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Näher hingeschaut … Louis Vuitton Pre-Fall 2015

Header Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom

Zum Showroom auf die andere Seine-Seite, so kann Modealltag in Paris aussehen – Ausgestattet mit frischem Croissant und Kalligraphie-Grußkarten aus dem Louis Vuitton Geschäft Saint Germain des Prés (den Artikel gibt es hier zum Nachlesen), mache ich mich, mitsamt Jessie von Journelles und Magdalena von Hoard of Trends, auf den Weg zur Präsentation der Prefall 2015 Kollektion.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Rest 3

Im Headquarter angekommen, erwartet uns ein großartig-„ghesquièresques“ Aufgebot: Wie bitte, was? Eine Verniedlichung von Chefdesigner Nicolas Ghesquière?! „Quelle histoire“, keinesfalls! Bestenfalls eine Wort(er)findung zur Huldigung seiner charakteristischen Looks. Bereits bei Balenciaga habe ich ihn mit großer Bewunderung verfolgt, jetzt klicke ich dank ihm durch jede Louis-Vuitton-Pressemitteilung mindestens dreimal. Es folgt eine Annäherung in einem der schönsten Showrooms überhaupt (ab hier keine objektive Berichterstattung mehr)…

Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Rest 5

Starstruck-Alarm – Insgeheim erhoffe ich mir natürlich, dass ich Monsieur Ghesquière im Treppenhaus wohlmöglich persönlich antreffe. Gläserne Türen bieten Einblick in Ateliers und Werkstätten, vielleicht könnte ich ihn also irgendwo erspähen? Fehlanzeige! Dafür werde ich mit so vielen optischen Eindrücken und Entwürfen konfrontiert, dass ich nicht mal ansatzweise traurig darüber bin. Im Fokus meiner Betrachtung liegt ganz alleine die Prefall-Kollektion.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Lockit 3 Farben

Den Anfang machen dabei die Lederwaren, Taschen über Taschen. Ich stolpere förmlich in einen wahrgewordenen Mädchentraum und ertappe mich dabei, dass ich mindestens genau so begeistert bin, wie die anwesenden Modedamen aus aller Welt: Die Lockit, ein Augenschmaus in warmen Farbtönen. Das Handtaschenmodell ist mir zum ersten Mal in der Kampagne mit Michelle Williams aufgefallen und gehört seitdem zu einem meiner Favoriten. Natürlich nur an der Damenschulter, versteht sich von selbst!
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom pinke Capucines und Wolle

Weiter geht es mit dem Modell Capucines, die mich immer wieder an den Glanz vergangener Tage erinnert. Kann sich irgendjemand erklären warum, ich bin selber etwas ratlos bei meiner Assoziation?! Vermutlich liegt es an der eleganten Optik und dem dezenten Logo auf der Frontseite. Das kleinere Modell hat mich in den Bann gezogen, immer wieder streichele ich über das weiche Material. Ich muss mich wieder einmal ermahnen, dass die Handtasche ausschließlich für filigrane Damenhände gemacht ist.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom 3Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom 5

Bei der kunstvollen Inszenierung der weiteren Taschen traue ich mich kaum, näherzutreten: Das Licht, der Sockel? Absolut stimmig! Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp schleicht ebenfalls um die Modelle herum, erst später kehre ich zurück um Fotos zu schießen. Beinahe hätte ich die goldene und silberne Variante der Capucines-Tasche übersehen – très, très cool! Abermals rede ich mir ein, dass das nichts für mich sei. Zu früh gefreut: Kaum gehe ich weiter, wird mein kategorisches Handtaschen-Frau-Mann-Ja-Nein-Prinzip infrage gestellt.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Clutches
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Koffer

Die kleinformatigen Clutches und Taschen erfreuen sich sehr, sehr großer Beliebtheit bei mir. Sogar so großer Beliebtheit, dass ich (bitte nicht verraten) leibäugele, irgendwann auch einmal ein solches Modell zu tragen. Keine Lüge, ich bin wirklich begeistert. Gibt es Männer, die mich verstehen und ähnlich denken? Ich bin hin- und hergerissen, welches Modell es denn dann sein sollte: Die farbige Monogram-Variante oder doch lieber das Kroko-Modell mit Trageriemen?
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Schmuck 2

Bevor ich mich jedoch zu sehr mit meinen Genderfragen beschäftige, vertage ich diese Gedanken lieber auf einen zukünftigen Horstson-Beitrag. Weiter geht es mit der Mode: Wie bereits angekündigt, bin ich von Ghesquières typischen Look mehr als angetan. Peter hat diesbezüglich bereits in einem vergangenen Beitrag alle wichtigen Fakten treffend zusammengefasst: „Der typische Ghesquière-Look sind Basics in Mid-Seventies Optik oder Outfits mit raffinierten Schnitttechniken (…).“ Den ganzen Beitrag zur letzten Kollektion gibt es hier zum Nachlesen.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Keldi Mantel

Mit Peters Worten lässt sich auch der Hauptbestandteil der Prefall-Kollektion passend beschreiben, der Seventies-Look ist definitiv nicht wegzudenken. Er ist Teil der Ghesquière-DNA, zeigt sich in seinen schönsten Mänteln (das braune Wildledermodell, ein Traum) und Kleidern. Jede Menge Farbeinflüsse bilden einen Kontrast zu dem, was ich noch 2013 mit dem Pariser Modehaus verbunden habe. Ein kurzer Blick auf die Abschlusspräsentation von Marc Jacobs genügt – Schwarze Details auf schwarze Details, so weit das Auge reicht. Natürlich gilt es nicht, diesen einen Blick aus meinem Kopf zu verallgemeinern: Marc Jacobs hat sich durchaus zu Farbe und Form bekannt, nur schwebt mir persönlich immer wieder diese letzte Schau vor Augen.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom blauer Rolli und Jeans

Allgemein habe ich den Eindruck, dass die Stücke der neuen Kollektion bestens einzeln gestylt werden können. Entwarnung also an die Damenwelt: All-Over-Outfits sind hier garantiert kein Muss! Die Hosen lassen sich perfekt in den Alltag integrieren, genau so wie Bluse, Rollpullover und Lederjacke. Bei der Auswahl der Kollektionsstücke scheint eine unangestrengte Gelassenheit vorzuherrschen, keine waghalsigen Experimente oder wiederkehrenden Selbstverwirklichungen weit und breit: Vielmehr eine wohldosierte Ansammlung von Gegensätzen. Hinter mir höre ich eine Dame etwas im Zusammenhang mit „Eklektizismus“ murmeln, sie schaut fragend in die Runde.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom weitere Outfits und SchuheLouis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom weitere Outfits und Schuhe 2

Ich wollte eigentlich „D´accord“ rufen und zustimmend mit den Fingern schnipsen, wobei ich Letzteres bis heute nicht beherrsche. Stattdessen nicke ich einvernehmlich und verweise auf die Vielzahl von Materialien und Schnitttechniken: Glatt- und Wildleder, Strick-, Seiden- und Wollmaterial. Pailletten, Nieten und Lederapplikationen – eine Material-Symbiose folgt der nächsten. Selbst bei der Schuhauswahl ist der etwas verblasste Ausdruck „Gegensätze ziehen sich an“ durchaus passend. Gerade die flachen Stiefeletten in verschiedenen Blautönen gefallen mir sehr gut, wohingegen die glänzenden Monogram-Ausführungen etwas zu viel für meinen Geschmack sind.
Louis Vuitton Pressday 2015 Paris Showroom Schmuck

So viele Eindrücke auf geballtem Raum, inmitten von Paris. Ich bin nachhaltig beeindruckt und schleiche noch einmal durch die Räumlichkeiten. Habe ich etwas vergessen? Die Taschen? Besprochen! Die Looks? Durchgestöbert! Schuhe? Ebenfalls gesichtet! Mais oui, der Schmuck fehlt! Für alle, die bereits Geschenke zum bevorstehenden Muttertag suchen oder ihre Frau zum Valentinstag überraschen wollen (gibt es diese Art von Männern unter uns Lesern?), aufgepasst: Dieser Halsschmuck ist garantiert die richtige Wahl. Zusammengesetzt aus einzelnen Elementen, die sonst für die Beschläge der traditionellen Koffersets genutzt werden, wurde hier ein einzigartiges Schmuckstück geschaffen. Erst auf dem zweiten Blick werde ich mir der filigranen Umsetzung bewusst, incroyable!
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Unser Showroom-Besuch neigt sich dem Ende, ich möchte am Liebsten hier bleiben und erhasche einen letzten Blick auf die Prefall-Kollektion 2015. Wie gefallen euch die Entwürfe? Ich bin begeistert – Superb, auch wenn ich ein Mann und keine Frau bin. Wobei, das ist ein anderes Thema…

Die Bilder haben wir übrigens mit dem neuen iPhone 6 gemacht …

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  • PeterKempe
    4. Februar 2015 at 12:52

    Sehr Ghesquiere und eigenwillig aber durchaus durch Deinen mit reißenden Bericht total gespannt auf die Pre Fall Collection ! Die Schmuckstuecke begeistern mich !

  • Siegmar
    4. Februar 2015 at 17:00

    „Ghesquière“ ich weiß nie ob es mir gefällt oder doch nicht. Der Artikel ist klasse und macht Lust auf einen Besuch in Paris.