Als meine Großmutter noch lebte war ich hier in Hamburg eines Tages mit ihr im Museum der Arbeit, wo auf hervorragende Weise dargestellt wird, wie einst die Industrie in Hamburg die schönsten Dinge hervorbrachte, wie der Hafen boomte und wie die New York Hamburger Gummi-Waren Compagnie blühte, bei der sie Anfang der dreißiger Jahre gearbeitet hatte. Allein der Name klang schon toll und vor allem war das toll, was sie gemacht haben: wunderbare Kämme. Von Hand in vielen Arbeitsschritten aus einem Material gearbeitet, das ursprünglich aus Bäumen floss und Kautschuk hieß.
peterkempe

Foto: Alfa Castaldi für Chanel 1993
Eigentlich war der Artikel über Anna Piaggi schon lange geplant. Nun ist sie gestorben und auch ich werde sicherlich zwei Drittel dieses Textes davon berichten, wie großartig ihre Looks waren und was sie als Style Icon ausmachte. In erster Linie war sie aber Journalistin und zwar eine außergewöhnlich hervorragende!
Von ihr konnte man genau das lernen, was das Geheimnis einer guten und fundierten Modeberichterstattung ausmacht. Sie sagte „Ich habe meine Arbeit als Journalistin immer als Teil eines Spiels aufgefasst, das von der Modernität des Bildes und der peinlich genauen Arbeit am Text beherrscht wird. Ich bereitete meine Artikel für die italienische Vogue so vor, dass das Gleichgewicht zwischen Text und Bild einer visuellen Stilisierung aktueller Strömungen gleichkam und den Leser inspirieren sollte.“ Einen Satz der in jeder Moderedaktionen schon im Entrée als Leitsatz für die Arbeit stehen sollte.

Belgian Shoes; Bild via 00o00
Da heute alles was wir zeigen grün ist, möchte ich euch auch nicht mein neues Objekt der Begierde vorenthalten. Blomquist hat ja super schöne Nike Schuhe neu im Sortiment und ich Belgian Shoes in grün.
Nach Zeiten von bunten Sommerhosen und Colourblockings im Urlaub geht der modische Gedanke langsam in Richtung Herbst. Klassik mit Witz ist im Business-Bereich angesagt und ich kann mich einfach nicht dazu durchringen, Stoffhosen zu tragen, sondern liebe meine Jeans. So versuche ich einen Dress aufzubauen, der zwar konservativ wirkt, aber mit der Jeans kombinierbar ist. Die Jeans darf dann auch wirklich in „used“ Waschung sein, damit der Bruch auch gewollt erscheint.

Alexey Brodovitch und Richard Avedon, 1958; Bild via
Der Mann, der die Bewegung in die Mode brachte, war Alexey Brodovitch. Nicht nur allmächtige Chefredakteurinnen und super gute Redakteure sind von Nöten gewesen um Modemagazine wie Vogue oder Harper’s Bazaar berühmt und tonangebend zu machen, sondern auch die Art Direktoren und Style Editor waren ausschlaggebend.
Heute gibt es für alle die schon in den Ferien waren, noch in die Ferien fahren oder sich keine leisten können und trotzdem nicht auf Jet Set, Glamour und das „Dolce farniente“ Italiens verzichten mögen, einen Buchtipp der besonderen Art.
Zugegeben, ich bin ein großen Fan von Carine Roitfeld, habe die französische Vogue geliebt als sie von ihr als Chefredakteurin gemacht wurde, ihre Stylings für Modenschauen, egal ob bei Rykiel, Gucci oder vielen anderen, hatten mehr als das gewisse Etwas und keine Frau verkörpert so die Reinkarnation einer modernen Rive Gauche Frau wie Sie.

Carrie Donovan; Bild via
Zur Zeit läuft im Palazzo Fortuny in Venedig die äußerst sehenswerte Ausstellung „Diana Vreeland after Diana Vreeland“, in der nicht nur viele Photos aus ihrer Zeit als legendäre Chefredakteurin der Vogue und von Harper’s Bazaar gezeigt werden, sondern auch ihre Konzeptionen der von ihr praktisch erfundenen Modeausstellungen im Metropolitan Museum of Art.
Manchmal sind es ja die kleinen Dinge am Rande, die besonders faszinieren oder Erinnerungen wachrufen und genau das passiert hier auch. So gibt es in der Ausstellung eine Collage aus grauen Notizzetteln, die allesamt mit Schreibmaschine geschrieben sind. Auf ihnen ist ein Verteiler im Kopf des Vogue Briefbogens und die jeweilige „Tageslosung“ von Diana Vreeland für ihre Redakteure und Art-Direktoren enthalten. Mal ist es ein längerer Text aber meistens nur ein messerscharfer Satz und es wird einem klar, dass früher Moderedaktionen wie Staaten regiert wurden und Misses Vreeland heute wahrscheinlich augenblicklich von ihrer Verlagsleitung in eine Anstalt eingewiesen werden würde.
Das ihr diese Woche so wenig bis jetzt von mir gehört habt liegt daran, dass ich so viel zu tun habe und einen Tag unterwegs war.
Dabei fiel mir auf, dass, wenn man nur einen Tag verreist, man so ein Outfit wählen muss, welches möglichst sportlich und klassisch zu gleich ist und variabel einsetzbar sein sollte. Außerdem muss man bei diesen wechselnden Sommertemperaturen etwas mit haben, das man schnell aus- bzw. anziehen kann. Ich packe hierfür in meine schöne alte Polochon-Tasche von Hermès gern Klassiker bzw. würze meine alten Sachen gern mit einem neuen Stück.
„Cheng shang qi xia“ ist chinesisch und heißt „Die Vergangenheit in die Zukunft holen“. Shang Xia ist aber auch das erste echte chinesische Luxuslabel, das unter seiner Chefin Jiang Qiong Er versucht zu retten, was nach Bürgerkriegen, Kulturrevolution und dreißig Jahren rasanter Wirtschaftsentwicklung noch an Meistern ihres Faches in China übrig ist.
Früher war China berühmt für raffinierten Luxus, Porzellan, Seidenweberei, Lackwaren, Emaille, Stickerei, Kalligrafie und Lenkdrachen – heute gibt es kaum noch hochwertiges an Produkten und Meistern ihres Faches. Die 35jährige hat in Paris studiert und reist ständig durch das Land um Werkstätten und Handwerker aufzuspüren und sie und ihre Produkte für ihre Kollektion zu gewinnen.
So jemanden wie den Töpfermeister Lu zum Beispiel, dessen Beitrag zum Sortiment hauchdünne Schalen mit einer Wandstärke von einem halben Millimeter und einem Preis von 1.000 Euro sind. Oder sie findet einen Handwerker wie z.B. einen Bambusflechter, dessen Skulpturen völlig aus der Mode gekommen war und nutzt seine Handwerkstechniken um neues Design zu entwickeln. Heute ummantelt er mit seinen fragilen Geflechten wunderschöne Teeservice.
Die Perfektion von Jiang Qiong Er und ihren Handwerksmeistern erinnert einen sofort an ihr Europäisches Pendant Hermès – und Bingo: Shang Xia gehört zu 75 Prozent dem französischen Luxuslabel. Mit asiatischer Gelassenheit sagt Jiang Qiong Er „Hermès hat seinen Samen erstmals in fremde Erde gepflanzt.“
Beide Marken verbindet der Anspruch für bedingungslose Qualität; Hermès sieht diese Marke als gleichwertig an und nicht als Submarke für den chinesischen Markt. Im Gegenteil: wenn später Geschäfte in Paris oder New York eröffnet werden, die Läden gleichen eher phantasievollen Kunstgalerien, werden sicherlich mehr westliche als chinesische Kunden dort kaufen, aber so untermauert Patrick Thomas, der Konzernchef von Hermès, seine Pläne, ein Land in dem diese Handwerkstechniken und das Porzellan erfunden wurde, muss einfach auch in Perfektion diese Dinge wieder herstellen können.
Als nächstes, es gibt schon einen Laden in Shanghai, wird eine Handwerksschule gegründet, in der das Wissen an den Nachwuchs weitergegeben wird. Einen Laden in Paris wird es in absehbarer Zeit in der Rue de Sèvres geben. Thomas sagt, dass zwar in den nächsten Jahren kein Gewinn zu erwarten ist, aber Hermès macht ja auch nicht ständig nur Dinge um Gewinne zu erzielen, sondern sieht das Geld was sie in die Fertigkeiten stecken, als Investition in die Zukunft und nutzt die Synergie-Effekte um sein eigenes Handwerk und Sortiment zu optimieren.
Meister Lu hat zwei Jahre gebraucht, um die ersten fünf Schalen genau so hinzubekommen, wie sie der Perfektion entsprechen. Zwei mongolische Schwestern schaffen drei Mäntel, komplett ohne Naht aus einem Stück Stoff gefilzt, im Jahr und die Jade-Teekannen, die in mühevollster Kleinarbeit aus dem Stein geschliffen werden, müssen immer wieder ruhen damit der Stein nicht springt, so das das der Fertigungs-Prozess endlos Zeit in Anspruch nimmt.
Genau darum geht es Hermès und auch Shang Xia – um die Entschleunigung einer hektischen Zeit, in der zu viele schlechte Dinge produziert werden und es geht darum, dem Begriff Luxus wieder seinen Ursprung zu geben. Und das ist das geniale daran, denn eines ist klar: nachdem wir alles gehabt haben und die Verlockung ins Unendliche ausgeufert ist, werden auch die Chinesen zu ihren Wurzeln zurückkehren wollen und das lebt Shang Xia genau so, wie es uns Hermès immer wieder zeigt. Das Handwerk bildet einen Grundstock unserer Kultur und unseres Wissens und es gibt uns die Sicherheit unserer Herkunft – eben die Wurzeln der Zukunft.




