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Julian

News

Mode, Standort, Streitigkeiten

(Bild: Frankfurt Fashion Week)

Hui, da wehte gestern aber ein stürmischer Wind durch die digitalen Straßenschluchten von Instagram und Konsorten. Ich meine damit nicht die, zu einer Millionen Prozent begründete Anteilnahme, friedliche Mobilisierung und Unterstützung der Black Lives Matter-Bewegung im Kampf gegen Rassismus, die bereits seit ein paar Tagen dafür sorgt, dass leichte Outfits gegen ernste Themen getauscht werden. Nein, vielmehr meine ich den Aufschrei und das enorme Presseecho zum vermeintlichen Wegzug der Fashion Week in Berlin (was nicht korrekt ist, denn schlussendlich zieht nur die Premium Group nach Frankfurt und initiiert dort die Frankfurt Fashion Week). Kaum eine Schlagzeile hat gestern so sehr meine Timeline dominiert und Stimmen hervorgebracht, die irgendwo zwischen pöbelnd, destruktiv und unreflektiert argumentierend einzuordnen sind.

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News

Animal Crossing Styling

(Kara Chung x Marc Goehring; Animal Crossing Runway Show for Reference Festival; Bild: Screenshot)

Kennt ihr das Videospiel „Animal Crossing“? Ich für meinen Teil habe erstmals während der verschärften Corona-Restriktionszeit davon gehört und naja, teils auch gesehen. Meine beste Freundin ist hellauf begeistert und hat sich vor ein paar Wochen eine kleine Nintendo-Konsole gekauft – seitdem geht es bei ihr mit dem Spiel rauf und runter, ihr Kopf klebt auf dem Display und sie ist jeden Tag aufs Neue begeistert. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich nie so richtigen Zugang zu Computer- oder Videospiele hatte und nur als Kind sehnlich von einem Gameboy geträumt habe. Das Kapitel ist heute geschlossen und im Nachhinein kann ich meine Eltern irgendwo verstehen, dass sie da damals einen Riegel vorgeschoben und mich stattdessen lieber in den Stall plus Wald geschickt haben.

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News

Grand Dames im Gespräch: Helen Mirren und Iris Berben im Gespräch

(Helen Mirren & Iris Berben; Producer & Director: Alexandra Bondi de Antoni & Tereza Mundilová)

Mir fällt zunehmend die Decke auf den Kopf, das geht aktuell vermutlich vielen so. Sämtliche Lieblingsserien sind ausgeschaut, die Arbeit hält mich zwar ordentlich auf Trab und doch ist auch abends im Home Office irgendwann Zapfenstreich. Zeitweise habe ich Podcasts en masse gehört, viel gelesen und mich beim Spazieren gehen abgelenkt. Mir geht es soweit echt gut und ich kann und möchte gar nicht klagend wirken. Langeweile ist schließlich meckern auf hohem Niveau, so finde ich. Warum schreibe ich das jedoch so ausführlich in der Einleitung? Nun ja, in erster Linie soll das meine Jetzt-Situation schildern und in zweiter den Weg Richtung „Langeweil-Ablösung“ ebnen.

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News

Mey produziert Mund- und Nasenschutz

(Mey produziert Mund- und Nasenschutz; Bild: Mey)

Was für verrückte, beklemmende und surreale Zeiten: Ich möchte an dieser Stelle gar nicht mein Herz auszuschütten und würde außer einem minimalen Lagerkoller ehrlicherweise nichts Schlimmes hervorbringen. Klar, es ist alles ziemlich unpassend und alles andere als cool, aber im Vergleich zu anderen Menschen – die wirklich existenzielle Probleme plagen – habe ich wirklich 0% zu meckern. Ich muss einfach im Home Office sitzen und ausharren, das ist nun wirklich nicht zu schwer. Vor allem nicht im direkten Vergleich zu den vielen helfenden Händen, die unseren Alltag beim Arzt, Supermarkt, etc. am Laufen halten. Ich habe mir vielmehr zur Aufgabe gemacht, dass man mehr Bühne denjenigen gibt, die in dieser schwierigen Zeit Hoffnung schenken und wortwörtlich anpacken.

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Ausstellung

Blumen, Peitschen und Porträts: Robert Mapplethorpe: XYZ Portfolios

(Robert Mapplethorpe, Joe Rubberman, 1978, Courtesy of Galerie Thomas Schulte; Copyright: Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission)

Vor rund 10 Jahren war ich mit meiner Mutter in Düsseldorf unterwegs, um mir „eine klasse Ausstellung“ anzuschauen. So waren ihre Worte und sie sollte natürlich – wie bei allen Kunstthemen – Recht behalten. Nun ja, angekommen im schummerigen Dämmerlicht erwarteten uns intensive Aufnahmen, stark und ungemein charakteristisch für den ausgestellten Fotografen: Blumen, verletzliche Gesichter und ja, mitunter auch eine Peitsche im Hinterteil. Dazwischen jede Menge Nacktfotos, die man eigentlich nicht mit seinen Eltern sichten möchte/ muss. Man war das komisch und nicht so geplant. Also nicht, dass meiner Mutter oder mir das peinlich gewesen wäre, das absolut nicht, aber die vielen betretenen Gesichter der, bis dato ahnungslosen, Besucher. Man kann sich das so vorstellen: Meine Mutter wild gestikulierend am Deuten, Analysieren und Interpretieren. Ich eher „ja, aha, alles gut und warum so laut erklären?“ und dazwischen viele rotbäckigen Damen und Herren, die sich doch etwas anderes vom Wochenendausflug ins Museum gedacht hatten. Seitdem sind jede Menge Jahre vergangen und Robert Mapplethorpe hat mich immer wieder auf meinen Wegen begleitet – ein Ausnahmekünstler, wie ich finde.

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Interieur

Gut gelegen

(„CHARPAI“ von Hanne Willmann für Schönbuch; Bild: Courtesy of Schönbuch)

Leute, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wieviel Spaß es mir bereitet, endlich mal wieder für Horstson in die Tasten zu hauen. Die letzten Wochen war es sehr still um mich und mir fehlte schlichtweg die Zeit, häufiger Artikel zu verfassen. Morgens früh Richtung Büro, abends hundemüde und voller neuer (und ultraspannender) Eindrücke wieder nach Hause. Ab dem Zeitpunkt passiert bei mir in der letzten Zeit kaum etwas anderes – dann lese ich meist etwas, schaue Serien oder checke noch ein paar Mails. Jedes Mal packt mich das schlechte Gewissen, denn redaktionell bekomme ich kaum etwas gebacken bzw. verfasst. Das soll sich ändern, soviel steht fest. Modetechnisch bin ich absolut 0,00 Prozent auf dem Laufenden, irgendwie habe ich den Faden verloren und befinde mich in einer Phase von „außer Anzug trage ich ja kaum was anderes“. Ich warte einfach mal auf Frühjahr und Sommer, dann ist es wieder länger heller und man bewegt sich auch wieder mehr draußen. Sprich: Man kann endlich mal wieder seine Textilschätze ausführen alsbald man im Feierabend spaziert.

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Lookbook

Zeit für Simpel

(COS Winter 2019/2020; Bild: COS)

Hallo ihr Lieben, schon wieder vergehen einige Tage und erst jetzt melde ich mich zurück: Ich bin aktuell irgendwo im Nirgendwo in Italien und renoviere fleißig unseren Traum vom (Mini-)Ferienhaus am See. Das macht Spaß, macht Müde und lässt einen einmal mehr erkennen, was wichtig und ggf. weniger wichtig ist. Zum ersten Mal in meinem Teenager- und Erwachsenenleben verpasse ich nämlich den Sale und bin komplett von der Mode- wie Konsumwelt abgeschnitten.

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News

Bumm-Bumm-Mode

(„I believe in me when no one else did“ – T-Shirt aus der Kollektion von Jeremy Meeks; Bild: Fashion Concept GmbH; Pressemitteilung)

Na, spätestens bei dieser spitznamen-nahen Überschrift wird vielen bewusst sein, um was und wen es in diesem kleinen Beitrag gehen wird: Tadaa, Boris Becker. Vielmehr um ein modisches Vorhaben der Tennislegende, dass in diesem Jahr an den Start gehen soll. Aktuell hallen Ankündigungen durch die Presselandschaft, dass Becker – in letzter Zeit eher wegen finanzieller Engpässe in den Schlagzeilen – 2020 mit voller Power eine eigene Modekollektion entwerfen und vorstellen wird.

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Ausstellung

Lindberghs unerzählte Geschichten

(Peter Lindbergh; Uma Thurman, New York, 2016 © Peter Lindbergh; Courtesy Peter Lindbergh, Paris)

Bildgewordene Legende – Vor rund dreieinhalb Jahren habe ich die einmalige Ehre gehabt, kurz mit Peter Lindbergh zu sprechen. Mich mit diesem Genie an Fotografen über seine Ausstellung in Rotterdam auszutauschen und klar, auch ein Fan-Foto zu schießen. Man war das klasse und bis heute ganz sicher eines meiner größten Modehighlights (dicht gefolgt vom Selfie-Schießen mit Karl Lagerfeld himself) mit allerhöchstem Gänsehautpotential. Dass Lindbergh dieses Jahr verstorben ist, hat mich dann irgendwie richtig traurig gestimmt – normalerweise habe ich das bei berühmten Personen nie, also den Hang zum Mitgenommen-Werden. Wisst ihr, was ich meine? Mich berührt es in den seltensten Fällen, wenn die sozialen Medien plötzlich mit Fotos und Anekdoten zu irgendwelchen Personen des öffentlichen Lebens überspült werden und jeder den Eindruck erwecken möchte: Ach Mensch, den kannte ich. Ich kannte Lindbergh nicht, nicht mal im Einsatz. Aber ich bilde mir ein, sagen zu können: Seine Bilder schon.

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News

Mode-Ausstellungs-Macht

(Prada Resort-Kampagne 2020; Fotos: Keizo Kitajima und Drew Vickers)

Puh, seit Abgabe meiner Masterarbeit sind zwar schon Monate vergangen und trotzdem fühlt es sich wie gestern an: Recherchieren, Ideen konkretisieren und das passende, finale Thema finden – Schweißattacken, größere wie kleinere Schreibblockaden und Abgabestress inklusive. In meinem Fall des wissenschaftlichen Arbeitens ging es um die Entwicklung von Modeausstellungen in den letzten Jahrzehnten. Ein spannendes Feld, wie ich finde. Hierfür habe ich diverse Experten von Häusern wie dem V&A, andere Institutionen sowie Designer zum Gespräch getroffen und einen einmaligen Einblick erhalten. Ich konnte mir ein mehr als umfangreiches Bild machen und wurde glücklicherweise auch mit einer Bestnote belohnt (worum es hier jedoch keinesfalls gehen soll. Angeben können andere überzeugender). Wie so oft folgte danach erst mal ein Loch, ein tiefes. Plumps, war ich da schnell reingefallen. Eine weitere Auseinandersetzung perlte in den Wochen nach Abgabe an mir ab, von Modeausstellungen wollte ich vorerst nichts mehr wissen.

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