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peterkempe

Damenmode Paris Fashion Week

Chanel Herbst/Winter 2016-17 – Front Row Only

Bild: Chanel

Am Dienstag wurde das Grand Palais in Paris in einen riesigen Couturesalon verwandelt – inklusive 2.500 goldener Stühlen, wie sie seit 100 Jahren in jedem dieser Salons zu finden sind. Aber wurde nicht irgendein Fashionhouse nachgebaut, sondern der Salon von Chanel in der Rue Cambon vor dem Umbau im Jahr 2000, nur eben viel größer. Genau so zeigte zu dieser Zeit Chanel die Kollektionen, damit die Kundinnen die Stoffe und Modelle gut erkennen können. Alle Gäste saßen „Front Row“ und genau dieser Gedanke war die Grundidee von Karl Lagerfeld für die Kollektion Winter 2016/17.
Dabei handelt es sich um eine Prêt-à-porter-Kollektion, die aber, wie sollte es bei Chanel schon anders sein, vor extra gewebten Stoffen und raffiniertestem Handwerk strotze, das es schon eh einer Métiers d’Art-Schau gleichkam …

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Damenmode

Dries van Noten Herbst/Winter 2016 – Die Liebe der Marchesa Casati

Bild: Courtesy of Dries Van Noten

Was gibt es Schöneres, als Mode, die voller Inspirationen steckt. Mode, die uns in eine Welt entführt und zu dem noch voller Überraschungen steckt? Wenn so etwas ein Könner wie Dries van Noten zeigt, kann nur das herauskommen, was er in Paris präsentiert hat: Eine seiner besten und ausgereiftesten Kollektionen der letzten Jahre. Das Drehbuch dazu hätte für einen großen Spielfilm gereicht, denn Van Noten tauchte für seine hochmoderne Kollektion tief und umfassend in die Geschichte von vor fast genau hundert Jahren ein.

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Paris Fashion Week

Paris Openings: Hermès Autumn-Winter 2016 im Livestream

Am Montag, 07. März 2016 um 16.30 Uhr, präsentiert Nadège Vanhée-Cybulski ihre Autumn/Winter-Kollektion für Hermès. Die Schau ist schon die zweite Winterkollektion der Französin, die vorher bei „The Row“ arbeitete.
Vanhée-Cybulski ist eine Designerin, die für ihre puristischen Entwürfe die Ateliers und die raffinierten Materialien, für die das Haus weltberühmt ist, nutzt. Ihre Linie ist klar und wendet sich an eine Frau, die modische Experimente der leisen Art und Eleganz mit schlichter Aussage bevorzugt.

Wir lassen uns überraschen, was Nadège Vanhée-Cybulski am Montag zeigt – sicherlich gibt es auch wieder die Blusen, für die die Designerin bereits legendär ist. Hemden, die wirken, wie aus den Schränken des Freundes geklaut – eben lässig und ein Must-have der Parisienne …

Milan Fashion Week

PRADA Herbst/Winter 2016-2017 – Die Facetten einer Frau

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Bild: PRADA

Miuccia Prada wollte mit ihrer Präsentation, die an die Herrenschau vom Januar anknüpfte und die ebenso Artworks des in Berliner Künstlers Christophe Chemin aufgriff, die vielen Facetten einer ausdrücken. Vielleicht wollte die Designerin auch ein bisschen die Geschichte ihres eigenen Lebens reflektieren – ein Gedanke, der spätestens dann in den Sinn kommt, wenn man sich die Abfolge der Modelle aufmerksam ansieht.
Die moderne Nomadin und Weltbürgerin greift aus der Sicht von Miuccia Prada gerne zu Lagenlooks und, wie könnte es in dieser Saison auch anders sein, zu Kombis, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen …

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Allgemein

It’s Milano Babe – Rhizomatic Scores by Alessandro Michele

FW16 LONDON FASHION WEEK
Bild: Courtesy of Gucci

Letzte Woche gab François-Henri Pinault, CEO von Kering, die Ergebnisse der französischen Markenholding bekannt und lobte, dass Gucci auf einem guten Weg ist. Die Ergebnisse haben sich verbessert und das Potential von Gucci sei immens. Das ist für einen Wirtschaftsboss schon sehr viel, denn meistens bedeutet schweigen schon ein Lob. Also gute Aussichten für den Mann, der aus einer ganz anderen Welt kommt, nämlich einer Welt der intelligenten Kreativität und der Energie, mit seinen Visionen die komplette Marke umzudrehen: Alessandro Michele.
Und so war es auch Michele, der mit der Herbst/Winter-Kollektion 2016 den Auftakt für die Mailänder Schauen machte.

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Allgemein

Inside Chanel – Das Vokabular der Mode



Während viele Marken mit Identifikationsproblemen kämpfen und versuchen, eine eigene Linie zu finden und trotz kurzfristig gesteckter Ziele von Aktionären und Shareholdergruppen über Jahrzehnte erfolgreich zu bleiben, scheint ein Modehaus davon unberührt zu sein: Chanel. 
Das Haus agiert seit mehr als hundert Jahren – nur mit einer Unterbrechung von 1939 bis 1953 – und hat mit Coco Chanel, ab 1983 dann mit Karl Lagerfeld, nicht nur einen Stil kreiert, sondern auch eine Art Baukasten, der wie ein Memoryspiel mit vielen Karten in mittlerweile acht Kollektionen Saison für Saison neu gespielt wird.

Jedes Teil, ist es auch noch so klein, enthält immer mehrere dieser Karten, sodass es immer hundertprozentig Chanel entspricht. Obwohl es so einfach wirkt, scheint es für andere Marken unmöglich, dieses Prinzip – auch wenn sie es verstanden haben – zu kopieren.

Die Codes von Chanel scheinen nur in der Rue Cambon zu funktionieren. Dabei macht das Haus überhaupt kein Geheimnis aus den benötigten Zutaten.
 Im Gegenteil: Jede Kollektion wird genau erklärt und selbst Menschen, die sich in keinerlei Hinsicht für Mode interessieren, sind fasziniert von den „Behind the scenes“-Videos aus den Ateliers und können den Aufwand und die Fertigkeiten, die zur Entstehung einer Kollektion führen, kaum fassen. Als Beispiel sei die letzte Haute-Couture-Kollektion genannt, die von Karl Lagerfeld erst Weihnachten gezeichnet und Ende Januar präsentiert wurde. In den dazugehörigen Videos sieht man dann, wie einzelne Blütenblätter per Hand eingefärbt oder Sägespäne zu Stickereien verwandelt werden. Bienen werden aus kleinen Federn gepatcht und aufgestickt. In der Métiers d’Art-Kollektion „Paris in Rom“ wurden kleine Satinbänder in Farfalle-Form zu Allover-Stickereien verwandelt. Kein Aufwand scheint zu groß, keine Technik zu kompliziert.

In der mittlerweile fünfzehnteiligen „Inside Chanel“-Serie, die chronologisch die Geschichte des Hauses, das Leben von Mademoiselle Chanel, das Werk Karl Lagerfelds und die Haute Couture erklären, wird klar, mit welchem Aufwand aber auch mit welcher Stringenz in Paris gearbeitet wird.
Alles ist begründbar, leitet sich von einer Lebensstation oder einer Inspiration von Coco Chanel ab. Karl Lagerfeld fügte seine eigenen Codes hinzu, die aber mittlerweile so sind, dass man gar nicht mehr sagen könnte, ob sie nicht vielleicht doch von Mademoiselle wären. Was auf einen flüchtigen Blick fast altertümlich wirkt, wie die 30 verschiedenen Maße, die für eine Anfertigung einer Jacke an der Kundin genommen werden müssen, erlebt bei genauerem Blick eine Renaissance sondergleichen. All das, was wie aus einer anderen Zeit wirkt, steht heute für den wahren Luxus. Die Couture ist der einzige Weg, sich noch von sofort verfügbarer Masse zu unterscheiden. Das Coutureatellier boomt wie nie – der Grund liegt auf der Hand: Die Menschen, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, wollen mit dem Geld gleichzeitig etwas ‚Exklusivität‘ erlangen. Das Ritual der Anproben, also der Entstehungsprozess, ist der Mehrwert, der eine Beziehung zu dem Kleidungsstück aufbaut und gerne bezahlt wird. Die meisten Couturestücke bleiben lebenslang bei ihren Besitzern oder landen als Zuwendung in den Modesammlungen von Museen. Die Nachhaltigkeit bei Couture ist eben sagenhaft …



Fast alle Modelle aus 100 Jahren Chanel sind in privaten oder öffentlichen Sammlungen nachweisbar. Auch die Prêt-à-porter-Modelle und die Accessoires verbleiben fast immer in den Kleiderschränken und werden nicht aussortiert. Ein Blick auf Vestiaire Collective oder die zahlreichen Vintage-Auktionen bei Artcurial genügt und man sieht, was gut gepflegt und in tadellosem Zustand durchgängig aus jeder Schaffensperiode bewahrt wurde. Fast hat man das Gefühl, das Kollektionsteile von Chanel mit einer Art Respekt behandelt werden, der sich aus seiner Zeitlosigkeit und Herkunft ableitet. 
Wird etwas weggegeben, dann erzielt es meist den Preis, den es einmal gekostet hat. Manchmal aber auch wesentlich mehr …



Ein Mirakel, das sich durch den Wert erklärt – und zwar nicht den monetären, sondern den Wert, für den die Codes fast wie Gesetze stehen. Genau diese Codes erklärt das neueste Video aus der „Inside Chanel“-Reihe. Die Codes des Hauses, wie die Tasche (die sich aus der Soldatentasche des ersten Weltkrieges ableitet), der Tweed, die Perlen, das kleine Schwarze und die Nummer 5, haben alle eine Signalwirkung. Sie geben der Trägerin die Sicherheit, Geschmack zu besitzen und sich nicht zu irren. Obwohl der Chanel-Stil weiblich ist, sind die Codes streng, pur und einfach. Nur die Ausführung ist extrem aufwendig und von perfekter Qualität und Handwerk. Es gehört zu den Grundsätzen des Hauses, „die Schlichtheit bemerkenswert zu machen“.


Etwas, was einfach erscheint, ist kompliziert und aufwendig – der Franzose nennt es ‚raffiniert‘. Das ist genau das, was die Ausstrahlung und das ungeheure Begehren der Dinge auslöst. Die Codes sind einfach und stehen fest, aber die Ausführung macht sie modern und die Arbeit dahinter unvergleichbar und unkopierbar. Die Filme erklären die Details – die der Kunde und wir sonst nie sehen würden – und grenzen auch die Marke klar ab. Keine Firma erklärt so viel und lässt sich gleichzeitig so viel hinter die Kulissen schauen. Chanel baut komplett auf das Handwerk auf. Deswegen auch die Paraffection-Ateliers, weil das „System Chanel“ nicht darauf verzichten kann.



Der Aufwand zahlt sich aus: 30 Couture-Kundinnen kommen Saison für Saison dazu. Die Couture, von vielen als Imageträger belächelt, ist eine gewinnbringende Abteilung bei Chanel und an den Tagen nach der Schau werden riesige Umsätze mit den Orders der Kunden gemacht. Es ist der Bereich in der Textilkette, der schon tausendmal totgesagt wurde und heute, wo alles erhältlich ist, eine beispiellose Renaissance erlebt.
Bemerkenswert auch, und das kommt in den Videos auch ganz klar raus, dass die Couture ein Handwerk repräsentiert, das einer der Exportschlager von Paris ist und das man ausschließlich mit Paris verbindet. Es ist ein Stück europäische Kultur, die auch nur dort gemacht werden kann. 

Wer sie noch nicht gesehen hat, die „Inside Chanel“-Videos sind unter Inside.Chanel.com abrufbar und die beiden neuesten könnt ihr im Anschluss gleich anschauen …

Beauty

Die Farbe des Duftes – Guerlain Faubourg Saint-Honoré

Bild: Courtesy of Guerlain
Guerlain Rue du Faubourg Saint-Honoré Paris_0016
Bild: Courtesy of Guerlain

„Excellence in the details is where true elegance lies“ ist das Motto, das sich Guerlain auf die Fahne geschrieben hat, als sich das Unternehmen über die neue Boutique an der Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris nachdachte. Aber wer denkt, dass es einfach ein neuer Laden der Firma ist, die wie keine andere für Düfte steht, hat sich geschnitten …
Letzte Woche habe ich mich fast in einer Welt verloren, die tief in die Kunst der Parfümeure eintaucht und die einen hinter die Kulissen eines der geheimnisvollsten Schöpfungsprozesse mitnimmt. Parfums sind wie Träume. Manchmal verfällt man ihnen, weil man sie so gerne riechen mag und sie einen an etwas erinnern oder weil man einfach seinen lebenslangen Lieblingsduft findet. Bei Guerlain sind es gleich mehrere Düfte, zwischen denen ich mich schwer entscheiden kann. Sie werden einem nie langweilig und entwickeln sich fast zu einer Sucht.

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Männermode

Dries Van Noten Herbst/Winter 2016 – Palais Garnier Paris

Bild: Courtesy of Dries Van Noten

Es gibt wohl nichts Schöneres, als sich einen Traum zu verwirklichen. Einer, der sehr gut träumen kann, ist Dries Van Noten. Der belgische Modeschöpfer, der nach wie vor nur zwei Kollektionen im Jahr zeigt und noch Eigentümer seines eigenen Modehauses ist, wollte schon immer einmal seine Kollektion in der Pariser Oper präsentieren. Das Haus, das von dem Napoleon III.-Baumeister und Architekten Charles Garnier errichtet wurde und mit dem traumhaften Deckengemälde von Marc Chagall sicherlich zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt gehört, steht allerdings sehr selten für Events zur Verfügung. Nach langen Jahren wurde nun im Januar Van Notens Traum wahr und seine Männerkollektion für Herbst/Winter 2016 konnte in einer beispiellosen Atmosphäre präsentiert werden.

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Männermode

PRADA Herbst/Winter 2016 – Querelle meets Contemporary Art

Bild: Courtesy of PRADA

In einer Art Labyrinth aus hölzernen Treppen und Plattformen, das an eine Mischung aus Shakespeare-Theater des 16. Jahrhunderts und „M.C. Escher“-Labyrinth erinnerte, präsentierte PRADA im Januar die Herbst/Winter-Kollektion. Wie immer zeigte das Haus parallel einige Entwürfe für Frauen. Die Hauptkollektion für Frauen wird dann aber erst im März präsentiert. Vielleicht ändert sich diese Abfolge ja in absehbarer Zeit: Nachdem Burberry, Tom Ford und Paul Smith die Schauen zusammenzulegen, wird sicherlich in jedem Haus über diesen Schritt nachgedacht. „Abwarten und Tee trinken“, wie meine Großmutter gesagt hätte.
Dass es aber einen Umbruch in der gesamten Fashionwelt geben wird, zeichnet sich immer deutlicher ab – die Kostenschraube für die vielen Kollektionen und Schauen zieht sich eben immer enger zu. Doch PRADA war und ist immer einer der Vorreiter, wenn es darum geht, eine feine Nase für Entwicklungen zu haben …

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Männermode

Closed for United Arrows – Die neue Chino Dimension

Bild: Closed

Hirofumi Kurino vom japanischen Label und Retailer „United Arrows“ ist ein besonderer Mann. Er ist ein Musikliebhaber, ein Individualist, ein Intellektueller und ein Mensch, der stets positiv denkt. Diese Eigenschaften kommen einem schon „typisch japanisch“ vor, hinzu kommen die Ruhe und die Ausstrahlung, die ihn seit über 25 Jahren immer wieder auf eigene Ideen in der Mode bringen. Er ist Perfektionist und liebt nicht nur die Vollkommenheit von Produkten, sondern weiß in seinem Enthusiasmus die Qualität zu perfektionieren. Kurino entspricht also genau unserer Vorstellung von einem fernöstlichen Zenmeister. Die Innovation, ohne sie zeitlich über das Knie zu brechen und die Gabe, auf den Moment zu warten, der nicht zu früh und nicht zu spät ist, ist auch eine Eigenschaft, die Japaner besser beherrschen als Europäer.
Dieser besondere Mann beschloss im letzten Jahr, mit einem europäischen Partner eine Capsule Kollektion von Chinos zu entwickeln, den er als gleichwertiges Pendant in seinem Gebiet sieht: Closed.

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