Drei Mädels am Tresen in einem amerikanischen Diner. Optisch back to the Roots, denn wir fühlen uns von der Bildsprache her an HAIMs Erstwerk „Days Are Gone“ zurückerinnert, nur eben nicht auf einer Wiese. Optisch also wieder etwas roher, nachdem das letzte Cover zu „Something To Tell You“ eher einem Fashionshooting ähnelte. Und der rauhe Diner-Charme passt zum Sound von „Women in Music Pt. III“. Und dennoch führen uns die Mädels teilweise mit dem Cover hinters Licht. Diner bedeutet nämlich meistens Fastfood. Das Album allerdings nicht.
News
(Kathedrale von Lecce; Bild: Antonio Maria Fantetti)
Chanel hat vor wenigen Tagen die Cruise Collection digital gezeigt, Gucci will sich auf zwei Präsentationen im Jahr beschränken, wenn es nach Dries Van Noten gehen würde, kann zukünftig ganz auf Zwischenkollektionen verzichtet werden und Saint Laurent spricht sich gänzlich vom Modekalender frei. Während die Modebranche (nicht nur) Corona-bedingt im Umbruch ist, hält Dior an den Plänen fest und zeigt die von Maria Grazia Chiuri entworfene Cruise 2021 in Lecce – allerdings ganz ohne Publikum.
(Divine Collection (nicht produziert), © 2020 The Estate of Richard Bernstein / VEGAP, Madrid; © Greg Gorman; © Divine Official Enterprises LLC; © Clay Geerdes; Bild: Courtesy of Loewe)
Laut, schrill, bunt – das war zu viel für das Establishment Anfang der 1970er-Jahre. Divine bekam durch den Film „Pink Flamingos“ Anfang den Stempel der „filthiest Person alive“ verpasst. Ein Image, mit dem sie immer wieder kokettierte. Doch die „schmutzigste lebende Person“ war viel mehr und hat bis heute großen Einfluss auf die Popkultur. Divine hat mir ihrer Art und der Omnipräsenz den Trash verherrlicht und schon vor 40 Jaren Geschlechterbarrieren aufgelöst. Nun widmet das Label Loewe der Kunstfigur eine Capsule-Kollektion und eine Online-Ausstellung.
(„Meet Francesca“; © Diesel, Regie: François Rousselet)
Sehenswert: Diesel lanciert im Rahmen des Pride-Monats „Meet Francesca“. Die Regie des Kurzfilms führte François Rousselet. Der Franzose arbeitete hierfür mit „Diversity“, einem italienischen Verband, der sich für soziale Integration stark macht, zusammen.
Doch schauen wir uns das 1:57min-lange Werk erst mal an:
(Alaska Thunderfuck; Pride 2020; Bild: Levi’s)
Use Your Voice! Levi’s gibt sich in der diesjährigen Pride-Saison kämpferisch. Die Idee ist, zur Selbstentfaltung ermutigen und gleichzeitig die LGBTQ+-Community dabei zu unterstützen, ihre Stimme zu nutzen. Kritiker werden jetzt fragen, ob es überhaupt nötig ist, in einer Zeit, in der die Ehe zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen rechtlich möglich ist. Was will man denn noch mehr? Es fängt bei der Diskriminierung im Alltag an, von „Schwule Sau“ auf dem Schulhof, verbaler Gewalt durch Politiker (Beatrix von Storch sprach zum Beispiel von „Gender-Gaga“ im Bezug zur geforderten Reform des Transsexuellenrechts) bis zur Zunahme der gemeldeten Hasskriminalität ggü. Mitgliedern der LGBTQ+-Community. Hinzu kommen Probleme in der Stiefkindadoption und ein geltendes Blutspendeverbot für homosexuelle Männer. Die Liste ließe sich noch weiterführen. Schlussendlich geht es um eine Sichtbarkeit und tatsächlich darum, die Stimme gegenüber Missständen und Ungerechtigkeiten zu heben, wozu Levi’s mit dem Motto „Use Your Voice!“ motivieren möchte.
(Matthew M. Williams; © Paolo Roversi)
Ihr werdet es mitbekommen haben: Clare Waight Keller gab im April bekannt, Givenchy zu verlassen: „Nach drei wunderbaren Jahren ist die Zeit gekommen, mein Kapitel bei Givenchy zu schließen. Als erste Frau, die die künstlerische Leiterin dieses legendären Maison war, fühle ich mich geehrt, dass ich die Gelegenheit hatte, das Vermächtnis dieses Hauses zu pflegen und ihm neues Leben einzuhauchen“, wie die Designerin per Instagram erklärte.
Nun gab LVMH den Nachfolger bekannt: Matthew M. Williams wird zukünftig die Damen- und Herrenkollektionen von Givenchy verantworten.
(Kenzo x Vans; Bild: Courtesy of Vans)
Streetwear-Fans dürfen sich freuen: Vans und Kenzo gehen erneut eine Kooperation ein. Die erste Zusammenarbeit zwischen der Sneakerbrand und dem Label, das 2011 von den kalifornischen „Opening Ceremony“-Designern Humberto Leon und Carol Lim aus dem Dornröschenschlaf geküsst wurde, war vor sieben Jahren.
Seit 2013 ist natürlich viel Wasser der Seine bzw. den Sacramento River runter geflossen. Während Vans weiterhin für Skate-Klassiker sorgt, feierte bei Kenzo Felipe Oliveira Baptista erst vor einigen Monaten sein Debüt.
„Vespa 946 Christian Dior“; Bild: Dior
1946 wurden zwei Firmen gegründete, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können: Vespa und Dior. Auf den zweiten Blick verbinden die italienische Marke und das Pariser Couture-Haus eine gehörige Portion Kreativität, Inspiration und ein stückweit die Leichtigkeit des Dolce Vita, also ein „luxuriöses Leben, das aus Müßiggang und Vergnügen besteht“, wie es im Duden steht. Für ein Projekt arbeiten beide Firmen zusammen.
(Dior Men Fall 2020; Foto: Steven Meisel)
Zwischendurch mal etwas Mode nur zum Gucken … Kim Jones und Dior setzen für die Kampagne, in der die Kollektion der Wintersaison 2020 vorgestellt wird, auf einen der Besten der Besten, den Fotografen Steven Meisel.
(CHANEL 2020/21 Cruise Collection – Photo by Bea de Giacomo)
Dass sich Modepräsentationen in diesen Zeiten neu erfinden müssen, stellt hohen Anspruch an die Kreativen sämtlicher Modemarken. Der Weg dorthin zeigte sich auch während des Confinements schon als gar nicht so einfacher Prozess, denn weder Avatar-Modenschauen noch Home-Made-Zoom-Präsentationen werden sicherlich der Erwartungshaltung eines wirklichen Luxus-Klientels gerecht. Außerdem bildet das Fortführen von Kollektionen auch eine Herausforderung an das Fingerspitzengefühl, denn eines ist sicher: Die Zeiten sind zwar reif für Neues und um positive Akzente zu setzen, aber nicht wirklich, um überdrehte Moderevolutionen zu starten.
