Unter der Überschrift Armin Morbach: Ich bin veganes Frischfleisch erfahren wir im Zeitgeistmagazin, dass der Vorzeige-Visagist und Hairstylist der Bundesrepublik sich als Neu-Veganer outet. Die Tierrechtsorganisation Peta ließ bitten und Armin Morbach macht sich obenrum frei, um in der Rolle des Homo-Humanus für vegane Lebensweise zu werben. So weit, so gut.
Wenn ein prominenter Missionar als Überzeugungstäter für die an sich gute Sache wirbt, riskiere ich sinnbildlich gesprochen gerne noch einen zweiten Blick.
Und wenn ich mich da nicht irre, bedeutet Veganismus auch den Verzicht auf alle Erzeugnisse tierischer Herkunft. Verboten sind neben Fleisch, Fisch, Eiern, Milchprodukten, etc. nicht nur Honig, Wolle und Leder, sondern auch Kosmetika und Make-Up-Produkte, in denen tierische Erzeugnisse verwendet wurden. Kurz zusammengefasst bedeute das: Beinahe alles, das gut und teuer ist und von Menschen wie uns benutzt wird. Und Fachleuten wie Armin Morbach bleibt schon aus rein beruflichen Gründen nichts anderes übrig, als tief in ebendiese Töpfe zu greifen. Oder?
Liebe Peta-Aktivisten – habe ich da etwas verschlafen?
Kann ein so guter und vielbeschäftigter Visagist, mit eigenem Beauty-Lifestyle-Magazin (Armin Morbach ist Mr. TUSH) und eigener Künstler- bzw. Stylisten-Agentur ohne Pinsel mit Tierhaaren und sonstige Errungenschaften der Kosmetik, allesamt unter Beteiligung tierischer Rohstoffe hergestellt, seinen Job erfolgreich weiter führen? Verzichtet der Peta-Akteur konsequent auf Luxusparfums mit natürlichen Rohstoffen? Auf Düfte, in denen die Fixateure Amber, Zibet und Moschus Verwendung finden, um nur drei der unverzichtbaren Essenzen aus dem Tierreich zu nennen.
Wir von Horstson sind ja schnell und gerne dafür zu haben, wenn Verzicht und bewusster Konsum zu einer besseren und gerechteren Welt führen. Aber müssen wir uns dabei, verantwortungsbewusste Konsumenten zu sein, wirklich in die eigene Tasche lügen?
Mir ist es lieber, jemand hat insgesamt eine halbwegs vertretbare Ökobilanz, als das Herauspicken einzelner Verzichtsbereiche plakativ vor sich herzutragen. Und da mag es Menschen geben, die Fisch, Fleisch und andere tierische Erzeugnisse vernünftig hergestellt und in Maßen konsumieren und dennoch am Ende die bessere Gutmenschen-Bilanz erzielen, als der eine oder andere Peta-Aktivist.
Aber hier erst mal der Film zum Bekenntnis
Selektiver Veganismusmus, als freie Entscheidung, auf einige Nahrungsmittel zu verzichten, kann für den einen oder anderen eine gute Entscheidung sein. Warum nicht. Den konsequenten Verzicht auf alles, das Veganismus als Lebensform streng genommen mit einschließt, nehme ich dem Hunde- und Tierfreund Armin Morbach wie vielen anderen Veganern nicht ab.
Was sagt ihr dazu, liebe LeserInnen?
Bin ich zu streng mit Peta und Armin Morbach? Oder will man uns hier durch die doppelte Hintertür ein schlechtes Gewissen machen, weil die Peta-Schwächlinge unter uns (ich bin mit dabei) fallweise beherzt in ein Steak vom Bio-Rind beißen und ihren Latte Macchiato nicht mit Sojamilch aus Gen-manipulierten Sojabohnen anreichern, sondern mit Biomilch von Andechser?
Einen schöne Kolumne hat die SPON-Autorin Silke Burmester zum Thema verfasst: Warnung an Veganer: Die Bahn bremst auf Schweinen