Mancher mag sich gewundert haben, warum in der letzten Woche bei Chanel zur Präsentation der „Paris-Bombay“ Kollektion ein versilberter Zug über die Tafeln des Dekors der indischen Hochzeit fuhr und die Gläser zu den Gästen fuhr.
Spiegel online schrieb: dekadent. Aber Karl Lagerfeld wäre nicht er selbst, wenn er sich nicht etwas dabei gedacht hätte. Das Ganze hat natürlich einen historischen Bezug und der Lagerfeldsche Kreis schließt sich schnell, wenn man die Geschichte dahinter kennt.
peterkempe
Mein absoluter Lieblings-Modeschöpfer war und ist Christian Lacroix. Kein anderer französischer Couturier steht so für Phantasie und Kreativität in den letzten Jahrzehnten wie er, aber auch keiner hat so eine wechselvolle Geschichte.
Ich möchte euch in lockerer Reihenfolge von ihm berichten, weil die Veränderungen und der Wandel der Fashion-Szene in den letzten Jahrzehnten kaum anhand anderer Häuser so gut erklärbar ist, wie anhand seines. Suzy Menkes sagte einmal zu mir: „Wenn Christian Lacroix, Karl Lagerfeld und Giorgio Armani nicht mehr arbeiten, ist die Mode nichts mehr wert“. Ganz so sehe ich es nicht, aber ein bisschen Wahrheit ist schon dran.
Meistens gibt es nur Mist im Fernsehen und der Sender Arte bietet manchmal den einzigen Fixpunkt, wenn man die Programmzeitschrift durchblättert. Thementage und wirklich gut recherchierte Dokus gibt’s ja kaum noch bei den öffentlich Rechtlichen und bei den Privatsendern steht ja eher so etwas wie „Bauer sucht Frau“oder dutzende Unterschicht-Sendungen auf dem Zettel, die massenhaft aus Sozialhilfe-Empfängern Weltstars produzieren möchten.
Leider sind die Einschaltquoten bei Arte in Deutschland nur etwa ein Viertel so hoch wie in Frankreich, aber immerhin 900.000 Menschen schauen diesen Sender mal ab und an. Ich liebe ihn und möchte euch heute eine ganz besondere Sternstunde näher bringen.
In den Achtzigerjahren gab es zwei Filme, die die Mode so nachhaltig beeinflusst haben, wie keine anderen: „Jenseits von Afrika“ und „A Passage to India“. Dann kam Bollywood und die Inder werden langsam aber deutlich zu den wichtigsten Kunden für Luxusmode der nächsten Jahre( Horstson berichtete).
Gestern nun zeigte Chanel seine Kollektion aus der Reihe „Metiers d’Art“, die besonders in den Handwerkstechniken und Materialien auf die Zulieferer des Hauses ,Lesage für die Stickerei, Desrues für Schmuck und Knöpfe, Lemarie für Federn und Blumen und Maison Michel für Kopfbedeckungen, eingeht.
Paris -Bombay ein Thema wie aus dem Märchen. Sofort hat man bestimmte Bilder wie das Taj Mahal, das großartige Marmorgrabmal, das ein trauernder Maharadjah für seine große Liebe aus reinem Marmor erbauen ließ, vor Augen.
In Paris machen bereits in einigen der Modehäuser zwei Drittel der Umsätze Kunden aus China und den neuen Märkten Russland und Naher Osten aus.
Als neueste Zielgruppe bilden sich seit einigen Jahren die Inder heraus. So hat Hermès bereits 2008 ein indisches Jahr in seiner Kollektion gehabt und speziell leichte Taschen und besondere stilistische Elemente, wie die flamboyanten Farben und die leichten Seidenstoffe verarbeitet. Das Jahr war eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre und die Eröffnung zahlreicher Boutiquen in Indien folgte.
Morgen wird Karl Lagerfeld seine Art et Métiers Kollektion mit dem Titel „Paris-Bombay“ für Chanel vorstellen. Nach „Paris-Moskau“, vor einigen Jahren und der „Paris-Shanghai-Kollektion“ ist „Paris-Bombay“ wieder eine Hommage an die Zielgruppe, die in Zukunft die Hauptumsätze bei Haute Couture und gehobener Luxusmode machen wird.
Denkt man an Haute Couture, hat man sofort kostbare Stoffe, Spitzen, kunstvolles Handwerk und nicht zuletzt Stickereien der aufwendigsten Art vor Augen. Früher gab es in Paris zahlreiche Stickerei-Ateliers wie Ginisty oder Jean Guy Vermont, sowie hunderte kleine Ateliers, die dann die Aufträge von unzähligen Couture-Häusern in Heimarbeit an Stickerinnen aus der Pariser Umgebung vergaben.
Mit dem weniger werden von Haute-Couture-Häusern in den Siebzigerjahren verschwanden viele dieser Unternehmen oder spezialisierten sich wie Vermont auf Dekorationsstoffe.
Heute existieren nur noch wenige „Brodeure“, wie die Sticker in Frankreich heißen und der berühmteste und größte ist Francois Lesage. Seit 2002 gehört er zu den Unternehmen, die Chanel gekauft hat, zum Schutz des Handwerks und zum Erhalt der Zulieferer.
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum: Wer umweltbewusst ist oder Umweltschutz betreibt, müsse in Sack und Asche gehen beziehungsweise sich alternativ in Birkenstöcker und ökige Hänger-Pullover kleiden. Ebenfalls müsse Charity Engagement von Prominenten langweilig sein und nur aus Image aufpolierenden Gründen geschehen.
Ein leuchtendes Gegenbeispiel ist der Spross einer der bekanntesten Bankiers-Familien – den Rothschilds: David de Rothschild ist atemberaubend sexy, stets gut und trendig gekleidet und engagiert sich dazu noch mit vollem Herzen und hauptberuflich für den Umweltschutz.
Peter’s Cuttings – Justine Picardie, die andere Chanel-Biographin
Posted on 28. November 2011
Karl Lagerfeld hat wunderbare Zeichnungen gemacht für die Chanel-Biographie der englischen Schriftstellerin Justine Picardie. Das Buch fiel mir sofort ins Auge und wenn ich ehrlich bin, dachte ich zunächst: Na noch ne Chanel-Biographie…
Bisher waren meine absoluten Lieblingsbücher die wunderbare Darstellung von Edmonde Charles-Roux, der legendären Chefredakteurin der französischen Vogue und Weggefährtin von Mademoiselle „Chanel Solitaire“. Charles-Roux wurde bei Vogue entlassen, weil sie es wagte, ein farbiges Model aufs Titelbild zu setzen, was in den Sechzigerjahren noch einen Skandal auslöste und sie entsprach überdies ziemlich genau dem Typ Chanel.
Außerdem liebe ich das Buch „Chanel hat mir erzählt“ von Lilou Grumbach-Marquandt. Kein Mensch hat in den Jahren nach Chanels Comeback mehr Zeit mit ihr verbracht als Lilou und hat sie bis zu ihrem Tod 1971 begleitet.
Eigentlich ist über diese Frau viel – wenn nicht alles – gesagt und nun kommt das Porträt der Engländerin Justine Picardie, die eine wunderbare Biographie über Daphne du Maurier geschrieben hat und sich publizistisch intensiv mit den Schwestern Bronte beschäftigte.
Ihr habt keinen original Franz Marc im Wohnzimmer und auch keinen van Gogh??
Macht nichts: Demnächst könnt ihr wenigstens eure Wände nach deren Farbpalette streichen. In Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Hersteller Fine Paints of Europe bringt das Guggenheim Museum in New York eine Kollektion von Wandfarben heraus, mit der man echte Museumstöne an die heimischen Wände bringen kann.
The Dukes Wardrobe – Im Kleiderschrank des Herzogs von Windsor
Posted on 25. November 2011Eine der größten Stilikonen für Herrenmode im zwanzigsten Jahrhundert war ohne Zweifel der Herzog von Windsor.
Neben Cary Grant oder Steve Mc Queen immer wieder gerne kopiert und Grundlage vieler Inspirationen für Herrenkollektionen. Er führte den Mustermix ein und das kombinieren von Sportsachen mit Formal-Wear. In Frankreich ist das Glencheckmuster als „Prince de Galle“ nach ihm benannt. Der Krawattenknoten, den er band, wurde unter dem Namen Windsor-Knoten zum Standard bei abertausenden Männern, die morgens in die Büros strömen.









