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Pfingsten in Pastell

Irgendwann ist der Spuk auch wieder vorbei – das rote Kliff in Kampen; Foto: Horstson

Mittwoch vor Pfingsten auf Sylt ist inzwischen auch so ein Termin, den niemand planen muss. Alle – zumindest die, die es wissen müssen – wissen einfach, dass man da in Kampen auftaucht. Sobald das Wetter zwei Tage am Stück nicht komplett norddeutsch aussieht, stehen sie wieder vor den Bars herum wie letztes Jahr. Und wie das Jahr davor.
Zu viele Cabrios. Zu viele sehr weiße Sneaker, zu viel beige, zu viel Aperol, zu viel Kaschmir, zu viele Menschen Anfang bis Mitte zwanzig, die aussehen, als hätten sie noch nie in ihrem Leben etwas Dringendes erledigen müssen.

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Zwischen Bastide und Biolabel

Foto: © Steffen Sinzinger

Es gibt Orte, die wirken, als sei ihre Erscheinung Ergebnis wiederholter Abstimmung darüber, wie Südfrankreich auszusehen hat. Lavendelreihen im definierten Abstand, Zypressen als vertikale Markierungen, Kieswege, die weniger auf Verkehr als auf Verlangsamung ausgelegt scheinen. Die Provence erfüllt solche Bildvorstellungen seit Langem mit einer gewissen Kontinuität. Während andernorts noch an der Formulierung „authentischer Erlebnisse“ gearbeitet wird, stehen dort Bastiden in der Landschaft, ohne erkennbaren Erklärungsbedarf.

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Utility Wear erobert die Innenstädte

Foto: Woolrich

Die Modebranche arbeitet weiter entschlossen daran, den Großstadtmenschen der Gegenwart auszustatten: wetterfest, flexibel, ästhetisch kontrolliert und bitte jederzeit bereit für spontane Selbstoptimierung. Die passende Uniform dazu liefert seit einigen Saisons ein Trend, der sich inzwischen kaum noch übersehen lässt: Outdoorwear wird immer stärker zur Alltagsmode für urbane Milieus.

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Luxus im Neonlicht

Foto: Courtesy of Gucci

Gucci kehrt nach New York zurück – und natürlich nicht leise. Mit „GucciCore“ inszeniert das Haus seine Heimkehr dorthin, wo 1953 die erste Boutique außerhalb Italiens eröffnete: nach Manhattan. Dass ausgerechnet der Times Square zur Bühne wird, wirkt dabei folgerichtig und kalkuliert zugleich. Zwischen LED-Wänden, Dauerwerbung und digitaler Reizüberflutung präsentiert sich Gucci weniger als Modehaus denn als Marke, die um kulturelle Totalpräsenz konkurriert.

Die Einladung zur Schau setzt den Ton früh: ein Messingschlüssel in gealtertem Leder, als nostalgische Reverenz an die legendäre Gucci Galleria der Achtzigerjahre – jenes exklusive Refugium über der Fifth Avenue, das nur ausgewählten Kund:innen zugänglich war. Die Botschaft ist eindeutig: Luxus bleibt auch im Zeitalter maximaler Sichtbarkeit vor allem ein Spiel mit Zugang, Insidercodes und künstlicher Verknappung.

Noch bevor das erste Model erscheint, übernimmt eine Videomontage den Times Square. Zwischen Found Footage und Retro-Werbeästhetik tauchen reale und fiktive Gucci-Produkte auf. Die Inszenierung schwankt bewusst zwischen Selbstironie und Markenmythologie. Gleichzeitig zeigt sie, wie konsequent Luxuslabels heute versuchen, sich nicht mehr nur als Hersteller von Kleidung, sondern als vollständige Lebenswelt zu etablieren.

Foto: Courtesy of Gucci

Die Kollektion selbst funktioniert als stilisierte Stadtkarte New Yorks. Von Madison Avenue bis Brooklyn begegnen sich vertraute Archetypen urbaner Identität: Broker in Nadelstreifen neben Skatern in soften Tailoring-Silhouetten, wohlhabende Upper-East-Side-Eleganz neben Downtown-Lässigkeit. Interessant ist dabei weniger die Beobachtung der Stadt selbst als ihre Übersetzung in sofort lesbare Gucci-Bilder. New York erscheint hier nicht als realer Ort, sondern als ästhetisch geglätteter Markenmythos.
Besonders deutlich wird das dort, wo Demna den Widerspruch zwischen Funktion und Inszenierung bewusst kultiviert. Kreisrunde Duvet Stoles aus butterweichem Leder wirken weniger wie Kleidung als wie luxuriöse Schutzobjekte gegen jede Form von Alltag. Gleichzeitig erscheinen reversible Technical Coats und utilitaristische Outerwear, allerdings gefüttert mit Ziegenhaar und Shearling. Praktikabilität bleibt vorhanden – allerdings nur, solange sie visuell opulent genug aussieht.

Auch die ikonischen Codes des Hauses werden erwartbar souverän neu arrangiert. Der Web Stripe erscheint als Bandeau-Top reduziert, das Horsebit verwandelt sich in metallische Steigbügel-Details an strengen Stiefeln. Taschen schimmern in tintigen Lederoberflächen oder juwelenartigen Patinas, Uhrarmbänder tragen plötzlich Clutches. Vieles davon ist handwerklich beeindruckend, manches allerdings auch so bewusst referenziell, dass die Kollektion stellenweise stärker archiviert als überrascht.
Überzeugend bleibt dagegen die zunehmende Aufweichung klassischer Geschlechtercodes. Pailletten in Krokodiloptik, Fransenstickereien und Federarbeiten verleihen selbst konservativer Menswear eine kontrollierte Opulenz, ohne in bloße Kostümhaftigkeit abzugleiten. Der Begriff „wearable“ erhält dabei allerdings eine leicht absurde Note: Tragbar ist hier vieles – allerdings vor allem unter den Bedingungen maximaler Sichtbarkeit.

Demna führt mit GucciCore seine „character studies“ konsequent fort und bündelt die Bildsprachen früherer Kapitel zu einem verdichteten Gucci-Kosmos. Gerade darin liegt aber auch die zentrale Ambivalenz der Schau. Gucci perfektioniert die Wiedererkennbarkeit der eigenen Codes, riskiert dabei jedoch, dass Wiederholung zunehmend als Strategie sichtbar wird.
Dabei wird Demna derzeit auffallend häufig mit Tom Ford verglichen – naheliegend, schließlich prägte Ford Gucci einst mit jener hochglänzenden Mischung aus Sex, Macht und kontrollierter Provokation, die bis heute im kollektiven Modegedächtnis nachwirkt. Doch Demna verfolgt letztlich eine andere Designlogik. Seine Version von Erotik wirkt kühler, düsterer und bewusster gebrochen. Wo Ford Begehren polierte, interessiert sich Demna stärker für Reibung: für Überzeichnung, für urbane Härte, für Figuren, die gleichzeitig unangreifbar und leicht erschöpft wirken. Auch GucciCore lebt weniger von offenem Glamour als von einer kontrollierten Spannung zwischen Luxus, Ironie und latentem Kontrollverlust.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe dieser Inszenierung. Während draußen am Times Square jede Marke permanent um Aufmerksamkeit konkurriert, zeigt Gucci ein bemerkenswert präzises Verständnis davon, wie Luxus heute funktioniert: nicht mehr primär über Exklusivität, sondern über sofortige visuelle Identifizierbarkeit. Die Kollektion erkennt diesen Mechanismus messerscharf – auch wenn sie ihm letztlich kaum entkommen will.

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Warum Modehäuser heute auf Kultur setzen

Garden Court-The Frick Collection; Foto: Courtesy of Louis Vuitton

Die Grenzen zwischen Mode, Kunst und Kultur verschwimmen zunehmend. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Partnerschaft zwischen Louis Vuitton und der The Frick Collection in New York: Das französische Modehaus präsentiert dort am 20. Mai seine Cruise-Show 2027 und wird zugleich für drei Jahre offizieller Kulturpartner des Museums.

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Zwischen Rückhand und Runway

Foto: Courtesy of IPA Agency

Nun sind wir eigentlich kein Peoplemagazin gescheige denn Klatsch- und Tratschblog, dennoch ist uns dieser Tage etwas aufgefallen: Im Profitennis werden heute nicht mehr nur Vorhände, Aufschläge und Nervenstärke beobachtet, sondern offenbar auch Henkel, Hardware und Canvas-Strukturen. Beim Turnier in Rom erschien Jannik Sinner mit einer großen schwarzen Reisetasche des Modehauses Gucci auf dem Gelände des Foro Italico, personalisiert bis zum eigenen Logo. Wenige Tage zuvor trug Aryna Sabalenka eine sandfarbene Handtasche mit goldfarbenen Details an den Court. Das kann kein Zufall sein, dass das eigentliche Match damit praktisch schon vor dem ersten Ballwechsel begonnen hat. Oder?

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Die Demokratisierung der Royal Oak

Foto: Courtesy of Swatch

Mit der neuen „Royal Pop“-Kollektion wagt Audemars Piguet gemeinsam mit Swatch einen Schritt, der noch vor wenigen Jahren undenkbar schien: Die Ästhetik der legendären Royal Oak wird in eine popkulturelle Taschenuhr übersetzt – getragen am Leder-Lanyard statt am Handgelenk, produziert für unter 400 Euro.
Was zunächst wie ein kreativer Design-Gag wirkt, ist Teil einer größeren Entwicklung. Luxusmarken öffnen sich zunehmend dem Massenmarkt – weniger aus Großzügigkeit als aus strategischer Notwendigkeit. Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, wie exklusiv eine Marke sein kann, sondern wie sichtbar sie bleiben muss, um kulturell relevant zu bleiben.

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Wenn Landschaft Teil der Kunst wird

Oasi Zegna; Foto: Courtesy of Zegna

Wenn Luxus heute noch Relevanz beanspruchen will, reicht Handwerk allein längst nicht mehr aus. Die eigentliche Frage lautet inzwischen: Welche Haltung steht dahinter? Genau an diesem Punkt wird die diesjährige Beteiligung am italienischen Pavillon der Biennale interessant. Nicht als Sponsoringmeldung, sondern als Beispiel dafür, wie sich die Grenzen zwischen Kunst, Landschaft, Produktion und kultureller Selbstinszenierung zunehmend auflösen.

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Zwischen Kunst und Nachtleben: Das Gallery Weekend als Bühne der Gegenwart

Foto: Lottermann and Fuentes

Früher begegnete man beim Gallery Weekend Berlin vor allem Galeristen, Sammlern und Menschen, die sehr lange über sehr große Leinwände sprechen konnten. Heute trifft dort Kunstpublikum auf Schauspieler, Creator, Musiker und jene internationale Szene, die Berlin seit Jahren zu einer kulturellen Dauerbühne macht.
Genau diese Mischung zeigte sich auch am Wochenende über den Dächern der Stadt. Zwischen DJ-Sets und Vernissagen entstand jener typisch Berliner Moment, in dem Kunst, Nachtleben und Mode beinahe selbstverständlich ineinander übergehen. Gäste wie Palina Rojinski, Jeanne Goursaud oder Marcus Butler sorgten dabei für internationale Aufmerksamkeit.

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Das Band der Eitelkeiten

Zu sehen ist nicht das Lanyard, sondern die elegante Form des Bändchens – dezent am Handgelenk getragen, Zugehörigkeit wird eine Stilfrage. Horstson

Hamburg hat diese seltene Gabe, sich für kurze Zeit selbst als Bühne zu missverstehen. Dann zieht wie dieser Tage das OMR Festival durch die Stadt, und mit ihr eine neue Klasse von Passanten, die nicht einfach da sind, sondern sichtbar sein müssen.

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