So sehen sie also aus, die Bohemian Boys, als modische Pioniere des kommenden Winters, mit ihren chic kurz verknoteten Seiden-Foulards über dem Trenchcoat oder dem Pulli … oder gleich über dem weit offen getragenen Seidenhemd, das mit Londoner Straßenkarten-Prints sehr effektvoll dekoriert wurde. Langeweile sieht anders aus, obwohl unter den 46 Looks eine sehr große Zahl an für Burberry typischen Klassikern wie Trenchcoats, wärmeren Mänteln mit und ohne Dessins und an nicht mehr eng sondern mäßig weit geschnittenen und mit Bundfalten versehenen Hosen, gezeigt wurden.
Bei den Preisen für die Mäntel und Jacken darf man sich ja nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber da folgte ein Bestseller auf den anderen. Dass sich selbst meine traditionelle Best-Of-Auswahl aus der Runway Show auf nicht weniger als 26 Looks summierte, seht ihr ja. Und das liegt an der guten Arbeit, auch wenn mancher sich Burberry Prorsum viel wilder und stilistisch gewagter wünschen mag …
Schon in der Intro oder Overtüre zum Livestream konnte man an den Impressionen des Handwerks beim Malen auf Leder und dem Entwurf des Key Visuals, einem Eichenblatt, sehen, dass es Bailey um eine junge und originelle Variante der traditionellen Burberry Klassiker geht. Denn, man will und muss bei Luxuslabels dieser Größenordnung, in jeder Saison gut verkaufen.
Und das geht eben nur dann, wenn Männer gut in den Sachen aussehen und ihre Prorsum-Teile länger als eine Saison Freude machen … so wie die von mir höchstpersönlich gezählten 20 relativ klassischen Burberry Trenchs und Burberry Wintermäntel, in Petrol, Braun, Königsblau, Flaschengrün, Grau, Preussischblau, Schwarz, Beige und so weiter, die durch das frische Styling, die Tücher und Blankets, die tollen langen Schals, die innen getragen wurden und leger-elegant unten aus dem Mantelsaum hervorlugen, die aktuelle Saison zu erkennen geben.
Aber auch für Liebhaber ganz besonderer Mäntel mit viel Allure ist einiges dabei: die längsgestreiften seidenen Mäntel, deren breite Streifen in so dunklen Beeren- und Blautönen gehalten sind, dass man schon wieder von Klassik reden kann. Ganz fabelhaft auch, die schwarzen Blenden und Kragen. Man muss nicht als bunter Hund durch die Straßen laufen, um mit seiner Kleidung bewundernde Blicke auf sich zu ziehen und Christopherr Bailey ist nun mal niemand, der in absurde Ideen flüchten muss … man präsentierte die Prorsum Winterkollektion zwar wieder in Londons Kensington Garden’s, ist aber nicht Teil des aufgesetzt kreativen und hippen Fashion-Showbusiness, das sich während der drei Tage der London Fashion Week in einigen der über fünfzig Kollektions-Schauen von seiner buntesten und schwer verkäuflichsten Seite gezeigt hat. Eine Kollektion wie Burberry Prorsum ist keine Spielwiese für verrückte Ideen, die mit dem Weg der Magazine zum Altpapier wieder verglimmen …
Die Highlights, wo soll ich da beginnen: ganz sicher der rote Trench mit weiß-schwarzen Motiven, gleich auf dem ersten Bild … sehr schön gestylt, übrigens – das muss man erst mal bringen, eine relativ klassische, auf jeden Fall sehr solide und hochwertige Winterkollektion mit Netztanks ohne Pullis oder unter den Hemden zu zeigen. Alleine darin liegt so viel Esprit und Witz, ich würde wetten, so was fällt einem eben nur dann ein, wenn man nicht qualvoll um Originalität bemüht sein muss.
Das Motto der Kollektion, A PAINTERLY JOURNEY, Christopher Baileysw Entdeckungsreise in den künstlerischen Kosmos von Ben Nicholson, Christopher Wood, Lucian Freud und Duncan Grant, schlägt sich immer wieder in Details und wertigen Elementen, wie den bemalten großen Taschen, einem Mantel mit abstrakter Kunst Print und mehr nieder. Das Ergebnis sieht bei aller Farbigkeit so selbstsicher männlich, so frisch, sexy und elegant aus, dass man jedem netten Mann so ein Outfit wünscht.
Zum Beispiel den Mantel, ein Hemd und einen Schal mit stilisierten Anemonen, in Petrol, Blau, Grau und irgendwas, da könnte ich mich als Mann mal wieder nicht entscheiden, so viele Optionen bietet diese Kollektion. Und naturgemäß ist es unübersehbar, dass auch die Marketingcracks wieder ihre ambitioniertenj Fantasien für hinzuzugewinnende Marktanteile eingebracht haben: die luxuriösen Blankets, die seidenen Foulards, die vielen langen Schals, immer mehr wunderbare Taschen, da klingelt die Kasse in hellsten Glockentönen in jedem Flagshipstore.
Und die Hemden dürften bei Burberry Fans im kommenden Winter auch wieder stärker ins Geld gehen – ich rechne da fest damit. Die wunderbaren Muster und Farbkombinationen der Eichblatt-Reihe und dann dieses Seidenhemd mit Stadtplan-Print, da greift man gerne zu, wenn das Geld für das Herzchenshirt der vorigen Saison letztlich doch im Portemonnaie geblieben sein sollte ….
A pro pos Details und Materialien: federleichte Seidenstoffe, handbemaltes Leder und Rauleder, darauf die London Map, Kaschmir-Fisherman’s-Pullis, Lammfell- und Rauleder-Kombinationen, auch in Patchwork-Verarbeitung, gebürstetes Langhaar-Mohair, Doubleface-Kaschmir, Microtweeds, gute britische Wolle, Woll- und Kaschmir-Blankets, Schottische Jacquards …. und natürlich die längsgestreifte Mantelseide … alles in den wohltemperierten und optimistischen Farben Charcoal-Grau, Steingrau, Tintenblau, Flaschengrün, Bitterschokolade (für diese Farbbezievhung alleine gibt es eine 1+!!), Camel, Schwarz, Dark Plum, ein leuchtendes Navy, Honiggelb, Bordeaux, Kornblume in Gelb und ein dunkles Mandarinenorange. Allesamt sehr eloquent kombiniert, wie man das von Bailey und seinem Team kennt.
Auch die Accessoires werden es dem einen oder anderen unter uns schwer machen, nicht zuzugreifen … so ein bemaltes Foulard oder gleich die St Ives Bag, mit ihrem abstrakten, von Hand gemalten Dessins oder sagt man da besser schon – Bildern? Und ganz sicher habt ihr schon alle bemerkt, dass die ethnisch inspirierten (insgesamt 31 Modelle) Taschen, die Schals und die Decken, die im Finale der Schau noch mal in den Fokus gerückt wurden, es auch jedem Burberry-Mann schwer machen dürften, den nächsten Winter ohne Bailey-Tote und -Decke zu bleiben ….
Nachdem auch diesmal wieder direkt nach der Schau geordert werden durfte, geliefert wird innerhalb von zirka 9 Wochen, es gibt fast alles auch personalisiert … und Orders können noch bis insgesamt 22. Januar erfolgen, ist da wahrscheinlich schon einiges auf dem Weg.
Aber bevor ihr bestellt, schaut lieber noch mal hier rein. Ich habe die Schau mittlerweile sechsmal gesehen und weiß nun gar nicht mehr, wofür ich mich entscheiden würde, so viel gefällt mir da, aber ich bin ja kein Mann …
Guckt einfach mal oder noch mal, wenn ihr mögt …
Darauf, dass Burberry auch digital ganz vorne in der ersten Reihe und absolut innovativ agiert, hatten wir schon mal hingewiesen … aber der geschätzte Kollege, Jerôme, bei Modepilot, hat sich des Themas „Burberry, ein digitaler Pionier“, sehr ausführlich angenommen.
Mir bleibt dann nur noch das Fazit: Gelungen wie immer, das wollen Kunden kaufen und ich bin jetzt schon ganz sicher, dass auch nach dem Abgang von Angela Ahrendts und der Übernahme des Vorstands durch Christopher Bailey, die Konzernbilanz solide weiter Richtung aufwärts zeigt. Bailey hat eben Burberry im Blut und beleibt auch als CEO-CCO einer unserer großen Horstson-Lieblinge!
Well done!, oder, was sagt ihr zur Kollektion, liebe LeserInnen?








