Ein Wunsch, ein Revival – Ich bin mal wieder auf Rucksacksuche und stöbere dabei nicht nur durch Hamburgs, wahlweise Londons oder Berlins Secondhand-Shops, nein: Ich tippe mir zusätzlich die Finger in sämtlichen Suchmaschinen wund. Wofür soll er gut sein, was soll er aushalten und optisch anbieten können? Fragen über Fragen. Vielleicht lieber dem Strom folgen à la „Ich-Schwimme-Auf-Der-Ewigen-Studenten-Erkennt-Man-Am-Identischen-Rucksack-Welle“ oder doch nach dem Motto „Ich-Reiße-Aus-Und-Mache-Mein-Eigenes-Ding“?!
Taschen
Bild: PR
Man sollte den Eheleuten Javvy M. Royle und Frieda Gormley dankbar sein: als sie das „House of Hackney“ im Jahre 2010 als Interieur-Label gründeten, war ihr erklärtes Ziel, Beige aus den Wohnräumen verschwinden zu lassen. Vielleicht klappt ihnen das hehre Ziel auch bei der Kleidung von Rentnern? Wünschenswert wäre es …
Schaut man sich heute die Stoffe von „House of Hackney“ an, fühlt man sich ein wenig an eine Mischung aus ‚Golden Girls‘ und Londons Swinging Sixties erinnert – Blanche Devereaux hätte ihre größte Freude an den üppigen Palmenprints.
„Das erste Dorf auf der Südseite der Berge. Hier beginnt erst recht das Wanderleben, das ich liebe, das ziellose Schweifen, die sonnigen Rasten, das befreite Vagabundentum. Ich neige sehr dazu, aus dem Rucksack zu leben und Fransen an den Hosen zu haben.“ (Hermann Hesse)
Während ich die einleitenden Zeilen erneut lese und eine erklärbare Verbindung zwischen dem Bildmaterial, den vielversprechenden Kollektionsstücken von Skagen und Hermann Hesse aufzubauen versuche, schaue ich immer wieder auf das umliegende Bergpanorama: Lugano, die spiegelglatte Oberfläche des Sees und strahlender Sonnenschein.

Bild: Roland Godefroy (Lizenz: CC BY 3.0)
Die Bilder sind drastisch und auf nüchternen Magen kaum zu ertragen. In einem Video, das laut der Tierrechtsorganisation „PETA“ in zwei Reptilienfarmen in den USA (Lone Star Alligator Farms) und Zimbabwe (Padenga Crocodile Farms), die Gerbereien von Hermès beliefern, aufgenommen wurden, wird gezeigt, wie Krokodile in überfüllten Gruben gehalten werden und ihnen mit Messern die Kehle durchgeschnitten wurden – in einigen Fällen starben die Krokodile nicht sofort, sondern quälten sich minutenlang. Da gibt es auch nichts schönzureden und so ist es fast verständlich, dass Jane Birkin, ihres Zeichens Sängerin, Schauspielerin und Namensgeberin der Birkin Bag von Hermès, das Luxushaus auffordert, die Variante der Tasche, die aus Krokodilleder hergestellt wurde, umzubenennen:
„Ich bin alarmiert über die Grausamkeiten, die Krokodile für die Produktion von Taschen, die meinen Namen tragen, erleiden müssen. Ich habe Hermès gebeten, die „Birkin Croco“ umzubenennen, bis für die Produktion dieser Taschen Methoden nach internationalen Normen umgesetzt werden.“
Die Wahrheit tut eben weh und ich frage mich, ob Frau Birkin bisher gedacht hat, die Krokodile, die das Leder für die Taschen spenden, im Streichelzoo aufwachsen?

LIBERTY GOLD LADY PAISLEY; Bild: PR
Obwohl ich derzeit in Italien verweile und mir abwechselnd den Bauch mit Antipasti, Pizza oder Eis vollschlage, geht’s outfittechnisch heute nach Großbritannien: Der alteingesessene Londoner Departement Store Liberty hat sich mit der Marke Mi-Pac zusammengetan und beweist einmal mehr, dass die hauseigenen Muster in jeglicher Kombination funktionieren.
Egal ob Nike-Sneaker, H&M-Hemd oder Hèrmes-Tücher (Peter´s wunderbar passenden Artikel von vor beinahe fünf Jahren gibt’s hier zum Nachlesen) – das Traditionshaus mit der feinen Auswahl überzeugt mich immer wieder mit seinen spannenden Kooperationen. Gerade bei den Taschen von Mi-Pac habe ich mich subito schockverliebt und verspüre immense Kaufgelüste.
Ich kann meine Begeisterung kaum verbergen und eigentlich sagt ein Satz zu PRADAs neuen Backpacks, Shopping Bags und „B.Y.O.“-Bags („Bring your own Bags“) alles: „Mehr PRADA geht nicht!“
Dass Rucksäcke schon seit Längerem unter dem Motto „Urban Nomads“ ein Comeback feiern, ist kein Geheimnis. Ihren letzten Höhepunkt hatten Rucksäcke in den Neunziger Jahren, als alle am liebsten nach New York wollten, wo es zu der Zeit Trend war, sie zu formeller Kleidung und Sneaker zu kombinieren. Dass an diesem Revival auch die Firma beteiligt ist, die damals durch ihre Nylonrucksäcke nicht nur noch berühmter wurde, sondern diese auch hundertausendfach verkauft hat, verwundert nicht. Wohl dem, der seinen aufbewahrt hat!
Hinzu gekommen ist die Tote Bag, die vom Einkaufsbeutel inspiriert wurde, sowie eine ähnliche Tasche, die man als Allrounder verwenden kann und farbige Henkel hat: die „B.Y.O.“-Bag von PRADA. Eine Tasche, die ich mir gut bei einem Besuch des von Wes Anderson gestalteten Cafés in der Fondazione PRADA (wir berichteten) vorstellen kann.



