Interieur

Mini Espace – Der Mann aus dem sechsten Stock

img075
Bild: Côte Paris „l’homme du 6e étage“; J.M.Palisse

Sylvain Marcoux und sein Jack Russel Terrier Nijinsky wohnen in einem der schönsten Pariser Stadtteile nahe dem Jardin du Luxembourg in der Rue d’Assas. Es gibt keinen Fahrstuhl der bis zur sechsten Etage mit den romantischen Gauben führt und die Wohnung ist auch nicht groß, aber sie hat einen unwiderstehlichen Charme.

Am Beginn des 20.Jahrhunderts waren in der Etage die sogenannten ‚Chambre du Bonne‘ gelegen – also die Dienstmädchen-Zimmer. Später legte man einige von ihnen zusammen und es entstanden in ganz Paris kleine Wohnungen, die den typischen französischen Flair haben. Man kann sehr stolz sein, wenn man an eine solche Wohnung kommt, denn in Paris ist es ähnlich wie in New York oder London – innerstädtischer Wohnraum wird immer knapper und unbezahlbarer. Ein Freund, der in New York lebt, sagte einmal zu mir: „In Manhattan fragt dich keiner wie groß deine Wohnung ist, jeder ist froh das er eine hat“.
Findet man zum Beispiel eine Arbeitsstelle in London, auch wenn sie gut bezahlt ist, sollte man darauf achten, dass die Mieten bei den Immobilienhändlern mit Wochenmieten ausgeschrieben sind – und die sind in der Regel so hoch wie in München oder Hamburg im Monat. Im Gegensatz zum Trend der 60er und 70er Jahre, als es die Devise „Raus aufs Land!“ gab, hat der Run auf die Ballungsgebiete und Großstädte begonnen, was die Immobilienpreise explodieren lässt.

Wohnzeitschriften, wie die französische AD oder auch House und Garden, widmen ganze Ausgaben den „Mini Espaces“ und Inneneinrichter, die sich auf der einenimg076 Seite mit großen Wohnungen und Häuser Projekten beschäftigen, haben mittlerweile ihre Liebe zu den kleinen Stadtwohnungen entdeckt. Es liegt sicherlich auch an der Nachfrage…
Sylvain Marcoux braucht so jemanden nicht, denn ursprünglich in Canada geboren, kam er als junger Mann nach Paris und blieb dort einfach hängen. Typisch für jemanden der aus Übersee in die Stadt kam, wollte er natürlich ‚pariserisch‘ wohnen und fand die kleine Wohnung in der Rue d’Assas.
Der sympathische Mann mit der prägnanten Wiedehopf Frisur war lange für die „Maison et Objet“, die bedeutendsten Inneneinrichter Messe, tätig, die diesen Januar wieder stattfindet. Jetzt kümmert er sich um die Public Relation der Möbel Firma Vitra in Frankreich.
img077img078
Bilder: Côte Paris „l’homme du 6e étage“; J.M.Palisse

Sein Mix- und Match-Stil ist gewachsen und setzt sich aus verschiedenen Klassikern, Flohmarktfunden und seiner Sammelleidenschaft von Zeichnungen und Keramik zusammen. Im Sommer werden einfach Stühle aufs Dach gestellt. Für Nijinsky sind es nur wenige Meter zum Jardin du Luxembourg und irgendwie haben die Beiden sich ihr kleines Paradies geschaffen. Mir gefielen die Bilder in der französischen Côte Paris Strecke „l’homme du 6e étage“ so gut und brachten mich auf die Idee, euch in lockerer Reihenfolge immer mal wieder kleine, besonders schöne Wohnungen zu zeigen, denn wir wohnen ja auch nicht alle in Palästen oder 450 Quadratmeter großen Altbauwohnungen oder Penthäusern. Als Ausgleich gibt es natürlich auch mal in unseren Interieur Berichten große Projekte, aber es liegt ja bekanntlicherweise die Kunst im Kleinen gut zu sein, denn groß kann ja jeder.

Sylvain sieht ja das Große auch immer, denn von seinem Fenster kann man über ganz Paris gucken…

Alle Bilder: Côte Paris “l’homme du 6e étage”; J.M.Palisse

  • Siegmar
    11. Januar 2013 at 11:41

    Lieber Peter,
    eine schöne Idee hin und wieder kleinere Wohnungen vorzustellen. Wie Du richtig bemerkst, wohnen die meisten eben nicht in Stadthäusern od. Gründerzeitwohnungen ( ich schon, wurde aber geteilt somit auf ein ganz normales Maß gebracht mit einem wunderschönen Berliner Kachelofen von 1896 🙂 Natürlich ist die Wohnung toll und die Nähe zum “ jardin du Luxembourg ebenfalls und sein Job bei Vitra würde mir gefallen.

  • Volker
    11. Januar 2013 at 12:13

    Schöner Einblick, der „Balkon“ ist gewöhnungsbedürftig und in Deutschland vermutlich nicht genehmigt 😉

  • marco
    11. Januar 2013 at 12:58

    ja, peter, ich kenne das. 38 qm im vierten stock ohne aufzug.
    in paris habe ich gelernt, über cm nachzudenken, wenn es
    ums einrichten geht.
    und mit den 38 qm schäme ich mich vor freunden, denn die
    haben oft nur die hälfte.
    ;*)

  • Daisydora
    11. Januar 2013 at 13:27

    Alleinstehend würde mir das vollkommen reichen … die Wohnung ist sehr einladend und bei der Vorstellung, so und in dieser Lage zu wohnen, überkommt mich angenehme Wehmut …

    Wie immer eine sehr schöne Idee von dir Peter, uns mit kleinen aber besonderen Wohnu8ngen zu überraschen 🙂