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Peter’s Cutting – Showgirls! Louis Vuitton & Marc Jacobs

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In der letzten Woche hatten wir die Gelegenheit, die Details der Showgirls Kollektion von Marc Jacobs für Louis Vuitton für das Frühjahr 2014 im Münchner Showroom zu entdecken. Daisydora berichtete ja schon in einem fulminanten Artikel direkt im Anschluss der Schau, aber der Kollektion nur einen Schauenbericht zu widmen, würde ihr einfach nicht gerecht werden, denn Marc Jacobs hat damit auch auf den zweiten Blick ein wahres Meisterwerk geschaffen …
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Dieses letzte Defilee von Marc Jacobs für Louis Vuitton drückt nicht nur das aus, was für ihn wie eine Quintessenz seiner Tätigkeit ist. Diese Kollektion ist wie eine Hommage und Liebeserklärung an das Handwerk und die Fantasie und Inspiration, die fast alle Menschen antreibt, die sich als Lebensaufgabe, man könnte es auch Schicksal nennen, mit Mode beschäftigen. Und damit meine ich Mode und nicht Konfektion bzw. Massmarket oder asiatische Container Ware, wie es heute häufig verwechselt wird. Wir widmen uns auf unserem Blog ja genau diesem Genre und auch für uns ist das genau die Antriebsfeder, ohne kommerziellen Hintergrund viele Stunden damit zu verbringen, uns mit Mode und Inspirationen, Handwerk und den Philosophien der Modehäuser auseinanderzusetzen.
Vielleicht ist es genau diese Gemeinsamkeit, die uns an der Kollektion von Marc Jacobs fasziniert, denn sie ist bei ihrer fast monochromen schwarzen Farbigkeit, so etwas wie die Projektion von Struktur und Abbild der typisch Pariser Handwerklichkeiten. Sie ist eigentlich mehr eine Métiers d’Art Collection als eine Prêt-à-porter.
Marc Jacobs hat alle Register gezogen und seine Widmung „Eine Hommage an das Showgirl in uns allen“ wirkt wie eine Überschrift, die es zu ergrünenden gilt.
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Die Blusen erinnern in ihrer Inspiration an den Film „Moulin Rouge“ mit Zsa Zsa Gabor und die Pailletten, Jetstickereien, Tüll und Musselin deuten auf das Fin de Siècle und Paris zu dieser Zeit hin. Die Jeans transportieren uns aber wieder ganz schnell in unsere Zeit und irgendwie wirken die Kopfputze des genialen Stephen Jones wie für die Großstadt-Indianerinnen gemacht, obwohl sie in Revuen der zwanziger Jahre, wie der Berliner „Haller Revue“ entliehen sind.
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Die Kollektion wirkt fast wie ein Modeschatz, den man, wenn man ihn einmal getragen hat, nie wieder hergeben möchte. Marc Jacobs widmete seine Kollektion den Frauen, welche die Formensprache immer neu erfinden und neben Stil auch Geisteshaltung haben: „Die Kollektion ist all den Frauen gewidmet, die mich inspirieren, und dem Showgirl, das in jeder von ihnen existiert: Emmanuelle Alt, Jane Birkin, Betty Catroux, Carlyne Cerf De Dudzeele, Coco Chanel, Cher, Grace Coddington, Sofia Coppola, Victoire de Castellane, Catherine Deneuve, Claude Lalanne, Julie de Libran, Lady Gaga, Judy Garland, Katie Grand, Juliette Gréco, Françoise Hardy, Zizi Jeanmaire, Rei Kawakubo, Madonna, Liza Minnelli, Kate Moss, Louise Nevelson, Edith Piaf, Miuccia Prada, Lee Radziwill, Millicent Rogers, Sonia Rykiel, Carla Sozzani, Elsa Schiaparelli, Barbra Streisand, Diana Vreeland, Vivienne Westwood, Anna Wintour.“
Alles starke Frauen, die aber immer auch eine spielerische Seite, eben die des Showgirls, haben. Manche offensichtlich, andere hinter Disziplin und stringenter Linie versteckt – genau wie die Mode, die Leichtigkeit und harte Arbeit vereint.
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Was Marc Jacobs dann beschreibt, ist das, was man 1:1 in jedes Lexikon übernehmen sollte, wenn man den Geist und die Triebfeder von Kreativität und Ästhetik in dieser Branche formulieren möchte:
„Der Stil, das Talent, die Vorstellungskraft, die Kreativität, die Vision und die Stimmen dieser Frauen haben unser Dasein verändert“ – könnte man es schöner beschreiben? Aber Marc Jacobs ergänzt seinen Kommentar und man könnte es fast als Epilog zu seiner wunderbaren Vuitton Zeit verstehen kann …
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Dazu muss man wissen, dass nicht nur Louis Vuitton seit 1854 fester Bestandteil von Paris ist, also genau die Zeit, in der durch die Revue Theater und die Operette diese Stadt noch bekannter wurde. 1854 ist auch der Ursprung der Haute Couture, die Marc Jacobs von der Jeans über die Schuhe bis zu den Taschen wie einen Schleier über diese Teile fallen lässt:
„Wenn ich mir Paris ansehe, dann ist es nicht die Vielfalt der Stadt selbst, die mich sprachlos werden lässt. Es sind vielmehr die Verzierungen und das Ornamentale, die mich überwältigen. Das ist keine rationale, sondern ein vollständig emotionale Wahrnehmung. Es gibt keine stärkere Empfindung. Als ich die Kollektion entworfen habe, hat sich dieser Eindruck immer mehr verstärkt. Mir gefallen die Dinge genau für das, was sie sind, und ich schwelge in der Schönheit um der Schönheit willen. Es ist genau so ehrlich, sich mit etwas um allein seiner Ästhetik willen verbunden zu fühlen, als sich dem auf intellektuellem Terrain zu nähern.“
Genau das beschreibt jedes Stück, bei denen das Schwarz so eine Art Leinwand für das Ornamentale bildet und mit diesem Hintergrund eine Liebeserklärung an die Frauen ist.
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Für mich setzt diese Kollektion klare Akzente und ist ein wunderbares Synonym dafür, was Mode abseits von Massenkonsum und „Billig!“-Geschrei beinhalten kann – es ist reine Poesie und Marc Jacobs erscheint hier als gereifter Designer. Er umschreibt perfekt die Triebfeder, die uns Individualisten immer wieder neue Dinge kreieren lässt.
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Eine der schönsten Kollektionen der Saison und eine große Hommage an Louis Vuitton. Es ist eine Key Kollektion für jeden, denn das Showgirl schlummert nicht nur insgeheim in jeder Frau: Auch Männer haben eine kleine versteckte Bühne irgendwo in sich – man muss sie sich nur zugestehen …

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  • Daisydora
    16. Dezember 2013 at 13:16

    Ein sehr schöner Blick auf die Kollektion und ihre Ursprünge … und ich bin sehr gespannt, diese Modelle unterwegs auf der Strasse zu sehen … wir können an manchen Ecken noch etwas mehr Glamour und Schönheit vertragen 🙂

  • Christian
    16. Dezember 2013 at 14:07

    Gefällt, sowohl Schreibe als auch Pics und ich bin kein Showgirl 🙂

  • Siegmar
    16. Dezember 2013 at 16:55

    sehr schöner Artikel und ich würde mich auch freuen mehr Glamour auf der Strasse zu sehen,

  • Peter’s Cutting – Merry Christmas! | Horstson
    24. Dezember 2013 at 11:30

    […] Autoren haben mit euch Lesern fulminante Kollektionen, wie die “Showgirl” Kollektion von Marc Jacobs für Louis Vuitton genauso entdeckt, wie Pradas Meisterkollektion, Die “Dallas” Kollektion für Chanel […]