Als Ende des letzten Jahres bekannt wurde, dass das Düsseldorfer Familienunternehmen Eickhoff schließt, ging ein Aufschrei durch das deutsche Modevolk. „Multibrand Stores de Luxe könnten nicht mehr bestehen und Familienunternehmen seien ein Modell der Vergangenheit“ hieß es Vorlaut von einigen Branchen-Pessimisten. Aber weit gefehlt, denn Familienunternehmen sind im Modebusiness häufig die Innovatoren und die Inhaber der wahren Luxusmarken, wie zum Beispiel Häuser wie Hermès und Chanel, beweisen. Tradition in Innovation zu verwandeln ist das Zauberwort, das, wenn es gelingt, der Schlüssel zum Erfolg ist.
peterkempe
Es gibt außer dem von uns schon vorgestellten Yves Saint Laurent Film noch einen guten (französischen) Grund in diesem Frühjahr ins Kino zu gehen: den Film „La Jalousie“ mit Louis Garrel und Anna Mouglalis.
Der französische Film, in den 70er Jahren intellektuell und unschlagbar mit den Romy Schneider Klassikern „César und Rosalie“ oder „Les Choses de ma vie“, den Klassikern von François Truffaut oder auch Filmen wie „La Boum“, die eine ganz Generation geprägt haben, hat in den letzten Jahren mit Kassenschlagern wie „Ziemlich beste Freunde“ bewiesen, dass es immer noch auf der Höhe der Zeit ist und eben diesen Charme hat, den nur französische Filme ausstrahlen …
Man kann es nicht begründen, aber die besondere Atmosphäre und einer Handlung, die sich meist mit problematischen Beziehungen zweier Menschen auseinandersetzt, scheint uns Deutsche auf eine besondere Weise anzuziehen, denn auch hierzulande gibt es eine große Fangemeinde des französischen Kinos.
„La Jalousie“ kommt jetzt, nachdem er im letzten Mai bei den Filmfestspielen in Cannes seine Premiere feierte, auch bei uns in die Lichtspielhäuser und ist ein Paradebeispiel für den Anschluss an die großen Beziehungsfilme des französischen Autoren-Films.
„Ein Schauspieler und eine Schauspielerin haben gemeinsam ein Kind und er verlässt beide für eine andere Schauspielerin …“ – so in etwa könnte man in kürzester Form die Handlung von „La Jalousie“ beschreiben. Aber die Gefühlsintensität und die sich daraus ergebende Situation zwischen den Menschen, macht diesen Film zu genau dem, was er ist, nämlich eine Beschreibung dessen, wie sich die meisten Menschen in der heutigen Zeit fühlen. Sie möchten die Gemeinsamkeit, können sich aber nicht von ihren eigenen Gefühlen lösen bzw. sich auf sie einlassen; gemeinsame Ziele verfolgen, ohne einen Teil von sich aufzugeben – also genau das, was man Liebe nennt …
Louis Garrel verkörpert den Typus des typischen französischen Intellektuellen, mit dem Esprit der Unabhängigkeit, aber auch einer gewissen bourgeoisen Ebene, die ständig zwischen Freiheit und bürgerlichen Konventionen hin und her reißt. Genau so ist Garrel aufgewachsen, denn sein Vater Philippe Garrel, der bei diesem Film Regie führt, lebte dieses typische Leben: er war einer dieser Künstler der späten Sechziger in Frankreich, die auf der einen Weise eine neue Freiheit genießen wollten, die sich aber doch den bürgerlichen Konventionen anpassten. Freie Liebe und wechselnde Partnerinnen lassen seine eigene Biografie wieder auferstehen, was sicherlich nicht einfach zu verkörpern war, wenn man der Sohn ist …
Der Film beschreibt auf eindrucksvolle Weise die Sehnsucht nach der Nähe, die scheinbar gar nicht so einfach zu praktizieren ist. Ein Film, der fasziniert und trotz schöner Bilder zum Nachdenken über sich selbst und seiner eigenen Gefühle anstößt.
Sehr sehens- und empfehlenswert! Auf einen schönen französischen Kinoabend!
Regie: Philippe Garrel
Drehbuch: Philippe Garrel, Arlette Langmann, Caroline Deruas-Garrel und Marc Cholodenko
Produzent: Saïd Ben Saïd und Alfred Hürmer
Cast: Louis Garrel, Anna Mouglalis, Rebecca Convenant und mehr
Wir haben ja schon häufiger darüber berichtet, dass der kleine Bruder von Hermès, das „petit h“, etwas ist, das über grenzenloser Fantasie verfügt und so eine Art ‚Insel mit eigenen Gesetzen‘ innerhalb des Traditionssattlers ist. Und ganz nebenbei ist das „petit h“ sicherlich auch eine der luxuriösesten Recycling Maßnahmen der Welt.
Unter der künstlerischen Direktion von Pascale Mussard und der kaufmännischen Leitung von Cyril Feb ist dieser Bereich des Hauses Hermès sicherlich die Abteilung, die am meisten einem Laboratorium gleicht und in dem auch viele der Ideen entstehen, die später in die Hauptkollektionen einfließen …
Nun wollen wir euch einen Blick hinter die Kulissen gewähren, der auf faszinierende Weise zeigt, was für handwerkliche Kunstwerke aus Materialresten oder Produkten, die nicht hundertprozentig der Vorstellung der Perfektion von Hermès entsprechen, entstehen können. In jedem der Ateliers oder der Sattlerei fallen Reste aus Leder oder Seide an. Ebenso bei den Hermès angeschlossenen Manufakturen, bei Kristall ist das die Cristallerie Saint-Louis oder bei Silber die Silbermanufaktur Puiforcat. Jedes dieser Häuser hat eine kleine Ecke, die sogenannte „Zone petit h“. In der „Zone petit h“ werden die Dinge hingebracht, aus denen etwas entstehen kann, das einen neuen Sinn ergibt oder das durch die Synergien verschiedener Handwerke zu anderem Leben erwacht.
Manchmal ist es ein Kundenwunsch oder auch einfach die Fantasie, die neue Produkte entstehen lassen. Die Designer sichten die angefallenen Materialien und entwickeln dann eine Strategie und ihr Design. Zum Teil entstehen dadurch Unikate und oder aber kleine Serien – je nachdem wie viel Material vorhanden ist. Ist das Stück oder die Serie verkauft, werden sich neue Dinge ausgedacht. Häufig entstehen so aber auch Klassiker, die dann fest in die Kollektion aufgenommen werden und sich reger Beliebtheit erfreuen. Die Windmühlen aus Lederresten, die an die kleinen Jahrmarktssouvenirs unserer Kindheit erinnern, oder die Türstopper aus Holz, belegt mit Barenia Leder oder Kroko, die ein kleiner Alltagshelfer mit luxuriöserem Understatement sind, sorgten zuerst beim „petit h“ für Furore.
Häufig entsteht die Idee erst, wenn die Teile auf dem Tisch liegen und das Team seine Fantasie und Kreativität spielen lässt und sich überlegt, was man daraus machen könnte. So werden große Servierlöffel aus Silber von Puiforcat zu einer kleinen Schreibtischlampe oder die selben Löffel durch das Abschneiden der Stile zu glänzenden Collier Anhängern.
Oft werden Materialien miteinander verbunden und die kleinen Kunstwerke des Handwerks wandern von Atelier zu Atelier, um sich im Endeffekt zu neugeborenen Schätzen zu verwandeln und unseren Alltag zu begleiten.
In den fünf Folgen der „Inside Hermès petit h“ Filme werden auf eindrucksvolle aber auch spielerische Weise gezeigt, wozu Fantasie und auch das kreative Arbeiten führen kann und was auf diese Weise entsteht …
Sicherlich ist diese Freiheit bei Hermès eine Ausnahme – wirtschaftliche Zwänge beschränken bei vielen Firmen eine solche Kreativität. Und das „petit h“ ist eben keine Marketing Aktion oder eine PR-Geschichte, die wie in anderen Unternehmen lediglich kurzfristig erfolgt. Die „petit h“ Ateliers haben in den letzten Jahren häufig die Entwicklungen der Hauptateliers nicht nur beeinflusst, sondern ihnen auch gezeigt, dass unkonventionelle Einfälle die Welt häufig voranbringen.
Seit dem letzten Jahr hat „petit h“ auch einen festen Laden innerhalb des großen Magasin Rue de Sèvres, in dem nicht nur die Produkte verkauft werden, sondern auch alle sechs Wochen komplett Neuentwicklungen oder neue Prototypen gezeigt werden. So bleibt es immer spannend, was es Neues zu entdecken gibt und vor allem was sich die Zauberer der Ateliers wieder einfallen lassen haben.
Bei den „petit h“ Produkten bekommt man fast immer ein Unikat, weil ja kein Material dem anderen gleicht und die Handwerker bei jedem Stück wieder neu durchdenken müssen, wie sie es bewerkstelligen, daraus das zu machen, was schließlich und endlich in den orangefarbenen Kartons landet.
Fragt man die Sattler, Silberschmiede, Glasbläser oder Seidenrollierer, was ihnen an „petit h“ am meisten gefällt, erhält man immer wieder die Antwort, dass man jeden Tag neu dazu lernt, immer wieder neu denken muss und immer wieder die neue Lösung findet. Und genau das ist es, was Arbeit Spaß machen lässt und die Freude daran bringt.
Wenn man bedenkt, dass es sich beim „petit h“ im weitesten Sinne um eine Art Recycling handelt, dann ergibt es eigentlich den doppelten Sinn. „petit h“ ist sicherlich innerhalb der Mode und der Accessoires eine der schönsten Nischen der Welt! Auf in die Welt der Ateliers von „petit h“ und den Blick hinter die Kulissen …
Es war ein sehr bewegtes Jahr in der Mode und ich glaube wir haben (fast) alle für dieses Gebiet relevanten Themen, zumindest die, die uns gemeinsam wichtig erschienen, auf Horstson hinterleuchtet. Kollektionen gaben sich scheinbar die Klinke in die Hand und Designer wechselten von einem Label zum anderen.
Es gab merkwürdige Kollektionen und Unschlagbare. Obwohl sich die Märkte und leider auch häufig die Arbeitsbedingungen im Fashionbusiness, genau wie in allen anderen Branchen, immer schneller verändern, gibt es auch viele positive Entwicklungen und wir beobachten insgesamt mehr Bewusstsein zu Qualität und Handwerk und Nachhaltigkeit setzt sich immer mehr durch – wie ja viele unserer Leserreaktionen zeigen. Horstson Leser entscheiden sich schon durch die Wahl ihrer Lektüre dazu, sich lieber mit hochwertigen Kollektionen und Trends zu beschäftigen und dafür möchten wir uns an dieser Stelle bei Euch bedanken …
In der letzten Woche hatten wir die Gelegenheit, die Details der Showgirls Kollektion von Marc Jacobs für Louis Vuitton für das Frühjahr 2014 im Münchner Showroom zu entdecken. Daisydora berichtete ja schon in einem fulminanten Artikel direkt im Anschluss der Schau, aber der Kollektion nur einen Schauenbericht zu widmen, würde ihr einfach nicht gerecht werden, denn Marc Jacobs hat damit auch auf den zweiten Blick ein wahres Meisterwerk geschaffen …
Weil es diesmal viele Männersachen in der Paris-Dallas Kollektion gibt und jeder Junge eh ein Cowboy sein möchte, gibt es die Herrenlooks der Chanel Métiers d’Art 2014 bei uns gesondert zu sehen.
Karl Lagerfeld streut ja immer wieder einige Entwürfe für Männer in seine Prêt-à-porter Kollektionen für das Pariser Traditionshaus ein, aber diesmal ist das, was Brad Kroenig, Jake Davies, Sébastien Jondeau und der kleine Hudson Kroenig tragen, fast den Entwürfen für die Frauen ebenbürtig. Dallas Look für Männer, Pionier- und Planwagen-Charme inbegriffen. Die Domäne, die Ralph Lauren innehat, würzt Lagerfeld jetzt mit feinster Handwerkstradition!
Am Dienstag zeigte Karl Lagerfeld im Fair Park in Dallas im Dekor einer Rodeo Halle die Métiers d’Art Kollektion 2014 Paris-Dallas für Chanel. Dallas ist die Stadt, in der Coco Chanel nicht nur den „Modeoscar“ von Stanley Marcus, dem Inhaber des Department Stores Neiman-Marcus, überreicht bekam, sondern auch die Stadt ihres Comebacks im Jahre 1954.
Texas, der Staat, in denen Ölmilliardäre, die, wie wir dank des Films „Giganten“ mit James Dean und Elisabeth Taylor wissen, vom Himmel fallen und Cowboyhüte und Boots zum Anzug getragen werden, bildet nicht nur die Kulisse, sondern auch die Inspiration für die Kollektion, die sämtliche handwerkliche Künste der Paraffections Ateliers von Chanel nutzt.
Zusätzlich zu den schon seit Jahren unter dem liebevollen Dach von Chanel geförderten Betriebe, Lesage, Causse, Massaro, Montex, Lemarié, Desrue, Goossens und Barrie Knitwear, hat Chanel jetzt auch den Ledergerber Bodin Joyeux, der die feinen Lammleder für die Handtaschen des Hauses zuliefert, gekauft. Die Métiers d’Art Kollektion ist eine Art Kür, die seit 2004 als Pre-Fall Kollektion die halbe Welt bereist hat. Es sind Reisen, die bei Karl Lagerfeld im Kopf stattfinden und die er auf die Zeichen und Ikonen des Hauses übersetzt. Nach New York, Tokio, London, Bombay, Moskau, Byzance, Shanghai und im letzten Dezember dann schließlich das schottische Edinburgh, ist man jetzt in der texanischen Hauptstadt angekommen.
Dallas, die Stadt J.R. Ewings, von Miss Ellie und Jock, Pam und Bobby oder der charmanten Lucie, zeigt auf der einen Seite sein modernes Gesicht, ist aber in den Traditionen und den Einflüssen von der Indianerkultur und Cowboyromantik geprägt. Genau das sind die Einflüsse, die in eine große Trommel geworfen und mit dem Grundstil der Rue Cambon gemixt wurden. Die Tweed Kostüme des Openings orientieren sich an der Form der Comeback-Kollektion von 1954. Knappe Sakkos mit Revers, gerade geschnitten und mit leicht ausgestelltem Rock, fallen locker um die Figur der Models. Genau der Typus von Kostüm, der die Amerikaner in den 50er Jahren im Sturm eroberte und die Vormachtstellung von Chanel in wenigen Saisons zurückbrachte.
Ein Feuerwerk des Pionierstils, gemixt mit Navajo Mustern und Plaidröcken-Double – RL goes Chanel. Weitere Highlights waren die „Laura Ingalls kleine Farm“-Volant Kleider, Western Boots, Stars & Stripes Cashmere Tücher. Kunstvoll gestickte „Kashina“ Jacken werden zu Spitzenblusen und handgewebten Plaidröcken kombiniert. Gegensätze von Couture und Folk-Elementen, die typisch amerikanisch sind, werden im Handumdrehen zum unverwechselbaren Chanel Look. John Wayne Hemden werden zu Kleidern, genau wie die Uniformen der Bürgerkriegs-Pioniere, die kurzerhand in elegante, mit Tressen versehene Cocktailkleider verwandelt werden. Extrem stark ist der Cashmere-Strick, egal ob klassischer Cardigan oder handgestrickte Outdoor Ethnik Teile – Casual Strick gewinnt an Bedeutung im nächsten Winter …
Bei den Abendkleidern fallen vor allem die von Chanels Paraffection-Atelier Lognon zur Meisterschaft gebrachte Technik des Plissierens auf. Nicht nur, dass Organza und Organdi kunstvoll in Falten gebügelt wird – Chanel appliziert damit, wie bei der Stickerei, auch kleine Streifen zu einer Art Kaleidoskop-Motiv und an Origami erinnernde Muster. Navajo Muster, mit der Raffinesse der Pariser Couture in Marmorfarben übersetzt, ziehen alle Register des Handwerks.
Bei den Accessoires dominieren Gadgets, wie Ölfass-Taschen und Strass besetzten Revolvern und Gewehren. Patronen-Taschen mit Silbertokens erinnern an die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges. Hopi Schmuck und mit Halbedelsteinen besetzte Armreifen, Filigransilber und typischer Indianer Schmuck werden à la Chanel kombiniert.
In der Paris-Dallas Kollektion gibt es, wenn man genau hinschaut, eigentlich fast nur sehr tragbare Sachen. Karl Lagerfeld vermag es, nicht nur spektakuläre Themen Kollektionen zu schaffen, sondern jedes Stück zu einem ewigen Klassiker werden zu lassen. Viele „Must haves“ sind in der Paris-Dallas Kollektion, die jedes Chanel LiebhaberInnen Herz höher schlagen lassen – auch wenn man nicht ein großer Rodeo Liebhaber ist.
Nächstes Jahr im Mai, wenn die Kollektion in die Boutiquen kommt, werden wir, mit Kristen Stewart als Model, fotografiert von Karl Lagerfeld, die Kampagne zur Métiers d’Art Kollektion sehen. Kristen Stewart ist für Lagerfeld die Frau, die den Dallas-Stil perfekt repräsentiert.
Egal ob Paris, Berlin oder London – ich bin sehr gespannt auf die ersten „Cowgirls“ à la Chanel, die unsere Straßen zieren werden. Ponchos, Plaidjacken und Indianerschmuck werden sicherlich in vielen Kollektionen bei den bekannten Filialisten in den nächsten Saisons auftauchen. Die handwerkliche Perfektion und die Raffinesse der gezeigten Stücke kann aber keiner erreichen, denn die Ateliers von Chanel verfügen über ein unglaubliches Know-how, das in Generationen gewachsen ist.
Vor der Schau wurde in einem mit Cadillacs und Straßenkreuzern gespickten „Drive Inn“ der neue Film von Karl Lagerfeld gezeigt – „The Return“, in deren Hauptrolle Geraldine Chaplin brilliert:
Chanels Comeback hätte man an keinem passenderen Ort zeigen können als im stürmischen Dallas dieser Tage, denn rasant war Mademoiselle in allen ihren Facetten und die Aufbruchstimmung der Paris-Dallas Kollektion hätte ihr bestimmt gefallen.
Eine solche Kollektion, mit über 90 Durchgängen, der akribischen Detailarbeit bei der Prêt-à-porter und den Accessoires, bedeutet selbst für ein Haus wie Chanel einen Kraftakt. Keine Nuance bleibt dem Zufall überlassen, alles ist perfekt und die Visionen von Karl Lagerfeld sind eins zu eins umgesetzt, um mit Leichtigkeit zu erscheinen. Welch ungeheuer harte Arbeit hinter jedem Stück, jedem Material, der Verarbeitung oder der Organisation liegt, vermag kaum einer einzuschätzen – aber genau das zeichnet ja die Meisterschaft aus …
„High Noon“ bei Chanel mit der Paris-Dallas Kollektion!

Cartier in der Rue de la Paix; Bild: Cartier
Als Louis-François Cartier 1847 Adolphe Picards Werkstatt in der Rue Montorgueil in Paris übernahm, war er einer von vielen Juwelieren in der schon damals Luxusgüter produzierenden Stadt. Was er damals aber noch nicht ahnen konnte, war, dass sein Haus schnell zum Synonym für die schönsten und besten Steine, das beste Design und zu dem Juwelier mit dem größten Weltruhm schlechthin werden sollte.
Cartier begründete mit einem unglaublich guten Riecher das, was für internationale Mode und Luxuskonzerne heute selbstverständlich ist: Niederlassungen in London und New York, alles unter der künstlerischen Leitung des Hauses, aber mit teilweise eigenen Kollektionen, die genau auf die Bedürfnisse der Klienten eingingen. Amerikanerinnen waren verrückt nach den Cartiers Juwelen und noch heute werden gerade in Amerika unglaubliche Schmuckstücke für das Cartier-Archiv zurückgekauft. Denn auch heute stellt Cartier in seinen Ateliers nicht nur neue Schmuckstücke her, sondern erwirbt auch immer wieder spektakulärere Stücke, um die Handwerkstechniken zu rekonstruieren oder Belegstücke für ihre Geschichte zu haben.
Er ist eine der unaufgeregtesten Mode-Designer der Welt, hat einen englischen Humor par excellence und ist wunderbar sympathisch: Paul Smith.
Eigentlich heißt der groß gewachsene Brite ja Sir Paul Brierley Smith und wurde in Nottingham, der Stadt des Robin Hood geboren. Zum Ritter wurde er im Jahre 2001 durch Prinz Charles geschlagen und heiratete dort auch seine Lebensgefährtin Pauline Denyer, mit der er schon seit 1969 zusammenlebte und die ihn angestoßen hatte, sich selbstständig zu machen.
Heute kann ich nur hoffen, dass viele Mädchen, die gerade ihre Wunschzettel für Weihnachten vorbereiten, noch ein wenig Platz darauf lassen, denn eine der schönsten Kollektionen von Chanel ist aktuell in den Boutiquen erhältlich. Es handelt sich um die Croisière Kollektion 2013, die Deauville als Thema hat.
Als sie im Mai in Singapur präsentiert wurde, haben wir sie euch bereits vorgestellt, doch wer sich wirklich ein Stück für die Ewigkeit des Pariser Traditionshauses anschaffen will, hat nun diverse Gelegenheiten dazu, denn kaum eine Linie enthält so viele tolle Klassiker wie die Croisière …
Entstanden ist die Idee der Croisière Kollektion Anfang der 90er Jahre als eine Art Kreuzfahrts-Kollektion. Mittlerweile haben viele Designerlabel nachgezogen und ähnliche Pre-Collections auf den Markt gebracht. Die Ursprungsidee zu diesen Kollektionen ist aber einst dem Kopf Karl Lagerfelds entsprungen, nachdem ihn so viele Kundinnen angesprochen hatten, wo sie denn ihre Badeanzüge und Urlaubskleidung einkaufen können, wenn sie im Dezember verreisen. Für Chanel ist das ein Spezialfall, da es tolle Basics gibt und besonders schöne Accessoires, die nicht nur einen Hauch von Sommer in die kalte Jahreszeit bringen, sondern auch besonders prägnante Beispiele für die Ikonen des Hauses sind.
Wie viel Mühe und Arbeit, aber auch Organisation und Ablauf hinter der Croisière Kollektion Paris-Deauville steckt, zeigt ein wunderbarer Film, der von der Entstehung in den Pariser Prêt-à-porter Ateliers, die Reise und die Vorbereitung der Präsentation in Singapur dokumentiert. Ein weiteres Kabinettstück aus den „Behind the Scenes Videos“ von Chanel, das wie kein anderes Haus bei jeder Kollektion das Handwerk und die Entstehungsprozesse erklärt:
Schaut man sich diese Videos in jeder Saison an, hat man im Handumdrehen das Hintergrundwissen, wie Couture, Prêt-à-porter und Accessoires Kollektionen entstehen und wie die zahlreichen Handwerke der Paraffections Ateliers funktionieren. Hier hat Chanel erkannt, wie wichtig es ist – wenn man seine Linien weltweit anbietet – diese Fertigkeiten und Ateliers zu erhalten, auch um die Qualität und den Preis zu erklären.
Die Croisière, inspiriert von der ersten Boutique der jungen Coco Chanel in dem Luxus Badeort Deauville an der französischen Atlantikküste, hat Keypieces, die in keinem guten Kleiderschrank fehlen sollten. Da sind die wunderbaren weiten Marlenehosen mit den Seemanns-Knöpfen – hochgeschnitten und von schamloser Zeitlosigkeit und tiefer Weiblichkeit geprägt. Sie sind eine Anschaffung, die, wenn sie einmal im Kleiderschrank gelandet ist, immer wieder rausgeholt werden kann und Sommer für Sommer ihre Trägerinnen an alle Urlaubsorte der Welt begleiten wird. Ob morgens zum T-Shirt oder Bikini-Oberteil getragen oder abends zum festlich Dinner aufgepeppt, begleitet sie rund um die Uhr und ist – ähnlich wie die schwarz-weißen Badeanzüge, die bequemen Jersey Jumper und Tuniken – eines der Highlights der Kollektion und Saison.
Bei den Accessoires wird die Entscheidung, welches Teil auf den Wunschzettel kommt, noch viel schwieriger, denn neben den wunderbaren geschnürten Espadrille im Klassiker Code von Chanel, Biskuit/Schwarz oder Weiß/Schwarz, gibt es für alle, die Ringel und Streifen lieben (wir von Horstson, das sei nebenbei bemerkt, lieben ja bekanntlich Ringel und Streifen) eine Vielfalt von tollen Ringel-Pumps. Auch diese Klassiker werden sicherlich zu Liebhaberstücken über viele Jahre und strahlen sofort die Wärme und Fröhlichkeit der schönsten Jahreszeit aus.
Meine erklärten Lieblinge sind aber eindeutig die in Rot/Creme und Schwarz/Creme gestreiften Flap Bags aus festem Baumwollstoff, die an ihren signifikanten Ketten liebevoll emaillierte Streifen-Knöpfe baumeln haben. Sie sind einfach der Hit und nicht nur très Chanel und très Deauville, sondern wirken fast wie ein Synonym für Urlaub.
Die cleanen, fast derben silbernen Panzerketten mit den Strassornamenten in feinster Jugendstil Ziselierung, sind in ihrer Gegensätzlichkeit zwischen fragil und hart sehr reizvoll und wirken elegant und doch jung und alltäglich zugleich. Sie sind das „Must-have“ für alle Fans von Chanels unschlagbarem Modeschmuck und zur Bikerjacke im Winter genauso toll, wie zum Abendoutfit oder Discobesuch in Saint-Tropez.
Die Croisière Kollektion hat aber noch viele andere hübsche Details, die es zu entdecken gilt und sicherlich werden wir den ein oder anderen Weihnachtsmann damit antreffen. Das Tolle dabei ist, dass man sich dann ganz viele Jahre an seinem Geschenk erfreuen kann, denn allen Sachen ist eines gemeinsam: sie sind ewige Klassiker à la Chanel. Vielleicht macht ja der Film auch Lust auf eine Reise, dann kann man sein Traumstück gleich im Urlaubsort ausführen …




