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Die Woche auf Horstson

Wir wünschen einen schönen Sonntag allerseits – trotz des Unentschiedens gegen Ghana … Mich hat das gestrige WM-Spiel etwas geschafft. Und Euch?
Während ich offline die WamS lese, könnt Ihr vielleicht etwas auf Horstson stöbern, okay? Hier meine Lesetipps:
1) Am Mittwoch sorgte Julian für GENDERDISKUSSIONS”STOFF” und beschrieb die Kollektion von J.W.Anderson für Spring-Summer 2015.
2) Dienstag gab es den Live Stream aus London der Männer-Modenschau von Burberry Prorsum. Die Reviev dazu hatte Peter am Freitag parat.
3) Unser Musikexperte Jan nennt sie die „Anti Gaga“. Gemeint ist die Sängerin SIA. Mehr Infos hatte er am Montag. Und zwar hier.
4) Horsts Gedanken zur Christopher Kane Kollektion für den kommenden Sommer präsentierte er am Freitag.

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Burberry Prorsum Spring-Summer 2015: The Chatwin Story

Die in dieser Woche in London vorgestellte Herrenkollektion von Burberry Prorsum ist wieder einer dieser Momente, in denen man weiß, dass Mode, trotz allen Kommerzes, durch Fantasie und Inspiration beflügelt wird. Christopher Bailey ist in der wechselvollen Branche mittlerweile so etwas wie ein alter Hase und seine Beständigkeit für das britische Traditionslabel tut seiner Kreativität keinen Abbruch. Er vereinigt die seltene Gabe, ähnlich wie Karl Lagerfeld, die Wurzeln des Hauses klar herauszuarbeiten und immer wieder um Iconic Pieces zu ergänzen. Bailey hat sich in den letzten Jahren unaufgeregt perfektioniert und trotzdem seinen typisch britischen Humor nicht verloren. Im Gegenteil – bei aller Verkäuflichkeit der Einzelteile und Looks, gestattet er sich genau die Gadgets, die man von einem High Fashion Label erwartet. Es ist eben „British Eccentrics at its best“ und dafür hat sich Bailey diesmal ein Thema ausgesucht, was schöner nicht sein könnte. Hinzu kommt, dass dieses Thema intelligent und klug das weitertransportiert, was die britische Kultur ausmacht: Book Covers …

Vintage Buchtitel aus den Sixties gaben die Inspiration für Drucke und Allover-Dessins, die auf die Spitze getrieben werden. Literatur ist, ähnlich wie in der deutschen Kultur, eine der Säulen der britischen Tradition und erfährt spätestens seit Shakespeare und Co. große Verehrung …

Eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der neueren englischen Literatur ist Bruce Chatwin, der im Widerspruch zu seiner Person eine ideale Leitfigur für diese Kollektion bildet. Chatwins Leben fasziniert auf der einen Seite durch die Wandlungsfähigkeit des Autoren und auf der anderen Seite durch seine unkonventionelle Lebensart. Chatwin war bisexuell und hatte eine fast schon magische Ausstrahlung auf beiderlei Geschlechter. Die Bandbreite seiner Arbeit war gigantisch und so eröffnen zum Beispiel die Beschreibungen von Patagonien und Afghanistan innerhalb seiner Romane diese Regionen auf mitreißende Weise. Sein Roman „Utz“ handelt über einen manischen Meißener-Porzellan Sammler in der Vorzeit des Prager Frühlings, wohingegen „Traumpfade“ eine Reise auf der Suche nach sich selbst ist – wie fast alle Erzählungen von ihm.
Bruce Chatwin begann als sogenannter „Sotheby’s Boy“ im weltbekannten Auktionshaus Sotheby’s. Er stieg durch seinen ungeheuren Wissensdurst und die damals schon ausgelöste „Suche“ schnell zum Kunstexperten auf und wurde schließlich Leiter einer der wichtigsten und ertragreichsten Abteilungen des Hauses: den Impressionisten.
Legendär ist die Versteigerung der „Sommerset – Maugham“ Kollektion. Der Chatwin hatte umfangreiche Keywerke der berühmtesten Impressionisten gesichert und die Sale Session brachte 1961 ungeahnte Rekorde. Chatwin gestaltete unter anderem den noch heute begehrten Katalog und entdeckte dadurch seine Liebe zur Buchgestaltung. Aber er gab seine Arbeit auf, um zu reisen und um zu schreiben und das auf der Welt zu suchen, was ihn so innerlich zerriss.
Bruce starb 1989 an seiner 1986 ausgebrochenen AIDS-Erkrankung. Eine magisch faszinierende Persönlichkeit mit unendlich viel Facetten und Farbigkeit – ein Ästhet par ex­cel­lence – mit ungeheurem Individualismus. Eine Beschreibung, die auch den Kern der Burberry Prorsum Kollektion trifft …

Gleich eines vorweggenommen, die „patagonischen Hüte“ faszinieren nicht unbedingt durch ihre Tragbarkeit, bilden aber als verbindende Klammer ein typisch englisches i-Tüpfelchen und sind das durchgehende Statement der Kollektion. Die Entwürfe sind starkfarbig, clourblocked oder auch in den Looks ganz auf eine starke Farbe konzentriert und dabei trotzdem klar und leuchtend. Es sind Looks, die auf der urbanen Reise selbstverständlich und modern wirken, aber auf den Key Items von Burberry Prorsum basieren.

Trenchcoat, English Duffle, Chesterfield, Cabanjacke, Field Jacket und scharf geschnittene, gerade Hosen bilden die Elemente, die den Reisenden begleiten. Kein Wunder, dass die Taschen dafür erdacht sind, den halben Hausstand mitzunehmen. Augenfällig war, dass sie als wesentlich elegantere Version des Rucksackes ihren Siegeszug in der Präsentation begonnen haben. Es ist die Geburtsstunde des „Travel Satchels“ von Burberry Prorsum, einer Tasche, die man nicht nur sofort haben will, die sich aber auch zum praktischen Klassiker mausern könnte. „Ludique Sneakers“ und praktische „Field Sneakers“ ergänzen die Looks perfekt.

Pergament, Safrangelb, Ocker, orange-stichiges Rot, Kupfer, Magenta, Sturmblau, Lagune, Olivgrün und Scottish Green machen Baileys Reisekollektion zu einem starken Farbbekenntnis und verführen durch ihre Farbigkeit. Überhaupt wirkt alles so stilvoll humorvoll, dass ich zugeben muss, dass ich mich in diese Kollektion verliebt habe – auch weil sie zauberhaft schrullig wirkt und doch so normal ist.
Die Würze bekommt die Kollektion noch von den an Découpage erinnernden Drucken – vom „Allover-Trenchcoat“ bis zu den Accessoires über die großen „Notebooks“ im klassischen Sinne – alles wirkt ein bisschen so, als hätte man es Gulliver geklaut. Die Prints aus schottischen und englischen Burgen und Schlössern begeistern sofort.

Christopher Bailey setzt mit dieser Kollektion einen fulminanten Auftakt für die nächste Männermode-Saison und man freut sich mit ihm auf einen farbigen Sommer 2015. Er bestätigt auf eindrucksvolle Weise, dass Burberry gestandene Männer anzieht, die aber nie ihren Witz und ihren Humor verlieren, die zu ihren skurrilen Seiten stehen und exzentrisch sein können.

Bruce Chatwin würde sicherlich gern mit dem ein oder anderen Teil im nächsten Frühling auf die Reise gehen – und die Suche nach sich selbst, wäre in der Spring-Summer Kollektion von Burberry Prorsum umso fröhlicher …

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Christopher Kane Spring-Summer 2015

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Bilder: Christopher Kane

Dass Christopher Kane ein Faible für Grafik hat, braucht man vermutlich nicht sonderlich erklären. So verwundert es nicht, dass der Schotte für seine vor ein paar Tagen in London präsentierte Herrenkollektion „Daumenkinos“ als Quelle der Inspiration angibt: „Viel von dem, was ich tue, ist durch das Zeichnen inspiriert. Wenn etwas gut auf dem Papier aussieht, sieht es in der Regel auch im realen Leben gut aus. Ich habe mit der Idee des ‚Daumenkinos‘ in der Herbst-Winter-Kollektion der Frauen begonnen, wo die Seiten selbst zum Kleid wurden. Mir gefiel diese Idee so mehr, dass ich sie noch erweitern wollte – also wurden die ‚Seiten‘ des Daumenkinos in der Herrenkollektion verstreut und bilden so die Basis für die grafischen Drucke …“ Das hätte ich auf den ersten Blick nicht erkannt, dafür erinnert einiges in der Kollektion an Peter Savilles Cover für das Joy Division Album ‘Unknown Pleasures’ und an Kraftwerks ‚Musique Non Stop‘ (großartiger Song btw.):

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Schiff ahoi! – Bootsschuh-Saison

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Bild: Bagad de Lann-Bihoué

Nicht nur weil die Horstson Redaktion ihre Heimat in Hamburg hat, haben wir eine große Affinität zu allem, was mit geringelten Shirts und Seemannspullovern zu tun hat. Die Modelle von Saint James in Frankreich sind, genau wie deren bretonische Shirts, Dauerbrenner in jedem internationalen Männer-Kleiderschrank und spätestens im Sommer, sind wir Norddeutschen aus dem Marine Look kaum herauszuschlagen. In Frankreich nennt man es Deauville Look, in England Navy Look und die Amerikaner assoziieren es mit Long Island …

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Tom Ford Spring-Summer 2015

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Bilder: Tom Ford

Ihr werdet es wissen – bei Tom Ford ticken die Uhren anders: der Designer braucht keine große Schau, um seine Männermode zu präsentieren. Auch braucht er keine Fotos der Präsentation, geschweige denn eine illustre Frontrow. Diese Art von Entschleunigung ist eine Wohltat in einer Zeit, bei Highstreet-Labels zwei-wöchentlich den Löwen in Form von Kunden ihre Kollektionensattrappen zum Fraß vorwerfen. Stattdessen werden peu à peu Bilder des Look Books zur Veröffentlichung freigegeben und der Effekt ist ungleich höher: es wird ein Spannungsbogen erzeugt, der an Dramatik kaum zu überbieten ist und der im besten Falle Begehrlichkeiten geweckt. Nur nicht jetzt …

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GENDERDISKUSSIONS“STOFF“ – J.W.Anderson Spring-Summer 2015

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Bild: J.W. Anderson

Ausbau des Hauptsitzes, CEO-Anheuerung, nagelneuer Onlineshop und LVHM gibt zusätzlich Rückenstärkung – J.W. Anderson scheint eine echte Glückssträhne zu haben und beweist im Rahmen der Londoner Männerwoche einmal mehr, dass Mode experimentell UND tragbar sein kann: Oversize-Hemden, tailliere Mäntel und ansprechende Prints (das Wasserfallmotiv gehört zu meinen Favoriten) sehen chic aus, werden garantiert länderübergreifend geordert und kommen doch für meine Verhältnisse beinahe zurückhaltend daher …

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Schauenplan der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

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Die IMG gab heute den finalen Schauenplan der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin bekannt. Mittlerweile wird es sich rumgesprochen haben, dass das Drama um die erste Reihe dieses Jahr nicht beim Brandenburger Tor stattfindet, sondern vom 08.-11. Juli 2014 im etwas unglamourösen Erika-Heß-Eisstadion im ebenso unglamourösen Wedding.
Große Überraschungen bleiben – leider – auch weiterhin aus; bemerkenswert ist sicher, dass Clemens en August erstmalig im Zuge der MBFWB zeigen und das die IMG in einer unglaublichen Sturheit parallel zur Haute Couture in Paris zeigt. Warum machen die das nur?

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Peter’s Cutting – La Maison Guerlain Champs-Élysées

L'Astre
Guerlain Avenue des Champs-Élysées

Guerlain ist nicht nur das Synonym für die gesamte französische Parfümeurkunst, sondern auch wie eine Klammer, die die Geschichte der Stadt Paris und des dekorativen Handwerks in sich vereinigt. Das wird einem spätestens dann klar, wenn man die vor einem halben Jahr neu-eröffnete Maisen Guerlain, an einer der klangvollsten Straßen der Welt, der Avenue des Champs-Élysées, besucht.
‚Champs-Élysées‘ bedeutet so etwas wie ‚elysische Felder‘ und wie in einem Paradies fühlt man sich auch in der Maison Guerlain. Der Hauptsitz der Parfüm-Dynastie der Familie Guerlain war zu seiner Zeit ein absolutes Novum. Als man Anfang des 20. Jahrhunderts an die Avenue des Champs-Élysées zog, war es sozusagen Neuland und kaum Geschäfte angesiedelt. Die Pariser hatten dort noch im 19. Jahrhundert ihre „Landhäuser“ und die Breite Avenue des Champs-Élysées wurde für Ausfahrten mit der Kutsche oder dem Pferd genutzt. Frauen durften dort in der Kalesche ganz ohne männliche Begleitung fahren – eine absolute Neuheit …

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Die Woche auf Horstson

Horstson Modeblog für Maenner

Seid Ihr auch schon im WM-Fieber? Wenn ich ehrlich bin – und das bin ich immer – werde ich nur die Spiele der deutschen Mannschaft schauen … Und Ihr?
Wie auch immer, bis zum nächsten Spiel ist es noch etwas hin (Schweiz gegen Ecuador; 18 Uhr) – genug Zeit also, die Woche auf Horstson Revue passieren zu lassen:
1) Sexy: Peter stellte uns die Geschichte des Wäschelabels „Jockey“ vor.
2) Sehr 90er: Jans derzeitiger Lieblingssong kommt von Kiesza – „What is love“!
3) Großstadtdschungel: Julian nahm uns mit in den Musterurlaub.
4) Großartig: Tilda Swinton ist „das Gesicht“ der Mercedes-Benz Fashion Week.
Mein Tipp für heute Abend ist übrigens 1:0 für die Schweiz. Wir wünschen einen schönen Sonntag!