Wir gucken Fashion: Nachdem Maria Grazia Chiuri vor sechs Wochen ihre erste Haute-Couture-Schau für Dior mit Bravour gemeistert hat, sind wir umso mehr auf ihre Entwürfe für das Prêt-à-Porter Herbst/Winter 2017/2018 gespannt.
Da in Deutschland gerade Grippewelle herrscht und nicht jeder live in Paris vor Ort sein kann, haben wir uns überlegt, die Show ins heimische Wohnzimmer bzw. ins Büro zu streamen …
Horst
Erinnerungen und Orte ihrer Kindheit, schöne ländliche Landschaften und Interieurs ihrer Heimat Ungarn stehen im Mittelpunkt eines, nun ja, „surrealen“ Kampagnenfilms, den Petra Collins der Gucci Frühling/Sommer 2017 Brillenkollektion gewidmet hat.
Warum es mir etwas schwer fällt, den 1:39 Minuten dauernden Spot zu beschreiben, wird klar, wenn man ihn sich angeschaut hat. Collins schafft sozusagen eine Welt, in der alles nicht ganz so ist, wie es scheint. Was als ein Fenster auf das ländliche Familienleben beginnt, weicht bald einem Traum, in dem im Hintergrund „Eyes without a Face“ spielt – wohlgemerkt in einer sphärischen Version, die ich noch nicht kannte.
Für das Casting des Films musste Petra Collins gar nicht lange suchen: Zentrale Rolle haben die Großmutter und die jungen Cousinen der Kanadierin, die – durch die rosarote Brille, die sie ihrer Oma stibitzen, auf eine surreale Reise gehen.
Im Verlauf des Films heben sich Schlüsselkonzepte der Gucci Frühjahr/Sommer 2017-Brillenkollektion ab, die sich dann der Umgebung und den Charakteren anpassen – aber guckt einfach selbst:
Petra Collins ist sicher den meisten Lesern noch ein Begriff: 2013 löste sie mit einem „Menstruations-Shirt“, das sie für American Apperal entworfen hatte, eine Kontroverse aus. Eine menstruierende Vagina war für viele Medien einfach zu viel des Guten, für andere hingegen galt Collins fortan als Feministin.
Für eine Debatte sorgt Petra Collins mit ihrem „ungarischen Traum“ mit Sicherheit nicht, dafür aber mit einem würdigen Rahmen einer beeindruckenden Brillenkollektion von Alessandro Michele für Gucci. Zuviel des Guten kann wundervoll sein …
Wem der Film zu schnell ging – hier die komplette Gucci Frühling/Sommer 2017 Brillenkollektion:
Hat Thom Browne einen Haifisch als Haustier? Sicher nicht, obwohl die „Shark Bag“ des Designers die Vermutung zumindest zulässt. Erst im letzten Jahr setzte Browne seinem Dackel mit der „Hector“-Tasche ein kleines Denkmal, das sogar Modekritikerin Cathy Horyn spazieren führte.
(Mark de Lange; Foto: Goekhan Tas)
Leser aus Hamburg werden es vielleicht schon mitbekommen haben: Das niederländische Brillenlabel Ace & Tate hat vor wenigen Tagen einen Store im Schanzenviertel eröffnet.
Mit der Idee, die Räumlichkeiten mit der Stadt zu verbinden, hat Ace & Tate „Hide & Seek“ als Thema für ihren Store gewählt und wurde dafür in der Umsetzung von der dänischen Designagentur Standard Studio unterstützt.
Hide & Seek? Das Raumkonzept sieht also vor, den „Entdeckergeist“ des Kunden einzufangen, weshalb sich Ace & Tate und Standard Studio mit dem Hamburger Künstler Stefan Marx und dem Plattenlabel Smallville Records zusammengetan haben. Okay, klingt spannend. Trotzdem blieben einige Fragen bei unserem Besuch des Stores offen. Also trafen wir uns mit Mark de Lange, dem Gründer von Ace & Tate, zu einem Gespräch über günstige Preise, die Gefahr, als Discounter wahrgenommen zu werden und warum er sich selbst einmal als „schlechtesten Manager der Welt“ beschrieben hat …
Die wahre Schönheit liegt manchmal im Detail. Vergangene Woche waren sich die meisten Kommentatoren auf meinem privaten Facebook-Profil sicher, dass die neue Fall/Winter-Kollektion von Gucci nicht der große Wurf ist. Zu wenig Entwicklung, zu viele „Showstopper“, also Teile, über die man später spricht.
Blomquist war im Anschluss an der Schau im Showroom von Gucci und konnte einige Impressionen einfangen, die zumindest belegen, dass die Kollektion eins auf jeden Fall ist: kreativ. Peter wird für uns in den kommenden Tagen die Entwürfe rezensieren und ich bin sehr gespannt, wie er die Kollektion beurteilt.
(Grace Coddington; Bild: Screenshot Video „I am an Immigrant“)
Coco Chanel nahm für sich in Anspruch, die Frauen vom Korsett befreit zu haben und wurde dafür gefeiert, einen wichtigen Schritt in der Frauenbewegung gemacht zu haben. Die Benetton-Werbung der 1990er-Jahre hat sich bis heute ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Man sieht, dass es die politischen Ambitionen der Mode nicht erst seit Donald Trump gibt. Aber dennoch fällt auf, dass sich die Mode aktuell von ihrer politischsten Seite zeigt: Leyla Piedayesh, Designerin von Lala Berlin, hält nach ihrer Schau in Kopenhagen ein „I AM AN IMMIGRANT“-Schild hoch, Tom Ford erteilt Melania Trump eine kleidgewordene Abfuhr, Maria Grazia Chiuri schickt für Dior Models mit Feminismus-Slogans über den Laufsteg und Labels wie Diesel und Nike üben sich in Werbung mit politischem Anstrich. Donald Trump wird zwar nie genannt aber man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, wer mitunter auch Adressat solcher Botschaften ist.
#nofilter – so sah es heute Nachmittag am Hamburger Hafen aus. Nachdem uns der Hamburger Schmuddelwetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht hat, habe ich mich auf’s Sofa zurückgezogen.
Für diejenigen, die auch wetterbedingt Trübsal blasen, habe ich hier unseren Wochenrückblick – vielleicht hebt’s die Stimmung …
(Bild: Glen Larson)
Die Akropolis darf nicht für eine Modenschau genutzt werden – das ist eine schmerzvolle Erfahrung, die Gucci machen musste. Das Kulturministerium hat eine entsprechende Anfrage der italienischen Luxusmarke abgelehnt. Geplant war, die Cruise Kollektion, also die Entwürfe, die aus den Garderoben entstanden sind, die die Passagiere auf den Kreuzfahrten oder den Überfahrten trugen, am 01. Juni in dem Weltkulturerbe zu präsentieren.
Wie sich die Zeiten doch (nicht) ändern: Seit 1995, als Diesel mit obigem David LaChapelle-Kampagnenfoto von zwei sich küssenden Matrosen für Empörung sorgte, hat sich nicht viel getan. Zumindest wenn man einen Blick auf die Facebook-Seite von „Demo für alle“ wagt, fühlt man sich in die 60er-Jahre katapultiert. Aufgebrachter Gegner der „Ehe für alle“ schaukeln sich dort hoch, als sei nicht nur das Abendland, sondern die gesamte Menschheit in Gefahr – und das nur, weil Bildungspläne in Baden-Württemberg vorsehen, die Akzeptanz von Vielfalt zu fördern. Ja, wo kommen wir denn dahin, wenn heranwachsende Generationen tolerant werden?!
Was genau der Auslöser dieser Angst ist, den die „Demo für alle“-Anhänger da verspüren, vermag ich nicht zu analysieren, glaube aber, dass sie auch auf die neueste Kampagne von Diesel mit Empörung reagieren – darin sind sie ja schließlich geübt …
Die #makelovenotwalls-Kampagne von Diesel hat sich das Ziel gesetzt, ein Zeichen gegen „die mentalen und physischen Mauern“ zu setzen. Das finde ich insofern passend, da Donald Trump ja eben eine solche Mauer aufzubauen plant – und das nicht „nur“ an der Grenze zu Mexiko, sondern auch in den Köpfen einiger Menschen.
„Wir bei Diesel wenden uns mit Entschiedenheit gegen das Säen von Hass und wollen das die Welt mehr denn je wissen lassen“, wie Diesel-Artistic Director Nicola Formichetti erklärt. „Liebe und Zusammenhalt sind für eine lebenswerte Gesellschaft und eine Zukunft, wie wir sie uns alle wünschen, essenziell.“
Die Bilder der #makelovenotwalls-Kampagne mögen auf den ersten Blick etwas ‚bunt geraten‘ wirken, passen aber insofern ganz gut, weil sie eine positive Botschaft transportieren und der ursprüngliche Slogan, „Make love, not war“, in die Zeit der Antivietnamkriegsbewegung zu datieren ist.
Hinzu kommt, dass die Fotos ebenso von David LaChapelle aufgenommen wurden, der ja auch nicht für eine traurige Bildsprache bekannt ist.
Diesel nimmt sich nun also die Mauer vor – das Symbol der Trennung und Teilung schlechthin – und reißt sie nieder, um darum herum eine Geschichte zu erzählen: Der „Love-Panzer“ bricht ein Herzsymbol in die sich vor ihm auftürmende Mauer und verwandelt das Bollwerk in einen Ort der Freude und Blumen, an dem Freiheit und Liebe gefeiert werden. Friede, Freude, Eierkuchen sozusagen. Wenn es doch so einfach wäre …
(© Anders Ahlgren für Vilhelm Parfumerie)
Jedes Jahr werden ca. 250 bis 300 neue Düfte auf dem Markt lanciert. Der Großteil dieser Neuerscheinungen verschwindet nach nur einer Saison, nur wenige überdauern einige Jahre und noch viel weniger haben das Zeug zum Klassiker.
Gerade die Nischendüfte haben es schwer, sich am Markt zu behaupten. Dabei sind es gerade diese Düfte, die nicht die breite Masse ansprechen und sehr eigenständig sind, die sich lohnen, entdeckt zu werden.

