Mit großer Bestürzung haben wir heute erfahren, dass einer der begabtesten Designer, der seit 1997 bei Balenciaga tätige Nicolas Ghesquière, und sein Mutterkonzern PPR sich trennen werden.
Das Haus Balenciaga hatte bereits 1972 geschlossen und nur noch einige Prêt-à-Porter Kollektionen gemacht, die nicht mehr der Rede wert waren. 1997 kam ein junger Mann, Nicolas Ghesquière, und baute langsam aber sicher die Marke wieder aus und machte aus dem ehemals verstaubten Haus eines der innovativsten Designerlabel, das ähnlich wie die Kreationen seines Begründers eigenwillig, aber von großer Qualität und Innovation geprägt ist. Die Accessoires, wie zum Beispiel die Taschen, erreichten Kultstatus und das Label wurde vor einigen Jahren von PPR Pinault übernommen – samt seinem Designer.
peterkempe

Bilder aus der Boy George Pressemappe; Bild: Virgin Records
Neulichst entdeckte ich in meinen Archiven zwei Photos, die mich in eine völlig vergessene Welt transportierten und beim Betrachten der Bilder fiel mir ein, wie stilbildend und faszinierend London 1984 auf mich gewirkt hatte. Die Bilder gehören zur original Boy George Pressemappe von Virgin Music.
Leider wird manchmal der ungeheure Einfluss von Personen und deren Stilistiken sowie Leistung fast durch unser heutiges Bild oder Ereignissen verdrängt – so werden eher die Umstände, wie zum Beispiel John Galliano Dior verließ, unser Bild prägen, als seine großartige kreative Leistung über Jahre wie die legendäre Massai- oder Pocahontas-Kollektion. Genau so ist es im Fall von Boy George. Überhaupt, außer dass beide Engländer der gleichen Generation sind, gibt es viele Parallelen beider Männer und ihre Wurzeln und Prägungen stammen aus dem selben Zeitgeist. Ihre geniale Kreativität wird bei beiden durch das, was man das Leben nennt und ihre Labilität immer wieder eingeholt, trotzdem darf man ihr Werk nicht unterschätzen.
Vielleicht hat ja der eine oder andere das Glück, dass er zu Weihnachten an seine Liebste eine der Taschen verschenken kann, denn die neuen Taschen der Frühling Sommer 2013 Kollektion von Chanel werden ab Dezember ausgeliefert. Die anderen können ja Valentinstag oder Ostern nutzen, denn eines ist sicher: diese Tasche wird der Renner 2013 und ein Vormerken auf der Warteliste ist äußerst empfehlenswert.
Manchmal sind es gar nicht die spektakulären Modelle, die in der Schau gezeigt werden, die in ihrer Ästhetik und ihrer Brillanz bestechen, sondern diejenigen, die leise in der Orderkollektion erscheinen.
Die khakifarbene Clutch aus weichem Lamm-Nappa ist genau so ein Teil. Einerseits als Clutch tragbar, andererseits durch das Herausziehen der Kette zu einer kleinen Umhängetasche werdend, ist sie ein „All Time Classic“, wenn man sie sich einmal anschafft.

Cire Trudon – Limited Editions: Odalisque, Roi Soleil und Abd el Kader
Draußen wird es dunkler und das Fest der Liebe ist auch nicht mehr so Lichtjahre entfernt. Wir bekommen wieder mehr Lust, Kerzen anzuzünden und unsere Räume wirkungsvoll, aber dezent zu beduften.
Die eleganteste Art dies zu tun (und garantiert nicht mit Kopfschmerz-Effekt) ist es die Kerzen der Manufaktur Cire Trudon aus Paris zu benutzen. Cire Trudon ist die älteste und traditionsreichste Manufaktur und hat schon für Ludwig XIV. und Napoleon deren Wachs- und Duftkerzen geliefert:
Seit 1643 werden sie hergestellt – selbstverständlich, wie könnte es auch anders zu der Zeit sein, werden ausschließlich Naturstoffe verwendet. Bis heute kommen sie ganz ohne chemische Zugaben aus und alles wird nach wie vor in einer kleinen Manufaktur in der Nähe von Paris gemacht.
Mitte der 80er Jahre, Karl Lagerfelds berühmte Memphis Wohnung in Monte Carlo war bereits fertig und bezogen, verlegte der Modeschöpfer seinen Hauptwohnsitz komplett ins Fürstentum der Grimaldis und renovierte die zwischen Monte Carlo und Cap Martin, auf einem Felsvorsprung liegende Villa „La Vigie“.
Scheinbar wird der Rhythmus der Mode schneller: das Jahr ist fast vorbei und so mancher erinnert sich noch nicht einmal daran welche Kleider uns im Januar in Paris, Mailand oder New York gezeigt wurden. Es ist viel passiert in der Fashion-Branche, dass Personalkarussel hat sich gedreht, zahlreiche Firmen wurden von einem Konzern zum anderen verkauft, die Konsumenten von gestern in den Highend Bereichen der Mode haben sich in den letzten fünf Jahren um einen halben Erdball verschoben und eigentlich hat, was den Konsum von Luxusartikeln betrifft, auf der Erzeugerseite Europa deutlich zugelegt, beim Kauf derselben allerdings schon fast den Standard der Gewinner von heute in früheren Jahren erreicht.
Die meisten „Modelabel“ haben sich auf die Veränderungen eingestellt und so kommt unser Unverständnis gegenüber vieler Luxuskollektionen ganz klar dadurch, dass unser Geschmack gar nicht mehr getroffen werden muss, weil die Käufer aus ganz anderen Kulturkreisen kommen.
Dass dieses nicht so sein muss und überhaupt, dass auch noch in wechselhaften Zeiten Kollektionen Manifeste sein können, Sternstunden der Mode und dazu noch das Zeug haben, später als von nachhaltiger Gültigkeit gelten zu können, hat in diesem Jahr ein Mann bewiesen.
Raf Simons ist nicht nur der neue Creativ Direktor von Dior für das Prêt-à-Porter und die Haute Couture, sondern er ist auch der Stille und hochkulturelle Lehrer, der es uns in diesem Jahr gezeigt hat, dass man ohne großes Brimborium Weichen stellen kann.
Das Kunststück sich in ein Haus einzuarbeiten, deren Begründer schon vor der eigenen Geburt gestorben war, ist schon keine leichte Aufgabe. Prêt-à-Porter zu entwerfen – gut, werden die meisten sagen – hat er ja schon jahrelang für Jil Sander gemacht, ist schwierig. Sich in den Stil einer Frau einzufinden, die eher Konfektionärin war und das in einem Stil, der sicherlich Raf Simons während seiner Ausbildung und Anfangszeit als Jil Sander auf dem Zenith ihres Ruhmes war, eher vertraut und Leitbild war als damals Dior, ist schon keine leichte Aufgabe gewesen. Klarheit liegt ihm und gekonnter Purismus auch.
Aber Haute Couture und das in den Wurzeln und der Denke eines Mannes, der sein Unternehmen begründete, als die Welt sehnsüchtig sich nach Opulenz, Weiblichkeit und romantischen Roben sehnte, weil es fast zehn Jahre keinen Glamour auf der Erde gegeben hatte, weil Krieg, Vernichtung und Völkermord geherrscht hatten, zu schaffen, ist kein Husarenstück.
Außerdem ist Haute Couture eine Art Symbiose oder Geheimbund, der nicht einfach von einem Designer entworfen wird und dann gemacht wird. Vielmehr ist es das Zusammenspiel von Ateliers, Handwerkern den Zulieferern wie Stickern, Webern, Kürschnern, Hutmachern, Blumen- und Knopfherstellern etc. und natürlich dem Couturier.
Die Ateliers-Kleider, Blusen und Röcke müssen genauso ihren Anteil haben, wie die für Mäntel und Kostüme. Die Zusammensetzung und das Ritual einer Couture Kollektion gleicht einer Volkswirtschaft im kleinen und alles muss sein Gleichgewicht haben. Die Symbole, Stilelemente, Eigenschaften der Marke und der Sehnsucht der Trägerinnen haben sich genau für die Kleider des Hauses zu entscheiden. Bei Haute Couture geht es um Kleider, nicht um Accessoires die überall verkauft werden oder um Dinge, die in den Boutiquen von Dior verkauft werden und multiplizierbar sind.
Couture ist das Laboratorium des Hauses, in dem neue Stoffe, teure Handwerkstechniken, Stickereien und Perfektion verwendet werden können, weil der Preis keine Rolle spielt. Trotzdem müssen diese Kleider haargenau das Kleid sein, das die Kundin sich wünscht und das sie von Dior erwartet. Es soll auch noch ein Aushängeschild und Vorreiter für die Prêt-à-Porter sein und es soll auch noch Furore bei der Presse machen – das ganze auf weniger als sechzig Modelle beschränkt. Schon diese Anzahl verschlingt Unsummen an Entwicklungskosten und ist selbst für alte Hasen kein Pappenstil.
Raf Simons hat mit seiner Herbst/Winter Haute Couture eine Key-Collection geschaffen, die für mich der absolute Gewinner des Jahres ist und ein Lehrbuch-Beispiel, wie man sich perfekt in die Welt, die Tradition und die Zukunft Diors einarbeitet und genau die Version herausbringt, die man sich für das 21.Jahrhundert vorstellen könnte.
Ganz klar hat er sich bei den Vorbereitungen auf die zehn Jahre des Namensgebers des Hauses konzentriert und die Codes dechiffriert. Christian Dior war eine Art phantasievoller Architekt der Mode und das hat sicherlich Raf Simons sehr gefallen und ihn, der für sein fabulöses graphisches Auge bekannt ist, angespornt, die Codes in die Architektur des 21.Jahrhunderts zu übersetzten. Moderne „Pure Couture“ wird durch diese Kombination geboren.
Als Debut Kollektion muss man das Statement setzen, dass man das Haus verstanden hat aber auch seine eigene Handschrift zeigen will. Diese Symbiose ist ein gewagtes Vabanque Spiel, das ihm wiederum besonnen und gut gelungen ist. Raf Simons hat sicherlich in den Dior-Archiven und der Handschrift des Hauses ein ungeheures Potential zur Verfügung. Dank seiner Begabung wird er es geschickt nutzen, seinen eigene Handschrift langsam zu verstärken und mit den Potenzialen nicht nur weiter zu spielen, sondern sie auch weiter zu entwickeln.
Raf Simons gehört zweifellos zu den größten Ausnahme-Designern, der eines der größten Hoffnungen der Branche ist und dem man vieles Unmögliche durchaus zutraut. Mit Spannung erwartet man jetzt schon wie es weiter geht und wie er für Überraschungen sorgen wird. In diesem Jahr ist er für mich der innovativste Designer und Dior hat einen fulminanten Griff getan und kann sicherlich beruhigt in die Zukunft der Couture schauen. Denn keiner macht Couture aktueller denn je – Raf Simons für Christian Dior.
Wo sind heute eigentlich solche Leute?? Man weiß es nicht!! Genau die Frage kam mir in den Sinn, als ich dieses Photo fand.
Der Mann links, der aussieht als wäre er ein Banker in Führungsposition, ist der Mann, dem über Jahrzehnte die Designer am ehesten vertrauten und die längsten Interviews gaben. Der Mann, der schon wenn die Kollektionen nicht fertig waren, die Entstehung mitverfolgen durfte und der als die Stil- und Urteilsinstanz der Mode galt, aber auch am meisten spaltete und für Tumult in der Modebranche sorgte:
John Fairchild von Womens Wear Daily und W Magazine. Heute 85jährig, seit 15 Jahren aus dem aktivem Geschäft zurückgezogen und in der Schweiz lebend, kann man ihn als den bedeutendsten Fashion-Editor des 20.Jahrhunderts bezeichnen.
Seit 2007 enthüllt die Kollektion Les Exclusifs de Chanel ihre kostbaren Düfte auf der Haut ihrer Trägerin. Damit war Chanel das erste Haus, das in seinen eigenen Läden nicht mehr erhältliche Duftlegenden wie Cuir de Russie, Gardenia, Nummer
22 oder Bois des Îles wieder auflegte. Allesamt ungeheuer erfolgreich von Coco Chanel in den zwanziger Jahren herausgebracht. Dazu ergänzte Chanels Meisterparfumeur Jacques Polge von der Geschichte oder den Symbolen Chanels inspirierte Dufte.
Jedes Opus wurde aus den edelsten Rohstoffen komponiert und so gibt es neben La Pausa, Bel Respiro und 31 Rue Cambon,dem Sommerhaus in Roquebrune, Chanels Villa vor Paris und der Adresse ihres legendären Couture Hauses, Düfte die wie Sycomore oder Beige, die ihre Stilelemente beschreiben. Polge nimmt uns mit in ihr Appartement oder, wie bei Coromandel, lässt uns an ihre ungeheuer kostbaren Paravents denken, die sie ein Leben lang begleiteten.
Königliche Schuhe – Der Needlepoint Slipper von Alexander McQueen
Posted on 23. Oktober 2012Manchmal gibt es Dinge in die man sich auf den ersten Blick verliebt und kommt nicht mehr von ihnen los. Zugegeben – Escarpins, also Schuhe die wie Hauspantoffeln aus der Zeit Oscar Wildes anmuten, haben es mir schon immer angetan.
Früher eher rar oder nur für Dandys, tauchen sie in letzter Zeit vermehrt in den Kollektionen auf. Meine 25 Jahre alten Tricker’s London in bordeaux-rotem Samt sind ein fester Bestandteil meiner Garderobe. Auf Tom Fords Schuhen aus der Gucci Kollektion 2001, in nachtblauem venezianisch gemusterten Pannesamt, hab ich schon so manches rauschende Fest gefeiert.

3 verschiedene Tartans. Bild: Ellywa
Ich gebe es ja zu, dass ich sie schon als Kind geliebt habe: es gibt ein ganz frühes Bild von mir auf dem ich ein Schotten-Mäntelchen anhabe und dazu Kniestrümpfe mit Rauten. Die Schottenkaros, mit Fachausdruck Tartans genannt, sind bis heute mein geheime Liebe geblieben.
Für einige ist es eine komische Vorstellung, dass Männer mit Röcken herumlaufen, aber es sind ja auch keine Röcke, sondern Kilt’s und die stehem manchem kernigen Schotten mehr als gut.
Vor allem aber kommt es ja darauf an, was man dazu kombiniert. Von den Tartans, die so eine Art Familien- oder in dem Fall Clan-Erkennungsmerkmal sind, gibt es über 2.500 verschiedene Musterungen. Wobei es fast jeden Tartan noch in einer alten historischen und einer modernen Variante gibt. Black Watch, Royal Stewart und MacPherson sind die bekanntesten – aber die Variationen finden kein Ende. Die englische Königsfamilie hat ebenso ihren Balmoral Tartan wie alte schottische Adelsgeschlechter.





