Peter hatte es schon an der ein oder anderen Stelle prognostiziert: die Silhouette verändert sich in der Männermode. Bei einigen Kollektionen konnte man dies schon spüren, beim Beispiel der Fall-Winter Kollektion von Marc Jacobs kann man es schon sehen.
Jacobs‘ Menswear Designer Karl Aberg mixt in seinen Entwürfen klassische Materialien und Muster mit einem leichten 70er-Jahre Flair. Zugegeben: das sieht im Falle der Mützen, die etwas tief ins Gesicht gerutscht, zum Teil dämlich aus, aber wenn man darüber hinwegsieht, eine tolle Kollektion, oder?
Männermode
Was lieben Italiener am meisten außer hervorragendem Essen? Natürlich die große Familie mit der Mama und den vielen Bambini. Genau dieses Thema beherrscht die Lebenseinstellung unserer europäischen Nachbarn seit jeher und Familienclans wie die Medici, Borgia oder Sforza bestimmten die Landesgeschichte, genau wie die Agnellis die Industrie. In der Mode werden Unternehmen von ganzen Clans geleitet mit vielen Schwestern und Brüdern, wie bei Benettons, Ferragamos, Fendis und Guccis. Dass dabei auch mal der ein oder andere erschossen wurde – Schwamm drüber: in nicht jeder Familie scheint jeden Tag die Sonne … “Dolce far niente” – das süße Nichtstun – macht genau das aus, was trotz ständiger Regierungswechsel und der Mafia eine der kreativsten Modenationen der Welt hervorgebracht hat.
Im Januar, wenn der Männermodezirkus seine wichtigen Schauen für den Winter zeigt (in der Modebranche haben die Winterkollektionen einen höheren Stellenwert als die Sortimente für den Sommer), kommen wir Autoren kaum mit dem Schreiben hinterher. Während wir noch von London berichten, laufen in Mailand bereits die Kollektionen über die Stege. Abseits davon finden aber auch Präsentationen und Events statt, kleine Cocktails und Showroom-Termine. Bevor wir sozusagen nach Mailand schwenken und die vielen noch nicht rezensierten Kollektionen nach und nach besprechen, möchte ich Euch auf eine kleine Reise entführen, die besonders zauberhaft ist und mit genau dem zu tun hat, was Qualitätsprodukte und Handwerk ausmachen …
John Lobb steht bei Männerschuhen wie kein anderes Londoner Haus für gute Leisten, customized Shoes und tadellos verarbeitete Konfektionsschuhe. Die Manufaktur (wir stellten sie bereits ausgiebig vor) arbeitet mit den besten Gerbereien zusammen, benutzt besondere Leder und spezielle Sohlen und Verarbeitungstechniken. Das Archiv ist so umfassend, dass dort immer wieder Modelle aufgestöbert werden, die aktualisiert perfekt zu den Modeströmungen und Tendenzen unserer Zeit passen.
Für den Winter 2015 wurde nun, neben einer besonders raffinierten Sneakers-Kollektion, Monks und Brogues, eine Linie von Bottines vorgestellt, die nicht nur schnell zum Klassiker des modernen Dandys werden dürften, sondern auch noch genau das erzählen, was wir besonders an Mode lieben. Etwas, was den Schuhen und der Präsentation einen zusätzlichen Zauber verleiht:
Bevor der Schuhmacher John Lobb in London seine Werkstatt begründete und damit die Grundlage für das Haus Lobb legte, verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Cornwall. 1851, als er 22 Jahre alt war, ging er zu Fuß von Cornwall nach London um die Großstadt zu erobern und sich Arbeit zu suchen. An den Füßen seine ersten eigenen Boots. Genau von diesen „Moorlands“, wie man die Form heute noch nennt, ließ sich Designerin Paula Gerbase inspirieren. Heraus kam eine Range von Moorlands, die mit einem Strap sowie einer Schnalle und ohne Nähte auf dem Blatt, total klassisch wirken, aber dennoch ungewöhnlich und sehr neu sind.
Der Combe und der Morval bilden das Herzstück dieser kleinen und feinen Premiere in einem Haus, das man sich englischer nicht vorstellen kann und wie aus der Welt von Charles Dickens gefallen zu sein scheint. Sicherlich genauso beeindruckt war der junge John Lobb, als er in das unfassbar große London kam und damit begann, seine Schuhe herzustellen. Zunächst wie beim Combe, mit einer Schnalle, dann mit zweien, wie beim Morval, allerdings kürzer geschnitten und elegant-robust aus einem Mix aus feinem Kalbs- und wasserfestem Büffelleder. Der Grove ist in Veloursleder hingegen etwas besser für die Stadt geeignet und wirkt von seiner Linie her eleganter und ist der ideale Boot zum Anzug.
Für den ganz auf Exzentrik ausgerichteten Dandy ist sicherlich der Oake der richtige Boot. Er spielt mit dem Kontrast von Veloursleder und Nappa und wirkt schon fast wie ein Gamaschen-Schuh. Vielleicht ist er ein toller Zusatzkauf für Burberrys Bohemiens im Herbst …
John Lobbs Wanderung macht totale Lust auf Qualität und lädt zum Träumen ein und erinnert mich gleichzeitig daran, dass ich unbedingt auf ein Paar Schuhe aus dem Hause John Lobb sparen muss, denn darin kann man wirklich beruhigt der Zukunft entgegen gehen – stilvoll und heute genauso wie 1851.
Das Beste kommt zum Schluss? Am Montag gibt es zum Mittag GUCCI
Wir streamen live von der Milano Moda Uomo. Frida Giannini überraschte uns mit ihren Kreationen für GUCCI eigentlich jede Saison aufs Neue und wir sind sehr gespannt, was sie für Fall-Winter 2015-16 vorbereitet hat …
Das ist übrigens die letzte Kollektion, die die Italienerin für GUCCI entworfen hat. Über ihren Nachfolger gibt es bisher nur Spekulationen. Unterdessen bestätigte GUCCI letzte Woche, dass Giannini nun „nicht mehr in ihrer Rolle als Chefdesignerin“ tätig sei – also bereits ein Monat früher als geplant …
Der Stream starte am 20. Januar um 12:30 Uhr.
Calvin Klein Collection Runway Show – Sonntag, 13:30 Uhr #calvinkleinlive
Posted on 17. Januar 2015Wir gucken Sonntagnachmittag Calvin Klein – Am Sonntag, 18.Januar, streamen wir ab 13:30 Uhr live aus Mailand die Entwürfe des italienischen Designers Italo Zucchelli für Calvin Klein Collection.
Wir sind sehr gespannt und wünschen Euch und uns viel Spaß!
Der Stream startet automatisch um 13:30 Uhr. Sollte es Probleme geben – kein Problem: Die Schau lässt sich alternativ auch auf calvinklein.com verfolgen!
Die Wahl des ehemaligen Givenchy Designers Mark Thomas, der seit dem letzten Jahr die Menswear für das Londoner Label Joseph kreiert, hat für mich eine der schönsten und vor allem zwischen tragbar- und zukunftsweisenden Überraschungen an Kollektion der Londoner Fashion Week letzte Woche hervorgebracht.
Joseph ist nicht nur ein Label, das eigene Damen- und Herren-Prêt-à-porter macht, sondern eigentlich ein Multibrandstore mit Ursprung in der King’s Road in London. Mittlerweile hat Joseph allein in London über 20 Filialen plus einiger Läden in Paris und anderen Weltstädten. Firmengründer ist der Geschmacks-Papst Joseph Ettedgui, der im Friseurladen seiner Brüder Maurice und Franklin in der King’s Road Anfang der Siebziger Jahre Mode des jungen Designers Kenzō Takada verkaufte. Er war von der „Jungle Jap Collection“ so begeistert, dass er schon bald weitere junge Designer der Zeit nach London holte. 1979 kam dann der erste, sofort wegweisende Store in der Sloane Street hinzu, in dem die Kunden auch Designs von Joseph Ettedgui kaufen konnten: Das Stricklabel „Joseph Tricot“ war geboren. Der Sitz und die Passform seiner Hosen wurden legendär und die Frauen rissen sich regelrecht darum …
Wenn auf ein Label Verlass ist, dann ist das Givenchy: Progressiv, mutig mit einem Hang zum eleganten Trash – so könnte man meinen. Schaut man sich nun aber das Lookbook zur Pre-Fall-Kollektion an, könnte man allerdings meinen, man sieht Entwürfe von Maison Margiela oder COS. Vielleicht liegt es an den Farben, die Riccardo Tisci gewählt hat: mit Schwarz, Kamel, Weiß und etwas Rot kann man eben nichts falsch machen, aber halt auch nichts richtig …
Familienbande: Lanvin Kampagne – All Women Are Daughters, All Men Are Sons
Posted on 16. Januar 2015Hatte Lanvin letzte Saison noch die Familie des britischen Models Edie Campbell noch vor die Linse von Tim Walker geholt, sind es für die Spring-Summer-Kampagne gleich mehrere Familienbanden: Die Veteranen-Models Violetta Sanchez, Pat Cleveland und Kirsten Owen posen mit ihren Töchtern Luz Godin, Anna Cleveland und Billie Rose Owen für den britischen Fotografen. Alber Elbaz, Creative Director von Lanvin, dazu:
„I like that the campaign doesn’t only have images, it has a story. Every time we do a family shoot, it feels like we’re going to their place: We feel like visitors.“
Bei der Männerkampagne, die noch diesen Monat ihre offizielle Premiere in der L’Uomo Vogue feiert, stand hingegen die Beziehung zwischen Geschwistern und Freunden im Vordergrund. Ein Grund dafür wurde nicht geliefert, vielleicht mangelte es einfach an männlichen Model-Legenden mit schönen Söhnen. Wenn ich mir aber Callum Rockall und seinen Bruder Haydn anschaue, muss ich feststellen, dass einige Familien gute Gene zu haben scheinen:
Das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Herrenmode wird in dieser Saison den Beginn der weiteren Silhouette einläuten. Nach einer Dekade der Slim-Silhouette, begründet durch die prägenden Kollektionen von Slimane für Dior Homme, muss langsam eine Richtungsänderung folgen. Burberry Prorsum machte am Montag mit der Autumn-Winter Kollektion schonmal den Anfang …
Schon in den letzten Saisons gab es bei Loewe und anderen Labels Ansätze und erste Looks, aber jetzt werden die Schultern weiter, die Silhouette A und weiter in Richtung O gehend erweitert, die Hosen bequemer und der Körper eher umspielt. In der Streetwear und auch den meisten kommerziellen Kollektionen (siehe TOPMAN) bleiben die hingegen Schnitte schmal und körpernah, die richtungsweisende Tendenz sah man jetzt aber in London, die sicherlich auch nächste Woche in Milano und danach in Paris weitergeführt wird …
Lenin, Marx und Mao Zedong – Die neue Herrenkollektion von KTZ ruft zur Geschichts- und Politikstunde auf. Ich bin noch unentschlossen, ob ich den plakativen Portrait-Abnähern auf der Oberbekleidung etwas Schönes abgewinnen kann und wenn ja, was? Auf den ersten Blick muss ich unumwunden zugeben, dass mir der herkömmliche Schulunterricht weitaus mehr zugesagt hat, als die Londoner Variante unter der kreativen Leitung von Markan Pejoski …











