Fast wie Coachella – nur ohne Wüste, Influencer und Polyester: das Riesenrad in Hamburg; Bild: Horstson
Neulich stand ich in Hamburg vor dem Riesenrad und fragte mich, ob auch in diesem Jahr ein solches Karussell 9.500 Kilometer entfernt seine Runden dreht. Und siehe da – dieser Tage läuft Instagram wieder mit Bildern von Influencern über, die allesamt aussehen, als hätten sie sich direkt aus einem Polyester-Katalog in die kalifornische Wüste teleportiert.
Dort dreht sich das Rad sogar etwas schneller. Nicht das Riesenrad, sondern das der Outfits. „Sexy, billig und wegwerfbar“ ist kein Zynismus mehr, sondern Geschäftsmodell. Die Lieferketten von Ultra-Fast-Fashionriesen wie Shein und Primark rattern zuverlässig wie ein geöltes Karussell: rein in den Warenkorb, raus auf den Feed, ab in den Müll.
Das Erstaunliche ist nicht einmal der Müll – davon gibt es reichlich, auch jenseits der 1.600 Tonnen, die jedes Jahr in der Wüste liegen bleiben. Erstaunlich ist die Gleichförmigkeit. Alle wollen individuell aussehen und tragen dabei dieselbe gehäkelte Idee von Freiheit. Fransen als Massenphänomen.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe: Während sich in Hamburg ein Riesenrad gemächlich dreht, rotiert in Kriegszeiten in Kalifornien die Mode im Turbo – einmal getragen, einmal gepostet, einmal vergessen. Und irgendwo dazwischen die leise Frage, ob Stil wirklich so flüchtig sein muss.

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