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Chanel Paris-Dallas: Annie get your Gun

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Bilder: Chanel

Am Dienstag zeigte Karl Lagerfeld im Fair Park in Dallas im Dekor einer Rodeo Halle die Métiers d’Art Kollektion 2014 Paris-Dallas für Chanel. Dallas ist die Stadt, in der Coco Chanel nicht nur den „Modeoscar“ von Stanley Marcus, dem Inhaber des Department Stores Neiman-Marcus, überreicht bekam, sondern auch die Stadt ihres Comebacks im Jahre 1954.
Texas, der Staat, in denen Ölmilliardäre, die, wie wir dank des Films „Giganten“ mit James Dean und Elisabeth Taylor wissen, vom Himmel fallen und Cowboyhüte und Boots zum Anzug getragen werden, bildet nicht nur die Kulisse, sondern auch die Inspiration für die Kollektion, die sämtliche handwerkliche Künste der Paraffections Ateliers von Chanel nutzt.
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Bild: Chanel

Zusätzlich zu den schon seit Jahren unter dem liebevollen Dach von Chanel geförderten Betriebe, Lesage, Causse, Massaro, Montex, Lemarié, Desrue, Goossens und Barrie Knitwear, hat Chanel jetzt auch den Ledergerber Bodin Joyeux, der die feinen Lammleder für die Handtaschen des Hauses zuliefert, gekauft. Die Métiers d’Art Kollektion ist eine Art Kür, die seit 2004 als Pre-Fall Kollektion die halbe Welt bereist hat. Es sind Reisen, die bei Karl Lagerfeld im Kopf stattfinden und die er auf die Zeichen und Ikonen des Hauses übersetzt. Nach New York, Tokio, London, Bombay, Moskau, Byzance, Shanghai und im letzten Dezember dann schließlich das schottische Edinburgh, ist man jetzt in der texanischen Hauptstadt angekommen.
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Bild: Chanel

Dallas, die Stadt J.R. Ewings, von Miss Ellie und Jock, Pam und Bobby oder der charmanten Lucie, zeigt auf der einen Seite sein modernes Gesicht, ist aber in den Traditionen und den Einflüssen von der Indianerkultur und Cowboyromantik geprägt. Genau das sind die Einflüsse, die in eine große Trommel geworfen und mit dem Grundstil der Rue Cambon gemixt wurden. Die Tweed Kostüme des Openings orientieren sich an der Form der Comeback-Kollektion von 1954. Knappe Sakkos mit Revers, gerade geschnitten und mit leicht ausgestelltem Rock, fallen locker um die Figur der Models. Genau der Typus von Kostüm, der die Amerikaner in den 50er Jahren im Sturm eroberte und die Vormachtstellung von Chanel in wenigen Saisons zurückbrachte.
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Bilder: Chanel

Ein Feuerwerk des Pionierstils, gemixt mit Navajo Mustern und Plaidröcken-Double – RL goes Chanel. Weitere Highlights waren die „Laura Ingalls kleine Farm“-Volant Kleider, Western Boots, Stars & Stripes Cashmere Tücher. Kunstvoll gestickte „Kashina“ Jacken werden zu Spitzenblusen und handgewebten Plaidröcken kombiniert. Gegensätze von Couture und Folk-Elementen, die typisch amerikanisch sind, werden im Handumdrehen zum unverwechselbaren Chanel Look. John Wayne Hemden werden zu Kleidern, genau wie die Uniformen der Bürgerkriegs-Pioniere, die kurzerhand in elegante, mit Tressen versehene Cocktailkleider verwandelt werden. Extrem stark ist der Cashmere-Strick, egal ob klassischer Cardigan oder handgestrickte Outdoor Ethnik Teile – Casual Strick gewinnt an Bedeutung im nächsten Winter …
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Bilder: Chanel

Bei den Abendkleidern fallen vor allem die von Chanels Paraffection-Atelier Lognon zur Meisterschaft gebrachte Technik des Plissierens auf. Nicht nur, dass Organza und Organdi kunstvoll in Falten gebügelt wird – Chanel appliziert damit, wie bei der Stickerei, auch kleine Streifen zu einer Art Kaleidoskop-Motiv und an Origami erinnernde Muster. Navajo Muster, mit der Raffinesse der Pariser Couture in Marmorfarben übersetzt, ziehen alle Register des Handwerks.
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Bilder: Chanel

Bei den Accessoires dominieren Gadgets, wie Ölfass-Taschen und Strass besetzten Revolvern und Gewehren. Patronen-Taschen mit Silbertokens erinnern an die Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges. Hopi Schmuck und mit Halbedelsteinen besetzte Armreifen, Filigransilber und typischer Indianer Schmuck werden à la Chanel kombiniert.
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Bilder: Chanel

In der Paris-Dallas Kollektion gibt es, wenn man genau hinschaut, eigentlich fast nur sehr tragbare Sachen. Karl Lagerfeld vermag es, nicht nur spektakuläre Themen Kollektionen zu schaffen, sondern jedes Stück zu einem ewigen Klassiker werden zu lassen. Viele „Must haves“ sind in der Paris-Dallas Kollektion, die jedes Chanel LiebhaberInnen Herz höher schlagen lassen – auch wenn man nicht ein großer Rodeo Liebhaber ist.
Nächstes Jahr im Mai, wenn die Kollektion in die Boutiquen kommt, werden wir, mit Kristen Stewart als Model, fotografiert von Karl Lagerfeld, die Kampagne zur Métiers d’Art Kollektion sehen. Kristen Stewart ist für Lagerfeld die Frau, die den Dallas-Stil perfekt repräsentiert.
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Bilder: Chanel

Egal ob Paris, Berlin oder London – ich bin sehr gespannt auf die ersten „Cowgirls“ à la Chanel, die unsere Straßen zieren werden. Ponchos, Plaidjacken und Indianerschmuck werden sicherlich in vielen Kollektionen bei den bekannten Filialisten in den nächsten Saisons auftauchen. Die handwerkliche Perfektion und die Raffinesse der gezeigten Stücke kann aber keiner erreichen, denn die Ateliers von Chanel verfügen über ein unglaubliches Know-how, das in Generationen gewachsen ist.
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Bild: Chanel

Vor der Schau wurde in einem mit Cadillacs und Straßenkreuzern gespickten „Drive Inn“ der neue Film von Karl Lagerfeld gezeigt – „The Return“, in deren Hauptrolle Geraldine Chaplin brilliert:

Chanels Comeback hätte man an keinem passenderen Ort zeigen können als im stürmischen Dallas dieser Tage, denn rasant war Mademoiselle in allen ihren Facetten und die Aufbruchstimmung der Paris-Dallas Kollektion hätte ihr bestimmt gefallen.
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Bild: Chanel

Eine solche Kollektion, mit über 90 Durchgängen, der akribischen Detailarbeit bei der Prêt-à-porter und den Accessoires, bedeutet selbst für ein Haus wie Chanel einen Kraftakt. Keine Nuance bleibt dem Zufall überlassen, alles ist perfekt und die Visionen von Karl Lagerfeld sind eins zu eins umgesetzt, um mit Leichtigkeit zu erscheinen. Welch ungeheuer harte Arbeit hinter jedem Stück, jedem Material, der Verarbeitung oder der Organisation liegt, vermag kaum einer einzuschätzen – aber genau das zeichnet ja die Meisterschaft aus …
„High Noon“ bei Chanel mit der Paris-Dallas Kollektion!

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  • vk
    12. Dezember 2013 at 11:10

    wunderbar. – wir nehmen alles.

  • Siegmar
    12. Dezember 2013 at 11:18

    Riesiger Aufwand der bestimmt toll war, leider muss ich sagen, das mir es das erste Mal passiert das mir persönlich die Sachen nicht gefallen, auch die Accessoires finde ich hässlich, ein Oelfass als Handttasche od. ein Revolver als Brosche ist unschön und überflüssig. Von allen Kollektionen der Métiers d’Art Kollektion ist dies die schwächste. Byzanz und Bombay waren sensationell. Auch wenn ich mir en Unmit einiger Horstsianer auf mich ziehe, diesmal gefällt es mir nicht.

  • Daisydora
    12. Dezember 2013 at 11:20

    Der helle Wahnsinn, absolut super 🙂 … Stoffe, Modelle und die Idee sind richtig toll … ich nehme alles, außer die Logo-Federn, da sind mir dann doch echte Federkronen von legendären Häuptlingen lieber …

  • Søren
    12. Dezember 2013 at 11:20

    Ich habe mich sowohl auf die Kollektion als auch auf den Bericht von Peter Kempe hier sehr gefreut, beide gefallen mir außerordentlich.
    Schwierig finde ich bei den Accessoires bei strassbesetzten Revolver, da sie zwar für die Kollektion passend sind, man derartiges aber schon so oft in billiger Machart bei New Yorker, Claires, und diesen ganzen Klimbim-Läden gesehen hat.
    Den gesamten Stil der Kollektion finde ich sehr überzeugend und ein Highlight ist, wie immer, das Set-Design.

  • Søren
    12. Dezember 2013 at 11:21

    Die Logo-Federn nehme ich und stecke sie mir an den Hut.

  • Christian
    12. Dezember 2013 at 11:23

    Ich find gerade den Kontrast Oelfass (schmutzig) /Chanel (clean) krass geil

  • Daisydora
    12. Dezember 2013 at 11:23

    @Siegmar

    Ich gucke nie auf diese Accessoires, habe jetzt eigens geschaut und muss sagen, auch gar nicht mein Fall aber diese Dinger gehören für mich eher zur Deko 😉

  • Junikäfer
    12. Dezember 2013 at 12:42

    Ich bin begeistert. Ich muss sagen, dies ist seit langem eine Chanel-Kollektion von Karl Lagerfeld, die vom Anfang bis zum Ende jung und lebendig wirkt. Es gibt (fast) kein Outfit, dass lady-like oder eingestaubt wirkt, wie sonst ein Großteil der Kollektion. Einfach durchweg fantastisch!

  • peter
    12. Dezember 2013 at 13:05

    Meine Lieblingskollektion war ja die Edinburgh!!
    Den Revolver gabs schon mal in der Frühjahrs Kollektion 2005 deswegen haben wir den auchs chon in gefälscht gesehen!!!Danke dafür das ihr mich immer so in meinem schreiben bestärkt!!Möchte ich mich mal ausnehmend
    für bedanken!!

  • Siegmar
    12. Dezember 2013 at 13:18

    ich werde mir die Kollektion nochmal in Ruhe ansehen. Ich bin ja ein grosser Fan von Chanel und ich werde sicherlich auch fündig.

    @Junikäfer
    gerade dieses Lady-like mag ich sehr, warum sollte jemand der jung ist, nicht auch mal lady-like aussehen. Eine Chanel-Jacke zu einer Jeans ist jung und lebendig. 🙂

  • blomquist
    12. Dezember 2013 at 14:58

    Gang ganz großartig.
    Und ich brauche so eine Feder!

  • Junikäfer
    12. Dezember 2013 at 17:19

    @ Siegmar:

    Nein, gegen lady-like ist in der Tat wenig zu sagen. Aber gegen eingestaubt, alt und aus dem Museum! Das trifft für meinen Geschmack (leider) noch auf viele Outfits bei Chanel zu…

    Übrigens: Die Herren-Outfits hätte man sich auch wieder sparen können…

  • monsieur_didier
    13. Dezember 2013 at 01:05

    …wieder toll geschrieben, wie eigentlich immer…
    Peter, Kompliment und Dank dafür…

    ABER:
    als ich die Bilder ansah glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen…
    das ist nicht meins, ich liebe die klassischen Chanel-Sachen, da klopft mein Herz und ich werde nervös, weil das so viel Stil und Tradition, Modernität und Liebe zum Handwerk hat…
    diese Kollektion hat was für mich von Jahrmarkt, Karneval und noch einigen anderen, vielleicht sogar despektierlichen Worten…
    das hat was von Rummel und Halli-Galli…
    die Stoffe sind toll, die Verarbeitung bestimmt traumhaft (wie immer bei Chanel)
    aber diese ganzen Accessoires wirken wie Talmi und beim Gedanken, dass sich jemand ein Ölfass oder einen Revolver aus Strass an die Jacke oder das Kleid pinnt wird mir schwindelig…
    ich warte um so gespannter und sehnsuchtsvoller auf die nächste Kollektion…!

  • Horst
    13. Dezember 2013 at 09:35

    Ich mags geradee wegen des halli-Hallis und des Humors und freue mich auf einen Chanel-Sheriff-Stern! 🙂

  • Siegmar
    13. Dezember 2013 at 10:36

    @ Junikäfer
    angestaubt finde ich auch grässlich, das ist aber in den letzten Jahren viel besser geworden bei Chanel und richtig ist, über die Herrenkollektion den Mantel des Schweigens zu legen. KL kann viel, aber das kann er nicht wirklich.

  • Siegmar
    13. Dezember 2013 at 10:38

    @ Monsieur_didier

    danke für den Support, gut das du das auch so sieht.

  • monsieur_didier
    13. Dezember 2013 at 20:22

    @ Siegmar: …sehr gerne, erst recht, da dies auch noch meine wirkliche Meinung ist…
    manchmal denke ich, der größte Luxus heutzutage ist der, eine eigene Meinung zu haben und diese auch noch zu vertreten… 🙂

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