Dass wir ein Faible für Geschäfte haben, sollten mittlerweile ausnahmslos alle Horstson-Leser wissen – zumindest widmeten wir uns in letzter Zeit häufig dem ein oder anderen Laden und erst gestern stellte uns Peter die neueste Hermès-Boutique vor.
In Berlin hat nun ein, ach – was sag ich – THE STORE eröffnet. In der Hauptstadt wird eben nicht gekleckert, in Berlin wird geklotzt. THE STORE versteht sich als kultureller Treffpunkt und bietet direkt im Soho House eine Verkaufsfläche mit Kunstinstallationen, Bibliotheksbereich sowie Platz zum Relaxen, Lesen etc. – also wird das geboten, womit der geneigte Memberclub-Besucher eh die meiste Zeit verbringt (auf wundersamer Weise gibt es aber keinen Alkohol, noch nicht einmal im zugehörigen Restaurant „THE STORE Kitchen“).
Allgemein
Hermès Düsseldorf – Die Flaneure der Kö haben ein neues Highlight
Posted on 2. Februar 2015In dieser Woche versammelt sich alles, was Rang und Namen hat, in der deutschen Mode in der Rhein Metropole Düsseldorf. Ohne große Berichterstattung und ohne Partymarathon werden hier immer noch die meisten Orders der Einkäufer gemacht und die Kollektionen gesichtet, die wir dann im Herbst in fast jedem Modehaus, Multibrandstores und den Bekleidungskonzernen dann schließlich kaufen. Auf Blogs hat man das Gefühl, das es in Deutschland nur die Berlin Fashion Week gibt. Online findet Düsseldorf selten statt, denn da gibt’s ja auch nicht viel zu feiern. Vielmehr wartet dort die wahre Arbeit wartet auf die Menschen, die sich ernsthaft und auf wirtschaftlicher Basis mit Textilien beschäftigen.
Nachdem wir nun das Dschungelcamp auch erfolgreich hinter uns gelassen haben und wir fortan Maren Gilzer etwas häufiger im Boulevard-TV ertragen müssen, können wir uns wieder den wesentlichen Dingen des Lebens widmen – allen voran der Königin der Welt: der Mode*
Kommen wir als zu den Highlights der Woche auf Horstson:
1) Le sacre de Printemps – Lagerfeld präsentierte die Haute Couture für Chanel und zog uns alle in den Bann.
2) Every Time you give up
you take away our Future – Björk überzeugt mit ihrem neuen Album.
3) Ich wollte probieren was es bedeutet sich maskulin zu fühlen und gleichzeitig das zu tragen, was wir unter Stil verstehen – Was bei den Acne Studios unter Stil verstanden wird, lest ihr hier.
4) Mutations of Mens sartorial standards: from Military to Evening, Punk to Ethnic, Dressed Up to Dressed down – so steht es in der Pressemitteilung von Dries Van Noten. Julian Rezension ist hingegen etwas ausführlicher ausgefallen.
Kaum aus Zürich heimgekehrt, erreichen mich gleich zwei weitreichende Nachrichten: Zum einen die starke Franken-Aufwertung, Topthema der Presse. So weit, so gut. Ich bin insgeheim beruhigt, dass ich Brioche und Ovomaltine während meines Aufenthalts verhältnismäßig günstig erstanden habe und die Schlagzeilen erst anschließend über Europa prasselten. Beim Blick in die Zukunft bin ich jedoch etwas beunruhigt, muss ich um meinen alljährlichen Urlaub in den Bergen fürchten? Ich hoffe natürlich inständig, dass sich bis dahin das Währungs-Hin & Her wieder beruhigt hat.

Bild: Walter Van Beirenonck; PR
Die Ansage war eindeutig: ‚Stop Terrorising Our World‘ steht auf dem transparenten Etwas, mit dem Walter Van Beirendonck seine Fall-Winter Kollektion vor ein paar Tagen im Hôtel d’Evreux am Place Vendôme in Paris begann. Eigentlich wollte Van Beirendonck keine politischen Statements über den Laufsteg schicken, doch aufgrund des Anschlages auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” ließ sich der belgische Designer doch zu einer Botschaft hinreißen.
Ich habe nachgezählt: Bei style.com sind in der Rubrik “Fall 2015 Menswear” sagenhafte 134 Labels gelistet. In dieser Aufzählung fehlen natürlich noch sämtliche Kollektionen, die nicht in Mailand, Paris, New York, Berlin oder anderswo auf dem Laufsteg das gleißende Licht der Welt erblicken, sondern auf Messen, kleinen Präsentationen oder auf Blogs wie dem unseren gezeigt werden. Wer soll denn da noch durchsteigen?
Als serviceorientiertes Blog widmen wir uns heute einem Label, welches man in Deutschland noch nicht richtig kennt, das man aber unbedingt kennen sollte. Warum? Weil es in hohem Maße dazu beitragen kann, gut gekleidet zu sein. Wir hieven es deshalb nonchalant auf Position 135 der style.com-Liste: XACUS.
Chanel Haute Couture Printemps 2015 – The Rite of Spring
Posted on 30. Januar 2015Am Dienstag zeigte Karl Lagerfeld traditionell seine Haute Couture für Chanel im Grand Palais. Immer heiß erwartet bei den Chanel-Schauen: die Dekoration und die meist in Monate langer Vorarbeit gebauten Settings.
Diesmal ein dem Jardin du Plantes oder Londoner Crystal Palace inspiriertes Gewächshaus, das unter der Rotunde des gigantischen Grand Palais wie ein Haus im Haus wirkte.
Bei Karl Lagerfeld klingt immer alles sehr einfach: Es ist Frühling und da liegt auf der Hand, dass wir uns an Blumen und an der sprießenden Natur erfreuen. Naja, bei Chanel ist immer alles etwas raffinierter und verspielter und die Philosophie geht wesentlich tiefer: Bevor tausenderlei Blüten auf Kleidern erstrahlen, laufen die Ateliers auf Hochtouren, um diese Fantasie umzusetzen. Eines sei vorausgeschickt – besonders Maison Lemarié, zuständig für die Federstickereien, war mit seinen Handwerkern diesmal besonders stark gefordert.
Das sämtliche Pflanzen auf neutralem weißen Untergrund präsentiert werden, liegt sicherlich nicht nur daran, dass vor dem Frühling der Winter ist und darauf wie eine grundierte Leinwand die Farben erblühen können. Weiß ist die Farbe von Papier und sämtliche Blüten, Blätter und Büsche sind genau aus diesem in einer Art Scherenschnitt-Technik in wochenlanger Kleinarbeit ausgeschnitten worden.
In der Manier des Malers Douanier Rousseau, der das Naive in den Impressionismus brachte, ist zunächst nur weiß-gestaltete Flora zu sehen. Damit nicht nur die Modenschau beginnt, sondern auch eine Verwandlung stattfinden kann, die final zur Blüte führt, wird zuvor Baptiste Giabiconi in einem „Le Prince Jardinier“-Outfit mit Strohhut und grüner Chanel-Gießkanne in das Rund des Catwalks geschickt. Giabiconi löst durch angedeutetes Wässern eine wunderbare Mechanik aus, die bunte exotische und surreale Blumen sprießen lässt: starkfarbig und wie bunte Kleckse in den Träumen des Couturiers.
Haute Couture zeigt das, was die Kundinnen später im Salon bestellen. Schon die ersten zehn Durchgänge haben mit Sicherheit nicht nur die Herzen der Stammkundinnen höher schlagen lassen, sondern auch die “ Blocs de Commande“ des Hauses mit Orders füllen.
Auffallend sind die ausgestellten, taillierten Jacken zu A-Röcken in Sorbet Tweeds, orange-, azur-, zitronen- und mangofarbige Loups mit Chiffonfalten in korrespondieren Farben. Die Kollektion wirkt durch eine fast nahtlose Verarbeitung (eine Spezialität der Couture), farblich passenden Knöpfen, kleinen, aus dem Stoff herausgearbeiteten Schleifen-, Spaten- oder vom Hals entfernten Krägen äußerst pur. Die Formen der Blüten dienten auch als Inspiration für die Silhouetten: Kuppelröcke und schwingende, leicht ausgestellte Formen überwiegen. Klassische Chanel-Jacken in verkürzter Form deuten die Hauptschwerpunkte der Kollektion an, die dann in allen weiteren Modellen auf die Spitze getrieben wird. Es geht um die extreme Betonung der weiblichen Taille, die durch die meisten Säume der Oberteile betont werden. Grafische oder extrem bauschige „Ballerina Röcke“ betonen das Schweben der femininen Silhouette.
Dazu große drapierte Hüte aus Gazar-Tüll, die an einen Sommernachtstraum erinnern – sie wirken zu den klaren Kostümen wie märchenhafte Kopfbedeckungen. Überhaupt wird mit den extremen Gegensätzen von Klarheit und fast übertriebener Romantik gespielt …
Die Füße stecken in schwarzen „Peter Pan“-strumpfartigen Schuhen, die in den Hintergrund als Accessoire treten und die Funktion des Blumenstängels in der Natur übernehmen. Sie geben einen festen Halt für die fantastischen Gebilde, die mit üppigen Farben die Fröhlichkeit des Frühlings und des Sommers verkünden.
Wie bunte Farbtupfer bewegen sich die Models durch das Grand Palais – jeder Durchgang ist anders. Mal tragen sie zu schlichten Kleidern, die aber komplett aus nachgestickten transparenten Stoffen bestehen oder aus tausenderlei gefälteltem und plissierten Gazar oder Chiffon, gestrickte, mit Hunderten Stoffblättern applizierte Cloche-Mützen. Dazu werden ganze „Blütenblätter“-Schleier wie Blumenteppiche über das Haar gelegt.
Aus allen Kleidern scheint etwas herauszuwachsen: Mal Ärmel, die wie Pompons aus Blütenbouquets bestehen, mal ein ganzer Flor, der als Bahn ein roséfarbenes Infantinnen-Kleid überwuchert zu haben scheint. Toques sitzen wie Helme einer ganzen Feen-Armee auf den Köpfen zu Mänteln, die wie aus Lampion gefälteltem Papier wirken und wie ein gigantisches Origami-Kunstwerk erscheinen.
Man kann die ganze Farbpalette genauso wenig erfassen, wie es auch in der Natur den fauvistischen Farbsturm neben zarten Pastellfarben gibt. Alle Abstufungen von Rosé- und Pink-Tönen sind ebenso vertreten, wie feuriges Klatschmohn-Rot oder alle Farbabstufungen von holländischen Tulpen-Porträts aus dem sechzehnten Jahrhundert.
Selbst Chanels Lieblingsfarbe wirkt gar nicht aggressiv oder stört die Zartheit der Natur. Im Gegenteil: Das Schwarz wird von Lagerfeld durch das Aufblitzen von flächigen Blüten oder Handschuhen mit orangefarbenen Blumen renaturiert – die Natur kennt bei ihm keine Grenzen.
Höhepunkt des romantischen Frühlingserwachens, das auf die Urinstinkte der Weiblichkeit und der Femininität setzt, ist eine Braut, die zu ihrer mit Tausenden kleinen Bergkristallen gestickten Tunika einen Rock und eine üppige Schleppe trägt. Die Tunika lässt den schönsten Tag im Leben einer Frau wie aus einem üppigen Blumen-Wasserfall erscheinen. Dazu trägt die Braut einen Hut, der sie in die Wolken entschwinden lässt. Begleitet wird sie von schönen Gärtnern mit exotisch wirkenden Bouquets.
Die Natur in ihren unendlichen Farben und Formen, die Schönheit des Frühlings, das Vertrauen in die Zukunft und die Weiblichkeit, dazu die Haute Couture, die wie ein Stoff gewordener Luxustraum wirkt, der von Zauberhand geschaffen wird – Karl Lagerfeld spielt alle Akkorde durch, die fernab von Fashion Business und Prêt-à-porter oder gar Alltagskleidung liegen und gibt das, was Diana Vreeland einmal in ihrem Zitat ausdrückte „Man muss das den Menschen bieten, von dem sie noch nicht einmal zu träumen wagen“.
Genau das lässt diese Chanel-Couture wahr werden: Die Natur holt sich das zurück, was uns der Alltag manchmal vergessen lässt.
Im Schutze des Grand Palais hat Lagerfeld schon jetzt ein zauberhaftes Frühlingsfest erblühen lassen. Die Kollektion ist Chanels Hommage an die Natur und ein Farbrausch par excellence – in der Couture sind eben Träume Realität.
Als Coco Chanel im Mai 1913 in der skandalumwitterten Premiere von Igor Strawinskys „Le sacre de Printemps“ (Englisch: The Rite of Spring) gesessen hat und die Kritiker es als orgiastischen Rausch der Natur tadelten, hat sie sich bestimmt nicht träumen lassen, dass in ihrem Haus auch noch über ein Jahrhundert danach ihre Mode so fulminant erblüht und ihren Namen in die Zukunft trägt …
„Oh, neue Sneaker von Raf Simons!“, ging mir durch den Kopf, als ich gerade obiges Bild gesehen habe. Doch Pustekuchen: Reebok Classic hat sich erstmals mit dem Pariser Luxuslabel Sandro zusammengetan, um eine Sonderkollektion für Spring-Summer 2015 zu lancieren. Die Idee war, die unterschiedlichen, aber sich gegenseitig ergänzenden Designphilosophien beider Marken zu vereinen – zumindest ist es so in der Pressemitteilung zu lesen. Nun bring ich Reebok Classic ehrlich gesagt nur in Ausnahmefällen mit ‚Designphilosophien‘ in Verbindung und so war es vermutlich Sandros positiver Einfluss, das bei mir der „Instapump Fury“ das erste Mal in 30 Jahren – er kam 1994 auf den Markt – gefällt. Allerdings eher in der schwarzen Variante:
Weniger ist bekanntlich manchmal mehr: Die Kollektion von Ilan Chétrite, dem Kreativdirektor von Sandro Homme, kommt in dieser Saison mit nur ganz wenigen Farbtönen aus – Schwarz, Weiß, Grau, etwas Olivgrün und helles Denimblau. Das war’s dann auch schon.
Mod-, Punk- und New-Wave-Elemente wie Salz-und Pfeffer-Strukturen, große Motiv-Aufnäher, Lederjacken, Anzüge mit schmalen Krawatten, Parkas, Unterziehrollis und Hochwasserhosen geben der durchweg sehr tragbaren Kollektion eine sehr französische Note. Das i-Tüpfelchen des Stylings sind die weißen Socken, wobei wir empfehlen, den Selbstversuch nur bei absoluter Stilsicherheit zu wagen – sonst wird aus Nouvelle Vague ziemlich schnell ein Tourist …
Jonny Johansson, der Creative Director von Acne Studios sagt über diese Kollektion:
„Die Idee war, Männern die Teile zu geben, in denen sie sich wohl und sicher fühlen. Wir spielen mit englischer Schneiderkunst gepaart mit Donkey-Jackets und Fußball. Dank der Sport Leggings kommt dazu die ganz neue Silhouette. Ich wollte probieren was es bedeutet sich maskulin zu fühlen und gleichzeitig das zu tragen, was wir unter Stil verstehen.“
Mehr braucht man jetzt eigentlich gar nicht wissen. Einfach angucken und die Leggings ignorieren!







