Ausstellung

Blumen, Peitschen und Porträts: Robert Mapplethorpe: XYZ Portfolios

(Robert Mapplethorpe, Joe Rubberman, 1978, Courtesy of Galerie Thomas Schulte; Copyright: Robert Mapplethorpe Foundation. Used by permission)

Vor rund 10 Jahren war ich mit meiner Mutter in Düsseldorf unterwegs, um mir „eine klasse Ausstellung“ anzuschauen. So waren ihre Worte und sie sollte natürlich – wie bei allen Kunstthemen – Recht behalten. Nun ja, angekommen im schummerigen Dämmerlicht erwarteten uns intensive Aufnahmen, stark und ungemein charakteristisch für den ausgestellten Fotografen: Blumen, verletzliche Gesichter und ja, mitunter auch eine Peitsche im Hinterteil. Dazwischen jede Menge Nacktfotos, die man eigentlich nicht mit seinen Eltern sichten möchte/ muss. Man war das komisch und nicht so geplant. Also nicht, dass meiner Mutter oder mir das peinlich gewesen wäre, das absolut nicht, aber die vielen betretenen Gesichter der, bis dato ahnungslosen, Besucher. Man kann sich das so vorstellen: Meine Mutter wild gestikulierend am Deuten, Analysieren und Interpretieren. Ich eher „ja, aha, alles gut und warum so laut erklären?“ und dazwischen viele rotbäckigen Damen und Herren, die sich doch etwas anderes vom Wochenendausflug ins Museum gedacht hatten. Seitdem sind jede Menge Jahre vergangen und Robert Mapplethorpe hat mich immer wieder auf meinen Wegen begleitet – ein Ausnahmekünstler, wie ich finde.

Kaum war ich irgendwo im Museum oder in einer Galerie, irgendwo sah ich eine seiner Arbeiten. Dann kam ja noch ein ziemlich gut gemachter Dokumentar- und auch ein Spielfilm raus, an denen kam man natürlich auch nicht vorbei. Erst später und nach etwas Recherche wurde mir bewusst, was für ein bewegtes Leben Mappelthorpe führte: Seine Zeit mit Patti Smith, die vielen Portraits von Ikonen wie Andy Warhol, Grace Kelly oder Paloma Picasso, und sein, viel zu früher, Tod aufgrund seiner Aids-Erkrankung. Jetzt werde ich wohl zeitnah in die Hauptstadt fahren müssen, denn die Galerie Thomas Schulte zeigt, erstmals in Berlin, die bedeutenden XYZ Portfolios. Die Serien werden erst zum zweiten Mal seit 1997 in Gänze in Deutschland ausgestellt sein und ich bin voller Vorfreude, dass man einen zusammenhängenden Blick auf die Portfolios werfen kann. Wofür stehen X, Y und Z? Also: X zeigt Bilder aus der New Yorker homosexuellen Sadomaso-Szene, Y kontrastiert mit Blumenstillleben und Z konzentriert sich auf Aktporträts schwarzer Männer. Zudem präsentiert die Galerie eine große Anzahl an Mapplethorpes Fotografien, die von dem Künstler, Avantgarde-Theaterregisseur und Designer Robert Wilson ausgewählt wurden und in einer zweiten Ausstellung präsentiert werden.

Ich habe ein paar Pressefotos sneak-peaken können und euch mal die Adresse der Galerie sowie alle Informationen zu den Ausstellungen zusammengesucht: So wird, neben den Schauen, auch zweimal die Dokumentation „Mapplethorpe: Look at the Pictures“ von Fenton Bailey und Randy Barbato gezeigt. Einmal am Eröffnungswochenende (14. März um 15:30 Uhr) und einmal im Rahmen der Berlin Fetish Week (9. April um 18:30 Uhr), die Vorführungen sind kostenlos. Die Ausstellungen selbst laufen vom 14. März bis 18. April in der Galerie Thomas Schulte in der Charlottenstraße 24 / 10117 Berlin. Schwerpunkt der Galerie liegt auf der Förderung, Unterstützung und Begleitung künstlerischer Positionen der internationalen Konzeptkunst von den 60er-Jahren bis zur Gegenwart – seit ihrer Gründung 1991 ist die Galerie aus der Berliner Kunstwelt nicht mehr wegzudenken und daher durchaus zu empfehlen. Ich klappe jetzt mal den Rechner zu und schaue vorher noch kurz nach Bahntickets in Richtung Hauptstadt – mich interessiert natürlich sehr, wie die Ausstellungen letztendlich in „live“ sind und meine Mutter ist ganz sicher auch mit von der Partie!

Robert Mapplethorpe: XYZ Portfolios
Galerie Thomas Schulte 

Charlottenstraße 24
10117 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag – Samstag, 12.00 bis 18.00 Uhr