News

Pelz? Nein Danke! – sagt Hugo Boss

Marderhund auf einer finnischen Pelzfarm; Bild: © VIER PFOTEN

Finden wir gut … Hugo Boss ließ verlautbaren, dass ab der Herbst/Winter-Kollektion 2016 das komplette Sortiment ausnahmslos pelzfrei sein wird. Das Unternehmen hat seine Entscheidung im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2014 veröffentlicht, zuvor hatten dazu wiederholt Gespräche zwischen Boss und der „Fur Free Alliance“ (ein Verbund von über 30 Tierschutzorganisationen weltweit) stattgefunden.
Auch wenn es weder bei den Labels, noch bei den Kunden und noch nicht einmal unter uns Autoren Einigkeit darüber herrscht, ob es nun noch Pelze geben muss, bin zumindest ich sehr begeistert über diesen Schritt. Richtig nachvollziehen kann ich es nicht, warum Kapuzensäume, Pudelmützen, Westen, Stiefel und Co. mit Pelzbesatz verziert werden – ein Nutzwert lässt sich auch auf den zweiten Blick an einem Echtpelz-Bommel nicht erkennen. Von Jacken- und Mänteln, komplett aus Pelz gefertigt, ganz zu schweigen. Machen wir uns nichts vor: Modeunternehmen, die noch immer Pelze verarbeiten – und auch deren Kunden – sind für den Tod von Millionen Tieren verantwortlich. Von Tieren, die alles andere als artgerecht,in winzigen Käfigen dahin vegetieren und nur für ihre flauschige Hülle gezüchtet werden.

Bernd Keller, Brand und Creative Director Sportswear bei Hugo Boss, sagt im Boss Nachhaltigkeitsbericht:
„Bei Fellen von Zuchttieren setzen wir uns hohe Maßstäbe und verzichten ab der Herbst/Winter-Kollektion 2016 komplett auf Finnraccoon und Rexkaninchen. Damit vermeiden wir Zuchtpelze künftig in allen HUGO BOSS Bekleidungskollektionen und setzen hiermit ein deutliches Signal. So bieten wir heute bereits erfolgreich ‚friendly fur‘ und auch ‚friendly leather‘ Produkte an. Mit diesen Produkten wollen wir diese und vor allem die nächsten Generationen für eine neue Form von Luxus begeistern.“

Hugo Boss schließt sich mit dem kompletten Pelzausstieg, der sich neben Marderhund- (Finnracoon) und Kaninchenpelz auch auf alle anderen branchenübliche Echtpelze wie z.B. Nerz oder Fuchs bezieht, einer stetig wachsenden Liste pelzfreier Unternehmen und Einzelhändlern an, darunter Tommy Hilfiger, Calvin Klein, Stella McCartney, Zara, ASOS, Esprit, Marc O’Polo und viele weitere – also fast alles Labels, die fast nie Erwähnung bei uns finden. Das gibt einem zu denken …

You Might Also Like

  • Philipp
    7. Juli 2015 at 11:51

    Jetzt frage ich mich, ob bei solchen High-End-Labels wie Loro Piana eine andere Rechtfertigung in Bezug auf die Verwendung von Pelz in der Kollektion besteht, möglicherweise als eine Art Traditionsbewusstsein und dem Abbild der typischen High-Society Haltung (Pelzjacke, Krokoleder-Schuhe, Tasche aus Straußenleder, Mütze aus Pelz, pelzgefütterte Handschuhe, etc.)

    Ist das eine Art Abschottung von der Masse, das Komfortpolster der Oberschicht und zur Vervollständigung einen Chihuahua in der Kroko- Birkin Bag?

  • Siegmar
    7. Juli 2015 at 13:58

    @ Philipp

    das ist bei den High-End Labels so, da sie immer mehr Kundinnen aus Russland und Asien haben, die überhaupt kein Problem mit Pelzen haben und für die es selbstverständlich und Prestige ist einen Pelz zu tragen. Selbst hier Deutschland verkauft ja der unsägliche Pelz-Typ Alfredo Pauly an seine Klientel noch immer Zobel, Nerz und Co in rauen Mengen. Die wird man nicht bekehren können.

  • Sam
    7. Juli 2015 at 18:36

    Ein Schritt in die richtige Richtung – Pelz ist schlichtweg peinlich und absolut stillos.

  • Tim
    7. Juli 2015 at 21:14

    Ich sehe das anders: es gibt keinen Unterschied ob ich Fleisch esse oder Pelz trage. Entweder ganz oder gar nicht. Wo ist denn der Unterschied zwischen einem gemästeten Schwein und einem berufet auch nur wegen seines Fells gezüchtet wird?

  • Stephan Berlin
    7. Juli 2015 at 23:02

    Pelz ist wohl auch immer noch ein Symbol dafür, ein Tier
    erfolgreich erlegt zu haben, eine vielleicht unbewusste Erinnerung
    an Zeiten, als Eskimos oder Jäger in Sibirien einen Pelz zum wärmen brauchten. Diese Pelzrand-Kapuzen à la Woolrich sollen wohl auch immer noch an kanadische Trapper erinnern und asoziieren eine archaische Welt in unserer überzivilisierten Zeit.
    Aber: wir leben weder in Grönland noch zur Zeit von Rasputin und die Kultur der Aufklärung sollte uns Pelztierzucht verbieten.
    Hmmm, mich würde interessieren, was Boss zu Daunenjacken sagt…

  • Sam
    8. Juli 2015 at 16:01

    @Tim:

    Stimmt genau, beides – Fleisch und Pelz – ist komplett unnötig. Und beides ist mit einem Geschmäckle belegt – Billigfleisch aus der Massentierhaltung für die Unterschicht, hässliche Pelzmäntel für die Botoxfratzen am oberen Ende. Sehr stilvoll, oder?

  • Philipp
    16. Juli 2015 at 14:46

    Dass Gucci Loafer mit „Känguruhaar“ im Angebot hat, vermiest mir momentan das ursprüngliche Sympathieverhältnis zur Marke…