Ich kann meine Begeisterung kaum verbergen und eigentlich sagt ein Satz zu PRADAs neuen Backpacks, Shopping Bags und „B.Y.O.“-Bags („Bring your own Bags“) alles: „Mehr PRADA geht nicht!“
Dass Rucksäcke schon seit Längerem unter dem Motto „Urban Nomads“ ein Comeback feiern, ist kein Geheimnis. Ihren letzten Höhepunkt hatten Rucksäcke in den Neunziger Jahren, als alle am liebsten nach New York wollten, wo es zu der Zeit Trend war, sie zu formeller Kleidung und Sneaker zu kombinieren. Dass an diesem Revival auch die Firma beteiligt ist, die damals durch ihre Nylonrucksäcke nicht nur noch berühmter wurde, sondern diese auch hundertausendfach verkauft hat, verwundert nicht. Wohl dem, der seinen aufbewahrt hat!
Hinzu gekommen ist die Tote Bag, die vom Einkaufsbeutel inspiriert wurde, sowie eine ähnliche Tasche, die man als Allrounder verwenden kann und farbige Henkel hat: die „B.Y.O.“-Bag von PRADA. Eine Tasche, die ich mir gut bei einem Besuch des von Wes Anderson gestalteten Cafés in der Fondazione PRADA (wir berichteten) vorstellen kann.
peterkempe
Bild: Thomas Kuball
Luxusuhren erleben in den letzten Jahren einen Boom wie kaum in einer Zeit davor. Dass es vielen Käufern dabei um Statussymbole geht, steht besonders bei den bekannten Marken im Vordergrund. Eigentlich geht es aber bei den kleinen mechanischen Wunderwerken, für die besonders die Schweizer Manufakturen seit langer Zeit weltberühmt sind, um Handwerk und ein Wort, was ich bei meinem Besuch bei Zenith bestimmt hundert Mal gehört habe: Präzision.
Die Ausstellung „Karl Lagerfeld – Modemethode“, die noch bis September in Bonn läuft, haben wir euch ja schon ausgiebig zur Eröffnung vorgestellt. Letzte Woche hatte ich nun Zeit, der Ausstellung einen Besuch abzustatten. Die Exponate erklären nicht nur auf großartige Weise den Kosmos von Karl Lagerfeld mit den Kreationen für Fendi, Chloé und Chanel. Sie zeigt auch das „Drumherum“, wie Pressemappen, Filme und Einladungen bis hin zu den Knöpfen und Zeichnungen der einzelnen Modelle Lagerfelds ganzheitlichen Arbeitsmethode.
Weiter geht die Reise zu Architektur-Pilgerstätten der Moderne. Das Haus Louis Vuitton lud zur Präsentation der Womenswear in die USA nach Palm Springs in Kalifornien. Auf einem der schönsten Hügel gelegen liegt das Vermächtnis einer der bekanntesten Komiker der amerikanischen Filmgeschichte – Bob Hope und seiner Frau Dolores. Die beiden hatten sich 1973 von dem Avantgarde Architekten John Lautner ein riesiges Haus bauen lassen, was sich weit öffnet und stolz über die Stadt blickt. So viel Avantgarde schien das Paar aber nur außen zu ertragen, denn ganz ihrem Hollywoodstar Image gerecht, ist es innen im Fünfziger Jahre Star-Style mit Candy Shop-Appeal eingerichtet und wird so den Wohngewohnheiten des damals schon in die Jahre gekommenen Schauspielers gerecht.
Schon als Kind, wenn wir mit dem Auto in die Ferien fuhren, wurde ich ungeduldig, wenn wir an der französischen Küste das Esterel-Gebirge passierten. Nicht nur wegen der leuchtenden Terrakotta-Farben, sondern auch, weil dort schon damals eines meiner Lieblingshäuser stand – das von Antti Lovag entworfene „Palais Bulles“. Für mich hieß es aber damals wie heute das „Barbapapa-Haus“, das mittlerweile dem französischen Modeschöpfer Pierre Cardin gehört.
Stark geprägt von Filmen wie „Fantomas“ und den tollen französischen Comic Figuren stellte ich fest, dass es diese Welt tatsächlich zu geben schien, die wir nur aus dem Fernsehen kannten.
Südfrankreich, mit seinem Licht und seiner ganz bestimmten Stimmung, hat schon immer Künstler beeinflusst und scheint in jeder Generation eine Renaissance der Inspiration zu erleben. Auf engstem Raum entwickelten Jahrhundertgenies wie Picasso oder Matisse ihre stärksten Schaffensphasen und das Licht hat den Ruf eines der schönsten der Welt zu sein.
Auch Modeschöpfer ließen sich seit jeher von den Farben und der Natur Südfrankreichs inspirieren. Jüngstes Beispiel dafür ist Raf Simons. Simons zeigte als künstlerischer Direktor bei Christian Dior seine Cruise Collection in der Location, die noch heute futuristisch wirkt. Gleichzeitig setzte Simons den Trend fort, Mode und Architektur zu verbinden: Karl Lagerfeld zeigte in Südkorea im Bau von Zaha Hadi, Nicolas Ghesquière in Palm Springs in der Bob Hope Foundation des Architekten Lautner und nun also Dior im Palais Bulles.
Bevor wir zu Raf Simons beachtenswerter Kollektion kommen, müssen wir einfach mehr über das Gebäude erfahren, das einfach kein vergleichbares Gegenstück hat. Die Idee kam dem Architekten Antti Lovag erstmals 1975. Er war beeindruckt von den kupferfarbenen Bergen, die direkt an der Côte Azur zwischen Cannes und Monaco liegen. Wie Blubberblasen fügen sich die runden Wohneinheiten mit den Verbindungsgängen sanft in die Hügelkette ein. Große Terrassen und Pool Anlagen lassen sofort „James Bond“-Feeling und Jetset-Atmosphäre aufkommen.
Antti Lovag, der sich selbst als Anti-Architekt bezeichnete und keine rechten Winkel mochte, hatte ein in Ansätzen ähnliches Haus, das aber wesentlich kleiner als das 1.200 Quadratmeter große Palais Bulles war, bereits für Antoine Gauder in Tourrettes-sur-Loup realisiert. Futurismus hatte Lovag stets beeindruckt. Er wollte das Konzept des „Wohnens ohne gerade Wände“ weiterentwickeln und auf die Spitze treiben. Pierre Bernard, ein französischer Industrieller, ließ sich von Lovags Entwürfen überzeugen. Nachdem die ersten „Wohnblasen“ fertiggestellt wurden, konnte ihn der Architekt sogar noch zu Anbauten begeistern. Von 1979 bis 1984 wurde dann auf und in den Berg unter massivem technischen Aufwand die Gesamtanlage gebaut und ausgestattet. Sogar ein Amphitheater mit 500 Plätzen und eine große Veranstaltungshalle wurden integriert. 1991 starb Bernard und Pierre Cardin erwarb das Haus, welches er bis heute bewohnt. Cardin, der neben André Courreges ab Mitte der Sechziger Jahre die Mode so gestalten wollte, wie er sich das Leben im Jahr 2000 vorstellte und ebenso stark vom Futurismus infiziert war, nutzt heute das Palais auch zur Ausstellung seiner Designsammlungen, seiner Möbel und der Interieur Entwürfe.
Der 92-jährige Cardin ist einer der Menschen, der am längsten in der Mode tätig ist. Geboren wurde Cardin 1922 in Italien. Er kam 1944 zu Jeanne Paquin, weil er außergewöhnlich gut zeichnen konnte. Dann ging alles wie in Zeitraffer. Cardins visionäres Talent scheint ihn immer genau dort hingebracht zu haben, wo Modehistorie geschrieben wurde: 1945 arbeitete er drei Monate bei Schiaparelli. Genau in dieser recht kurzen Zeit nähte er die Kostüme für Jean Cocteaus „Die Schöne und das Biest“. 1946 sollte er zu Balenciaga gehen, was aber nicht klappte. Durch Zufall hatte er aber bei Paquin einen Mann kennengelernt, der sich gerade selbstständig machte und der ihn bat, in seinen Ateliers anzufangen: Christian Dior.
Als Christian Dior seine erste Kollektion zeichnete, landete ein Entwurf im Atelier auf dem Tisch, den Cardin mit realisieren sollte. Dieser Entwurf beeinflusst bis heute den Stil des Hauses. Das „Tailleur Bar“ war einer der Gründe, warum die amerikanische Presse nach der Premiere im Februar 1947 begeistert „The New Look“ ausrief. Christian Dior wurde dadurch der berühmteste Modeschöpfer seiner Zeit und legte den Grundstein dafür, dass das Haus Dior bis heute eines der erfolgreichsten ist. Als Cardin nun während der Präsentation in der Front Row saß, hat er sich bestimmt diebisch gefreut, das Raf Simons Dior genau mit dem visionären Esprit weiterentwickelt, mit dem Cardin damals mit Monsieur Dior zusammengearbeitet hat.
Auch wenn heute die Zeiten anders sind, schafft es Simons, das „Tailleur Bar“ und die „New Look“-Silhouette so zu interpretieren, dass sie ihre Wurzeln nicht verlieren. „Spielerisch, kindlich, oft süß“, sagt Raf Simons, war sein Eindruck, als er das erste Mal das Palais Bulles sah. Genau so empfindet er auch oft den Geist von Dior, dessen Marke und Handschrift er weiterzuentwickeln versucht. Mode ist für Simons eine Art „Architektur in Stofflichkeit“ und muss mit Proportionen spielen.
So gibt er der „Bar“-Silhouette andere Gesichter, indem er die Taille hochzieht und im Stile von Claire McCardells Playsuits neue Ärmel einsetzt. Taft Shorts oder Flip Flops kombiniert Simons mit transparenten Materialien, die von ihm gegen strukturierte gesetzt wurden.
Überall finden sich Verfremdungen und überraschende Zitate der Dior Heritage: Die „Roger Vivier“-Schuhe der Sechziger mit neuen Proportionen und Absätzen. Diors Vorliebe für Blüten und die „romantische Blumenfrau“ übertragen auf fließende Fransen-Stickereien oder abstrakte Farbverläufe. Netzüberwürfe, die die berühmten Dior Plissees verschleiern, Spiele mit „Kurz-Lang“- Effekten. Einfachheit gegen Details gesetzt. Die Liste ließe sich noch unendlich weiterführen … Raf Simons beherrscht die Codes von Dior perfekt und hat es aber gleichzeitig geschafft, seine eigene Handschrift so einfließen zu lassen, dass eine frappante Modernität entsteht. Er bringt immer auch „arty Architecture“ mit ein. Die klassische Dior-Frau kann ihre Codes lesen, während die neue Kundin von Dior das findet, was man als „praktische Romantik“ beschreiben könnte: Easy Wear de luxe, die immer weiblich erscheint und die die Silhouette Diors in Komfort übersetzt.
Lurex, Patchwork oder gewirktes Crochet verarbeitet Simons modern wie kein anderer. Der Designer zeigt, das Prêt-à-porter oder Haute Couture bei Dior so umgesetzt werden, dass die Zukunft des Metiers auch in unserer globalisierten Welt nicht nur eine Berechtigung haben, sondern auch ihre heutige Form finden und das Haus begehrlich macht.
Als Hommage an die Côte Azur gibt es in diese Kollektion Drucke, die Matisse in Pop Art umsetzen, und gleichzeitig Farben des Esterel-Gebirges und Stickereien, die an Horizonte erinnern, verbinden. Raf Simons hierzu: „Verglichen mit meiner Heimat Antwerpen ist Südfrankreich das Land, in dem man immer zum Himmel hochschauen möchte, um das unendliche Licht zu genießen, das Farben so anders erscheinen lässt. Durch eben dieses Licht wirkt alles so magisch verschwommen, ganz anders als das Licht meiner Heimat, in dem alles scharf und präzise wirkt.“
Schöner kann man es nicht ausdrücken und seine Kollektion strahlt genau diese Magie aus – Diorissimo à la Raf Simons!

New Milan venue of Fondazione Prada; Architectural project by OMA; Foto: Bas Princen, 2015; Courtesy Fondazione Prada
Seit dem 09. Mai 2015 hat die Fondazione PRADA einen neuen permanenten Standort in Mailand. Gleichzeitig eröffnet die Kunstinstitution von Miuccia Prada und Fabrizio Bertelli eine Ausstellung in Venedig, die ergänzend das Thema der diesjährigen Sonderausstellung aufgreift. In Mailand steht den Sommer über alles unter dem Motto „Serial Classic“, in Venedig unter dem Thema „Portable Classic“. Beide Ausstellungen spielen mit den Varianten von historischen römischen Themen und deren Neuinterpretationen über die Jahrtausende bis heute …
Dass es bei fast allen Luxushäusern Anfang Mai eine Kollektionspräsentation gibt, geht eindeutig darauf zurück, dass Karl Lagerfeld im Jahr 2000 eine Tradition wieder aufleben ließ, die 1919 von der Gründerin des Hauses Chanel für ihre Boutique in Biarritz erfunden wurde. Für die Aufenthalte an der See kreierte Coco Chanel einfachere Kleider, bequeme Dinge zum Spazierengehen und Accessoires, die man in der Sommerfrische tragen konnte. Heute, im Zuge der Globalisierung, braucht man auch im Winter leichtere Materialien und Stoffe und so hat sich die Cruise, die Ende November in die Läden kommt, zu einer stärksten Kollektionen des Hauses entwickelt. Andere Modelabel adaptierten diese Idee und so gibt es jetzt eine Art zusätzliche Saison – auch auf dem Kalender der Fashioncrowd. Dass dabei die Locations immer exotischer werden, zeigt sich in diesem Jahr, wo Louis Vuitton in Malibu zeigte und Chanel in Südkorea.
Südkorea ist das erste Ziel, das nichts mit der direkten Historie von Chanel zu tun hat. Das asiatische Land gilt aber als einer der Hauptmärkte für Luxusprodukte in Fernost und zudem als Drehkreuz des gesamten Flugverkehrs der Region. Keine Duty-free-Shops sind größer als die in der südkoreanischen Hauptstadt, nirgendwo werden höhere Umsätze gemacht …
Korea ist eine der ältesten Kulturen Asiens und unterscheidet sich in der Stilistik grundlegend von der chinesischen und japanischen. Die Farben, die Traditionen und das Handwerk sind Dinge, die Karl Lagerfeld seit jeher faszinieren. Koreaner sind Meister der Keramikkunst und koreanische Lackarbeiten lassen sich zauberhaft als Stickereien umsetzen. Ihre Eigenheit auf schwarzem Grund, grafisch und, trotzdem sie Jahrhunderte alt sind, modern und poppig wirken, beeindrucken Lagerfeld tief. Außerdem liegen für den Designer die Spannungsbögen, die ihn zu neuen Kollektionen inspirieren, in den Gegensätzen. Korea ist traditionell aber avantgardistisch zugleich, nirgendwo liegen Vergangenheit und Zukunft so nahe beieinander wie in Seoul. Nachdem dort 2014 die Culture Chanel Ausstellung „L’Esprit des Lieux“ stattfand, wurde am letzten Montag im Dongdaemun Design Plaza die Chanel Croisière Kollektion 2015/16 präsentiert.
Ohne rechte Winkel und gerade Linien stellt sich das von Zaha Hadid entworfene weltweit größte neofuturistische Gebäude als zusammenhängende Symphonie klarer, ununterbrochener Kurven dar. Wie ein außerirdisches Raumschiff, das in Seoul gelandet ist, fügt sich die Silberkonstruktion mit einer Größe von 86.574 Quadratmetern nahtlos in die urbane Landschaft mit ihren fließenden, harmonischen Linien ein. Es ist wie alles in Seoul modern und trotzdem spirituell. Dennoch schließen sich hier Moderne und Spiritualität nicht aus. Neben hochtechnologischen Entwicklungen sind die Religionen Buddhismus, Konfuzianismus und Schamanismus weiterhin ein essenzieller Teil der südkoreanischen Lebensart. Kein Gebäude wird ohne ein Ritual zur Besänftigung der Geister errichtet und der weitverbreitete Glaube an die Philosophie von Yin und Yang spiegelt sich in der Flagge sowie den traditionellen Farben des Landes wider.
Farbenfrohe Glücksbringer, die göttlichen Schutz versprechen, finden sich überall im Alltag: ob auf traditionellen, von der Joseon-Dynastie (1392-1910) inspirierten Kostümen – Hanbok genannt – oder auf den Gesichtern junger Bräute, die ihre Wangen mit zwei roten Punkten zieren. Naturverbundenheit ist ein weiterer Bestandteil der nationalen Identität. Koreaner verbringen ihre Zeit gerne beim Wandern in den Bergen, ausgestattet mit der neusten Sportausrüstung, oder auf der sechs Kilometer langen neu gestalteten Uferstrecke entlang des Cheonggyecheon im Herzen der Hauptstadt.
Als Phänomen zwischen Tradition und Avantgarde hat sich die sogenannte Koreanische Welle entwickelt: eine popkulturelle Bewegung mit unstillbarem Durst nach Pop-Musik, Filmen und TV-Serien – in diesem Teil Asiens können die Protagonistinnen beliebter Fernsehserien mutmaßlich ganze Generationen beeinflussen – aus dem eigenen Land, die sich, nicht zuletzt dank der sozialen Netzwerke, über die ganze Welt ausbreitet. Der „K-Pop“.
Dass Karl Lagerfeld aus diesen Spannungsbögen nun eine „chanelisierte“ Form entwirft, beweist die Kollektion wunderbar. Sam McKnight entwarf Mangafrisuren und selbst die „Mary Jane“-Stiefeletten erinnerten in diesem Kontext an das Land, welches die Inspiration für die Kollektion lieferte. Das Make-up war flächig und von großer asiatischer Zartheit.
Honan- und Tussah-Seide gelten in dieser Kollektion als asiatische Antwort auf den Tweed aus der Rue Cambon. Die breite Farbpalette, die an Pop-Art erinnert, durchzieht die Kollektion wie ein Farbrausch: Fuchsia, Pink, Céladon, Mintgrün, knalliges Orange und Koralle, Royal Blau …
Schon das Dekor der Schau – reines Weiß mit „Smartie“-Hockern und Dots in Knallfarben, ließ Geschmack auf das Feuerwerk der Kollektion aufkommen. Selbst Chanels Kamelie wurde grafischer, denn in den koreanischen Mustern wird gern Florales ins Geometrische umgesetzt.
Die Silhouette: Jacken mit abgerundeten Schultern, weiten Ärmeln und koreanischen Krägen, „Peter Pan“-Ausschnitte und hochgezogene Bustiers zu fließenden weiten Hosen. Röcke, ausgestellt oder gerade, enden am Knie, wohingegen bei den Kleidern pure Silhouette und verspielter Dekor gekonnt gegeneinandergesetzt wird.
Der Hanbok, die koreanische Tracht, die über der Brust mit einer Schleife gebunden in eine weite Silhouette übergeht, wird immer wieder zitiert oder gleich in eine Reihe von neu interpretierten Abendkleidern umgesetzt. Breites Colour-Blocking, gestickt oder in grafische Kaleidoskop-Muster zerlegt, finden sich an fast jedem Modell wieder.
Stickereien von Lesage und Montex übertragen die feinen floralen Arabesken der koreanischen Lacke auf Tuniken, die asymmetrisch das „Ying und Yang“-Motiv aufnehmen. Bei den Materialien spielt Lagerfeld mit festen und luftigen Stoffen. Als Gegensatz dazu wird Broderie Anglaise auf texturierter Baumwolle, Lackleder und Leinen, Organza, Tüll, Spitze zur typischen Shantung Seide der Region eingesetzt.
Von unglaublicher Raffinesse und das erste Mal in solcher Vollendung sind die Gazar Mosaike und Quilts, die fast an Haute Couture grenzen. Ob in einer oder mehreren Lagen verarbeitet, wirken sie trotz ihrer Transparenz und trotz ihrer asiatischen Inspiration wie kubistische Kunstwerke. Eine der Lagerfeld am stärksten faszinierenden Kunstperioden, die er für das Jahr 2016 in Weiblichkeit verwandelt. Wirklich neu und spektakulär!
In den fast 100 Looks gibt es viel zu entdecken – ganz gleich ob Silhouetten, Farben oder Materialien. Dank Lagerfelds ganzheitlichem kulturellen Ansatz lernt man viel über ein Land, das sicherlich vielen von uns unbekannt ist. Trotzdem schafft er es auch, dass die Kollektion zu hundert Prozent Chanel ist und europäischen Bedürfnissen gerecht wird.
Einer meiner Lieblingslooks ist die Streifenjacke aus Linton-Baumwolltweed in Sorbetfarben. Kombiniert mit einem azurblauen „Dentelle de Calais“-Kleid ist sie sehr parisienne. Trotzdem erzählt die Jacke die Geschichte der Reise nach Seoul. So etwas zu schaffen braucht nicht nur Erfahrung und Können. Es zeigt auch, dass in Lagerfelds Kopf die Globalisierung schon vor Jahrzehnten stattgefunden hat. Stil hat keine Grenzen, man muss ihn nur haben.
Die Chanel Croisière Kollektion 2016 ist feminin und visionär zugleich und zeigte einmal mehr die ungeheuren Facetten von Chanel. Fantasie und den Mut, sie umzusetzen, ist heute für Lagerfeld genauso wenig eine Hürde, wie einst bei Mademoiselle in Biarritz. Sicherlich einer der Gründe, warum Mademoiselles Zauber noch heute auf den gesamten Globus wirkt …
Manchmal sind die simpelsten Geschäftsideen die besten – allerdings muss man erst einmal auf sie kommen. So geschehen Anfang des Jahres in Schweden. Die Skandinavier sind nicht nur ein äußerst geschäftstüchtiges Volk – siehe Ikea, H&M oder ABBA –, sie stehen auch neuen Ideen sehr aufgeschlossen gegenüber, während hierzulande häufig zuerst die Hürden und Schwierigkeiten bei der Realisierung gesehen werden. Das ist zumindest die Erfahrung, die ich in meinem bisherigen Geschäftsleben gemacht habe.
Hat man eine klare Vision und die nötigen guten Handwerker und Menschen, die ihr Metier verstehen, gibt es eigentlich nur noch eine Hürde: Man braucht etwas Kapital für die Produktion. Genau vor diesem Problem standen die beiden Schweden August Bard Bringéus und Jakob Dworsky, als sie ihre Vision von ASKET verwirklichen wollten.
Worum geht’s bei ASKET? Es geht um das perfekte, in der Grundidee weiße T-Shirt – kein Statussymbol, kein Mode-Item, sondern ein Basic wie die Jeans, das weiße Oberhemd oder die Chucks. Normalerweise sind T-Shirts in fünf Größen von XS bis XL erhältlich. Doch jeder, der zwischen zwei Größen liegt, kennt das Problem: T-Shirts sind oft zu lang, zu kurz oder zu weit, und man muss auf eine andere Größe ausweichen. Kauft man sie dann noch bei Discountern oder Highstreet-Ketten, sind sie nach wenigen Wäschen eingelaufen oder verzogen – von der Produktion unter fragwürdigen Bedingungen in fernen Ländern ganz zu schweigen.
Bei ASKET verhält es sich anders. Die Shirts sind „Made in Europe“, aus hochwertiger, mercerisierter Baumwolle gefertigt und werden in 15 verschiedenen Passformen produziert – jede Größe in Regular, Short und Long.
Das perfekte T-Shirt, basierend auf der eigenen Erfahrung von August Bard Bringéus und Jakob Dworsky, war ihre Vision und der Start in die Selbstständigkeit. Das Geld für die Erstproduktion in einem portugiesischen Fachbetrieb, der besten gewirkten Baumwolljersey verarbeitet, wollten sie durch die Ausgabe einer Art „Aktie“ einsammeln, die in T-Shirts ausgezahlt wird. Es gab verschiedene Pakete, und die Gründer entwickelten ein System vom „Klein-“ bis zum „Großaktionär“, das sie in einer Kickstarter-Kampagne starteten.
Das Ziel war nicht nur das ideale T-Shirt – inspiriert von Ikonen wie James Dean, Marlon Brando oder Steve McQueen –, sondern auch ein Produkt, das Qualität, Passform und Langlebigkeit vereint. Denn ein weißes T-Shirt kann manchmal stilvoller wirken als jedes Designershirt. Auch wer es nur als Unterhemd trägt, möchte, dass es sitzt und nach der Wäsche so aussieht wie am ersten Tag.
Bard Bringéus und Dworsky investierten viel Energie in die Entwicklung, die Schnitte, die Materialwahl und die Zusammenarbeit mit ihren portugiesischen Partnern. Schon der offene Umgang mit ihrem Kalkulationsplan zeigt ihre partnerschaftliche Arbeitsweise: Alle an der Produktion Beteiligten werden fair entlohnt, Materialkosten spiegeln die Qualität wider, und der Großteil des Gewinns fließt in den Aufbau des Onlineshops, der im Juni dieses Jahres starten soll.
Vor zwei Wochen fand der Launch von ASKET auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter statt – mit überwältigender Resonanz. In nur 19 Stunden erreichten Bard Bringéus und Dworsky ihr Ziel. Heute – die Kampagne läuft noch bis Mittwoch – haben sie über 1.200 T-Shirts an mehr als 550 Personen verkauft.
Ein Blick lohnt sich weiterhin, denn einige Pakete sind noch verfügbar. Wer möchte, kann sogar für 4.000 Euro „Großaktionär“ werden.
30 Euro für ein T-Shirt, das lange hält – Arbeitsplätze in Europa und zwei sympathische Schweden inklusive. Eine großartige Geschäftsidee, die allen etwas bringt.
Der 1. Mai ist ein besonderer Tag. Nicht nur, dass er international als „Tag der Arbeit“ gefeiert wird und ihn die meisten Länder zum gesetzlichen Feiertag ausgerufen haben. Der 1. Mai ist auch so etwas wie die Eröffnung zu einem der schönsten Monate des Jahres. Es grünt überall und besonders das Sprießen der Maiglöckchen, mit ihren zart-grünen Blättern und den stark duftenden Blüten, bildet den Akkord unter der Musik des Wonnemonats.
Bild: PR
Die Supercolor Edition von Pharrell Williams und adidas Originals lässt die Qual der Wahl bei den Farben schwierig erscheinen. Hat man einen, will man alle – so geht es mir jedenfalls zurzeit. Mit einem Hemd von Lacoste, das es ja schon immer in einer riesengroßen Farborgel gibt, und einer Chino hat man das perfekte Sommeroutfit.
Ich gebe zu, dass mich Farbfächer jeder Art, egal ob Pantone-Farben oder Buntstiftpackungen mit 48 Farben – schon immer angezogen haben. Ich mag es halt farbig, aber nur dann, wenn die Farben raffiniert kombiniert sind. Yves Saint Laurent konnte Farben entgegensetzen wie kein zweiter Designer. Was auf den ersten Blick knallig-ungewöhnlich aussah, war wohldurchdacht und brillant. Doch aufgepasst: Farbig hat Stil und ist nicht bunt – das ist der feine Unterschied …



