So ist das mit den „Trends“: vorletztes Jahr waren Blogs noch völlig aus dem Häuschen, weil sie die Sandalen von Birkenstock wiederentdeckt haben. Nunja, das stimmt so natürlich nicht – schuld an dem erhöhten Aufkommen an Birkenstocks auf Instagram und Co. war nicht ein Trend, sondern eine PR-Agentur, die die Dinger an „Entscheidungsträger“ verschickten.
Nun ist auf Blogs und Instagram wieder Ruhe eingekehrt (aktuell feiern dort übrigens Badelatschen ein Comeback) und man kann sich wieder Birkenstocks widmen, ohne gleich schief angeguckt zu werden.
Allgemein

Bild oben: Bread and Butter; Bild unten: Tuba Hukaers
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte …


Fotos: Alasdair McLellan; Bild: © Uniqlo
Wir hatten vor ein paar Wochen ja schon drüber gesprochen: Die wohl heißeste Kooperation des Jahres gehen Lemaire und UNIQLO ein. Christophe Lemaire, der zusammen mit Sarah-Linh Tran das Label führt, zur Zusammenarbeit mit dem japanischen Textilriesen:
„Die UNIQLO AND LEMAIRE Kollektion basiert auf der von beiden Marken gleichermaßen geteilten Philosophie, qualitativ hochwertige Kleidung für den Alltag anzubieten. Wir haben uns nicht nur darauf konzentriert, das Design zu verbessern, sondern auch auf der hohen Qualität der Materialien zu bestehen. Unser Ziel war es, Kleidung zu kreieren, die schlicht, schön und komfortabel ist. Jedes Stück verkörpert mehrere Ideen, und so zeigt ein einzelnes Produkt verschiedene Facetten – je nachdem, wie es getragen wird. Diese Kollektion war eine wertvolle Erfahrung und eine außergewöhnliche Kollaboration für uns als Designer. Wir hoffen, dass diese Kollektion Teil von jedermanns Leben wird.“
Teil von jedermanns Leben? Naja, soweit würde ich jetzt nicht gehen, schlussendlich handelt es sich bei der Kleidung um keine Offenbarung. Schaut man sich aber die Preview-Kampagnenbilder – fotografiert von Alasdair McLellan – an, verspüre zumindest ich den Wunsch, den Rest der Kollektion zu sehen:
Geliebt, verdammt, vergöttert: Heute beginnt offiziell die vierte Sandalenwoche. Wie jedes Jahr beginnen wir diese wundervolle Zeit mit Sandalen aus dem Hause Versace. Donatella Versace weiß einfach, was Männer wollen: Männer wollen zumindest an den Füßen aussehen wie ein römischer Gott und sind demnach also potenzielle Träger von Gladiatoren-Sandalen:
Besondere Modemomente? Konzeptionell durchdacht! Manchmal ärgere ich mich zutiefst, dass ich stumpfsinnig im Vorlesungsaal hocke und ausufernden Vorträgen lausche. Beinahe synchron klicke ich mich dann durch die Männerschauen in London, Mailand oder Paris und stelle fest: Du verpasst was, Julian. Ziemlich ähnlich ergeht es mir, als ich am 25. Juni 2015 den Geotag der Galerie Perrotin im Pariser Marais bei Instagram aufrufe und puzzleartig über Aufnahmen der ersten Menswear Collection von Each x Other stolpere.
Da ist uns doch letzte Woche glatt der Wochenrückblick durch die Lappen gegangen … Grund dafür war ein kleiner Ausflug nach Paris und ein etwas turbulenter Rückflug, durch den wir erst in der Nacht wieder festen Boden unter den Füßen hatten.
Also lassen wir heute gleich zwei Wochen Revue passieren. Hier unsere Lesetipps:
1) Julian war für uns Unterwegs mit … Luisa Via Roma. Zu sehen gab es viele „My Little Pony“-Figuren, zu hören gab es Giorgio Moroder und zu essen gab es ein ganz fabelhaftes Dinner.
2) Ezra Furman x „Perpetual Motion People“: Lasst euch also nicht von dieser Figur täuschen, die aussieht wie ein durchgeknallter Crossdresser mit funkiger Sonnenbrille und denkt immer daran: „Death was his former employer“!
3) Wir testeten für Euch den größten Kleiderschrank der Welt: Send & Store.
4) Pearl Harbor by Kim Jones: Eines der Highlights der Männerschauen war definitiv Louis Vuitton Spring-Summer 2016. Das Tollste an der Show war aber, dass Nile Rodgers das große Glashaus im Park André Citroën in eine furiose Music Hall verwandelte.
5) Glasklar: „Ein Sonntag im Sommer“ ist das dritte Kapitel einer außergewöhnlichen Sommernovelle von Ace & Tate.
6) Unsere Freunde aus Herzogenaurach kooperieren ein weiteres Mal mit Raf Simons: adidas by Raf Simons Spring-Summer 2016.
Mein ewiges „ich finde kaum Zeit, die Modenschauen zu sichten“-Gequake kennt ihr bereits und ja, auch diese Saison hat sich daran nichts geändert (Abgaben, Präsentationen und Klausuren in der Universität sei Dank). In meinen freien fünf Minuten klicke ich mich bevorzugt durch die umfangreiche Kollektionsbesprechung von Peter, manchmal schaffe ich es auch zu Style.com. London und Mailand habe ich dabei fast komplett verpasst, wobei: Jil Sander hat mich wieder einmal in den Bann gezogen.
Dass Alexandre Mattiussi den Status des Jungdesigners nicht nur aufgrund seines Alters verloren hat und Ami zu einer etablierten Marke für Männer geworden ist, sieht man nicht nur daran, dass der Designer gerade seinen dritten eigenen Laden in Paris eröffnet hat, sondern auch, dass er seine Spring-Summer Kollektion Ende Juni in den ehrwürdigen Tuilerien zeigte. Die Tuilerien befinden sich mitten in der Stadt, die Alexandre am meisten liebt, in der er lebt, arbeitet und von der er sich inspirieren lässt: Paris.
Alexandre Mattiussi hat es geschafft, nachdem er 2013 den renommierten Andam Preis gewonnen hat, einen Onlineshop zu eröffnen, mit namhaften Kooperationen, wie zum Beispiel mit Robinson les Bains oder Saint James, zu glänzen – und das mit einem Konzept, das auf Sympathie und „Freunde machen für Freunde Mode“ aufbaut.
Dabei entspricht Ami mit den Basics, die übrigens alle in Europa hergestellt werden, eher einer guten Casual Marke als einer wirklichen Designer Kollektion. Doch das will Mattiussi auch nicht sein, denn für prätentiöse Runway Looks oder Eintagsfliegen geben seine Freunde sicherlich nicht ihr Geld aus. Sein Rezept, gute Basics, wie Sweatshirts, Pullis, Chinos etc., mit einer Prise Pariser Touch zu versehen, geht auf und seine Sachen zieht man wirklich an. Als zweite Eigenschaft kann man Kleidung von Ami lange tragen und jede Saison mit neuen Bonbons ergänzen. Simpel gesagt guckt er den Pariser Jungs gern zu, was sie tragen und als „casual“ empfinden. Mattiussi nimmt eben diesen Aspekt auf, um ihn weltweit zu verkaufen. Mehr als 150 Läden weltweit, besonders in Asien in den großen Department Stores, mögen nicht mehr auf Mattiussi Sachen verzichten.
Die Show in einem Pavillon, mit kleinen Ständen, die dem „Marché aux fleurs“ nachgebildet sind und einem Remix aus Pariser Filmsequenzen, Malcolm McLarens „Paris Paris“ und romantischer Filmmusik, die dann in die Moderne der Stadt überging – Ami ist mit dem Spirit von Paris stark verbunden und es fühlt sich so an, als würden Mattiussis Freunde über den Laufsteg gehen.
Für den kommenden Sommer setzt Mattiussi auf den Stil der Nineties und hat die Track Suits, die von Berlin und New York aus Anfang der 2000er die Mode prägten, reanimiert. Nach Jogginghosen in Sweatshirtstoff wird’s nun wieder fließend und glänzend. Die Styling Highlights sind definitiv das Tracktop mit Zip, das zur weiten klassischen Anzug Pinstripe-Hose kombiniert wird oder die T-Shirts, die an Soccer Shirts erinnern, die zur Chino getragen werden. Sehr schön sind auch die Trenchcoats und Staubmäntel, die über Pullis und Hosen geworfen werden. Überlange Gürtel, die im Stile der Popper-Bewegung der Achtziger geschlungen sind, gelten als Stylingtipp.
Ami Spring-Summer 2016 liefert Alltagslooks für Männer, die ihren Stil gefunden haben und keine modischen Experimente wollen. Männer jeder Altersgruppe, die einfach normal aber nicht „Mainstream“ rumlaufen wollen und die keine Produkte von den ganz großen Fashion Konzernen möchten. Preislich liegt Alexdrandre Mattiussi in einem Segment, das nicht billig aber auch nicht unbezahlbar ist und ihn trotzdem in Qualität und Image zum Createur gehören lässt.
Nachdem seine Sweatshirts und Premier Baiser-Kollektion in diesem Sommer besonders erfolgreich waren, kommt im September übrigens die Kooperation mit Moncler in die Läden. Sicherlich bedient Mattiussi damit noch mal eine neue Zielgruppe, die mit Glück Ami für sich entdecken wird. Und sicherlich werden wir im nächsten Sommer dann von Paris bis Tokio seine roten Trackpants in den Streetstyles sehen.
Ami ist irgendwie unaufgeregt und gut und, was mir besonders gefällt, Alexandre Mattiussi bleibt sich treu und sucht nicht ständig nach neuen Wegen, mit denen er sich nicht identifizieren könnte.
Wer diesen Sommer in Paris ist, sollte es nicht verpassen der neuen Boutique in der Rue d’Alger, gleich um die Ecke von Colette, oder dem besonders gemütlichen Laden in der Rue de Grenelle in Saint Germain einen Besuch abzustatten …
Beatrix von Storch würde, wenn sie sich die Spring-Summer 2016 Kollektion von Acne Studios anschauen würde, sofort ihren Kampf gegen „Gender Mainstreaming“ als gerechtfertigt ansehen – Männer in Kleidern? Sodom und Gomorrha! Das verwirrt die kleinen Stöpsel!
Die Politikerin würde dem Außenstehenden eindrucksvoll beweisen, dass sie weder weiß, was Gender Mainstreaming überhaupt meint, noch dass in der Mode alles getragen werden muss, was in Lookbooks und auf Schauen gezeigt wird. Peter hat es neulich schön beschrieben: Es werden Tendenzen überzeichnet und dann in abgemilderter Form in den nächsten Saisons angeboten. So werden wir auch das obige Kleid, dass eigentlich ein langer Pullover ist, nur sehr selten im nächsten Sommer sehen. Dafür müssen wir uns – zumindest wenn es nach Jonny Johansson, dem Creative Director des Labels, geht – an Hosen mit Schlag gewöhnen.
Ich bin auf Eure Meinung zur Kollektion von Acne Studios gespannt …
Kaum ist der Ace & Tate Pop-up-Store in Hamburg eröffnet (den Beitrag über den Store in der Wexstrasse 38 gibt’s hier zum Nachlesen) , flattert schon die nächste Neuigkeit in mein Postfach: Neben neuen Stores, wurde auch noch eine vielversprechende Sommerlinie der niederländischen Nasenfahrräder – das Wort klingt ominös, wird bei mir daheim im Bergischen jedoch wirklich als Umschreibung für Brillen genutzt – gelauncht.







