Milan Fashion Week

PRADA Herbst/Winter 2016-2017 – Die Facetten einer Frau

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Bild: PRADA

Miuccia Prada wollte mit ihrer Präsentation, die an die Herrenschau vom Januar anknüpfte und die ebenso Artworks des in Berliner Künstlers Christophe Chemin aufgriff, die vielen Facetten einer ausdrücken. Vielleicht wollte die Designerin auch ein bisschen die Geschichte ihres eigenen Lebens reflektieren – ein Gedanke, der spätestens dann in den Sinn kommt, wenn man sich die Abfolge der Modelle aufmerksam ansieht.
Die moderne Nomadin und Weltbürgerin greift aus der Sicht von Miuccia Prada gerne zu Lagenlooks und, wie könnte es in dieser Saison auch anders sein, zu Kombis, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen …
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Bilder: PRADA

Wie in vielen Kollektionen wird das Zusammenspiel von Vintage und Neuem mit der für PRADA typischen Handschrift übersetzt – allerdings in einem sehr eigenen Farbspiel, das eher auf die leisen Töne setzt und mit viel Schwarz und Braunnuancen spielt. Dazu werden die energischen Artworks von Chemin und altbekannte PRADA-Muster wie der Philodendron oder die Landschaftsdrucke auf Brokat oder in akzentuierenden Farbspielen umgesetzt.
Wickelkleider, die an Überwürfe und drapierte Schürzen erinnern, unter gegürteten Mänteln, darauf die Kappen gesetzt, die auch schon in der Herrenkollektion zu sehen waren und die Rainer Werner Fassbinders „Querelle“ zitieren. Taschen haben bei PRADA in der Herbst/Winter-Kollektion Applikationen, die an Souvenirs und kleine Erinnerungsstücke oder Talismane erinnern – auch Miuccia weiß, dass Anker immer gehen …
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Bilder: PRADA
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Bilder: PRADA

Kleider im Stil der Fifties und des Neorealismus wirken mit großen Blumenmustern wie Vintage-Kleider, die dekonstruiert und wieder zusammengesetzt wurden. Aus „alt mach neu“ aber raffiniert mit symmetrischen Elementen versetzt – die PRADA-Items bekommen so einen Bogen von typischen Codes des Hauses mit einer künstlerisch neuen Verbindung. Oversize-Blazer und -Jacken wurden von Miuccia Prada mit großen Pelzärmeln versehen, darauf breite Stulpen gesetzt und zu Wollstrumpfhosen mit Karos oder Lingeriestrümpfen gestylt.
Bei den Schuhen wechseln weibliche und roughe Akzente ab. Die Highlights sind hier die geschnürten Stiefel wie bei Toulouse Lautrecs Cancan-Tänzerinnen oder mit Schnallen geschmückte Stiefelchen, Riemchensandalen in Lack mit Fesselriemen oder Boots, die an derbe Wanderstiefel erinnern.
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Bilder: PRADA
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Bilder: PRADA

Große Colliers, zusammengesetzt aus Schlüsseln und Schlössern wie vom Flohmarkt oder kleine abschließbare Bücher baumeln um den Hals. Wahrscheinlich wird darin doch das Geheimnis verschlossen, das dann die Damen noch etwas tiefgründiger macht als es die Kollektion zeigt. Midiröcke wechseln mit langen ausgestellten Modellen ab, über die Persianermäntel mit Stulpen genauso geworfen werden, wie praktisch anmutende Jacken, die aber durch ihre Trapezform alles andere als Wetterjacken darstellen. Ein bisschen Inspiration holte sich Miuccia Prada diesmal auch aus dem Zeitalter der Suffragetten, mit Redingote Mänteln mit Detailnähten und wunderschönen Kragenlösungen.
Zweifarbige Umhängetaschen, kleine Gürteltaschen, Miedergürtel: Die Feminität der Vergangenheit blitzt zwar überall als Detail auf, unterwirft sich aber den klaren Schnitten, die durch ihre üppigen Materialien und Muster einen völlig neuen Look bekommen.
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Bilder: PRADA

Die PRADA-Frau kann im nächsten Winter auf jedem Kontinent zu Hause sein und jedem Kulturkreis angehören. Sie ist nicht zu greifen und wirkt wie eine Reisende durch die Zeit. Sie hat eine feminine Seite, wirkt aber auch streng wie eine Beschließerin. Vielleicht entspricht es unserer Zeit, dass sie sich diesen verstörenden aber auch faszinierenden Look kreiert.
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Bild: PRADA

Miuccia Prada schafft es, ein neues Kapitel bei PRADA aufzuschlagen und ihren eigenen Stil weiterzuentwickeln. Dabei zeigt sie viel Weiblichkeit durch Verhüllung und durch das Nichtzeigen. Die PRADA-Frau ist intellektuell und steht eher auf eigenen Beinen – sie ist weiblich aber niemals sexy. Eine sehr eigenständige Kollektion, die sich lohnt, mehrmals angeschaut zu werden, denn sie gibt ihre Details nicht auf den ersten Blick frei. Genau wie eine Frau mit vielen Facetten …

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  • Siegmar
    2. März 2016 at 13:26

    ganz toll und ein toller Artikel, ich finde auch das man eine Weiterentwicklung sieht, ich bin nicht der Fan von Christophe Chemin, die Umsetzung bei Prada besonders in der Herrenkollektion ist klasse.

  • blomquist
    2. März 2016 at 14:22

    Die Kollektion ist so toll !

  • Karl
    3. März 2016 at 11:30

    Toller Artikel, geniale Kollektion, tragbar dennoch innovativ

  • Die Woche Auf Horstson – KW 09/2016 | Horstson
    6. März 2016 at 18:08

    […] Teich gewagt. Wir zeigen die Kollektion. 3) Die PRADA-Frau ist weiblich aber niemals sexy – sagt zumindest Peter. 4) 1499 und ein Unikat: Freitag kooperiert mit Sennheiser. Das Ergebnis ist sehr sehens- und […]