Foto: Gray Sorrenti
Man merkt, dass der Frühling in seine entscheidende Phase tritt, wenn zwei Dinge gleichzeitig passieren: Die ersten Sonnenbrillen tauchen wieder aus Jackentaschen auf – und die Modehäuser beginnen, ihre Kooperationen in Stellung zu bringen. Es ist diese Zeit des Jahres, in der Accessoires plötzlich mehr Bedeutung tragen sollen als das Wetter selbst.
Gerade jetzt also Dolce & Gabbana und Ray-Ban. Nicht im November, wenn Sonnenbrillen vor allem in Handschuhfächern überwintern, sondern genau dann, wenn das Licht wieder stärker wird und man sich fragt, ob die alte Brille vom letzten Jahr noch reicht. Spoiler: Sie reicht. Aber das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist: Aufmerksamkeit hat Saison. Auf der Promenade – irgendwo zwischen Eisdiele und zu ambitioniertem Beachclub – lässt sich das gut beobachten. Menschen setzen Sonnenbrillen auf wie ein Argument. Manche schieben sie demonstrativ ins Haar, andere lassen sie lässig am T-Shirt hängen, wieder andere tragen sie mit dieser Ernsthaftigkeit, als hinge davon die eigene Lesbarkeit im öffentlichen Raum ab. Die Brille ist kein Schutz mehr, sie ist eine Behauptung.
In diese Szenerie hinein platzt nun also die Neuinterpretation der Aviator. 90 Jahre alt, was in Modejahren ungefähr dem Status „ewig verfügbar“ entspricht. Domenico Dolce und Stefano Gabbana haben sich daran versucht, den Klassiker erneut zu drehen, zu verschieben, minimal zu verändern. Zwei Modelle, Shooter und Outdoorsman II, die vor allem zeigen, wie vorsichtig man mit Ikonen umgeht: nicht zu viel anfassen, aber genug, um es als Neuheit zu verkaufen.
Der Shooter zitiert eine Vergangenheit, in der Stil noch mit kleinen Gesten der Lässigkeit verbunden war – heute wirkt das eher wie ein bewusst gesetztes Zitat. Der Outdoorsman II bleibt näher an dem, was man ohnehin schon kennt. Man könnte sagen: Es ist weniger ein Entwurf als eine Entscheidung, nichts falsch zu machen.
Warum also darüber schreiben? Weil solche Kooperationen weniger über Produkte erzählen als über einen Zustand. Sie markieren den Moment, in dem Mode sich selbst bestätigt. Zwei große Namen treffen sich nicht, um etwas radikal anderes zu schaffen, sondern um ihre jeweilige Bedeutung gegenseitig zu versichern. Es ist ein geschlossener Kreislauf: Ikonen bestätigen Ikonen, und das Publikum darf kurz nicken.
Und draußen? Da sitzt jemand auf einer Bank, kneift die Augen zusammen und setzt eine Sonnenbrille auf, deren Herkunft unklar ist und deren Design niemand „neu interpretiert“ hat. Sie erfüllt ihren Zweck. Kein Jubiläum, keine Kampagne, kein Karabiner.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieses Frühjahrs: Dass zwischen all den großen Gesten am Ende wieder etwas sehr Einfaches steht – die Sonne scheint, und irgendetwas Dunkles vor den Augen reicht völlig aus.

paule
17. April 2026 at 11:23die sonnenbrille ist unverzichtbar. sie ist so vieles mehr, als nur ein sonnenschutz. sie ist gleichzeitig auch ein hilfmittel. für leute, die eine höhere sensibilität haben, ist sei ein kleiner schutzraum. sie schirmt einen ab, nach aussen, wie auch nach innen. das wird oft vergessen. die sonnebrille kann ein „medizinisches“ hilfmittel sein, nur eben eines, das einen cooler erscheinen lässt. eines, das nicht „achitung, ich bin „krank“, ruft, sondern „achtung“, ich bin cool. das model vom jahr davor reicht meist nicht mehr aus. man braucht im neuen jahr ein neues model. das steht ausser frage. das heisst aber nicht, dass man das alte model wegwerfen muss. ich selbst habe in diesem frühjahr wieder ein model aus der schublade geholt von yves saint laurent, das ich 2003 gekauft und in dein folgejahren viel gertragen habe. es lag lange in der schublade. es kamen etliche ray ban, persol, armani-brillen dazwischen und jetzt kommt die alte yves saint laurent und hat ein neues gastspiel.
sonnenbrillen kann man nie genug haben, ob es das gastspiel das oben etwähnt ist wirklich braucht, weiss ich nicht. ich weiss auch nicht, ob es die jährlichen preissteigerungen tatsächlich braucht. wenn die preise über 400 euro klettern, dann tut es für mich gerne das model vom jahr davor. meine sonnenbrillenregel endet bei 230 euro. das ist mehr als genug. man kann auch im etwas günstigeren format mittlerweile die schönheit optimieren. wichtig ist es, dass die gläser gut sind.