All Posts By

peterkempe

Allgemein

Peters Cutting’s – Margaux Hemingway


Margaux Hemingway by F.Scavullo, 1976; via bittersweet-vogue

Ostern hatte ich eine Begegnung der dritten Art, weil ich bei meinen Schwiegereltern eine Zeitschrift von 1989 fand, in der Margaux Hemingway durch Paris führt, dass im Zeichen des 200 Jahrestages der französischen Revolution Kopf stand. Paris war im avantgardistischen Rausch. Die Bilder und die Orte ließen in meinem Kopf – wie in einer Slotmaschine – alles wieder vor meinen Augen erscheinen, als wär’ es gestern gewesen.

Continue Reading

Allgemein

Petit h – die Jazzkapelle der Schatzsucher von Hermès

Würde man die Weltführer der Modehäuser mit großen Symphonie Orchestern vergleichen, wäre Chanel so etwas wie die Wiener Philharmoniker, etwas verspielt und melancholisch und Hermès die Berliner Philarmoniker – geradlinig und voller Phantasie.
Es sind mit Meistern ihrer Instrumente besetzte Riesen-Orchester, die nicht Oboe oder Fagott spielen, sondern hier weiß die erste Geige genau wie man eine Tasche von A-Z fertigt. Die Triangel kann sticken und die Pauken fertigen liebevoll polternd filigrane Accessoires.
Bei Hermès ist die Dirigentin Pascale Mussard und sie hat, wenn sie das Podium verlässt eine kleine, freie, verdrehte Jazz-Gruppe die improvisiert und ihr eigenes experimentelles Tempo hat. Ihr Ziel: Zu verzaubern, Leidenschaft zu wecken und die schöpferische Freiheit zu Ehren.
Der Name ist Petit H, der kleine Bruder des großen Orchesters, das Kollektionen in den Métiers von Prêt-à-porter, Leder, Kristall, Porzellan, Möbeln nach einem strengen Agenda des Jahres und dem Takt des globalisierten Modezyklus fertigt.

Continue Reading

Allgemein

Ein Paradies für John Robie, die Katze – Chanel Joaillerie

In dem Hitchcock Klassiker „Über den Dächern von Nizza“ treibt der Juwelen Räuber John Robie sein Unwesen als Fassadenkletterer der, auch bekannt als die Katze leise kommt und sein Unwesen treibt.
John Robie hätte heute sicherlich seine Freude an der Adresse, an die wir heute kommen. Der Platz ist legendär, einer der schönsten Plätze von Paris und hat hinter seinen Fassaden sicherlich die meisten Tresore. Wir befinden uns auf dem Place Vendôme.
Sicherlich herrscht hier die größte Juweliersdichte, neben Boucheron, Alexandre Reza, Buccellati, dem Perlen Papst Mikimoto natürlich Van Cleef and Arpels mit seinen unwiderstehlichen Auslagen.
Das Haus, dass wir heute besuchen, hat die Hausnummer 18 und beherbergt ein Schmuckhaus das noch gar nicht so alt ist. Dabei liegt das Stammhaus des Unternehmens nur etwa hundert Meter entfernt – Chanel in der Rue Cambon.

Continue Reading

Allgemein

Liebe auf den zweiten Blick – Das Café de Flore


 
Zugegeben – die meisten weltberühmten Restaurants oder Cafés sind überlaufen, von Touristen invasiert und halten nicht das, was sie versprechen und sind daher eher zu meiden.
 Auf den ersten Blick ist das beim Café de Flore am Boulevard Saint Germain in Paris auch so, zumindest ist das der Eindruck, den man gewinnt wenn man dran vorbei geht oder draußen sitzt. Parvenus, russische Neureiche, Touristen oder Aufschneider en Masse. Also Aussenplätze meiden – aber warum es trotzdem einer meiner Lieblingsplätze in Paris ist? Weil ich immer drinnen sitze!

Continue Reading

Allgemein

Church Northampton – Die Schuhe meines Herzens

Wenn ich mich entscheiden müsste, dass ich nur noch Schuhe von einer Marke tragen dürfte, dann wüsste ich sofort welche es wäre: Church. Die altehrwürdige Manufaktur im englischen Northampton stellt seit 1879 klassisches Schuhwerk her, dass, wenn man es einmal angeschafft hat, bei entsprechender Pflege einen das ganze Leben begleiten kann.
Schon als Junge habe ich beim hier in Hamburg damals führenden Schuhhaus Prange ein paar Brogues erworben, die immer noch in meinem Schuhschrank stehen. Church produziert nach wie vor in Handarbeit hergestellte, doppelt-rahmengenähte Schuhe, die von gelernten Meistern des Schuhmacher Handwerks alle in vielen hundert Arbeitsschritten hergestellt werden. Obwohl seit ein paar Jahren zum Diego Della Valle Tod’s Konzern gehörend, hat sich an der Machart der Klassiker nichts geändert. Hinzugekommen ist lediglich eine kleine Kollektion von sportlicheren Schuhen und besonderen Modellen, die aus den Archiven wieder aufgelegt werden – wie dem „Shanghai“ von 1929, den ein Kunde dem Church-Archiv original-gebraucht überließ und den die Handwerker in mühevollen Arbeitsschritten genau wie das Original altern ließen.

Continue Reading

Interieur

Peters Cutting’s – Als die Möbel Memphis wurden


Tawaraya Boxring – 1981; Designer: Masanori Umeda; Bild via Stylefrizz

Ende der siebziger Jahre steckte die Möbel- und Designindustrie in einer tiefen Krise. Die Avantgardisten der sechziger und die psychodelischen Farben der siebziger waren durch und man orientierte sich an Post-Bauhaus und schwerfälligen Formen. Der Spaß schien aus dem Interieur Design raus und Italien, dass auf dem Sektor von Möbeln und Design führend war hatte, zwar den berühmten Salone de Mobile in Mailand, der übrigens nächste Woche nach wie vor stattfindet, aber die großen Creationen aus dem eigenen Land lagen schon etwas zurück. Carlos Mollino hatte in den fünfziger und sechziger Jahren Meisterwerke geschaffen. Auch so etwas wie das Graphische, gerade Design von Zanotta war in dem Land, wo die Zitronen blühen, erfunden worden. Nun stand man vor einem Wendepunkt. Die jüngeren Designer hatten den Funktionalismus gehörig satt und wollten etwas Neues und Modernes schaffen, dass aber mehr eigenes Profil und Witz hatte.

Continue Reading

Allgemein

Des Zaren neue Teppiche – Jan Kath’s russische Kollektion

Es zeichnet sich als internationaler Wohntrend ab, dass die Zeiten des Parketts und der glatten Bodenbeläge, die als en Vogue galten, bald der Vergangenheit angehören.
Schöne Teppiche und vor allem hochwertige Teppiche sind wieder auf dem Vormarsch. Immer mehr sieht man in den Wohnproduktionen der meinungsbildenden Magazine, wie AD oder World of Interiors, dass in den Apartments in Paris oder New York mit den edlen Bodenbelägen gespielt wird.
Meine absolute Lieblings-Firma ist neben Tai Ping, die nach eigenen Entwürfen und Wünschen fertigen und für die ich auch schon Teppiche entwerfen durfte, der Deutsche Jan Kath.

Continue Reading

Allgemein

Menschen hinter der Marke – Françoise Montenay bei Chanel


Françoise Montenay fotografiert von Karl Lagerfeld

Wir von Horstson schauen ja gern hinter die Kulissen von Modemarken und Modehäusern, um die Zusammenhänge und die eher aus Arbeit bestehende, als durch den Glamourfaktor bestechende Seite dieses Metiers zu beleuchten. Was uns dabei immer wieder auffällt, ist, dass hinter wirklich großen Labels meist sehr bescheidene und eher unauffällige Personen stecken, die ganz Profis, ihre Arbeit meist ziemlich lautlos, aber mit Bravour machen und das meistens über viele viele Jahre.
Im Falle von Chanel war das so – denn auch wenn Karl Lagerfeld die ganze Creation macht, gibt es doch Menschen, die die gesamten Areitsabläufe verwalten und die Arbeit hinter den Kulissen erledigen. Besonders ins Auge ist mir dort seit vielen Jahren Françoise Montenay gestochen, die im letzten Jahr pensioniert wurde. Bodenständig und sympathisch war sie sozusagen eine der Seelen der Marke.

Continue Reading

Interieur

Jed Johnson und Alan Wanzenberg

Manchmal kommt man, wenn man für einen Artikel oder eine Geschichte recherchiert, immer weiter in ein Thema – oder entdeckt wunderbare Hintergründe die schon wieder eine eigene Geschichte ergeben.
Mein Freund Stephan machte Ende 2010 eine Geschichte über den Innenarchitekten Alan Wanzenberg (kleines Bild) und sein New Yorker Apartment am Central Park, in dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als Künstler- kooperative erbauten „The Central Park Studios“ acht Neogotische Blöcke, die mittlerweile unter Denkmalschutz stehen.
Er erzählte mir, dass Alan Wanzenberg nicht nur einen super schönen Stil hat, sondern das er auch noch eine der sympathischsten Inneneinrichter und Männer ist, den er in seinem Job kennengelernt hat. Ich wurde neugierig und die Bilder von seiner Wohnung fand ich schon überwältigend.
Eine Mischung aus Arts and Craft Möbeln, einem Kamin im Prärie-Stil und auserlesener und äußerst geschmackvoller Kunst. Gemälde von Francesco Clemente, Walton Ford, Picabia und Chuck Taylor; Fotografien von Weston über Horst P. Horst bis hin zu Robert Mapplethorpe.

Seine Projekte zeichnen sich durch eine stringente, geschmackvolle Linie aus, die auf harmonisch abgestimmte Farben und der gezielten Kombination von Kunst, ausgewählten Möbeln oder Eigenentwürfen basiert. Wanzenberg gehört zu den unbestrittenen High-End Inneneinrichtern Amerikas. Heute arbeitet er mit seinem New Yorker Büro an Projekten in ganz Amerika und ist ein echter Klassiker.

Das war aber nicht immer so und das ist eigentlich die besondere faszinierende Geschichte dahinter – Kurz bevor Wanzenberg 1980 in die Central Park Studios zog, lernte er in Andy Warhols Factory Jed Johnson (Bild links) kennen. Johnson war seit 12 Jahren mit Warhol zusammen und schon als Interieur Designer in aller Munde.
Wanzenberg arbeitete bei I.M.Pei (baute zum Beispiel die Pyramide des Louvre) und war mit seinem Freund gerade ein Häuschen im West Village gezogen.
Als sie das erste Mal zusammen zu Mittag aßen, zeigte Johnson ihm die Wohnung am Central Park, in der Wanzenberg noch heute wohnt. Wanzenberg fragte ihn, warum er ihm die damals völlig unrenovierte Wohnung zeigte, aus der gerade eine alte Frau ausgezogen war. Jed Johnson sagte spontan „Weil wir beide hier zusammen Leben werden“
Ende des Jahres zogen sie beide ein und arbeiteten auch zusammen als Couple, machten viele gemeinsame Projekte, befruchteten gegenseitig ihren Stil und entwickelten Farbkonzepte und einen kontinuierlich sich perfektionierendes gemeinsames Auge…
Jed Johnsons legendäre Photos von Andy Warhol, gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Jay gehören zu den Legenden der Factory und zu absoluten Photoklassikern. Die ‚American Erotic‘, die die Zwillinge ausstrahlten, reicht bis in die heutige Zeit. Jed war aber auch ungeheuer begabt und wurde durch die Zeit mit Warhol natürlich auch geschult und kam mit den unglaublichsten Sachen in Berührung.
1996 verunglückte Jed Johnson beim tragischen Absturz der TWA Maschine 800 vor Long Island. Bis dahin hatten die beiden wunderbare Wohnungen und Häuser für Richard Gere, Mick Jagger oder Julian Schnabel eingerichtet.

Wanzenbergs Stil ist vornehm und seine Sandtöne wirken warm aber nicht langweilig. Sein Kunstverständnis ist grandios und die Balance zwischen Designstücken von Künstlern und Vintage-Möbel oder Antiquitäten bewundere ich sehr.
Sein gutes Aussehen und seine Sympathie runden seine Genialität ab. Wer würde nicht gern eingerichtet werden von Alan Wanzenberg. zumindest sein Apartment würde man gern mal besichtigen und einen Walton Ford aus seiner Sammlung würde ich auch nicht aus meiner Wohnung werfen.
Alan Wanzenberg ist mit seinem unaufdringlichen, ungeheuer dekorativen Stil ein großes Vorbild für mich, der sehr New York aber mit klassischer Bildung und großer Attitüde ist, eben – The Wanzenberg Style.

Allgemein

Peter’s Cuttings – Pat Cleveland

Als ich mich Ende der Siebzigerjahre begann für Mode zu interessieren, fiel mir bei den Übertragungen der Prêt à Porter Schauen aus den Zelten, die im Cour Carrée des Louvre aufgebaut waren, immer wieder ein Model auf.
Sie drehte sich wie ein Korkenzieher, hatte wildes, fliegendes Haar und jedes Outfit, das sie vorführte, wurde meist einer der Verkaufshits der Kollektion. Bei Dior oder Yves Saint Laurent wurde damals, im Gegensatz zu heute, die Modenschau eher schwungvoll und fast getanzt vorgeführt. Jedes Modehaus versuchte gute Laune bei seinen Defilees zu versprühen.
Zu dieser Zeit gab es die sogenannte Generation von Mädchen vor den Supermodels wie Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Cindy Crawford und Naomi. Jerry Hall, Iman und die New Yorkerin Pat Cleveland. Und genau um die geht’s heute. < Patricia Cleveland wurde 1952 in New York in eine Familie geboren, die in der Kunstszene sehr bekannt und engagiert war. Sie wuchs sehr frei für die Zeit auf und studierte Kunstgeschichte an der High School Of Art und Design, schloss 1969 mit Diplom ab. Außerdem machte sie an der LaGuardia Kunst-Schule auch noch ihren Abschluss. Als sie fünfzehn Jahre alt war, im Jahr 1967, wurde sie in der U-Bahn von Vogue Fashion Editor Carrie Donovan entdeckt. Donovan, begeistert von Pat Cleveland, lädt sie in die Conde Nast-Studios von Vogue ein und macht Probeaufnahmen. Sie ist außer sich vor Begeisterung und sieht in Cleveland, zu einer Zeit, als es kaum farbige oder exotische Models in Amerika gibt, einen völlig neuen Typ von Gesicht in ihr. Pats erste Jobs als Model machte sie für den Designer Jaques Tiffeau. Pats Eltern – als Künstler eher open minded, hatten nichts dagegen, dass sie Model werden wollte. Der Designer Halston, damals Upcoming Star der New Yorker Gesellschaft, und die Warhol Clique, endeckten Pat für sich und sie wurde Muse und Gallionsfigur von Halston Limited. Saint Laurent, Guy Laroche, Ted Lapidus – alle jüngeren Prêt à Porter Designer in Paris liebten sie und engagierten sie jede Saison nach Europa. Antonio Lopez zeichnete Pat und sie wurde seine Freundin und die des Clans um Karl Lagerfeld, Jacques des Bascher und der Catroux-Clique. Cleveland war eine der Ikonen der Halston-Silhouette und ging regelmäßig ins Studio 54. Die Mädels und Society-Frauen kopierten ihre Looks und Frisur zu hunderten. Bis Mitte der Achtzigerjahre gab es fast keine Ausgabe von Harper's Bazaar oder V in der Pat nicht vertreten war ... keine Modenschau in Mailand oder Paris, in der sie nicht auftrat. Mitte der Achtzigerjahre brachte sie ihren Freund Patrick Kelly nach Paris und half ihm beim Aufbau seines Modehauses (Horstson berichtete).

Sie ist eine Legende und gehört zu den Fundamenten der Models, die die spätere Supermodel-Generation begründeten. Was vor allem immer von ihr in Erinnerung bleiben wird, sind ihre Haare und der Stil, wie sie lief .Wie ein wirbelnder Korkenzieher schwebte sie über die Pariser Laufstege und bezauberte uns alle. Heute lebt Pat nach wie vor in New York und ist Kuratorin für Kunst, unter anderem am Smithsonian. Sie hat sich kaum verändert und ist immer noch eine sehr schöne und eigensinnige Frau, deren Ausstrahlung sehr speziell ist.