich die Kollektion entworfen habe“, wie Jonathan Anderson, der Designer hinter dem Label, erklärt. „Ebenso wichtig war es mir die handwerkliche Fertigung zum Leben zu erwecken.“ Jonathan Anderson hatte also die Hoffnung auf einen Neuanfang und bessere Tage im Hinterkopf – wie passend in der heutigen Zeit.
(Fred Perry x Gorillaz; Bild: Fred Perry)
Ja, es gibt sie noch: Gute Nachrichten. In diesem Fall geht es um eine Zusammenarbeit zwischen Fred Perry und den Gorillaz. Genauer gesagt sind die Mitglieder der virtuellen Band – 2D, Noodle, Russel Hobbs und Murdoc Niccals – Gesichter der neuen Kampagne für die „M3“- und „M12“-Shirts von Fred Perry.
Keine Kategorien, keine Trageanlässe, dafür aber viel Stil: Studio Seidensticker
Posted on 31. März 2021(Studio Seidensticker; Bild: Seidensticker)
Es ist nicht ganz klar, woran es liegt, aber es gibt diese Tage, an denen man so gar keine Idee hat, worin man gut aussehen kann. An diesen und auch an den meisten anderen Tagen empfiehlt es sich, modische Experimente weit hinter sich zu lassen und sich einer neutralen Farbpalette und einer klaren Ästhetik zu bedienen. Denn sicher ist, dass selbst stundenlanges Ein-Outfit-nach-dem-anderen-anprobieren nur für ein Chaos vor dem Kleiderschrank und im Kopf sorgt, aber niemals für Zufriedenheit.
Vielleicht ist es auch ein Überangebot an modischen Strömungen, wobei die Tugend der Reduzierung dem eigentlichen Zeitgeist entspricht. Blickt man genau hin, fällt auf, dass sich die Kollektionen für Männer und die Kollektionen für Frauen immer mehr annähern: Die Trennschärfe wird genauso aufgeweicht wie klassische Kategorien, Trageanlässe und Gender-Zuordnungen. Ein Ansatz, den Seidensticker mit der Studio-Kollektion progressiv verfolgt.
Scott Licznerski x Closed; Bild: Anton Gottlob
Paul Smith, Lemaire, Balenciaga – Scott Licznerski dürfte den meisten Lesern durch diverse Kampagnen und Modenschauen ein Begriff sein. Doch eigentlich ist Licznerski weniger Model, als ein autodidaktischer zeitgenössischer Künstler, der hauptberuflich in London tätig ist. Ebendort stand er nun in seinem Studio vor der Kamera von Anton Gottlob: „Artist’s Presence“, so der Name der Closed-Sommerkollektion 2021 – der Künstler ist anwesend.
