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Demna

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Luxus im Neonlicht

Foto: Courtesy of Gucci

Gucci kehrt nach New York zurück – und natürlich nicht leise. Mit „GucciCore“ inszeniert das Haus seine Heimkehr dorthin, wo 1953 die erste Boutique außerhalb Italiens eröffnete: nach Manhattan. Dass ausgerechnet der Times Square zur Bühne wird, wirkt dabei folgerichtig und kalkuliert zugleich. Zwischen LED-Wänden, Dauerwerbung und digitaler Reizüberflutung präsentiert sich Gucci weniger als Modehaus denn als Marke, die um kulturelle Totalpräsenz konkurriert.

Die Einladung zur Schau setzt den Ton früh: ein Messingschlüssel in gealtertem Leder, als nostalgische Reverenz an die legendäre Gucci Galleria der Achtzigerjahre – jenes exklusive Refugium über der Fifth Avenue, das nur ausgewählten Kund:innen zugänglich war. Die Botschaft ist eindeutig: Luxus bleibt auch im Zeitalter maximaler Sichtbarkeit vor allem ein Spiel mit Zugang, Insidercodes und künstlicher Verknappung.

Noch bevor das erste Model erscheint, übernimmt eine Videomontage den Times Square. Zwischen Found Footage und Retro-Werbeästhetik tauchen reale und fiktive Gucci-Produkte auf. Die Inszenierung schwankt bewusst zwischen Selbstironie und Markenmythologie. Gleichzeitig zeigt sie, wie konsequent Luxuslabels heute versuchen, sich nicht mehr nur als Hersteller von Kleidung, sondern als vollständige Lebenswelt zu etablieren.

Foto: Courtesy of Gucci

Die Kollektion selbst funktioniert als stilisierte Stadtkarte New Yorks. Von Madison Avenue bis Brooklyn begegnen sich vertraute Archetypen urbaner Identität: Broker in Nadelstreifen neben Skatern in soften Tailoring-Silhouetten, wohlhabende Upper-East-Side-Eleganz neben Downtown-Lässigkeit. Interessant ist dabei weniger die Beobachtung der Stadt selbst als ihre Übersetzung in sofort lesbare Gucci-Bilder. New York erscheint hier nicht als realer Ort, sondern als ästhetisch geglätteter Markenmythos.
Besonders deutlich wird das dort, wo Demna den Widerspruch zwischen Funktion und Inszenierung bewusst kultiviert. Kreisrunde Duvet Stoles aus butterweichem Leder wirken weniger wie Kleidung als wie luxuriöse Schutzobjekte gegen jede Form von Alltag. Gleichzeitig erscheinen reversible Technical Coats und utilitaristische Outerwear, allerdings gefüttert mit Ziegenhaar und Shearling. Praktikabilität bleibt vorhanden – allerdings nur, solange sie visuell opulent genug aussieht.

Auch die ikonischen Codes des Hauses werden erwartbar souverän neu arrangiert. Der Web Stripe erscheint als Bandeau-Top reduziert, das Horsebit verwandelt sich in metallische Steigbügel-Details an strengen Stiefeln. Taschen schimmern in tintigen Lederoberflächen oder juwelenartigen Patinas, Uhrarmbänder tragen plötzlich Clutches. Vieles davon ist handwerklich beeindruckend, manches allerdings auch so bewusst referenziell, dass die Kollektion stellenweise stärker archiviert als überrascht.
Überzeugend bleibt dagegen die zunehmende Aufweichung klassischer Geschlechtercodes. Pailletten in Krokodiloptik, Fransenstickereien und Federarbeiten verleihen selbst konservativer Menswear eine kontrollierte Opulenz, ohne in bloße Kostümhaftigkeit abzugleiten. Der Begriff „wearable“ erhält dabei allerdings eine leicht absurde Note: Tragbar ist hier vieles – allerdings vor allem unter den Bedingungen maximaler Sichtbarkeit.

Demna führt mit GucciCore seine „character studies“ konsequent fort und bündelt die Bildsprachen früherer Kapitel zu einem verdichteten Gucci-Kosmos. Gerade darin liegt aber auch die zentrale Ambivalenz der Schau. Gucci perfektioniert die Wiedererkennbarkeit der eigenen Codes, riskiert dabei jedoch, dass Wiederholung zunehmend als Strategie sichtbar wird.
Dabei wird Demna derzeit auffallend häufig mit Tom Ford verglichen – naheliegend, schließlich prägte Ford Gucci einst mit jener hochglänzenden Mischung aus Sex, Macht und kontrollierter Provokation, die bis heute im kollektiven Modegedächtnis nachwirkt. Doch Demna verfolgt letztlich eine andere Designlogik. Seine Version von Erotik wirkt kühler, düsterer und bewusster gebrochen. Wo Ford Begehren polierte, interessiert sich Demna stärker für Reibung: für Überzeichnung, für urbane Härte, für Figuren, die gleichzeitig unangreifbar und leicht erschöpft wirken. Auch GucciCore lebt weniger von offenem Glamour als von einer kontrollierten Spannung zwischen Luxus, Ironie und latentem Kontrollverlust.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe dieser Inszenierung. Während draußen am Times Square jede Marke permanent um Aufmerksamkeit konkurriert, zeigt Gucci ein bemerkenswert präzises Verständnis davon, wie Luxus heute funktioniert: nicht mehr primär über Exklusivität, sondern über sofortige visuelle Identifizierbarkeit. Die Kollektion erkennt diesen Mechanismus messerscharf – auch wenn sie ihm letztlich kaum entkommen will.

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Zwischen Halstuch und Haltung: Die Rückkehr der Seide

Foto: Courtesy of Gucci

Seidentücher sind wieder im Trend. Das verrät kein Report, sondern schon der kürzeste Berlin-Aufenthalt: In Mitte wird der Knoten zur Pose, in Charlottenburg zur diskreten Reminiszenz, und selbst dort, wo sonst Kapuzen dominieren, blitzt plötzlich ein Hauch Riviera auf. Es ist die Rückkehr des angenehm Überflüssigen – und damit des eigentlich Interessanten.

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Warum Mode das Alte braucht, um Neues zu verkaufen

Foto: Mert and Marcus

In der Mode gilt das Neue als höchste Währung. Neue Schnitte, neue Kollektionen, neue kreative Leitungen. Kaum hat ein Designer ein Haus verlassen, wird schon die nächste Ära ausgerufen. Und doch setzt man ausgerechnet in diesen Momenten des Umbruchs auffällig oft auf das Gegenteil: auf Vertrautheit.
Ein aktuelles Beispiel für meine steile These liefert Gucci. Mit Kate Moss und Emily Ratajkowski stehen zwei etablierte, maximal bekannte Gesichter im Zentrum einer Kampagne für neue Taschenmodelle, die Gucci Borsetto und die Gucci Giglio. Neu ist hier vor allem das Produkt – nicht die Inszenierung, nicht die Aura, nicht die Gesichter.

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Florentiner Folklore für Fortgeschrittene

Courtesy of Gucci

Man kann sich gut vorstellen, wie sie dieser Tage in der Wintersonne von St. Moritz aufblitzt oder im Frühling durch die Dünen von Kampen schwingt. Aber die neue „Borsetto“ von Gucci versteht sich als mehr als nur Staffage für Champagner-Empfänge und Strandspaziergänge. Sie ist ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte eines Symbols, das sich hartnäckig hält: des Horsebit.

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Generation Gucci: Demna räumt im Archiv auf

Foto: Demna; Courtesy of Gucci

Alessandro Michele kleidete die Mode gern wie ein Wimmelbild: Überall etwas, überall alles, und nie wusste man, ob man zuerst die Rüschen, die Relikte oder die Renaissance entdecken sollte. Demna hingegen dreht das Fernglas regelrecht um. „Generation Gucci“, sein als Lookbook – wo wir einen Teil der Männerlooks rausgesucht haben – eines nie gezeigten Runway-Märchens inszenierter Auftakt, wirkt wie das stille Gegenstück zu Micheles barockem Überfluss. Reduktion, aber mit einem Augenzwinkern.

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Pierpaolo Piccioli wird neuer Creative Director bei Balenciaga

Bild: © David Sims

*Trommelwirbel* – es weht in wenigen Wochen ein neuer Wind durch die Mode: Pierpaolo Piccioli wird ab dem 10. Juli 2025 der neue Creative Director von Balenciaga. Damit tritt der Italiener (bis 2024 bei Valentino) das schwere, aber ehrenvolle Erbe von Demna an, der die Marke in den letzten zehn Jahren mit radikaler Ästhetik und subversivem Zeitgeist geprägt hat. Piccioli, bekannt für seine poetische Eleganz und meisterhafte Couture, bringt frische Visionen mit und will die künstlerische DNA des Hauses Balenciaga im Geiste von Cristóbal Balenciaga weiterdenken – aber eben auf seine Art, wie Kering in einer Pressemitteilung erklärt.

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