Bitte, liebe Macher, wie viele Runden sind es noch bis zum KO?
Die Superlative für uns Heidi aus Bergisch Gladbach werden knapp. Zuerst war sie ohne den Segen von Kaiser Karl Topmodel, dann langte nur noch das Supermodel, ein Showstar war sie sowieso schon seit ihren ersten Auftritten auf dem Karnevalswagen in Bergisch Gladbach und seit gestern nennt man die findige Geschäftsfrau auf Pro7 schlicht und ergreifend Weltstar. Da möchte ich doch schon wieder zu gerne eine klitzekleine Maus sein, die mit anhören darf, wenn Papa Klum und Tochter Klum das mit den Senderverantwortlichen ausklamüsern.
Allgemein
Soeben wurde offiziell der Weggang von Raf Simons vom Label JIL SANDER von der JIL SANDER Group bestätigt.
Wer die Nachfolge des belgischen Designern antritt, wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben – seit gestern ist allerdings ein Name im Gespräch: Heidemarie Jiline Sander – also die Labelgründerin Jil Sander soll Gerüchten zur Folge wieder zurückkehren. Das wär phantastisch!
Modisch gesehen befindet sich Düsseldorf nicht nur in der dicht besiedelten Mitte Deutschlands, es hat aus mir unerklärlichen Gründen modetechnisch gesehen einen ähnlichen Ruf, wie der FC Bayern im Fußball. Daran soll sich etwas ändern – drum habe ich hier eine kleine Klamotten-Auswahl zusammen gestellt, mit der wir der links- und rechtsrheinischen Geschmackssicherheit auf den Grund gehen wollen.
Wer vor einigen Wochen den Livestream der Präsentation der Burberry Prorsum Männerkollektion hier auf Horstson gesehen hat, der konnte vielleicht schon ahnen, in welche Richtung Christopher Baileys Ideen für die Womenswear-Kollektion gehen könnten …. wurde aber sicher – wie wir ja auch – überrascht von Bailey’s fantasievoller Celebration der Outerwear-Expertise von Burberry.
Das war ein Feuerwerk an Neuinterpretationen der Klassiker Wintertrenchcoat, -Jacke und Parka, aber auch vollkommen Neues, wie ein mit viel Volumen gestrickter Blouson und enge Shiftröcke mit diagonal angesetzten Volants, waren unter den zirka 50 Womenswear Outfits zu finden, die über den Runway der perfekten Tageslicht-Location im Hyde Park schwebten.
Mit überraschenden Details wie den Blasebalg-Taschen, die Bailey auf Jacken, Mänteln und Röcken – auch mal in Kontrastfarben – platzierte, wären die Augen schon beschäftigt genug gewesen … aber da folgte ein Highlight auf’s andere. Ich versuche, das mal zusammen zu fassen: Die Taille ist schmal, das verlangen die akkurat – aber mit ledernen Schleifengürteln – nicht allzu streng gegürteten Mäntel, Jacken und natürlich auch die Bleistiftröcke mit Volants oder überhängendem Kurzrock … und klarerweise auch die schwingenden Schößchen, die sich durch die ganze Kollektion ziehen, die zum Motto Town and Field den Bogen von der praktischen Tagesmode urbaner Großstädter, hin zu dem Look spannt, mit dem Briten gerne ihre Tradition der Schneiderei aus guten Stoffen zelebrieren. Aber alles wirkt sehr spielerisch und feminin, von Bailey mit Fantasie auf die Höhe der Zeit gebracht.
Es gibt so viele schöne Röcke, dass ich fürchte, der Versuchung gleich zweifach nicht widerstehen zu können. Hätte ich das schon im Livestream erkannt, dass Bailey einige Röcke und eine ganz tolle Jacke aus schwerer Wollspitze fertigen ließ, man hätte meine Begeisterung vielleicht flächendeckend hören können. Ich liebe dieses Material!!! Um nichts weniger attraktiv sind die Shiftröcke mit diagonal angesetzten Volants, die es in vielen Materialien wie Tweeds verschiedener Farben, Samten und Cordsamten gibt. Aber auch ein auffallend schöner, schmaler Grüner Samtrock mit einem Fontzipper, der wie ein Hosenverschluss hinein gearbeitet wurde, verlockt zum Kauf.
Auch für ein Wiedersehen mit der Material-Innovation Raffia, die wir aus den vergangenen Kollektionen bei Burberry kennen, wurde gesorgt: Bailey zeigte ein schulterfreies Kleid oder Deux Piece aus Schwarzen und Rotbraunen Raffia-Fasern, das mit einem transparenten Schulterteil und Ärmeln komplettiert wird … sowie einen quergestreiften Raffia Rock in Schwarz und Petrol, zu dem man dann allerdings eine hüftlange und schmale Schößchen-Jacke in einem Steinfrau trägt.
Die Farben werden einerseits von den zurückhaltenden, Braunen und Grauen Naturtönen der Tweeds, Herringbones und Fischgräts bestimmt, an die sich das Farbkonzept des Designers organisch anfügt. Verwendet wurden warme Töne wie Honiggelb, ein dunkler Camelton, Pebble, das ist ein Kieselsteingrau, Off-White, Olivgrün, Dark Racing Green, die Lieblingsfarbe britischer Jaguar-Fahrer, Lorbeer-Grün, Erika-Heidekraut-Rot, Petrol Blau, Granit-Blau, ein dunkles Mauve-Pink, Schwarze Johannisbeere, Burgunderrot, Schwarz, Rotbraun und Hellgrün. Das Raffinement des zurückhaltenden Farbkonzepts wird durch andersfarbige, dunkle und blickdichte Strümpfe – auch solchen mit dezent gewirkten Längsstreifen – und Braunen, Grauen oder Graugrünen Bootines beziehungsweise Ankle-Boots, die zum Glück wieder zierliche Heels und nur kleine Plateaus haben, gewohnt eloquent zu einem sehr ansehnlichen und neuen Look entwickelt, der allen großen und eher sehr schlanken Frauen steht. Unabhängig vom Alter, obwohl Christopher Bailey eher vom Geist der Jugend zu immer neuen Höchstleistungen angetrieben wird.
Zu den schönsten Ideen zählten für mich die neu interpretierten Schößchen-Jacken (Peplum-Jackets), die es um Beispiel als karierte Jacke mit Samtbesätzen und weit ausladendem Glocken-Schößchen, aber auch in dünn wattierten Optiken gibt. Schwer vorstellbar, dass da jemand nichts Passendes findet. Da Einzige, was bei Buberry Prorsum immer etwas stört, ist der zur Qualität passende Preis.
Eher kein so großes Thema waren diesmal die Oberteile. Es gab wie schon in der Männerkollektion Gestreiftes, hochwertig veredelt durch Halbedelstein-Stickereien, helle Pullis mit Eulen, Hunden und Füchsen, wenn ich das richtig erinnere, zwei weiße Hemdblusen, wie alle Oberteile, sehr weit fallend geschnitten. Da konnte ich mir ehrlich gesagt das eine oder andere Outfit vor meinem geistigen Auge mit anderen Oberteilen vorstellen.
Was mich stilistisch auch nicht erreicht, sind alle Accessoires wie Clutches Gürtel und Handschuhe mit Goldenen Nieten und Tierköpfen, aber selbstverständlich weiß Burberry besser als ich, wofür es viele, viele Kunden geben wird. Vermisst habe ich Schals – soll man etwa einen langen Wollschal von der Konkurrenz dazu tragen?
Aber das ist ja meckern auf hohem Niveau, schon die fabelhaften Tweedwoll-Schiebermützen haben mich auf den ersten Blick begeistert. Dafür könnte ich glatt mein Gelöbnis, nach meiner Kindheit nie wieder abseits Sibiriens oder einer Schipiste eine Kopfbedeckung zu tragen, brechen. Man wird ja sehen, wenn die Sachen im Burberry Laden hängen.
So lange muss man aber nicht warten: Mäntel und Taschen können noch einige Tage online geordert werden, wobei man zwei der modernsten Kundenführungs-Service-Systeme im Onlinehandel kennenlernen kann. Aber das kann ja nach der überaus kaufanregenden Intro und dem perfekt organisierten Stream ohnehin keine Überraschung mehr sein. Man merkt Burberry an, dass man auch da nicht auf einen fahrenden Zug aufgesprungen ist – sich schon lange mit der sinnvollen Nutzung der digitalen Medien als Multiplikator beschäftigt.
Mit dieser Schau hat man dann den totalen Sprung in die breite Öffentlichkeit vollzogen. Hier der O-Ton von Christopher Bailey
„We’ve been exploring technology as a way of communicating to all our different communities for some time. I love that we can host this event in Hyde Park, take a piece of London and broadcast it all over the world to people wherever they are and whatever they are doing. We stream the show from Burberry World to digital billboards – airports, news networks, train stations, your phone, your iPad or our bricks and mortar stores globally. Everything that we create lives on Burberry World – it’s our digital home but it’s all around us. The show is one of the most powerful expressions of this brand – we take every element of this physical experience and completely digitalise it.Everything from the British weather, music, the design process, the collection and more can be explored here. It’s an incredible year for London and we want to share the energy and excitement here with our broad global communities.”
Und noch einer im Video:
The Burberry Prorsum Womenswear Autumn/Winter 2012 Show
Und hier noch mal die ganze Show, damit ihr nicht bis zum Stream zurückgehen müsst, solltet ihr noch mal reinschauen wollen …
Burberry Prorsum Womenswear Autumn/Winter 2012 Show
Mein Daisy-Fazit: Christopher Bailey ist für mich im allerbesten Sinne der Karl Lagerfeld von Burberry. Das wird er wahrscheinlich nicht machen, aber er könnte sein ganzes Berufsleben lang nur Burberry machen und es käme immer etwas Gutes dabei heraus. Am Ende der Schau gab es wieder Regen, draußen regnete es Wasser auf’s Glas und über den Schirmen der Models regnete es schon symbolisch das Gold, das Burberry mit dieser Kollektion gewiss verdienen wird. Vollkommen zurecht.
Oder etwa nicht, was sagt ihr denn dazu, liebe LeserInnen?
Bilder Burberry
… so steht es morgen in der Gala. Was dran an dem Gerücht ist, dass Jil Sander wieder zurück zu ihrem Label geht, wissen wir nicht (den Versuch eines Comebacks gab es schon 2003), aber eine schöne Vorstellung ist es allemal, denn die letzten Kollektionen von Raf Simons überzeugten nicht immer.
Bleibt die Frage offen, was Raf Simons macht, falls Sander in Zukunft wieder für das Design beim Label Jil Sander verantwortlich ist – Dior hätte ja noch eine Stelle frei …
Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen, aber sie sind eigentlich genau das Zünglein an der Waage, das einen Trash-Artikel vom Luxus-Objekt unterscheidet, aber eigentlich durch seine Einmaligkeit schon wieder dazu macht.
Anfang der Achtzigerjahre gab es eine Bombenanschlag-Serie in Paris und bei den Defilees der Prêt à Porter im Hof des Louvre wurden Taschen- und Sicherheitskontrollen eingeführt.
Hermès hatte damals die Idee, an Stelle einer Pressemappe eine Einladung zu verschicken, die das Key-Item des Hauses, die gefeierte Kelly-Bag, mit bürgerlichem Namen “ sac haut à courroies“, in durchsichtiger Plastikfolie war. Die Modenschaubesucher sollten damit schnell und auf originelle Weise durch die Sicherheitskontrollen kommen.
Natürlich entwickelte sich die Tasche sofort zu einem Statussymbol und heute gibt es nur noch sehr wenige davon. Außerdem war sie wirklich nur ein Gag und nicht sonderlich haltbar, da sie ja praktisch nur für einen Tag gemacht war.
Gucci Women’s Fashion Show Fall/Winter 2012-2013 Live Stream auf Horstson
Posted on 22. Februar 2012Heute morgen startete die Mailänder Fashionweek – und wie schon fast traditionell haben wir auch diesmal den Gucci Live Stream. Diesmal schauen wir, was Frida Giannini für die Frauen in der Herbst/Winter Saison 2012/2013 vorbereitet hat. Der Stream startet gegen 13:45Uhr – die Schau startet (sofern es zu keinen Verzögerungen kommt) um 14Uhr.
Damit die Warterei aber nicht zu lange wird, streamt Gucci sozusagen als Warm-Up die Herbst/Winter Saison 2012/2013 Männer Schau, die vor ein paar Wochen in Mailand stattfand: Glenchek, Lederjacken mit Pelz/Fell , florale Teppichmuster auf schmalen Sakkos und grober Strick zu schmalen, teilweise glänzenden Hosen kombiniert mit Oversize-Mänteln – eine Kollektion, die überzeugte. Wir sind gespannt, ob auch die heutige Frauen-Show unser Herz erobert …
Wir erinnern uns gerne an die „Doppelgängerwoche“, die „Disneywoche“ oder die „Atomkraft nein Danke“ Periode auf Facebook. Momentan sind es die „memes“ die sich wie ein Lauffeuer über Facebook verbreiten. Auch ich für meinen Teil habe bereits Gebrauch davon gemacht.
Einige von euch haben die Kollektion ja schon im Livestream auf Horstson gesehen, aber ganz ohne Worte wollen wir das Arbeitsergebnis von Creative Director Dirk Schönberger für Yohji Yamamoto, Y-3, nicht verfliegen lassen. Wir lieben Adidas und deren Kollaborationen und da gehört die junge Kollektion für Urbane Nomaden nun mal dazu.
Kennt noch ein Createur seine Kundin in allen Segmenten so genau, wie Ralph Lauren?
Das Label ist für mich der L’Oreal Konzern unter den großen Modemarken. Jede Kollektion wird passend zu den Erwartungen der Fans und Kunden in den Markt gesetzt … da gibt es keine verrückten Ausreißer aus Lust und Laune; um hohe Kreativität unter Beweis zu stellen. Viel eher gewinnt man den Eindruck, da greift ein Rädchen genau in’s andere, jeder im Designteam weiß, welche Ideen ins Marken- und Marketing-Konzept passen. Überraschungen, die von der betuchten Upper Class Klientel zwischen den Hamptons, New York, Paris und Tokyo nicht goutiert werden könnten, vermeidet man. Allerdings, ohne den in der Mode fatalen Anschein zu erwecken, es werde immer dieselbe Kollektion, anders kombiniert, präsentiert. Alleine das ist ein hoch anspruchsvolles Kunststück. Aber alles, was wir da an eleganter Abendmode für den kommenden Winter sehen, besticht auch wieder durch handwerkliche Solidität auf höchstem Niveau und beste Materialien.










