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Daisydora

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Charlotte Roche – die Frau ohne Eigenschaften

Spätestens Sonntagabend will ich im aktuellen Spiegel lesen, was uns gerade um die Ohren fliegt. In Deutschland und der Welt. Diesmal war ich vorgewarnt, da Stern-online schon samstags vermeldete, Charlotte Roche hätte exklusiv mit dem Spiegel über ihr am 10. August erscheinendes – nunmehr bereits erschienenes – zweites Buch „Schoßgebete“ gesprochen.
Dass dem Spiegel dieser Buchlaunch eine teure Cover-Heftflappe und abzüglich Bildanteil zirka dreizehn Spalten Text wert waren, die sich auf nicht weniger als sieben Heftseiten breit machen dürfen, beweist einmal mehr, wie sehr sich heute alle Deutschen Medien als Marketingkarren für TV-Gewächse gerieren.
Auf der Flappe verrät Charlotte „Frauen sind halt total neurotisch“, wobei ich schon Genaueres weiß; sich selbst und den weiblichen Teil ihres Umfelds charakterisiert die Autorin folgendermaßen: „Das mag jetzt frauenfeindlich sein, aber die Frauen, die ich kenne, sind halt neurotisch und machen alle ihre Männer fertig.“

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Stilvorbilder – Mann ohne Schnörkel: Ismael Ivo

Ihr kennt das oder seid selbst so einer: Es gibt Männer, die sehen einfach immer gut aus und man merkt nicht auf Anhieb, welchen Anteil die Kleidung daran hat. Einen – für mich typischen – Vertreter dieser Gruppe, den aus Brasilien stammenden Tänzer und Choreograph, Ismael Ivo, habe ich mir für den dritten Teil meiner kleinen Reihe Stilvorbilder ausgesucht.

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Alles Couture? – Shantungkostüme, Taftroben und andere kleine Modemissverständnisse

Vergesst Berlin und andere urbane Räume, denkt euch bitte kurz mitten aufs flache Land nach Bayreuth und Salzburg ….. dorthin, wo sich die sommerliche Festspielsaison austobt. Eigentlich hatte ich vor, die modehistorischen Zeitdokumente vom Schaulaufen am Grünen Hügel denen der Eröffnung der Salzburger Festspiele gegenüber zu stellen. Nachdem aber ohnehin jeder von euch schon über die Bilder diverser Festspielgäste schmunzeln konnte, wird das hier nur ein schlichter Appell:
Sehr verehrte Schneiderinnen und Coutureistas der Roben: Bitte, lasst das mit den hortensienrosa, roten, kornblumenblauen, grasgrünen, sonnenblumengelben, türkisfarbenen, fuchsienfarbenen, orangefarbenen, beigen und hellhimmelblauen Seidentaften und Shantungseiden. Man sollte meinen, ihr linst zur Inspiration automatisch in die Pariser Couture-Kollektionen rein und schaut bei Ex-Kollege Galliano vorbei – die Bilder der Almauftriebe vor den Premieren erzählen da leider anderes. Von der Couture könnte man lernen, dass Seidentaft nicht gleich Seidentaft ist; und, dass Seidentafte, so man sie verwendet, nur fachkundig vorbehandelt und in einigen – sehr eleganten – Farben funktionieren. Auf jeden Fall aber grandiose Schnitte und Silhouetten verlangen und tendenziell coutureesk-aufwändig verarbeitet werden sollten … am besten zu äußerst schmal und raffiniert geschnittenen Kostümen, zu Shiftkleidern und großmeisterlichen Abendkleidern der Größen 34 und 36, die dann auch noch bestickt oder anderweitig veredelt werden. Den Grund dafür kennt jeder Horstsonian: Das Material fließt nicht, bauscht sich auf und macht falsch verarbeitet, selbst aus Frauen mit Größe 38 Tonnen.

Elegante Damen, die das ohnehin nicht stört, brauchen hier nicht weiter zu lesen. Man kann, das nötige, sehr gut gepolsterte Selbstbewusstsein vorausgesetzt, fast alles öffentlich tragen. Wer sich allerdings für seinen Herzallerliebsten und andere Gäste schön machen und die Öffentlichkeit von seiner Stilsicherheit und sowas wie gutem Geschmack überzeugen will, braucht Hilfe und einen ehrlichen Spiegel oder eine andere Schneiderin.
Noch schwieriger ist es, wirklich elegante Festkleidung aus Shantungseiden zu fertigen. Das beginnt schon mit der Auswahl aus all den schimmernden Stoffballen. Da fliegt einfach viel zu viel Billgware in den Stoffläden rum, oder die Damen sparen am falschen Platz. Ein Meter einer guten, dicht gewebten Shantung-Wildseide kostet ab 200 Euro. Wer das nicht ausgeben will, sollte die Finger davon lassen und besser ein anderes Material nehmen. Am Geld scheitert es bei unseren Festspielgästen wohl kaum.
Wo das Problem sonst noch liegt, hat die Welt zwar nicht thematisiert, sie zeigt uns aber dankenswerterweise, dass Shantungkostüme in Hortensienrosa zu den sehr kniffeligen Aufgaben für Schneiderinnen zählen. Der Umstand, dass dieses Kostüm aller Festspielkostüme Jahr für Jahr wieder aufgetragen wird, sorgt zwar für Gewöhnung, nicht aber für Überzeugung oder Begeisterung bei mir. Das muss doch nicht sein, so gut, wie man sich heute schon helfen lassen kann, wenn man gutes Geld verdient. Wer jetzt sagt: Das geht ja noch, im Vergleich mit der zu kleinen und kurzen Fuchsienrosa Jacke, dem schlimmen Rückfall, den sie in Bayreuth trug, dem wiederspreche ich aber nicht.
Es gab aber auch Festspielgäste, die Seide offenbar lieben und es dennoch richtig machten: Die Damen Heyne und Bauknecht (links) sehen großartig, elegant und würdevoll aus in ihren Mitternachtsdunkenblauen Taft- und Seiden- mousseline-Roben. Wer so zierlich ist und die richtigen Modelle wählt, kann dann gerne auch in Taften schwelgen.
Allen Damen, die wie Elstern auf Glänzendes fliegen und seit Jahren nicht mehr in das Hochzeitskleid in Größe 36 passen, kann ich nur ans Herz legen, es besser mal mit einem der matten und fließenden Seidenstoffe zu versuchen. Man langt mit einem Seidenmousseline, -Voile, -Jersey, etc. in einer eleganten und zum Typ passenden Farbe in aller Regel nicht daneben. Das gilt auch als sachte Warnung vor diesen Festspiel-Negligées aus zu dünnen und hochglänzenden Seidensatins, einem Eleganz- und Stil-Missverständnis, das sich bei jüngeren Damen beharrlich hält. Ob mit oder ohne Spitzen, mit Spaghetti- oder breiteren Trägern, das sieht immer nach Unterkleid aus und so konnten nur Frauen wie die göttliche Sirene Sophia Loren in ihren Filmen rumlaufen. Wenn ihr also weder als kleine Schwester von Sophia Loren oder als eineiiger Zwilling Kate Hudsons durchgeht, lasst es besser.
Hier zum Beweis der total als Romantikschmonzette verkannte Servicefim Hollywoods für Schneiderinnen weltweit:

Aber im Grunde genommen sieht das Taftmissverständnis an der richtigen, illustren Dame, zumal auch noch elegant von Galerist, Thaddaeus Ropac, flankiert, gar nicht mehr so schräg aus, wie man an Fürstin Gloria von Thurn und Taxis merkt, oder?
Sagt ihr mir bitte, wie viel Taft und Seidenes für eure Augen genug sind, liebe Leser und Leserinnen.

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Mert & Marcus x Accessoire-Orgien x GUCCI F/W 2011.12 Campaign

Schon spannend, wie sich vertraute Marken und deren Werbekampagnen im Verlauf von einem Jahrzehnt verändern können. Erst vor wenigen Tagen hat uns Peter mit dem Geständnis seines Vintage-Lieblings, einem GUCCI Gürtel aus der Zeit Tom Fords, unterhalten und dabei auch die von Terry Richardson fotografierte Kampagne gewürdigt. Damals waren zuerst Mario Testino und danach Terry Richardson und ab und an Mathias Vriens die Fotografen bei GUCCI. Seit einigen Jahren zeichnen die renommierten Fotografen Mert Alas & Marcus Piggot für die inhouse entstehenden GUCCI Werbekampagnen verantwortlich.

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The Parent Trap x Miles Aldridge x Bianca Balti

Wer denkt sich die Themen für all die vielen Editorials aus, die Monat für Monat alleine in den wichtigsten Hochglanzmagazinen rund um den Erdball erscheinen? Werden die Ideen in Redaktionskonferenzen von den Editors in Chief und ihren Moderedakteuren entwickelt, die sich über die Auswahl und das Styling der Modelle quasi ganz automatisch ein Ambiente und die Szenen darin herleiten? Oder wird nur ein stilistisch passender Fotograf ausgewählt, der dann die entscheidenden Kreativinputs leistet?

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Was haben die Gläser bei K&K mit den Emmy Nominierungen gemeinsam?

Retro ist zur Zeit auch bei Fernsehproduktionen Trend. Aber nicht alles, das irgendwie vintage und visuell älter als dreißig Jahre ist, bereitet dem verwöhnten Gusto von Fernsehzuschauern und Verbrauchern gleichermaßen Freude. Auch Retro, muss heute gekonnt sein. Anscheinend so, wie das die Produzenten der Serie Mad Men, die im Werbemilieu der ersten Werbehochzeit der Sechzigerjahre spielt, Idealtypisch vormachen und damit eine wahre Stilwelle dieser Zeit vom Zaun gebrochen haben. Neben den sehenswerten Kostümen und Sets sind es die ständig rauchenden und Hochprozentiges trinkenden Akteure, die als Bilder dieses Wirtschaftswunder-Lifestyles bei uns hängen bleiben. Mad Men kommt an, ist für nicht weniger als neunzehn Emmys nominiert und nützt sich wahrscheinlich auch nicht so schnell ab. Wir verkaufen hier aber keine Mad Men- DVD-Reihe der Staffeln eins bis fünf, es geht um wunderschöne Gläser, die ich meinem Schreiberkollegen Peter mit etwas Überredungsgabe abluchsen konnte. Ich liebe schönes Geschirr und Gläser und habe viel zu lange nicht darüber geschrieben.

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Schwarz, Rot, Braun – Raparo Boots

Noch ein paar Wochen können wir in Sandalen und leichtem Schuhwerk durch diesen Schnelldurchlauf von einem Sommer gehen, dann wird es langsam Zeit für Festeres. Um euch schon mal einen ersten Vorgeschmack auf die neuen Boots zu geben, habe ich drei Vertreter der Marke Raparo herausgesucht, die jeweils stellvertretend für einen Grundtyp stehen… und frage euch für künftige Recherchen und Berichte, welche Boots euch die liebsten sind.

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Limited Edition x G-Star RAW Arc Pant x Ryan Gander x Wallpaper Magazine

Zuerst das Wichtigste: Es gibt weltweit ohnehin nur 30 Stück davon, alle in Größe 33/32 und heute geht es los mit dem Verkauf. So ferne man bei dieser extremen Verknappung überhaupt noch von Verkauf sprechen kann. Das Besondere an den 30 Arc Pants: Sie wurden vom britischen Künstler und Geschichtenerzähler Ryan Gander gestaltet beziehungsweise individualisiert. Das Design-Magazin Wallpaper hatte dieses Projekt für die Sparte “Artist Intervention“ ins Leben gerufen und den Konzeptkünstler Ryan Gander zusammen mit dem Hersteller der Arc Loose Tapered Jeans, G-Star, dafür gewinnen können.

Die grundlegende Idee für diesen Designentwurf ist inspiriert von der berühmten Phrase des Architekten Le Corbusier: „By law all bulgings should be white“. Dieser Gedanke Le Corbusiers hat Gander inspiriert einen nationalen Feiertag in Japan zu erfinden , der „New New Day“ heißt und Menschen dazu ermutigt ihre Häuser weiß zu streichen. Das Symbol dieses Tage ist ‚Arata-Chan’ (übersetzt: reinigender, helfender Freund), eine kleine Figur im Stil Le Corbusiers mit Brille und Pinsel in der Hand. Die visuelle Darstellung dieses Konzepts findet sich nun durch die weißen Farbtropfen auf den limitierten Arc Pants wieder.

Warum erzähle ich euch das in epischer Breite?
Nur, damit ihr informiert seid, oder gibt es da noch etwas. Da gibt es in der Tat einer sehr nette Idee rund um den Verkauf der Limited Edition: Es machte überhaupt keinen Sinn, vor einem der Shops zu kampieren, um dann pünktlich zur Geschäftsöffnungszeit als Erster am Tresen danach zu verlangen. Wer die eine Hose pro Shop bekommt, entscheidet alleine der Zufall. Dazu der Künstler: „Ich mag die Idee, dass einige Leute denken werden, die Hose sei beschädigt, versuchen werden diese zurückzugeben und nicht zu merken eine limitierte Auflage in den Händen zu halten.“ sagt Ryan Gander „Wenn Sie eine Hose haben wollen wird dies nicht möglich sein. Es ist ein bisschen wie mit dem goldenen Ticket von Willy Wonka.“

Eine der limitierten Arc Pants wird über Facebook versteigert werden. Der Erlös kommt einem Charity Projekt zugute. Das komplette Projekt wird in der aktuellen Ausgabe des Wallpaper Magazines gefeatured.

Und hier noch die Liste der 30 Shops für euch:

Amsterdam – P.C. Hoofstraat, Barcelona – Maquinista, Berlin – Oranienburgerstrasse, Birmingham – Upper Mall West, Bruxelles – Rue Antoine Dansaert, Chicago – Milwaukee Avenue, London – Carnaby Street, Los Angeles – Melrose Avenue, Madrid – Fuencarral, Manchester – Trafford, Melbourne – Bourke Street, Munich – Sendlinger Strasse, Nagoya – 3-28-35 Sakae, Naka-Ku, NY Soho – Lafayette Street, Osaka – Minamie-horie, Osaka Abeno – Abenosuji, Paris – Rue Etienne Marcel, Prague – Na Prikope, Roma – Via IV Novembre, San Francisco – Geary Street, Seoul – Tower building 1&2F, ION Orchard – 2 Orchard Turn Unit, Stockholm – Gallerian, Sydney – World Square, Sydney – Bondi Junction, Tokyo – Omotesando, Tokyo – Jinnanzaka frame GF, Wien – Neubaugasse, Zürich – Uraniastrasse, Hong Kong – Times Square Causeway Bay.

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World Wide Carpets – Die Google-Earth-Teppiche des David Hanauer

Ich bin ein echter Teppichmuffel – will zuhause am liebsten barfuß auf Holpzarketten rumlaufen. Aber der Idee von Teppichen, die mit verfremdeten Luftaufnahmen gestaltet sind und laut dem Designer, David Hanauer, wie zeitgemäße Perserteppiche wirken, kann ich etwas abgewinnen. Die Teppiche, die er mit kaleidoskopisch angeordneten, gespiegelten Details aus Luftaufnahmen von Google Earth bedrucken lässt, wirken eher wie große Bilder für den Boden, als dass sie das heimelige und mir manchmal zu Plüschige von traditionellen Teppichen an sich hätten.
Alleine die Idee dazu, ist großartig. Man nimmt eine Errungenschaft unserer Zeit und macht mit Kreativität und Erfindergeist etwas daraus, das einen Gebrauchsgegenstand modernisiert und künstlerisch anreichert. Auf einem Teppich von David Hanauer kann man auf Siedlungsteilen der Wüstenstadt Las Vegas wandeln, auf Kleingartensiedlungen, Ballungsräumen, Gärten und Brachen zwischen Wäldern. Durch die Verfremdung und Anordnung der mit gekonntem Blick gespiegelten Details aus den Luftaufnahmen entstehen moderne Muster, die als Zitate auf die gelernte Symbolik von Perserteppichen verstanden werden können.

David Hanauer studiert noch an der Deutschen Hochschule für Gestaltung und Kunst in Karlsruhe und wir am Ende Industriedesigner. Seine ersten beruflichen Lorbeeren und einen Einblick in die Verarbeitung von Textilien hat er sich interessanterweise im Rahmen einer Schneiderlehre bei Escada in München geholt. Erste Erfolge und Anerkennungen seiner Arbeiten zeigen sich unter anderen durch die Aufnahme von Bilderrahmen des Designers in das MoMa in New York.

Am besten, ihr lasst die fabelhaften Muster auf euch wirken und sucht euch Favoriten aus, so ihr dieser Idee zeitgemäßer Teppiche etwas abgewinnen könnt. Ich mag die Teppiche und sogar deren Farben, werde danach suchen und stöbern. Vermutlich harmonieren diese Teppiche mit Moderner Malerei und Fotografie in jeder Art von Raum, zwischen Viermeterfünfzig mit Stuckdecken, einem Loft mit rohen Ziegelwänden und natürlich auch mit ganz normalen Räumen oder der Luxusvariante aus Stahl, Glas und Holz….