Vor einigen Wochen habe ich – wie vermutlich der ein oder andere Leser auch – eine Dokumentation gesehen, die sich dem Phänomen von „Designerkleidung“ widmet, die nicht so recht zum Träger passen mag. Auf Nachfrage des Journalisten wurde dann überwiegend aber gar kein Hehl daraus gemacht, dass es sich nicht um Originale handelt, sondern um Fakes. Gefälschte Kleidung wird also ein stückweit kultiviert, taucht dann auf diversen Flohmärkten, Fakeshops sowie Onlineplattformen wieder auf und wird so in den Kreislauf integriert. Das Problem, wenn man den wirtschaftlichen Schaden außer Acht lässt: Das, was man sich gekauft hat, ist nicht annähernd das wert, was man dafür bezahlt hat.
Das von mir beschriebene Phänomen lässt sich bei eigentlich allen Gütern beobachten, allerdings insbesondere bei denen, wo eine gewisse Begehrlichkeit mitschwingt.
News
Credit: Jason Nocito
Kurz notiert: Gar nicht lange her, da gab Telfar eine Zusammenarbeit mit Moose Knuckles bekannt, jetzt folgt schon der nächste Streich. Neuester Kooperationspartner des Trendlabels ist das US-amerikanische Unternehmen Ugg, wobei beide Marken erstmals 2020 kollaborierten. Wie im Vorjahr ist die Kollektion unisex – ein Ansatz, den Telfar Clemens, so der Name des Designers hinter dem Label, in seinem Onlineshop konsequent umsetzt und auf Kategorien wie „Mann“ und „Frau“ verzichtet.
Science-Fiction-Expressionismus ganz nah – der Taschen Verlag zeigt André Butzer
Posted on 22. November 2021André Butzer; Ohne Titel / Untitled, 2019; © 2021: André Butzer
Über dreißig Jahre sollte es dauern, dass der Taschen Verlag erstmals eine eigene Ausstellung konzipiert: „André Butzer Works from the Taschen Collection 2000–2021“. Dabei liegt es doch eigentlich auf der Hand: Seinen Fokus hat der Verlag seit jeher auf den schönen Dingen des Lebens: Kunst, Fotografie, aber auch Popkultur und Sex gehören zu den Rubriken. Zum Teil sind die Bücher so spektakulär, dass sie selbst museumsreif sind: „Helmut Newton Sumo“ beispielsweise. Die 394 Bilder des Fotobuches wurden 2009 in Berlin in einer komplexen Ausstellung gezeigt. Eine eigene Ausstellung in den eigenen vier (Verlags-)Wänden kam es hingegen noch nicht. Bis jetzt.
Den Anlass für die Ausstellung liefert – natürlich – ein Buch, um genau zu sein eine Monografie über André Butzer.
Paint it black x die ABBAtare sind los x Emil x das Beste an „Wetten, dass …?“
Posted on 21. November 2021(Bild: Abba; Screenshot)
I SEE A RED DOOR AND I WANTED PAINTED BLACK, NO COLORS ANYMORE I WANT THEM TO TURN BLACK … möglicherweise haben nicht nur wir Horstsonians sprichwörtlich in der Pendeluhr geschlafen, als die von der Pandemie heftig gebeutelte Welt da Draußen beschlossen hatte, Livemusik ohne Livemusik wäre die beste Antwort auf das, worunter weltweit hundert tausende Künstler litten und noch leiden und das ausgehungerte Publikum, wir, sowieso: An einem noch nie dagewesenen Mangel an echten Auftritten, echter Künstler. Ich kenne inklusive meiner Person nur Menschen, die sich nach echten Auftritten und echten Begegnungen sehnen …
Schaufensterbummel: Dior Pop-up-Store im Alsterhaus Hamburg
Posted on 19. November 2021(Dior Cruise Pop-up-Store im Alsterhaus Hamburg; Foto: Kristen Pelou)
Und es gibt sie doch: schöne Schaufenster. Zu meinen erklärten Lieblingsbeschäftigungen an einem Sonntagnachmittag gehören Schaufensterbummel. Okay, in Hamburg macht es – leider – meist wenig Sinn, so lieblos wie die Auslagen gestaltet sind. Allen voran vermiesen die Fenster bei den großen Kaufhäusern auf der Mönckebergstraße das sonntägliche Vergnügen, wo man in regelmäßigen Abständen von großen Aufklebern erschlagen wird, die wieder irgendeinen Sale oder wahlweise einen Feiertag ankündigen – manchmal auch beidem. Doch es gibt sie, die schönen Schaufenster, ganz aktuell die Dekorationen vom Alsterhaus in Hamburg. Dort wird zurzeit zudem der Dior Pop-up-Store angekündigt, der noch bis zum 31. Januar 2022 geöffnet ist und Maria Grazia Chiuri’s Dior Cruise 2022 Kollektion im Fokus hat.
(Dr. Martens x Stüssy; Bild: Dr. Martens)
Dr. Martens dürfte jeder Leser kennen: Erfinder der Schuhe war der deutsche Arzt Klaus Märtens, dem sie auch ihren Namen verdanken zu haben. Märtens entwarf die ersten Prototypen Mitte der 1940er-Jahre. Sein erklärtes Ziel war es, Schuhe zu entwickeln, die zwar auf der einen Seite stabil waren, andererseits aber über eine weniger harte Sohle verfügen als die damals üblichen Sicherheitsstiefel. Etwas weniger bekannt ist Stüssy: In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren entwickelte sich die Marke zum Streetwear-Standard, was wohl weniger einer Marketingidee als einem Zufall geschuldet war: Der Gründer, Shawn Stüssy, war ein Surfer, der Anfang der 1980er-Jahre begann, Bretter für Freunde und Einheimische in Laguna Beach zu designen. Der Kalifornier fing nebenbei an, T-Shirts und Shorts zu bedrucken, um sie zusammen mit den Surfbrettern zu verkaufen; sein Nachname, geschrieben in einem von Graffiti beeinflussten Stil, sollte das Firmenlogo werden. Das kam gut an: In einer Zeit, die durch die sleeken Looks der New Economy geprägt wurde, waren die Shirts von Stüssy ein kompletter Gegenentwurf. Zudem griffen die Entwürfe und die Gesamtästhetik – ähnlich wie bei Dr. Martens – auf Referenzen aus einer Reihe von Underground-Subkulturen zurück, wodurch sich anfangs insbesondere Jugendliche mit der Marke identifizieren konnten.
(Gucci Xbox; Foto: Gucci)
Gucci, das ist nicht neu, setzt sich so sehr mit der Popkultur auseinander, dass das Luxuslabel mittlerweile selbst zur Popkultur gehört. Nun gab Gucci eine Zusammenarbeit mit einem ganz besonderen Vertreter der Populärkultur bekannt: Xbox. Den Anlass dieser ungewöhnlichen Kooperation dürften auch die Jubiläen, die beide Unternehmen in diesem Jahr begehen, liefern: Xbox feiert den 20. Geburtstag, wohingegen Gucci schon 1921 gegründet wurde.
Konkret geht es um 100 nummerierte Sets, die jeweils eine Xbox Series X-Konsole mit Lasergravur des GG-Musters, zwei Xbox Wireless Controller in Carbon Black mit dem Gucci-Webstreifen in Rot und Blau sowie ein von Guccis Archivgepäck inspiriertes Hartschalenetui umfassen.
Nachfolger von Daniel Lee: Bottega Veneta ernennt Matthieu Blazy zum Kreativdirektor
Posted on 16. November 2021Matthieu Blazy; Foto: Willy Vanderperre
Vergangene Woche gab Kering bekannt, sich von Daniel Lee zu trennen, nun steht der Nachfolger fest: Neuer Kreativdirektor bei Bottega Veneta wird mit sofortiger Wirkung Matthieu Blazy. „Matthieu Blazy ist ein außerordentlich talentierter Mensch, dem ich mit Stolz und Freude die kreative Leitung unseres Luxushauses anvertraue“, wie Leo Rongone, CEO von Bottega Veneta, erklärt. „Bottega Veneta ist seit jeher ein Synonym für unverwechselbare Handwerkskunst und unverwechselbare Kreativität. Die Ernennung von Matthieu wird die moderne Relevanz unserer Marke weiter stärken und unser Wachstum beschleunigen, während wir gleichzeitig die Werte bewahren, die den Kern von Bottega Veneta ausmachen.“
Foto: C.P. Company
Und es gibt sie doch, die Gründe zum Feiern – zumindest aus Sichtweise von C.P. Company. Das Label, das viele Horstson-Leser (und -Autoren) schon seit Popper-Zeiten kennen und vermutlich stilsicher mit Marken wie Fiorucci (Karottenhosen!), Benetton (Sweatshirts!), Diesel (Jeans!) und Burlington (Socken!) kombinierten, feiert seinen 50. Geburtstag. Doch C.P. Company war schon damals mehr als Trend, sondern eher Innovator im Bereich der Materialtechnik, wenngleich das dem Träger vielleicht nicht so wichtig war, wenn die Musik von Spandau Ballet (Gold!) und ABC (The Look of Love!) auf dem Walkman dudelte und der Geruch vom Lagerfeld-Parfum die Sinne benebelte.
Merkel in Zeitraffer: Herlinde Koelbl signiert „Angela Merkel. Portraits 1991–2021“
Posted on 12. November 2021Herlinde Koelbl: „Angela Merkel. Portraits 1991–2021“; Foto: Taschen Verlag
In Großbritannien lebt ein Mann, der seit seinem 14. Lebensjahr jeden Tag ein Selfie von sich schießt. Das macht Niall Gray, so sein Name, nun schon seit zehn Jahren. Die Bilder hat der Engländer zu einem beeindruckenden Zeitraffer-Video zusammen geschnitten: Mal sieht man Gray mit wuscheligen Haaren, mal im Sweater, doch besonders spannend ist zu beobachten, wie sich der Teenager zum Mann entwickelt.
Ein ähnliches und doch ganz anderes Projekt initiierte Herlinde Koelbl. Die Fotografin wählte allerdings nicht sich selbst als Motiv aus, sondern Angela Merkel. Nicht der einzige Unterschied: Zwischen 1991 und 2021 ließ sich die Politikerin, mit einer kurzen Unterbrechung, Jahr für Jahr von Koelbl fotografieren, wodurch – und da ähneln sich beide Projekte – die jeweilige Entwicklung abgebildet wird. Wie auch bei Gray entstanden Kopf- und Körper-Porträts, die im Fall von Koelbl authentisch den erstaunlichen Aufstieg von Merkel zu einer der mächtigsten Politikerin Welt dokumentieren.
