Pünktlich nach Ferienende liegen die großen Septemberausgaben der Modemagazine auf dem Tisch und bringen die Strecken und Looks für Herbst-Winter raus, die sie als besonders trendangebend empfinden. Einen nicht unerheblichen Teil dieser Ausgaben, die als „Key-Hefte“ für die Verlage gelten, bilden die Anzeigen mit den Kampagnen der einzelnen Modemarken und Konzerne. In Amerika werden diese von den großen Departmentstores dominiert, die teilweise zehn und mehr Seiten schalten. In Europa überwiegen hingegen die Motive, die die Modelabels selbst produzieren.
Eine der schönsten Kampagnen, die aus dem häufigen Einerlei auffällt, wurde von Steven Meisel für Prada fotografiert.
Damenmode


Links: „Romanov“-Armband; rechts: „Lagon“-Armband; Bilder: Cartier
Rund um die Haute Couture und kurz vor den großen Ferien herrscht in den Ateliers der Juweliere Hochbetrieb. Das liegt zum einen daran, dass im Herbst und zu Weihnachten die meisten Schmuckstücke verkauft und verschenkt werden und dass man über Sommer, wenn man sich für Schmuck interessiert, sorgsam überlegen und seine Kaufentscheidung fällen kann. Außerdem werden die Sonderbeilagen der wichtigen Modemagazine fotografiert und parallel die Geschenkeseiten vorbereitet. So ist es kein Wunder, wir berichteten schon über die Haute Joaillerie von Chanel, dass aktuell auch Cartier seine Haute Joaillerie-Kollektion zeigte. Ort der Präsentation war die Côte d’Azur, von der aus nicht nur die Inspiration zu den Stücken ausgeht, sondern in der auch weltberühmte Künstler, die für ihre flamboyanten Farben berühmt waren, wie Picasso, Matisse oder Chagall, ihre Meisterwerke schufen.
Bild: Hedi Slimane; Saint Laurent Paris
Es liegt auf der Hand, was Saint Laurent jetzt bekanntgegeben hat: Auf ganz eigene Art und ganz im Sinne des eigenwilligen Hedi Slimane belebt das Haus seine Haute Couture neu. Das Potenzial lag, nach der letzten Schau von Yves Saint Laurent im Jahre 2002, im Grunde genommen brach, und das, obwohl es, wie die Umsätze aus den Couture-Abteilungen von Dior, Chanel und Valentino deutlich machen, weltweit immer mehr Couture-Kundinnen gibt. Die Couture-Kollektionen sind zu einem wirklichen Umsatzfaktor geworden und tragen nicht nur, wie häufig niedlich heruntergespielt, zum Image des Hauses bei …
Damit ein Jubiläum nichts Rückschauendes hat, das mag Karl Lagerfeld gar nicht, hat er einfach etwas Neues erfunden, um die unglaubliche Dauer seiner Zusammenarbeit mit dem römischen Label Fendi zu manifestieren: Eine Haute Couture-Kollektion, im Falle von Fendi natürlich Haute Fourrure, ganz aus dem Material, für das Fendi seit hundert Jahren steht.
Dass ein Designer 50 Jahre arbeitet, kommt eh schon selten vor, aber dass er für ein anderes Unternehmen so lange kreativ ist, ist einzigartig. Karl Lagerfeld Karrierestart glich dem, was er jetzt in der Haute Fourrure-Kollektion gezeigt hat. 1965 wurde in Pelzhäusern noch mit Modellen gearbeitet, die vorgeführt wurden. Später wurden die Stücke dann nach den Maßen und den Wünschen der Kunden realisiert und so konnte man nach Geschmack die Form in den Fellen, die einem gefielen, wie Fuchs, Nerz oder Zobel, bestellen. Die zweite Generation der Fendi-Familie, gebildet aus den fünf berühmten Fendi-Schwestern, wollte weg vom altehrwürdigen Statussymbol Pelz und Kundinnen in ihrem Alter ansprechen. Karl Lagerfeld fügte eine jüngere Linie hinzu und zudem auch die Prêt-à-porter und die Accessoires. Außerdem kreierte Lagerfeld auch das berühmte doppelte „F“ als Markenzeichen, das für Fendi steht aber auch für „Fun Fur“, denn er wollte dem Metier seine Schwere nehmen. Lagerfeld verjüngte nicht nur die Marke, sondern schuf auch Filme und Kataloge und, seitdem er fotografiert, natürlich auch alle Pressefotos für das Haus Fendi.
Seit einigen Jahren ist es Tradition zu den Couture Wochen, dass die großen Juweliere rund um den Place Vendôme im Januar und im Juli ihre ganz besonderen Stücke, meist Einzelstücke oder kleine Serien – die sogenannte Haute Joaillerie – präsentieren. Alle Schmuckstücke wurden in Handarbeit in den Ateliers – manchmal über viele Jahre hinweg – vorbereitet und gefertigt. Es ist zeitaufwendig und schwierig, die passenden Steine oder Perlen zu finden, die genau zu den Entwürfen passen … Noch schwieriger ist es aber, von einem Teil mehrere identische Duplikate zu fertigen, denn jeder Edelstein ist anders und deshalb bleibt dann jeder Ring oder jede Kette doch ein Unikat.
Es soll ja Menschen geben, die kaufen sich Schuhe, um sie sich ins Regal zu stellen. Es soll auch Menschen geben, die ein kleines Vermögen für Schuhe ausgeben und denen dann im Nachhinein das Gewissen plagt, so viel Geld für ein Paar Schuhe ausgegeben zu haben. Doch gleich, wer bei den Armadillo Boots, die Alexander McQueen neu aufgelegt hat, zuschlägt – ein schlechtes Gewissen braucht man eigentlich nicht haben. Im Gegenteil: die Schuhe werden für einen guten Zweck versteigert.
Bild: Viktor & Rolf; PR
„Wearable Art“ nennen Viktor & Rolf ihre Haute Couture Kollektion für Winter 2015. Für mich ist sie nicht nur ein Augenzwinkern und der totale Gegensatz zu den arrivierten Couture Häusern, vielmehr zeigt sie auch die Fantasie und Kreativität, die eigentlich Mode ausmacht. Die beiden Holländer verfolge ich in ihrem Schaffen schon lange und besonders gern, weil sie die gleichen Wurzeln und Inspirationen meiner Generation mitbringen, die sie dazu brachten, sich mit Mode zu beschäftigen und sich dafür zu begeistern. Die Endvierziger begannen in einer Zeit, als Informationen aus anderen Modehäusern noch schwer zu bekommen waren und als es populärer wurde, sich mit Mode und Design zu beschäftigen. Als ihre Initialzündung geben Viktor Horsting und Rolf Snoeren an, die damals auch in den Niederlanden ausgestrahlte Sendung „Neues vom Kleidermarkt“, eine NDR-Produktion mit Antonia Hilke, verschlungen zu haben. Horsting und Snoeren träumten davon, eines Tages ihre Kollektionen in Paris vorzuführen.
Immer auf dem Boden geblieben, überraschen sie bis heute mit ständig neuen Ideen und gleichen in ihrer Arbeit eher Modekünstlern, als nur an Kommerz interessierten Designern.
Die Dior Couture Kollektion, die am Montag vergangener Woche in Paris gezeigt wurde, war in den bisherigen Kollektionen eine der ganz großen Sternstunden von Raf Simons. Bei Simons wird deutlich gezeigt, dass er sich mit der Heritage und der Stilistik des Gründers voll identifiziert. Es ist ihm aber möglich, nicht nur seine eigene Handschrift, sondern auch seine Kultur und sein ureigenes Design spielerisch in die Entwürfe einzubringen und trotzdem très Dior 2015 zu sein.
Die wohl heißeste Couture Woche ging in Paris am Mittwoch zu Ende. Einer der Höhepunkte war die Show von Karl Lagerfeld im Grand Palais. Schon die Einladung machte neugierig. Wer Karl Lagerfeld kennt, weiß natürlich, dass nichts im Vorraus verraten wird und dass das Motto „3D“ nicht bedeutet, dass alle Zuschauer plötzlich mit 3D-Brillen aufsetzen müssen oder es sehr grafisch in der Kollektion zugeht.
Kein Metier ist zurzeit so nah am tatsächlichen Empfänger der Kollektions-Message dran, wie die Couture. Die Kundinnen sitzen direkt im Auditorium und schon während des Defilees kann man an ihren Gesichtern ablesen, wie es ihnen gefällt und wie sich in den Tagen nach der Schau die Orderbücher der Couturiers füllen werden. Nachdem Termine vereinbart werden und auf den Hausmodels, auf deren Maße die Kleider angepasst sind, im Salon noch einmal die Modelle gezeigt werden, bestellen die Kundinnen ihre Favoriten. Die Kundinnen machen, je nach Verfügbarkeit vor Ort, zwei Anproben und bekommen dann nach sechs bis acht Wochen das fertige Kleid geliefert. Je nachdem wie lange eine Kundin schon dem Haus verbunden ist, liegen die Maße entsprechend vor. Bei Erstbestellung ist der Aufwand natürlich größer, da eine Stockman Büste mit der individuellen Proportion der Trägerin für das Atelier gefertigt wird.
Die Kunden aus der ganzen Welt strömten letzte Woche ins Grand Palais. Sie wurden von einem ein kompletten Spielcasino im Art Déco-Stil, das an das alte Casino von Nizza erinnerte, überrascht – inklusive Slotmaschinen auf den Rängen, die natürlich Kamelien oder N°5-Flaschen in den Sichtfenstern zeigten.
Lagerfeld geht bei der Konzeption einer Kollektion vom Bild der Präsentation aus. Seine Vorstellung einer intimen Spielrunde wird durch Freunde des Hauses dargestellt, die echten Diamantschmuck aus der Kollektion tragen. Coco Chanel selbst war es, die 1931 in ihrem Appartement in der Rue du Faubourg Schmuck zeigte und damit den Grundstein zur Juwelentradition des Hauses legte. Geraldine Chaplin, Stella Tennant, Julienne Moore, Vanessa Paradies, Isabelle Huppert aber auch Nine d’Urso, die Tochter von Inès de la Fressange und viele mehr. Irgendwie bleibt es bei Karl Lagerfeld doch in der Familie und ein Blick über die Ränge zeigt, dass ihm viele Weggefährten der letzten sechzig Jahre treu begleiten. Fast wirkt die Couture wie ein Familientreffen, wenn nicht in den letzten Jahren augenfällig viele Menschen dazugekommen wären, die die „gehobene Schneiderei“ als eine Art Instagram- und Social Network-Platform nutzen wollen, um das Signal auszusenden, dass sie an einer Art Happening teilnehmen.
Dabei verpassen viele, worum es bei der Haute Couture eigentlich geht. Es geht um die Details und die permanente Verbesserung und Verfeinerung des Handwerks – gewürzt mit einer Art „Labor“, um die neuesten Techniken und Materialien auszuprobieren. Materialien, die nur in diesem Metier funktionieren und deren serielle Herstellung zu kostspielig wären. Lagerfeld ist ein Meister darin und schon bei den ersten Durchgängen der insgesamt 67 Looks wird einem das 3D-Thema klar. Was bei den typischen klassischen Chanel-Kostümen mit kniekurzem Rock und „Bord à Bord“-Jacke wie Stoff bzw. Bouclé aussieht, ist in neuester 3D Laserdruck-Technik entstandenes Material, was verschmolzen, gelocht und ohne Nähte verarbeitet ist. Jede Jacke wird individuell auf die Maße der Kundin mit Hightech hergestellt. Dabei sind die Jacken federleicht. Beim näheren Betrachten am nächsten Tag beim Re-See sieht man dann deutlich, dass Hightech auf Handwerk trifft. Vieles ist noch überstickt oder mit Applikationen, Pailletten oder anderen Materialien kombiniert. Haute Couture und die Paraffections Ateliers, die heute zu Chanel gehören, wie Desrues, Lesage, Lemarié oder auch Lognon, waren die Hightech Betriebe im 19. Jahrhundert. Lagerfeld passt dieses durchaus zeitgemäße Handwerk immer der heutigen Zeit an. Tradition bewahren heißt nicht, an Altem festzuhalten, sondern immer das zu nutzen, was Abläufe und Prozesse verbessert. Die meisten Materialien die Chanel zeigt, wären vor zehn Jahren noch gar nicht für Couture einsetzbar gewesen. Viele Stickereien werden auf Neopren, das Volumen und Großzügigkeit erzeugt, ausgeführt. Die Stickereien werden durch Glasfaser oder spezielle Folien, die auch bei opulentestem Dekor die Trageeigenschaften und die Leichtigkeit der Kleider nicht beeinflussen, leichter.
Die Linie bei Chanel wird durch breitere Schultern, gerade Schnitte und der Betonung bei Kostümen und Mänteln mit Schulterklappen unterstrichen. Auch die Bouclés sind gestickt und neben Sackkleidern mit drapierten Effekten im Rücken und leichten Watteau-Falten steht (auch) der Couture Bestseller ‚Kostüm‘ im Vordergrund. Kostüme, die aber auch Outdoor getragen werden können und deren Jacken einen sportlichen Touch haben. Die gepolsterte Schulter und die Verbreiterung mit etwas zweidimensionalen Touch hält Einzug und erinnert an Lagerfelds Kreationen Anfang der Neunziger. Kurze Trapez-Schnitte und Trench-Details werden in weiche Materialien übersetzt und neben Beige, Wollweiß und Schwarz in Nachtblau oder Schwarz-Gold gezeigt. Klassische Farben neben Couture Nuancen wie Mauve oder warmen Brauntönen: Die Klientel mag schmeichelnde Farben.
Die Atmosphäre des Casinos nimmt Karl Lagerfeld bei den vielen verschiedenen Cocktail- und Abendkleidern auf und zitiert die zwanziger und dreißiger Jahre mit fließenden seidigen Lamé Kleidern im Stile von Madeleine Vionnet und Jean Patou mit der sich nach hinten verlängernden Silhouette. Chanels Aubazine Spitzenkleid mit weißem Kragen ist ebenso vertreten, wie Chiffon- und Gazar-Kleider mit ausgestellten Röcken und opulenten Stickereien mit Collier Motiven oder Mikromosaiken. Zu den Highlights zählten auch die zwei- oder dreistufige Gatsby-Kleider mit angedeuteter Schleppe, Capuchon oder komplett mit Federn bestickte Tüllroben.
Die Zwanziger und Dreißiger Jahre hat Lagerfeld wie kein anderer studiert und so wird Poirets Schirmkleid genauso „chanelisiert“ wie die Stilkleider von Madame Lanvin. Sein Mode- und Kulturwissen ist einfach unendlich …
Racing Green, Oliv und viel Schwarz und Weiß – was manchem wie ein bunter Ablauf vorkommt, trifft exakt die Bedürfnisse und Lebensumstände, die das Couture Klientel benötigt. Sie sind es, die schließlich und endlich die Kollektion bestellt. Auch wenn es die internationale Presse anzieht, gibt es nicht wie in der Prêt-à-porter den Vorlauf des Filterns durch Presse und Einkäufer, die im Endeffekt bestimmen, was gekauft werden kann. Couture ist eine Verkaufsmodenschau. Wenn Vogue oder Harper’s Bazaar ihre Strecken zeigen, treffen die Pakete aus der Rue Cambon bereits in Los Angeles, New York, Peking oder Beirut ein und die Kundinnen haben längst gewählt.
Die Cercle Privé-Schau ist mehr als 3D. Man muss oft hinschauen und jedes Teil anfassen, um es komplett zu erfassen. Keine Schau hat es bisher so schwer gemacht, die Modelle richtig zu begreifen. Aber genau das will Karl Lagerfeld ins Bewusstsein bringen. Was oberflächlich wirkt, muss tief erfasst werden und man muss sich intensiv damit beschäftigen – darin liegt die ungeheure Passion und Qualität von Couture. Ein Kleid oder Kostüm begleitet die Trägerin über viele Jahre und wird immer wieder rausgeholt. Und es werden einige Modelle später als Dotationen in Textilsammlungen, wie dem Metropolitan Museum oder dem Fashion Institut of Technology in New York, gegeben.
Karl Lagerfeld lässt nichts unerklärt und in der Pressemappe wird ein Kostüm drei Mal fotografiert, damit auch alle seine Interpretation von 3D verstehen. Lagerfeld sieht die Welt immer mit den neuesten Augen, um sie dann ins Handwerk zu übertragen.
Die Braut erscheint im Satin-„Safari Anzug“ mit kleinem Schleier zu Barry Whites „Love Theme“ und die Chanel Couture Welt setzt sich am nächsten Tag in den Salons bei den Anproben fort. Auch wenn sich die Locations der Schauen vergrößert haben, das Medieninteresse schneller und größer geworden ist und die Materialien sich verändern – der Reiz liegt immer noch darin, dass individuell und mit ungeheurer Akribie etwas ganz allein für einen einzelnen Menschen gemacht wird. Die Zeit spielt scheinbar keine Rolle. Das ist es, was die Frauen, die sich die Haute Couture leisten, mit jedem Cent gern bezahlen.
Haute Couture ist zum Träumen da und das geht in jeder Dimension …


Fotos: Alasdair McLellan; Bild: © Uniqlo
Wir hatten vor ein paar Wochen ja schon drüber gesprochen: Die wohl heißeste Kooperation des Jahres gehen Lemaire und UNIQLO ein. Christophe Lemaire, der zusammen mit Sarah-Linh Tran das Label führt, zur Zusammenarbeit mit dem japanischen Textilriesen:
„Die UNIQLO AND LEMAIRE Kollektion basiert auf der von beiden Marken gleichermaßen geteilten Philosophie, qualitativ hochwertige Kleidung für den Alltag anzubieten. Wir haben uns nicht nur darauf konzentriert, das Design zu verbessern, sondern auch auf der hohen Qualität der Materialien zu bestehen. Unser Ziel war es, Kleidung zu kreieren, die schlicht, schön und komfortabel ist. Jedes Stück verkörpert mehrere Ideen, und so zeigt ein einzelnes Produkt verschiedene Facetten – je nachdem, wie es getragen wird. Diese Kollektion war eine wertvolle Erfahrung und eine außergewöhnliche Kollaboration für uns als Designer. Wir hoffen, dass diese Kollektion Teil von jedermanns Leben wird.“
Teil von jedermanns Leben? Naja, soweit würde ich jetzt nicht gehen, schlussendlich handelt es sich bei der Kleidung um keine Offenbarung. Schaut man sich aber die Preview-Kampagnenbilder – fotografiert von Alasdair McLellan – an, verspüre zumindest ich den Wunsch, den Rest der Kollektion zu sehen:




