Männermode

Dries Van Noten Herbst/Winter 2016 – Palais Garnier Paris

Bild: Courtesy of Dries Van Noten

Es gibt wohl nichts Schöneres, als sich einen Traum zu verwirklichen. Einer, der sehr gut träumen kann, ist Dries Van Noten. Der belgische Modeschöpfer, der nach wie vor nur zwei Kollektionen im Jahr zeigt und noch Eigentümer seines eigenen Modehauses ist, wollte schon immer einmal seine Kollektion in der Pariser Oper präsentieren. Das Haus, das von dem Napoleon III.-Baumeister und Architekten Charles Garnier errichtet wurde und mit dem traumhaften Deckengemälde von Marc Chagall sicherlich zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt gehört, steht allerdings sehr selten für Events zur Verfügung. Nach langen Jahren wurde nun im Januar Van Notens Traum wahr und seine Männerkollektion für Herbst/Winter 2016 konnte in einer beispiellosen Atmosphäre präsentiert werden.
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Bild: Courtesy of Dries Van Noten

Dries Van Noten, der zu den Gründungsmitgliedern der Antwerpen Six gehört, hat praktisch die Eigenständigkeit der belgischen Designer aus der Taufe gehoben. Seine Handschrift unterscheidet sich grundlegend von anderen Designern. Häufig verbindet er modernes Design mit ethnischen Einflüssen und der Pracht der flandrischen Renaissance. Sehenswert war auch die Ausstellung im Pariser Musée d‘ Arts décoratifs, in der eindrucksvoll gezeigt wurde, dass Van Noten von der Zeit des Jugendstils, des Art déco, aber auch von Jahrhundertgenies wie Yves Saint Laurent beeinflusst wird.
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Bilder: Courtesy of Dries Van Noten

Dries Van Notens Damen- und Männerkollektionen stehen für selbstbewusste Träger, die aber auch künstlerische Seiten haben. Häufig verbindet der Designer, wie schon im letzten Winter, europäische Menswear mit den Formen und Handwerkstechniken von Nomadenvölkern Nord- und Zentralchinas. Seine Drucke und Stickereien bekommen durch das ungewohnte Kombinieren mit puren Materialien und Schnitten eine neue Gültigkeit. Dries Van Notens Kleidungsstücke wirken nie saisonal gebunden – egal wie auffällig sie sind. Sie sind immerwährend, tragbar und scheinen nie unmodern zu werden. Zieht man ein Teil aus den Neunzigern zu einem aus der aktuellen Kollektion an, funktioniert es brillant. Dieses Phänomen liegt daran, dass Dries Van Noten sich und seiner Handschrift treu geblieben ist und sich gleichzeitig immer mehr perfektioniert hat.
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Bilder: Courtesy of Dries Van Noten

Auch im nächsten Winter gibt es wahre Kunstwerke, anders kann man viele seiner Mäntel und Jacken nicht bezeichnen, für moderne Dandys zu entdecken. Jugendstil, in Belgien ‚Art Nouveau‘ genannt, mit seinen Mustern, die sich an der grafisch aufbereiteten Natur orientierten, Pfauenstickereien, Samt und Brokate werden mit schlichten Feldjacken und bequemen Hosen im Stil von Cary Grant kombiniert.
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Bilder: Courtesy of Dries Van Noten

Seidene Boxershorts über Long Johns mit Militärhemd, gekrönt mit einem karminroten „Dressinggown“. Doppelreihige Ulstermäntel bekommen durch Allovermuster und ‚curligem‘ Kragen aus Kunstpelz eine Verwandlung vom Klassiker zum Objekt der Begierde. Patchwork Blousons mit locker aufgelegten Pelzkragen zu Baggy Pants wirken wie zufällig kombiniert. Militaryparkas werden verkürzt, oder wie Fräcke verarbeitet – alles scheint ein neues Gesicht zu bekommen. Mandarin Sakkos zu schmalen Hosen mit Springerstiefeln in Edelversion. Dries Van Noten zeigt ein Feuerwerk an Ideen, das durch seinen Bogen zur Klassik wunderbar tragbar wird.
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Bilder: Courtesy of Dries Van Noten

Der klerikale große Dufflecoat oder diesmal besonders die Schuhe, wie Norweger Formen in gepatchtem Leder oder Military Boots mit Haferllaschen, gehören jetzt schon auf die Must-have-Liste für den kommenden Winter. Dries Van Notens Opulenz steht völlig eigenständig und lässt Männer wie Männer erscheinen. Sein Stil wirkt niemals kostümiert. Er ist ein Designer, der als Avantgardist startete und nicht nur seinen Platz behauptet. Sein – mit heutigen Augen gesehen – winziges Unternehmen ist sein Vorteil, denn sein Schiff fährt einen eigenen Kurs. Da er sein Handwerk perfekt beherrscht und ein Altmeister des Designs ist, wird das sein Kapital für die Zukunft sein.
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Bilder: Courtesy of Dries Van Noten

Unter der Kuppel des Palais Garnier ließ Dries die Männer träumen. Aber was auf der Bühne gut aussieht, hat bei ihm glücklicherweise die Berechtigung auf die Straße zu gehen und sich dort zu bewähren. Ein Highlight für die nächste Saison und eine der besten Kollektionen der Men’s Fashion Week in Paris.
Die Opera Garnier kann man übrigens besichtigen und es lohnt sich, beim nächsten Parisbesuch einen Abstecher zu machen …

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  • Markus
    22. Februar 2016 at 13:46

    the best, agree

  • Siegmar
    22. Februar 2016 at 14:07

    sehr schön, die Mode von Dries van Noten sowie der Artikel.