Das französische Modeschöpfer was Fertiges in Konfektionsgrößen von der Stange verkaufen, gibt es noch gar nicht solange, genauer gesagt genau so lange, wie ich alt bin -nämlich seit 1966. Französische Couturiers waren ja schon immer für ihre Schneiderkunst berühmt und natürlich auch für ihre Kollektionen, doch im Prinzip wurde eine Kollektion zum Frühling und zu Herbst vorgeführt und jede Kundin bestellte dann nach ihren Maßen die von ihr ausgewählten Modelle.
Ein Couture-Haus musste mindestens 70 Modelle pro Saison vorführen, die im eigenen Atelier gefertigt wurden und sich dann verpflichten, diese im eigenen Salon 30 mal vorzuführen. Außer privaten Kunden gab es sogenannte Kommissionätre, die einen Betrag an den Couturier bezahlten und dafür Nesselschnitte von Modellen bekamen, die sie dann mit der passenden Zutatenliste zur Abwandlung benutzten. Also sowas wie Kopien auf hohem Niveau, mit dem Einverständnis des Modeschöpfers.
peterkempe
Bei Brillen registriere ich mit großer Genugtuung, dass sich die Tendenz von der brutal um sich greifenden Kastenbrille Typ „Alain Mikli; 25 Jahre verspätet“ glücklicherweise in großen Schritten weg bewegt. Die fernsehförmigen Brillen in schwarz und kecker-weise auch gern in rot sind ja auch nicht zu ertragen und ich frage mich immer, wie kommt man mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Herr Mikli dies als Avantgarde zeigte, darauf, sich so eine Brille anzuschaffen???
Nach dem fulminanten Ray-Ban Comeback ist nun die Lieblingsmarke von Steve McQueen und Marcello Mastroianni allover: Persol. Ich gebe es ja zu – ich hab auch eine in honigfarbenem Horn und liebe sie sehr.
Bei der letzten Haute Couture Kollektion von Chanel stand eindeutig ein Mädchen im Vordergrund, die sicherlich noch häufiger bei Karl Lagerfeld auftauchen wird. Sie ist „very different“ und lenkt wohltuend, wenn auch nicht ganz unumstritten, vom allgemeinen Einheitsbrei der Models ab. Sicherlich ist es mal wieder an der Zeit das es „Typen“ gibt, die zeitlos und vor allem selbständig wirken. Nicht jeden Tag wird eine Stella Tennant, Kate Moss oder Linda Evangelista entdeckt und wenn man ehrlich ist, sind die großen der Laufstege ja jetzt auch fast alle schon im „best ager“ Alter. Eine klassische Schönheit kann man die 1983 geborene Jamie Bochert nicht nennen, aber ein spezieller Typ ist sie auf jeden Fall.
Paris 1965, die Moderedakteurinnen haben den Trend der Zeit entdeckt und akzeptieren endlich das Prêt-à-Porter der Couture den Rang ablaufen wird.
„Lagerfeld,“ so jubelt die Zeitung Herald Tribune, die Amerika bis heute (durch Suzy Menkes) über Pariser Modetrends akribisch informiert, „ist ein Jahrhunderttalent“. Seine Kollektionen für Chloé sind in aller Munde und im Ranking der Newcomer landet er das erste Mal unter den Top Ten, zusammen mit dem Japaner Kenzo und der rothaarigen Sonia Rykiel.
„Eine neue Generation tritt an, um den alten Meisterschneidern den Thron zu entreißen“ konstatiert die Herald Tribune. Bei Karl läufts hervorragend – neben Fendi (das macht er bis heute) hat ihm der texanische Millionär Evan Richards engagiert. Richards hat ein neues Modelabel gegründet: Tiziano-Roma. Unter ihm soll das verkauft werden, was man sich unter amerikanischem Esprit der Mode vorstellt. Er braucht nur noch einen Pariser Modeschöpfer der den Geschmack der oberen Zehntausend trifft.
Peter’s Cuttings Teil 1 – Sommer, Sonne, Karl Lagerfeld und Helmut Newton
Posted on 23. Juli 2012Auch Genies fingen mal klein an. Als Karl Lagerfeld noch Stilist für verschiedene Firmen war (ist er ja heute eigentlich auch noch, nur in anderem Umfang) bekam er von seinen Eltern etwas Geld, weil diese, nachdem sie ihre Villa samt Inhalt versteigert hatten, nach Baden Baden zogen. Er bekam von ihnen das Kapital um einen kleinen Laden aufzumachen. Leerstehende Räume fand er in der Rue de Lille. Dort bot er einen Mix von allem an, was ihm selbst gefiel: Taschen, Gürtel, Handschuhe, Parfüm, Sonnenbrillen – nur keine Kleider, dafür aber die ersten Bücher.
Wem es nicht reicht seinen Kleiderschrank zu füllen, die Designer lieber leibhaftig in der Wohnung hat oder mit ihnen verreisen möchte, hatte bis jetzt ja nur die Möglichkeit, Karl Lagerfeld als Hampelmann in verschiedenen Größen zu drapieren. Nachdem Chanel, Anna Wintour, Grace Coddington und Alber Elbaz mitsamt Marc Jacobs simpsonized wurden, stand nun noch ins Haus, dass auch in Southpark die Mode einzog.
Und Schwupps – nicht nur das Marc Jacobs einen Gastauftritt in der U.S. Serie hatte, nein – nun gibt’s ihn auch in limitierter Auflage für Zuhause – zum Knuddeln, Liebhaben und als Reisekissen verwendbar. Wer also nicht nur T-Shirts, Herzen-Spiegel oder Tote-Bags von dem Designer spazieren führen möchte, hat jetzt die Möglichkeit, ihn online zu bestellen bzw. die Marc Jacobs Boutiquen aufzusuchen: dort gibt es für 113 Euro die Muscle Man Marc Puppe.
Manchmal muss man eine Lupe nehmen, ähnlich wie die Lupe, mit der das gallische Dorf von Asterix betrachtet wird, um das Herz einer Marke zu finden, die global agiert und rund um den Erdball vertreten ist. Viele Geschäfte mal groß, mal noch größer, stets umringt von den Kunden aus vielen Nationen, die alle die Objekte ihrer Begierde erwerben wollen.
Louis Vuitton trägt den Namen eines Mannes, der viele Träume hatte und ein Kofferpacker war; der bei seiner Arbeit feststellte, dass die Zeiten sich veränderten und das sich durch aufkommende moderner Verkehrsmittel, wie der Eisenbahn, sich die Bedürfnisse der Reisenden total veränderten.
Er war ein Erfinder, Tüftler und Avantgardist, hatte eine Vision, die heute klein wie ein Sandkorn erscheint, wenn man die Aktivitäten der Firma, die seinen Namen trägt, beobachtet. Aber für ihn war dieses Sandkorn so groß wie ein Findling, als er ins Bon Marché ging, um sich eine neue Hose zu kaufen, in der er um die Hand seiner Frau bei seinem zukünftigem Schwiegervater anhalten wollte.
„Alte Geschichten“ wird mancher denken, aber genau um diese Vision geht es, das Sandkorn existiert auch heute noch und sitzt genau in der Seele eines jeden Handwerkers, der in den Spezial-Anfertigungs Ateliers von Vuitton in der Rue du Congrès in Asnieres arbeitet.
Richtige Männer interessieren sich für Mode, ohne einen ständigen Kostümball zu veranstalten. Sie wollen nicht um jeden Preis auffallen, sondern raffinierte und kernige Botschaften aussenden, die aber trotzdem humorvoll, abenteuerlustig und überraschend wirken.
Die Modemarke Baldessarini, deren Credo „Separates The Men from The Boys“ lautet, hat genau all diese Eigenschaften. Die beiden Designer Markus Brunner und Karl Zimmermann schaffen es, als Designer immer wieder zu überraschen. Sie verbinden spielerisch das Image und die Eigenschaften der Marke und lassen trotzdem ihre Phantasie spielen – gepaart mit dem Sinn für Handwerk, Qualität, Tradition und absoluter Lässig- und Zuverlässigkeit. Mit traumwandlerischer Sicherheit sieht man in einem Stück aus ihrer Kollektion gut – auch wenn man sich nur irgend etwas überwirft: jedes Stück spricht auf seine Weise eine eigene Sprache und strahlt die Codes der Stilsicherheit aus.

Christian Lacroix by Irving Penn
Letzte Woche fiel mir, als ich etwas für einen Artikel suchte, ein Porträt in die Hände, dass der legendäre Photograph Irving Penn Ende der Achtziger Jahre von Christian Lacroix gemacht hatte. Es zeigt ihn ganz in der Kleidung der Camargue, mit Souleiado Hemd und Weste. Dazu einen Strohhut. Irgendwie hatte ich es total vergessen und dachte mir: Der große Irving Penn – wie toll, wenn man von dem mal photographiert wurde. Ein Super Photo und vielleicht hat es Christian ja genauso vergessen wie ich.
Als ich es ihm schickte, kam folgende Reaktion: „Als es gemacht wurde, hasste ich es, weil ich bei dem Shooting keinen Hut tragen wollte und mich total blöd damit fand. Aber Mr. Penn wollte absolut eine Art van Gogh Stimmung und Look, dass war mir zu passend. Er schickte extra einen Assistenten los, der speziell diesen Hut suchen musste.“ so Christian und erklärte weiter:

Photo by Loomis Dean//Time Life Pictures/Getty Images
Seine Mutter wollte, dass er Diplomat wird, aber Christian Dior wurde so viel mehr. Sein Name wurde die Inkarnation für französische Eleganz und er der berühmteste Botschafter der Couture nach dem zweiten Weltkrieg. Wie eine Bombe schlug, nach über einem Jahrzehnts des Chaos und der Entbehrung, am 12.Februar 1947 die Premiere seines berühmten New Looks nach dem zweiten Weltkrieg ein. Seine feminine Silhouette und die langen glockenförmigen von Blüten-Kelchen inspirierten Röcke waren eine Silhouette, die die Frauen zum träumen brachte.






