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Schmuckstücke – Les Talismans de Chanel

Chanel Haute Joaillerie
Bild: Chanel Joaillerie

Seit einigen Jahren ist es Tradition zu den Couture Wochen, dass die großen Juweliere rund um den Place Vendôme im Januar und im Juli ihre ganz besonderen Stücke, meist Einzelstücke oder kleine Serien – die sogenannte Haute Joaillerie – präsentieren. Alle Schmuckstücke wurden in Handarbeit in den Ateliers – manchmal über viele Jahre hinweg – vorbereitet und gefertigt. Es ist zeitaufwendig und schwierig, die passenden Steine oder Perlen zu finden, die genau zu den Entwürfen passen … Noch schwieriger ist es aber, von einem Teil mehrere identische Duplikate zu fertigen, denn jeder Edelstein ist anders und deshalb bleibt dann jeder Ring oder jede Kette doch ein Unikat.
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Bilder: Chanel Joaillerie

Das Haus Chanel, dessen Begründerin bereits 1932 in ihrem eigenen Appartement in der Rue du Faubourg Saint-Honoré Diamantschmuck, den sie gemeinsam mit ihrem Freund Paul Iribe entwarf, ausstellte, lässt sich immer ganz besondere Kreationen einfallen. Diese Kreationen haben meist etwas mit den Codes von Mademoiselle oder den Ikonen des Hauses Chanel zu tun. Nichts liebte die Modeschöpferin mehr, als den von ihr entworfenen Modeschmuck mit echtem Schmuck zu mischen. Neben ihren Ketten, Broschen und Armändern, die bei Robert Goossens oder Madame Gripoix gefertigt wurden, liebte sie es, ihre Diamanten oder Perlen anzulegen, die Geschenke des Herzogs von Westminster waren oder die sich Selfmadefrau selbst gekauft hatte. Ein Schmuckstück liebte sie aber besonders: Einen Ring, den sie immer trug oder der zumindest immer in ihrer Nähe war. Es war gleichzeitig ihr Glücksbringer und ihr Talisman.
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Bilder: Chanel Joaillerie

Chanels echter Schmuck gehört zu den wenigen Mirakeln in ihrem Leben. Das meiste, was sie besaß und nicht schon ihrer Nichte Gabrielle Labrunie vermacht hatte, verschwand auf rätselhafte Weise in der Nacht nach ihrem Tode am 10. Januar 1971 aus ihrem Schreibtisch in ihrem Appartement in der Rue Cambon und blieb für immer verschollen. Der Diebstahl wurde niemals aufgeklärt. Ihr Talisman blieb aber erhalten und lieferte nun die Inspiration für eine Reihe von außergewöhnlichen, hochkarätigen Teilen, die die Krone der Juwelierkunst in sich vereinigen. Da solche Stücke eine besondere Präsentation benötigen, führte es uns an einen ganz besonderen Ort in Paris, der die Geschichte ähnlich revolutionierte, wie die eloquente Modeschöpferin selbst. In der Universität Descartes in der Rue de l’École de Médecine, einem altehrwürdigen Gebäude der Pariser Fakultäten, begannen nämlich 1968 die Studentenunruhen in Paris, die sich über ganz Europa verbreiteten und das politische Gesellschaftsbild Westeuropas gründlich durchschüttelten. Besonders schön dargestellt wurde dieses Szenario in dem immer wieder sehenswerten Film „Die Träumer“ von Bernardo Bertolucci aus dem Jahre 2003, wo das Gebäude als Drehort diente.
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Bilder: Chanel Joaillerie

Was an Schmuckstücken gezeigt wurde, lud nicht nur zum Träumen ein, sondern wurde auch eifrig von den Couture Klienten probiert und sicherlich auch zu dem ein oder andere Kleid aus der „Cercle Privé“-Kollektion bestellt. Die Raffinesse der Effekte, mit denen besonders bei den mit Trompe-l’œil-Objekten experimentiert wurde, wird auch auf den Fotos gut sichtbar. Bei den Techniken wird nicht nur viel mit den üblichen Edelsteinen gespielt, sondern auch mit Emaille-Techniken und mit Malerei, was den besonderen Chanel Charakter betont. Ähnlich wie bei der Haute Couture gibt es viele technische Neuerungen, wie Magnet-Effekte oder auch Verarbeitungsweisen, die nur in diesen Preziosen erprobt wurden. Das klassische Juwelierhandwerk passt sich, gerade was Präzision anbetrifft, durch neue Möglichkeiten des Lasercuts und verfeinerter Sehtechnik unserer Zeit an.

Der Ring, den einst Mademoiselle trug, wird in Weiß- und Gelbgold ausgeführt und hat als Krönung, außer 89 Brillanten einen besonders schönen, abgerundet geschliffenen Topas Cabochon in Gelb von 21,1 Karat. Sein Licht und seine Tiefe wirken wie eine Kristallkugel, in der man die Zukunft sehen kann.
Die Brosche „Attirante“ ist mein persönliches Lieblingsstück, weil sie an die byzantinischen Broschen und die Orden erinnert, die Chanel so geliebt hat und die ihr Freund und Mitarbeiter Fulco Di Verdura mit ihr in den Dreißiger Jahren in die Kollektion mit einbrachte. Sie ist ein Cocktail aus den schwierigsten Techniken und hat neben vier wunderschönen orangen Topasen, Spinelle, Diamanten und gelbe Saphire neben roter und blauer Emaille. Ein Stück, was sicherlich nicht nur Diana Vreeland als Talisman gefallen hätte … Die Brosche lässt sofort Chanels Codes erkennen, ohne mit den verschlungenen C’s zu spielen.
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Bilder: Chanel Joaillerie

Bei der Serie „Fascinante“ wird in feinster Emaille-Malerei mit Chanels Vorliebe für Gardenien und Kamelien gespielt, die mit Grau- und Schwarztönen wirkungsvoll gegen das Strahlen der Diamanten wie der Kontrast von Tag und Nacht wirkt. Der 3D-Effekt der Haute Couture kommt hier und bei den durch Bergkristall-Besatz wie tiefe Seen wirkenden „Magnetique“-Serie mit Collier und Brosche besonders gut rüber. Die Kristalle wirken wir Vergrößerungsgläser, die in zarten Goldfassungen die Diamanten in unregelmäßigen, ovalen darunterliegenden Goldfassungen wie Einzeller durch ein Mikroskop erscheinen lassen. Alle Schmuckstücke wirken, als würden sie die Liebe zur Unendlichkeit symbolisieren und wie von Zauberhand gemacht sein.

Das Licht wird hundertfach und tausendfach in jedem Teil gebrochen und reflektiert. Jedes Stück hat ein ganz persönliches Strahlen. Sehr schön die schwarze „Mystérieuse“-Kollektion, kombiniert mit den schwarzen und goldenen Effekten von Mademoiselles berühmten Coromandel Paravents und mit ihren Lieblingsperlen, sind sie das, was ihr lebenslang als Glückssymbol diente. Die Paravents boten ihr Schutz, mit den Perlen spielte sie gern, wenn sie nervös vor den Premieren war …

„Les Talismans de Chanel“ ist derzeit am Place Vendôme zu sehen und wie die Haute Couture „by appointment“ zu bestellen. Die Gebäude der Université Descartes sollte man sich bei einem Paris Besuch unbedingt anschauen. Oder aber man schaut sich einfach noch einmal Bertoluccis Film an …

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  • Monsieur_Didier
    20. Juli 2015 at 19:41

    …wie wundervolll
    ich bin begeistert und verliebt…
    merci, Peter…!

  • Tim
    21. Juli 2015 at 12:12

    Alles schön und gut aber was kostet so eine Kette???

  • Étourdissant de Cartier - Die Träume der Riviera | Horstson
    4. August 2015 at 10:07

    […] Modemagazine fotografiert und parallel die Geschenkeseiten vorbereitet. So ist es kein Wunder, wir berichteten schon über die Haute Joaillerie von Chanel, dass aktuell auch Cartier seine Haute Joaillerie-Kollektion zeigte. Ort der Präsentation war […]