Das Headquarter von Prada wirkte bei der Präsentation der Spring-Summer Kollektion mit den Installationen aus Plexiglas wie die Höhle eines modernen König Midas und setzt den goldenen Turm der Fondazione Prada optisch fort. Gold, ein Farbton, der eigentlich prätentiös wirkt, in heller lichtdurchfluteter Version, diente bei der Präsentation als Einstimmung auf einen Sommer, der alle Elemente und den eigenständigen Stil der kunstaffinen Miuccia Prada beinhaltete. Gemeinsam mit Designdirektor Fabio Zambernardi, allerdings ohne Miuccia Prada (die Modeschöpferin konnte nicht dabei sein, da ihre Tante kurze Zeit vorher verstarb), gab es im Finale ein Feuerwerk von Slip-on-Kleidern und wunderschönen Mänteln zu sehen. Die Models trugen – als eine Art Kuss von Midas – goldenen irisierenden Lippenstift, blässliches Make-up und hängende Kugelohrringe, die das Gesicht umrahmten und Erinnerungen an Polly Maggoo wach werden ließen.
Damenmode
Die New Yorker Modewoche, die in jeder Saison den Auftakt der Frauenschauen bildet, wurde in diesem Herbst besonders erwartet, da sie sich dem Publikum öffnen wollte und das Ziel hatte, kommerzieller zu werden. Den Auftakt machte Riccardo Tisci, der die Givenchy-Schau das erste Mal von der Seine an den Hudson River verlegte und dessen Kollektion wir noch ausführlich besprechen werden – genau wie die von Shootingstar J.W. Anderson, der einer der wenigen Designer war, die wirklich Neues zeigten. Warum Kommerzialisierung Langeweile bedeuten muss, schienen sich die meisten Designer nicht zu hinterfragen. Als Resümee der New Yorker Fashionweek kann man sagen, dass – bis auf wenige Ausnahmen – in New York „außer Spesen nichts gewesen“ war. Grundsätzlich ist Kommerz nicht verwerflich und so bestimmt er mittlerweile den Alltag der meisten Modekonzerne. Auch werden in New York von jeher viele Labels gezeigt, die sich eindeutig, wie Tommy Hilfiger, Hugo Boss, Lacoste oder Gant, auch diesem Markt verschrieben haben. Man fragt sich, warum Calvin Klein nichts mehr mit Mode zu tun hat oder was sagen 25-Jährige in unserer sich verändernden Welt zu Labels wie Carolina Herrera?! Oscar de la Renta würde sich im Grabe umdrehen, wenn er, der Garant für New Yorker Eleganz, sehen würde, was mittlerweile unter seinem Namen gezeigt wird. Die Oscar de la Renta-Kollektion war ein Desaster.
Focus Accessoires – Der zweifarbige Schuh von Chanel
Posted on 14. September 2015Bild: Chanel
Nachdem in den letzten Jahren die Höhen der Absätze scheinbar keine Grenzen kannten und Christian Louboutin, Manolo Blahnik oder auch Jimmy Choo mit Plateaus und Modellen, die an Mordwaffen erinnern, Furore machten, ist jetzt Entwarnung für die Frauen angesagt, die zwar elegant und weiblich erscheinen, aber trotzdem bequem ihren Alltag meistern möchten. Trotzdem müssen die Frauen nicht auf Sneaker und Co. zurückgreifen …
„Er“ ist nämlich wieder da – der Schuh, der seit über einem halben Jahrhundert in keinem Schrank einer Frau fehlen darf. Der Schuh, der aussieht, als hätte man einen Löffelbiskuit in seinen Kaffee eingetunkt, mit dem Absatz, der in Frankreich auf den schönen Namen „Trotteur“ hört.
Pünktlich nach Ferienende liegen die großen Septemberausgaben der Modemagazine auf dem Tisch und bringen die Strecken und Looks für Herbst-Winter raus, die sie als besonders trendangebend empfinden. Einen nicht unerheblichen Teil dieser Ausgaben, die als „Key-Hefte“ für die Verlage gelten, bilden die Anzeigen mit den Kampagnen der einzelnen Modemarken und Konzerne. In Amerika werden diese von den großen Departmentstores dominiert, die teilweise zehn und mehr Seiten schalten. In Europa überwiegen hingegen die Motive, die die Modelabels selbst produzieren.
Eine der schönsten Kampagnen, die aus dem häufigen Einerlei auffällt, wurde von Steven Meisel für Prada fotografiert.


Links: „Romanov“-Armband; rechts: „Lagon“-Armband; Bilder: Cartier
Rund um die Haute Couture und kurz vor den großen Ferien herrscht in den Ateliers der Juweliere Hochbetrieb. Das liegt zum einen daran, dass im Herbst und zu Weihnachten die meisten Schmuckstücke verkauft und verschenkt werden und dass man über Sommer, wenn man sich für Schmuck interessiert, sorgsam überlegen und seine Kaufentscheidung fällen kann. Außerdem werden die Sonderbeilagen der wichtigen Modemagazine fotografiert und parallel die Geschenkeseiten vorbereitet. So ist es kein Wunder, wir berichteten schon über die Haute Joaillerie von Chanel, dass aktuell auch Cartier seine Haute Joaillerie-Kollektion zeigte. Ort der Präsentation war die Côte d’Azur, von der aus nicht nur die Inspiration zu den Stücken ausgeht, sondern in der auch weltberühmte Künstler, die für ihre flamboyanten Farben berühmt waren, wie Picasso, Matisse oder Chagall, ihre Meisterwerke schufen.
Bild: Hedi Slimane; Saint Laurent Paris
Es liegt auf der Hand, was Saint Laurent jetzt bekanntgegeben hat: Auf ganz eigene Art und ganz im Sinne des eigenwilligen Hedi Slimane belebt das Haus seine Haute Couture neu. Das Potenzial lag, nach der letzten Schau von Yves Saint Laurent im Jahre 2002, im Grunde genommen brach, und das, obwohl es, wie die Umsätze aus den Couture-Abteilungen von Dior, Chanel und Valentino deutlich machen, weltweit immer mehr Couture-Kundinnen gibt. Die Couture-Kollektionen sind zu einem wirklichen Umsatzfaktor geworden und tragen nicht nur, wie häufig niedlich heruntergespielt, zum Image des Hauses bei …
Damit ein Jubiläum nichts Rückschauendes hat, das mag Karl Lagerfeld gar nicht, hat er einfach etwas Neues erfunden, um die unglaubliche Dauer seiner Zusammenarbeit mit dem römischen Label Fendi zu manifestieren: Eine Haute Couture-Kollektion, im Falle von Fendi natürlich Haute Fourrure, ganz aus dem Material, für das Fendi seit hundert Jahren steht.
Dass ein Designer 50 Jahre arbeitet, kommt eh schon selten vor, aber dass er für ein anderes Unternehmen so lange kreativ ist, ist einzigartig. Karl Lagerfeld Karrierestart glich dem, was er jetzt in der Haute Fourrure-Kollektion gezeigt hat. 1965 wurde in Pelzhäusern noch mit Modellen gearbeitet, die vorgeführt wurden. Später wurden die Stücke dann nach den Maßen und den Wünschen der Kunden realisiert und so konnte man nach Geschmack die Form in den Fellen, die einem gefielen, wie Fuchs, Nerz oder Zobel, bestellen. Die zweite Generation der Fendi-Familie, gebildet aus den fünf berühmten Fendi-Schwestern, wollte weg vom altehrwürdigen Statussymbol Pelz und Kundinnen in ihrem Alter ansprechen. Karl Lagerfeld fügte eine jüngere Linie hinzu und zudem auch die Prêt-à-porter und die Accessoires. Außerdem kreierte Lagerfeld auch das berühmte doppelte „F“ als Markenzeichen, das für Fendi steht aber auch für „Fun Fur“, denn er wollte dem Metier seine Schwere nehmen. Lagerfeld verjüngte nicht nur die Marke, sondern schuf auch Filme und Kataloge und, seitdem er fotografiert, natürlich auch alle Pressefotos für das Haus Fendi.
Seit einigen Jahren ist es Tradition zu den Couture Wochen, dass die großen Juweliere rund um den Place Vendôme im Januar und im Juli ihre ganz besonderen Stücke, meist Einzelstücke oder kleine Serien – die sogenannte Haute Joaillerie – präsentieren. Alle Schmuckstücke wurden in Handarbeit in den Ateliers – manchmal über viele Jahre hinweg – vorbereitet und gefertigt. Es ist zeitaufwendig und schwierig, die passenden Steine oder Perlen zu finden, die genau zu den Entwürfen passen … Noch schwieriger ist es aber, von einem Teil mehrere identische Duplikate zu fertigen, denn jeder Edelstein ist anders und deshalb bleibt dann jeder Ring oder jede Kette doch ein Unikat.
Es soll ja Menschen geben, die kaufen sich Schuhe, um sie sich ins Regal zu stellen. Es soll auch Menschen geben, die ein kleines Vermögen für Schuhe ausgeben und denen dann im Nachhinein das Gewissen plagt, so viel Geld für ein Paar Schuhe ausgegeben zu haben. Doch gleich, wer bei den Armadillo Boots, die Alexander McQueen neu aufgelegt hat, zuschlägt – ein schlechtes Gewissen braucht man eigentlich nicht haben. Im Gegenteil: die Schuhe werden für einen guten Zweck versteigert.
Bild: Viktor & Rolf; PR
„Wearable Art“ nennen Viktor & Rolf ihre Haute Couture Kollektion für Winter 2015. Für mich ist sie nicht nur ein Augenzwinkern und der totale Gegensatz zu den arrivierten Couture Häusern, vielmehr zeigt sie auch die Fantasie und Kreativität, die eigentlich Mode ausmacht. Die beiden Holländer verfolge ich in ihrem Schaffen schon lange und besonders gern, weil sie die gleichen Wurzeln und Inspirationen meiner Generation mitbringen, die sie dazu brachten, sich mit Mode zu beschäftigen und sich dafür zu begeistern. Die Endvierziger begannen in einer Zeit, als Informationen aus anderen Modehäusern noch schwer zu bekommen waren und als es populärer wurde, sich mit Mode und Design zu beschäftigen. Als ihre Initialzündung geben Viktor Horsting und Rolf Snoeren an, die damals auch in den Niederlanden ausgestrahlte Sendung „Neues vom Kleidermarkt“, eine NDR-Produktion mit Antonia Hilke, verschlungen zu haben. Horsting und Snoeren träumten davon, eines Tages ihre Kollektionen in Paris vorzuführen.
Immer auf dem Boden geblieben, überraschen sie bis heute mit ständig neuen Ideen und gleichen in ihrer Arbeit eher Modekünstlern, als nur an Kommerz interessierten Designern.






