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Bekommt die Birkin Bag aus Krokodilleder einen neuen Namen?

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Bild: Roland Godefroy (Lizenz: CC BY 3.0)

Die Bilder sind drastisch und auf nüchternen Magen kaum zu ertragen. In einem Video, das laut der Tierrechtsorganisation „PETA“ in zwei Reptilienfarmen in den USA (Lone Star Alligator Farms) und Zimbabwe (Padenga Crocodile Farms), die Gerbereien von Hermès beliefern, aufgenommen wurden, wird gezeigt, wie Krokodile in überfüllten Gruben gehalten werden und ihnen mit Messern die Kehle durchgeschnitten wurden – in einigen Fällen starben die Krokodile nicht sofort, sondern quälten sich minutenlang. Da gibt es auch nichts schönzureden und so ist es fast verständlich, dass Jane Birkin, ihres Zeichens Sängerin, Schauspielerin und Namensgeberin der Birkin Bag von Hermès, das Luxushaus auffordert, die Variante der Tasche, die aus Krokodilleder hergestellt wurde, umzubenennen:

„Ich bin alarmiert über die Grausamkeiten, die Krokodile für die Produktion von Taschen, die meinen Namen tragen, erleiden müssen. Ich habe Hermès gebeten, die „Birkin Croco“ umzubenennen, bis für die Produktion dieser Taschen Methoden nach internationalen Normen umgesetzt werden.“

Die Wahrheit tut eben weh und ich frage mich, ob Frau Birkin bisher gedacht hat, die Krokodile, die das Leder für die Taschen spenden, im Streichelzoo aufwachsen?
Denn, und da gibt es wenig Unterschiede zwischen einem Krokodil und einer Kuh: Tiere, deren Haut zu Leder verarbeitet wird, sterben nur in den seltensten Fällen an Altersschwäche.
Natürlich fällt es leicht, sich über eine Tasche im Gegenwert eines Kleinwagens aufzuregen – es kommen eh nur die allerwenigsten Menschen in die Verlegenheit, sich eine Tasche für 8.000 € zu kaufen. Da kann man sich ja ruhig mal aufregen … Mir persönlich ist es hingegen lieber, jemand hat insgesamt eine halbwegs vertretbare Ökobilanz, als einzelne Verzichtsbereiche vor sich herzutragen: Eine Tasche aus Krokodilleder für 33.000 € nein, eine Tasche aus Rindsleder vom Textildiscounter für 33 € ja? Wenn schon, denn schon – oder?

Hermès zeigte sich übrigens ebenso geschockt über den Inhalt des Videos, wies aber darauf hin, dass einige Aufnahmen des Filmes gemacht wurden, bevor Partnerschaftsvereinbarungen mit den Farmen getroffen wurden. Die Alligatorfarmen im Film gehören nicht der Hermès Gruppe:

„Alle Hermès Partner müssen die Regeln bedingungslos respektieren, die unter der Ägide der UNO, mit dem Washingtoner Abkommen aus dem Jahr 1973, für den Schutz gefährdeter Tierarten aufgestellt wurden. Hermès macht seinen Partnerfarmen die höchsten Auflagen hinsichtlich der ethischen Behandlung der Krokodile in Absprache mit den Empfehlungen erfahrener Veterinäre und der staatlichen Organisation für Naturschutz Fish and Wildlife. Diese Vorgehensweise hat dazu beigetragen, die Spezies in den USA zu erhalten und in ihrem natürlichen Lebensraum wieder neu anzusiedeln.

Seit über 10 Jahren überprüft Hermès monatlich die Tätigkeit der Partnerfarmen während der Zucht und ihre Übereinstimmung mit erfahrenen Veterinären und der Organisation Fish and Wildlife in den USA.

Ein Audit wurde in diesen letzten Wochen in der Farm in Texas durchgeführt und abhängig von dem Ergebnis werden wir entscheiden, ob wir den Bezug der Häute von dieser Farm einstellen. Wir führen unsere rigorosen Audits mit allen Lieferanten weiter durch. Jeglicher Verstoß gegen diese hohen Standards wird sanktioniert.“

Interessant und fast schon paradox ist in diesem Zusammenhang auch, dass lt. dem Positionspapier 2013 des WWF ohne die Krokodilsfarmen der Bestand der Krokodile deutlich weniger wäre: Aus in der Wildnis gesammelten Eier wurden für Ranching-Initiativen Krokodile in Farmen aufgezogen. Ein Teil dieser Krokodile wurde wirtschaftlich genutzt, zum Teil wurden dadurch aber auch Wildbestände wieder aufgestockt …

Hier der Film über die Krokodilledergewinnung:

Exotenleder: Leiden für Luxus

Und hier noch ein Blick hinter die Kulissen der weltweiten Lederindustrie:

Leiden für Leder

Ich bin auf Eure Meinung gespannt!

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  • thomash
    30. Juli 2015 at 08:33

    peta ist bei mir seit den holocaust-vergleichen unten durch. und dazu werde ich immer sehr reserviert, wenn sich politische meinungen oder ziele in richtung religiösen eifer bewegen. dazu gehören für mich auch demagogische tierabschlachtvideos.

  • Marie
    30. Juli 2015 at 08:59

    Guter Kommentar. Jeder Konsument trägt eine Verantwortung.

  • PeterKempe
    30. Juli 2015 at 09:26

    Der Kommentar von Thomash trifft es für mich genau !

  • Siegmar
    30. Juli 2015 at 09:39

    warum muss man eine Tasche oder andere Dinge aus Krokodilleder besitzen, warum muss man Pelze tragen, warum trage ich Lederschuhe, warum lebe ich nicht strikt vegan?
    Ich persönlich würde mir nie Teile aus Krokodilleder kaufen, da ich das für völlig überflüssig halte, nach einem Besuch 1999 auf einer Krokodil und Schlangenfarm in Florida, habe ich mir gesagt, das braucht man überhaupt nicht. Pelze sind ein unseren Breiten ebenfalls unnötig, besonders als Verbrämung an Bekleidung. Leder ein Abfallprodukt der Fleischindustrie muss weiterverarbeitet werden, damit das Tier komplett verwertet wird, ich denke über die meisten Schlachtfabriken muss man nicht diskutieren. Ich versuche seit Jahren mich vegetarisch zu ernähren und esse so gut wie kein Fleisch und Wurst. Das ist aber die Entscheidung des einzelnen.

  • Monsieur_Didier
    30. Juli 2015 at 10:03

    …in der Tat, wer ein bisschen nachdenkt, auch nur ein klitzekleines bisschen, der macht sich Gedanken, wo all die Dinge herkommen, die uns täglich begegnen und die er/sie gerne besitzen möchte…
    Taschen aus Leder, egal welcher Art werden nicht im Raumschiff Enterprise in einem Replikator erzeugt…

    …sicherlich ändert man sich und seine Ansichten und Denkweise im Laufe des Lebens, man interessiert sich möglicherweise für andere Dinge, will „mehr“ wissen und nimmt Verantwortung für das was man macht unt tut…

    ich bin immer noch ein wenig überrascht und sprachlos, wie lange Frau Birkin gebracht hat, nachzudenken und möglicherweise -fragen, wo denn das wundervolle Leder für meine wundervolle Handtasche herkommt…

    PETA gibt es ja schon sehr lange und ich fand es vor langer Zeit durchaus sehr begrüßenswert, dass sie viele Konsumenten mit der Nase auf viele Dinge gestossen wurden…
    nachdem viele „Unterstützerinnen“ von PETA aber erst erklärten, dass sie lieber nackt gehen würden als Pelz zu tragen, um dann doch wieder für und mit Pelzen auf dem Laufsteg rumzulatschen wurde in meinen Augen PETA immer seltsammer…
    immer seltsamere Aktionen und Kampagnen, aber irgendwie war/ist die Luft raus…
    keine der tollen Visionäre und Aktiionisten hat immer korrekt und anständig gearbeitet…
    das gilt neben PETA auch z.B. für Greenpeace…
    was aber wichtig und richtig ist und damit einfach Bestand hat ist, dass diese Institutionen das Denken und die Herangehensweise vieler vieler Menschen geändert hat…
    nachdenken muss jeder für sich selber…
    ich mag halt nur nicht vorgehalten bekommen, was die einzig richtige Wahrheit ist…
    …die finde ich gerne selber raus, und informiere mich und gehe mit offenen Augen durch das Leben…
    AMEN…! 😉

  • jan
    30. Juli 2015 at 11:22

    …den Finger in die Wunden legen finde ich nicht verkehrt. Luxus und Tierquälerei darf nichts miteinander zu tun haben. Die Wahl der drastischen Mittel ist natürlich reiner Populismus, mit anderen Mitteln erreicht man aber nicht die nötige Reichweite, um selbst große Unternehmen zum Handeln zu zwingen…

  • Tim
    30. Juli 2015 at 15:07

    Die Verantwortung liegt bei jedem der Leder, Pelz, Fischhaut trägt oder Fleisch isst. Krokodile werden niemals zu Tode gestreichelt.