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Wüstenstaub und Wegwerfglamour

Fast wie Coachella – nur ohne Wüste, Influencer und Polyester: das Riesenrad in Hamburg; Bild: Horstson

Neulich stand ich in Hamburg vor dem Riesenrad und fragte mich, ob auch in diesem Jahr ein solches Karussell 9.500 Kilometer entfernt seine Runden dreht. Und siehe da – dieser Tage läuft Instagram wieder mit Bildern von Influencern über, die allesamt aussehen, als hätten sie sich direkt aus einem Polyester-Katalog in die kalifornische Wüste teleportiert.

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Pool, Palmen, Perspektivlosigkeit

Ich sitze also im Urlaub. Wenn man so will „Pool (ohne Promis) unter Palmen“, um gleich zum eigentlichen Thema dieses kleines Beitrags überzuleiten. Die Sonne arbeitet verlässlich, der Rosé schwitzt leise vor sich hin, und ich habe – wie man das so hat zwischen zwei Schwimmeinheiten und der dritten Portion Müßiggang – plötzlich Zeit. Zeit, mich mit dem Œuvre jener Gestalten auseinanderzusetzen, die man gemeinhin Reality-Stars nennt. Ein großes Wort für ein erstaunlich kleines Gesamtwerk.

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Zwischen Dünen, Dresscodes und Dämmerlicht

Was tut sich denn da..? Ich bin seit einigen Tagen in Maspalomas vor Ort, sitze meist am Rand eines der besten Restaurants am Platz – was hier weniger Übertreibung als Grundhaltung ist – und betrachte das Treiben aus jener privilegierten Distanz, die es erlaubt, alles zu sehen, ohne selbst Teil davon zu werden. Ein stiller Beobachter also, mit Blick auf eine Szenerie, die sich Abend für Abend neu inszeniert.

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Weniger Glanz, mehr Haltung: Wie Modemagazine ihre Auflagen retten können

Totgesagte leben länger: Modemagazine; Foto: Horstson

Die gute Nachricht zuerst: Modemagazine sind nicht tot. Sie liegen nur etwas zu lange dekorativ auf dem Couchtisch – neben der Duftkerze, die man auch eher fürs Ambiente als für den eigentlichen Zweck gekauft hat. Die schlechte Nachricht: Die Auflagen sinken seit Jahren. Papier wird teurer, die Inflation nagt am Portemonnaie, und die Leserinnen und Leser haben gelernt, dass man Trends auch kostenlos im Sekundentakt auf dem Smartphone serviert bekommt. Warum also noch drucken?

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Weshalb Quiet Luxury das lauteste Flüstern unserer Zeit ist

Quiet und Loud Luxury liegen manchmal dicht beieinander; Bild: Horstson

Es fängt an, wie es immer anfängt, zum Beispiel mit einem Luxuspullover, der kein Luxus sein will. Beige vielleicht, oder ein Grau, das sich zwischen Nebel und Staub nicht festlegen mag. Der Preis? Diskret versteckt – und ungefähr auf Wochenendtrip-Niveau. Willkommen im Zeitalter des Quiet Luxury. Man erkennt es vor allem daran, dass man es nicht erkennt.
Quiet Luxury ist die elegante Absage an jene Epoche, in der Identität in Großbuchstaben über die Brust lief. Logos wie Nummernschilder, Gürtelschnallen mit Landebahn-Ambitionen. Damals galt: Wer hat, der zeigt – möglichst in Versalien.

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Prada, Gucci & Co.: Letzte Generation beschmiert Schaufenster auf dem Berliner Ku’Damm

Gucci, Kurfürstendamm Berlin am vergangenen Samstag; Bild: Horstson

Die Letzte Generation hat am vergangenen Samstag die Schaufenster einiger Luxusläden auf dem Berliner Ku’Damm mit Farbe beschmiert: „Euer Luxus = unser Klimakollaps“, so die etwas diffuse Botschaft der Aktion, bei der es schwerfällt, von Protest zu reden. Bitte nicht falsch verstehen, Protest ist ein sinnvolles Mittel, Widerspruch zu leisten, nur erschließt sich dem Betrachter dieses (und anderer) Coups nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Steht die Blockade von Straßen (und zur Folge der Stillstand von Autos) zumindest noch in einem Kontext zum Problem, entfernt sich die Letzte Generation durch das Beschmieren von Schaufenstern von ihrem Ziel, gegen den Klimawandel einzutreten.

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ESC-Kitsch? X oder das Festival der weißen MusikerInnen

Deutschland im ESC-Rausch (Symbolbild); Bild: Horstson

Deutsche würden das vermutlich niemals beim Namen nennen. Man hat gelernt, auch dort auf jede noch so absurde Zuschreibung von R……s zu achten, wo dieser ganz offen von anderer Seite ausgeübt wird.
Die schlechte Platzierung Deutschlands könnte auch etwas damit zu tun haben, dass man die Bundesrepublik nicht leiden kann, da sie auf vielen Gebieten erfolgreich ist (Nachbarn und Nichtnachbarn gerne gute Ratschläge erteilt).
Ich darf das, bin Migrantin. Finde den ESC schon seit immer musikalisch und stilistisch irgendwie cringe und unterirdisch; allerhöchstens dazu gut, einen lustigen feuchtfröhlichen Abend mit Freunden zu haben, sich nicht darum zu scheren, was Musik- und ESC-Kenner orakeln. Denn Deutschland kann allerhöchstens irrtümlich gewinnen, so wie 2009.
Wenn ich etwas mit zu entscheiden hätte, sollte Deutschland seine Teilnahme einige Jahre aussetzen, um diesen Bauchladen des schlechten Geschmacks und Mangels an Talent finanziell aushungern zu lassen. Guckt mal, wie gut es sich ohne das Geld, das Deutschland dazu beiträgt, dieses Volksfest der Beautyful Lies eines geeinten Europas, in dem sich alle Nationen liebhaben und mit Respekt begegnen, mit durchzufüttern, noch feiern lässt.

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Modeblogger-Melancholie

(Foto: Screenshots von Spiegel.de, Berliner Zeitung, C’est Clairette, Der Standard, Die Zeit; Collage: Horstson)

Es ist schon einige Wochen her, als mich nach der Lektüre des Artikels „Sleeping Beauties“ (in der Stil-Beilage des Spiegels, mittlerweile als „Blick zurück nach vorn“ auch Online abrufbar, Bezahlbereich) von Barbara Markert vor Begeisterung Melancholie erfasste. Barbara Markert war bis 2017 auch als Parisoffice auf dem Blog Modepilot bekannt und als eine der Handvoll profilierten ModebloggerInnen Deutschlands sehr beliebt. Doch irgendwann war dann Ende, was aus meiner Sicht auch mit der gruseligen Trivialisierung deutscher Modeblogs zu tun haben konnte … wer weiß das schon.
Auffallend ist, dass mittlerweile alle Cracks mittlerweile damit aufgehört haben, ihre deutschen Modeblogs zu schreiben oder für solche zu schreiben. Wie überaus schade!

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Academy in der Krise?

THE OSCARS ® – The 89th Oscars ® broadcasts live on Oscar ® SUNDAY, FEBRUARY 26, 2017, on the ABC Television Network. (ABC/Adam Rose); Used under: CC BY-ND 2.0

OK, wir sind spät dran – aber man muss ja erst mal (fast) alles angucken …
Den Verdacht, einige der Oscars könnten eventuell aus Gründen der Vermeidung von heftigem Gegenwind der Streiter für maximale Diversity, gegen Cultural Appropriation, für das Empowerment von People Of Color und für die Rechte von Menschen mit Handicaps an die ausgezeichneten Akteure vergeben worden seien, hatte ich bereits während der Verleihung.
Mich erinnerten diese reflexhaften Kniefälle vor Will Smith als Person Of Color, vor den Akteuren des Filmes Coda leider nur daran, dass heute im Bereich von Kultur und Unterhaltung anscheinend jegliche Agitationen und Entscheidungen nach Maßgabe der erwünschten Außendarstellung als nicht diskriminierende, auf maximale Diversity achtende Organisation getroffen werden. Angst essen Seele auf! Da wäre ich gerne die Maus im Haus gewesen, als die Academy im Beisein vieler juristischer Berater über die Gewinner entschied.

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