Wir können den besorgten Familienvater im Video verstehen. Mit streunenden Füchsen ist nun wirklich nicht zu spaßen. Und wenn es um das Wohl des eigenen Kindes geht erst Recht nicht. Also fix zur Flinte gegriffen, die Kumpels angerufen und dann hoch zu Ross dem gerissenen Fuchs auf die Pelle gerückt. Es konnte ja keiner ahnen, dass er die Fähigkeit hat Menschen in seinesgleichen zu verwandeln. Ihr seht: The Prodigy haben noch immer einen Faible fürs Gestörte. Aber wie sagt man so schön: Never change a winning Team …
Musik
Zehn vor Acht, unmittelbar vor Beginn des Konzertes, stehen die Besucher noch verhältnismäßig lange am Bratwurststand vor der Neuen Nationalgalerie. Ob sich rumgesprochen hat, dass man auch sehr weit hinten am Eingang noch gut sieht? Dort reicht man 3D Brillen im schicken Pappschuber. Die Brillen selbst, unisex und ebenfalls aus Pappe gefertigt, könnte man fast als retro bezeichnen. Dieses Wort ist aber mittlerweile schon eine Beleidigung und vor allem für Kraftwerk vollkommen deplatziert. An bereits sechs Abenden zuvor erfreuten die Pioniere des Elektropop in der konstant ausverkauften Neuen Nationalgalerie in Berlin die Zuhörer. Am heutigen Abend wurde „The Mix“ aus dem Jahr 1991 präsentiert. Als Neuling und nicht Kraftwerk-Kenner war einem klar: So eine Möglichkeit sollte man sich nicht entgehen lassen. Das mangelnde Kraftwerk-Vorwissen, was sich bei mir zum Beispiel auf „Das Model“ und „Radioaktivität“ beschränkte, bescherte einem an diesem Abend eine Menge Aha-Momente. Erkenntnisse, welche vielen Kraftwerk-Kennern lediglich ein müdes Lächeln (oder Gähnen) abringt, ließen mich so einige Male das Handy zücken. Das taten im Übrigen auch sehr viele andere an diesem Abend und vor allem gern auch mit der 3D Brille vor der iPhone-Linse. Man möchte ja alles so authentisch wie möglich festhalten. Dann folgte auch schon der erste Aha-Moment in Form von „Computerliebe“. Vielen von euch ist vielleicht ebenfalls nicht bekannt, dass die Melodie dieses Kraftwerk-Songs für Coldplays „Talk“ aus dem Album „X&Y“ (2005) verwendet wurde. Davon mal abgesehen, dass der Inhalt des Songs aus dem Jahr 1981 erschreckend relevant ist.
(„…Ich bin allein, mal wieder ganz allein. Starr auf den Fernsehschirm, starr auf den Fernsehschirm. Hab heut Nacht nichts zu tun, hab heut Nacht nichts zu tun.
Ich brauch ein Rendez-Vous, ich brauch ein Rendez-Vous …“)
Wo damals noch der Bildschirmtext aufgerufen wurde, gibt es heute Tinder und Co. Bei „The Man Machine“ folgte dann der zweite Aha-Moment. Die Melodie kennen viele vielleicht von The Fearless Four (1982) oder wie ich von Jay-Z. Damit hätte ich den Bildungsauftrag dieses Textes weitestgehend erfüllt. Das Album „The Mix“ ist im Übrigen eine Zusammenstellung von Kraftwerk Songs die bereits auf früheren Alben veröffentlicht und für dieses Album neu arrangiert und aufgenommen wurden. Somit gab es eine große „Greatest Hits“ Selektion mit Songs wie „Das Model“, „Tour de France“, „Trans Europa Express“ oder eben „The Man Machine“. Als sich nach „Abzug“ der Vorhang schließt und der Applaus natürlich nicht endet, öffnet sich dieser erneut. Und während sich die Mensch-Maschinen scheinbar ein wenig ausruhen, sind da plötzlich diese vier Roboter. Und mit einem Mal wirkt eine Bühnenshow in einem Museum soviel beeindruckender als jede überproduzierte Bombastshow der heutigen Zeit. Dass es nicht viel Effekthascherei bedarf, um Leute zu beeindrucken und eine Atmosphäre zu erzeugen, bemerkte man allerdings schon vorher. Kraftwerk ließ in der 3D Animation zu „Spacelab“ kurzerhand ein Ufo nach der Reise durchs Weltall einfach so vor der Neuen Nationalgalerie landen. Während der Großteil jubelte, drehten sich vereinzelte Köpfe zum Ausgang dann aber schnell wieder um.
Mittlerweile bereits über siebzig Jahre alt, war Joni Mitchell in den Siebziger- und Achtzigerjahren eine Ausnahmekünstlerin die mit ihrer Musik und natürlich auch ihrem Lebensstil eine gesamte Generation prägte. Gut 40 Jahre später hat Hedi Slimane sie nun für sein aktuellstes Music Project fotografiert. Dies ist natürlich kein Zufall denn Mitchell passt perfekt zu der aktuellen Psych Rock Kampagne des französischen Traditionshauses. Da ich natürlich viel zu jung für das Lebensgefühl bin, verbinde ich Mitchell vor allem mit Emma Thompson in „Tatsächlich…Liebe“ …
„Both Sides Now“ steht seitdem zumindest für mich für unerfüllte Liebe und Aufmerksamkeit. Die Sängerin, Songwriterin, Dichterin und auch Malerin ist übrigens noch immer eine ziemlich coole Socke. Sehen könnt ihr dies in dem unten angehängten Interview aus dem Jahr 2013. Das beste Cover eines ihrer Songs („Got Til it’s Gone“) stammt, wie ich finde, übrigens von Janet Jackson. Aber das nur nebenbei.
So, jetzt werden einige fragen: „Was soll Marilyn Manson hier auf dem Blog?“. Na wenn man über ihn schreiben kann, wie er Lederjacken für französische Luxuslabel trägt, kann man wohl auch über seine Musik schreiben. Es scheint fast so als sei Mr. Manson etwas ruhiger geworden. Zumindest wirkt er auf dem Cover seines neuesten Werkes „The Pale Emperor“ eher wie ein dunkler James Blake als die groteske Kunstfigur die er sonst immer darstellt(e). Das wird bei den Songtiteln allerdings nachgeholt. Von „Killing Strangers“, übrigens ein fantastischer Einstiegssong, über „The Mephistopheles of Los Angeles“ (literarisch) bis hin zu „Cupid Carries A Gun“(Liebe tut bei Manson eben immer weh), kann sich das alles Lesen und Hören lassen. Vielleicht hat Marilyn Manson ja erkannt, dass es genug Provokation in der derzeitigen Musikbranche gibt und man nicht unbedingt auch noch einen alternden Schockrocker braucht. Reinhören ist also auf jeden Fall empfohlen.
„The Pale Emperor“ erscheint am 16.1.2015
So stellen wir uns doch gerne französische Musikerinnen vor. Halb braves Mädchen mit glattem Haar und Gitarre in der Hand und die andere Hälfte rauchende Göre mit laszivem Blick. Auf ihrem Cover von „By the Dozen“ scheint sich Marie-Flore nicht ganz sicher, was sie denn nun sein möchte. Verständlich, hat die französische Chanteuse doch zwischen melancholisch verrauchten Tracks wie „Feathered With Daggers“ oder „All Mine“ auch leichte Franko-Alternative-Popkost wie „Fancy Me?“ (stellten wir bereits vor) oder „Empty Walls“ im Repertoire. Nichtsdestotrotz blieb ihr wie so einigen französischen Alternative bzw. Independent Acts der Erfolg in Deutschland bisher verwehrt. Schade eigentlich.
„By the Dozen“ ist bereits erschienen.
French Tuesday mit Jan Who: Chateau Marmont, Marie-Flore, Moodoïd und Exotica
Posted on 23. Dezember 2014Und während Madonna uns kurz vor dem Fest noch mit ersten Songs ihres neuen Albums quält und Kanye West mit Ricardo Tisci, Verzeihung, Kim Kardashian für Balmain rummacht, beglücken wir euch lieber mit ein wenig französischer Musik quasi als Christmas cadeaux für Euch. An dieser Stelle schon mal ‚danke‘ an alle Leser für dieses Jahr und frohes Fest!
Chateau Marmont – „Affaire Classée“
Eigentlich eher im Bereich der elektronischen Musik zu finden, beweisen die drei Jungs aus Frankreich zusammen mit Sängerin und Komödiantin Alka Balbir dass Leute die Witze machen gut und vor allem sehr hoch singen können.
Marie-Flore – „Fancy me?“
Die Stimme von Marie-Flore klingt so zart, dass sogar das Wort „Fuck“ total niedlich klingt. Vielleicht liegt das aber auch an ihrem französischen Akzent. Jedenfalls möchte sie gern wissen, ob der Typ den sie besingt sie immer noch geil findet. Eine durchaus berechtigte Frage dann und wann.
Moodoïd – „Je suis la Montagne“
Hier ein klassisches Beispiel wie absolut bekloppt es klingen würde, wenn man diesen Song ins deutsche übersetzen und dann genauso vertonen würde. Der Song „Ich bin der Berg“ wäre nämlich denkbar beschränkt. Allerdings könnte Andrea Berg eine Coverversion mit dem Titel „Ich bin die Berg“ einsingen. Aber das führt jetzt zu weit.
Exotica – „Désorbitée“
Julien Galner (einer der Gründer von Chateau Marmont – siehe oben) und Clara Cometti lernten sich vor fünf Jahren kennen. „Désorbitée“ ist ihre erste EP und verbindet ein künstlerisch angehauchtes Video mit dem markanten Gesicht und Stimme der Frontfrau die feststellt: „La planète ideal je n’ai pas trouvé“. Geht uns genauso.
Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: Weihnachtsoratorium, die CD auf der man Last Christmas in Dauerschleife gebrannt hat oder doch Michael Bublé? Damit dies nun ein Ende hat, hier ein paar Tipps für Musik die rein gar nichts mit Weihnachten zu tun hat, aber dennoch passend zur Jahreszeit ist.
She&Him x „Classics“
Wir stellten euch das Duo bestehend aus Schauspielerin Zooey Deschanel und M.Ward bereits vor. Nun ist das Album „Classics“ erschienen. Auf diesem Covern die beiden Klassiker wie „This Girl’s in Love With You“, „Unchained Melody“ oder auch „She“. Passt am besten zum oder nach dem Weihnachtsessen …
Lady Gaga & Tony Bennett x „Anything Goes“
Ja auch dies ist ein Coveralbum. Bennett und Gaga singen Klassiker wie „Cheek To Cheek“, „Bang Bang“ oder aber „I Won’t Dance“. Und wie das bei fast alles Jazzalben ist, funktioniert so etwas auch wunderbar zum Adventstee oder wenn die Familie kommt und man etwas Unaufdringliches mit schöner Stimme für den Hintergrund braucht.
Mary J. Blige – „The London Sessions“
Hier noch ein kleiner Tipp wenn es ein bisschen unkonventioneller sein soll. Für R&B Liebhaber empfiehlt sich das Album „The London Sessions“ von Mary J. Blige. Dafür hat Mary sich mit zahlreichen Künstlern wie zum Beispiel Sam Smith oder Emelie Sandé zusammengetan und dieses Album aufgenommen. Aber eben auch mit Disclosure („Follow“) was zur Folge hat, dass man sich am Weihnachtsabend zusammenreißen und die Füße stillhalten sollte. Falls jetzt jemand fragt: „Was hat das mit Weihnachten zu tun?“. Sie heißt Maria, reicht das nicht?
Bild: Omega
Sänger, Songwriter und Gitarrist – Letzten Sommer wurde ich erstmals auf Bastian Baker aufmerksam, als ich beim Luganer Traditionsurlaub nichtsahnend durch das Zeitungssortiment gestöbert habe: Egal ob Klatschmagazin oder Tageszeitung, überall das Gesicht des Popstars. Kein Wunder, dass der Schweizer Uhrenhersteller OMEGA mit dem charismatischen Sänger gemeinsame Sache macht und ihn bei seinem Werdegang unterstützt. Ich habe mich daraufhin eingelesen und spekuliert, ob auch Deutschland vom Baker-Boom angesteckt wird? Letzte Woche habe ich die Chance genutzt und ihn anlässlich seines Konzerts in der Hamburger Prinzenbar zum kurzen Tête-à-Tête gebeten …
Was sich gehört x Deichkind, Seafret, Years & Years und Mark Ronson
Posted on 8. Dezember 2014Hört, hört welch illustre Zusammenstellung es dieses Mal wieder geworden ist!
Deichkind – „So’ne Musik“
Die deutschen Pyramid Heads sind wieder da und die Frage wer so’ne Musik überhaupt hört ist ja wohl klar. So’ne Leute eben die so’ne Musikanlage haben auf der man so’nen Song laut spielen kann und dann so ganz übel abtanzen kann und so …
Einigen ist er natürlich ein Begriff, andere können mit dem Namen Cerrone erstmal nichts anfangen. Hört man aber die Hookline von „Supernature“ gibt’s das Aha-Erlebnis. Für alle die weiterhin nichts mit Cerrone anfangen können hier nochmal kurz zum Mitschreiben. Cerrone oder eigentlich Jean-Marc Cerrone ist eine französische Ikone der Diskomusik der Siebziger. Daher lag es auch nahe, dass eine Ikone wie Beth Ditto „Supernature“ für den Mitte Januar 2015 erscheinenden Sampler „The Best of Cerrone Productions“ covert. Zusammen mit dem französischen Elektroduo The Shoes nahm sie sich diesem Klassiker an und was dabei rausgekommen ist, kann man sich nun zu Gemüte führen und zwar in Form einer Liveperformance im Rahmen des dreißigsten Geburtstages des französischen Fernsehsenders Canal+. Und für alle Retromuschis haben wir natürlich auch das Original …
