O.K. – man erkennt es auf den ersten Blick: Es ist Chloë Sevigny als Terry Richardson, fotografiert von Terry Richardson für die dritte Ausgabe des Candy Magazine – Nach einer Selbstbeschreibung the first fashion magazine ever completely dedicated to celebrating transvestism, transexuality, cross dressing and androgyny.
In der 2011/2012er Ausgabe sind diesmal unter anderem als Models oder Fotografen am Werk: Cindy Sherman, Lea T, Bruce Weber, David Armstrong, Tim Walker, Mariano Vivanco, Ellen von Unwerth, Romy Haag, Greg Gorman und eben Chloë Sevigny & Terry Richardson. Das hat natürlich seinen Preis: Immerhin 59$ kostet der Spaß, macht aber auch ungleich mehr auf dem Couch-Tisch her, als der Spiegel und die Bunte auch weil das Format ähnlich riesig wie beim ganz fabelhaften Horst Magazine ist und mit 386 Seiten auch noch dicker.
Zu den Candy-Preview-Filmchen „TRANSSEX & THE CITY“ von Ellen von Unwerth, „CANDY’S ANGELS“ von Danielle Levitt und „PLAYMATES“ von Mariano Vivanco gehts nach dem Klick
November 2011
Over Your Cities Grass Will Grow – Sophie Fiennes über Anselm Kiefer
Posted on 2. November 2011Wie ticken Künstler, was treibt so jemand wie das Genie Anselm Kiefer an?
Würde man mehrere hundert Menschen aus Deutschland fragen, was denn so die Stärken der Deutschen sind, wahrscheinlich würde sich niemand drunter finden, der bildende Kunst als solche benennt. Auch wenn es dabei nicht darum gehen kann, herauszuarbeiten, was Deutsche besser als andere können, so wie man die Stereotype der Pünktlichkeit, Genauigkeit und Verlässlichkeit als Volkstugenden gerne strapaziert, empfinde ich das Selbstbild vieler Bundesbürger als gelinde gesagt arg verknappt und unrichtig. Um hier noch einen nachzuschieben, soll das wirklich alles sein, was die spätere Kanzlerin, danach befragt, was sie an Deutschland denn so toll fände, antwortete: Dass hier die Fenster so dicht wären …. Armes, geistreiches Deutschland, möchte man da beinahe sagen.
Was ist der höchste Preis, den ihr für ein T-Shirt bezahlen würdet? 100 Euro? 1.000? Vielleicht auch 5.000? Aber wie sieht’s mit 300.000 Dollar aus? Auf den ersten Blick ist dieses Stück Baumwolle einfach nur ein weißes T-Shirt mit einem Cargo-Flugzeug drauf. Auf den zweiten Blick bekommt man allerdings einiges mehr als das weiße Shirt: Die 300.000 Dollar werden an UNICEF gespendet, die damit Hilfsgüter und deren Transport ans Horn von Afrika finanzieren. Die UNICEF + Threadless Collection gibt es auch zum Einsteigerpreis, das günstigste T-Shirt kostet 18,57 Dollar und subventioniert ein Moskitonetz, es gibt gesundes Essen für 73,13 Dollar, eine Wasserpumpe für 500 Dollar oder ein Notfall-Zelt für 1.939,96 Dollar.
Guerlain‘s phantastische Düfte – oder warum Männern Frauendüfte gut stehen
Posted on 2. November 2011Als 1945 die amerikanischen GI‘s nach Paris kamen, standen sie an zwei Adressen Schlange, um für ihre Lieben in den USA heißbegehrtes französisches Parfum zu ergattern: In der rue Cambon No.31, bei Chanel und an den Champs Elysees No.68, bei Guerlain.
Guerlain ist im Gegensatz zu Chanel kein Modehaus das auch Düfte produziert, sondern ein reines Parfum- und Kosmetik-Unternehmen, das es seit 1868 gibt und das noch bis vor wenigen Jahren von der Familie Guerlain geführt wurde. Heute gehört es zum LVMH Konzern unter Bernard Arnault. Die Düfte sind aber alle unverändert und das Haus agiert weitgehend autonom.
Wegen der Vielfalt ihrer überwiegend natürlichen Inhaltsstoffe, dem wohlgehüteten Geheimnis ihrer Zusammensetzung bis hin zur Verpackung und den Flacons bilden sie eine Insel – mit eigenen, ganz bezaubernden Gesetzen – im Dschungel der Unübersichtlichkeit des Duftmarktes.
Auf Guerlain‘s Düfte verlasse ich mich, seitdem ich mit vierzehn Jahren Parfum für mich entdeckt hatte. Nun wird manch einer sagen: „na die machen doch aber überwiegend Damendüfte“, stimmt genau – aber welche. Viel zu schade, um ausschließlich dem weiblichen Geschlecht vorbehalten zu sein, diese Düfte können – oder ich möchte fast behaupten, sie müssen – auch von Männern getragen werden.
Da wäre als erstes Jicky. 1889 wurde dieser Duft zunächst als Männerduft creiert und wandelte sich erst später zum Damenduft. Wie fast alle Duftnoten von Guerlain ist es ein etwas schwererer, warmer und etwas holziger, orientalisch anmutender Duft. Klassisch und doch ungeheuer raffiniert – mag ich Jicky besonders an lauen Sommerabenden oder auch an kühlen Herbstmorgen.
Ganzjährig und immer wieder – wie ein Süchtiger – kann ich seit Jahren nicht genug bekommen von Shalimar. 1925 creiert, inspiriert von einem indischen Garten voller Gewürze und Kräuter und der unendlichen Farbenpracht des indischen Kontinents, breitet es seinen ungeheuren Wohlgeruch wie eine schützende Hülle den ganzen Tag über einen. Geheimnisvoll und elegant, ohne aufdringlich zu sein. Der Flacon ist einem Springbrunnen aus dem Garten eines Maharadjahs nachgebildet.
Betritt man das Stammhaus von Guerlain an den Champs Elysees oder den Salon auf der Place Vendôme ist man von den sagenhaft schönen Flaschen und Flacons die dort präsentiert werden sofort geblendet.
Ob der weltberühmten Bienenkorbflacon, mit den goldenen Bienen, für das berühmte „Eau de Cologne Impériale“ oder das „Eau du Coq“ … wunderschön sind auch die Flacons für Nahema, Habit Rouge, oder Mitsouko … oder Vol De Nuit – God bless Guerlain for still doing this stuff!
Alle Guerlain-Läden und der angeschlossene Schönheitssalon wurden von dem weltberühmten Innenarchitekt Jean Michel Frank gestaltet und die Türen von Christian Berard bemalt. Die Boutique im Erdgeschoss des Stammhauses wurde erst 2006 von Frankreichs Stilikone Andrée Putman umgestaltet.
Für mich der absolute Traum und für wirklich große Anlässe reserviert ist aber der 1912 erfundene Duft „L‘Heure Bleue“, was so viel wie die blaue Stunde bedeutet .Das ist die Zeit zwischen Nachmittag und Abend die alles entscheidende Stunde, in der nicht nur die Liebe Spaß macht, sondern auch große Ereignisse ihre Schatten voraus werfen. Es ist im Winter auch tagsüber ein ungeheurer Genuss und wir haben schon viele tolle Events zusammen durchgestanden und die große Liebe habe ich mit „L‘Heure Bleue“ auch gefunden.
Es ist eine Cocktail aus Wärme, Fruchtigkeit und Sinnlichkeit. „L‘Heure Bleue“ hat etwas ungeheuer leckeres und macht Appetit auf das ganz große Abenteuer oder die Sinnlichkeit. Ich bin total verknallt in diesen Duft und es gibt nur einen ernsthaften Konkurrenten der dicht neben meinem Lieblings Flacon steht: Coromandel aus der Exklusiv Duftlinie von Chanel. Aber der entführt uns in eine ganz andere Welt. In die wuselige Stadt Shanghai, mit ihren tausend Gerüchen und der Fremde seiner Kulturen.
Guerlain hat mich dazu gebracht, Damendüfte zu benutzen, weil sie eine so spezielle Einzigartigkeit besitzen und den durch Calvin Klein begründeten Unisex eigentlich schon ein Jahrhundert früher vorweggenommen haben. Ich bekenne mich dazu und es gibt für mich keinen klassischen Herrenduft, den ich meinen Guerlain Favoriten vorziehen würde.
Wenn man heutzutage verrät, welche Düfte man trägt, ist man im Freundeskreis allerdings erstaunt, weil doch der Eine oder Andere auch „seinen“ speziellen Duft hat und das sind dann so manches Mal Klassiker wie „Private Collection“ oder „Cinnabar“ von Estée Lauder … oder ab und an mal „Opium“ von Yves Saint Laurent.
Was mich von euch, den geneigten Horstson Leserinnen interessieren würde, zu welchen Jungsdüften ihr gern greift?? … und meine kleine Empfehlung am Ende: Versucht es doch mal mit einem Guerlain Parfum, vielleicht verliebt ihr euch ja auch so wie ich in Guerlain‘s phantastische Traumgespinste.
Einige Menschen fangen bei einem Glas Wein an, über den Sinn des Lebens zu philosophieren – andere hingegen überlegen sich, einfach Designer nach ihren Lieblings-Rezepten zu fragen und diese dann in Buchform zu publizieren um es zu Gunsten der Hilfsorganisation „Die Arche e.V.” zu verkaufen. Zu erster Kategorie gehöre ich, zur zweiten Kategorie gehören die beiden Verantwortlichen hinter dem Blogzine Nahtlos! – Siems Luckwaldt und Matthias Hinz. Die Idee zum Charity-Mode-Designer-Kochbuch „German Fashion Kitchen“ hatten die beiden Journalisten nämlich an einem Abend im Februar, als sie auf der Suche nach Themen waren.
Toll, dachte ich mir, als ich damals Florence Welch’s Version von „You got the love” das erste Mal hörte. Wie für alle Sex and the City Gestörten war es (im Nachhinein glücklicherweise) nicht dasselbe. Nach und nach und mit Sichten des Videos wurde es jedoch immer mehr zum Lieblingslied. So ging es vielen mit „Florence and the machine“. Erst natürlich als „Geheimtipp“ und Neuentdeckung gehandelt, wurden schnell alle auf die rothaarige in Südlondonerin (aufgewachsen in Camberwell) aufmerksam und spätestens seit „Dog days are over“ und ihrem Debutalbum „Lungs“ ist sie aus der Musikwelt nicht mehr weg zu denken. Jetzt hat sie mit „Ceremonials“ ihr zweites Album veröffentlicht.


