Als ich neulich „Exploitation“ im Büro gespielt habe bemerkte meine Kollegin, dass sich der Song ein wenig nach Kubrick Soundtrack anhören würde. Ich bin musikalisch in Bezug auf Kubrick ein regelrechter Nichtkenner aber hätte Róisín damals schon Musik gemacht, wäre das sicher interessant geworden.
Es ist in der Tat acht Jahre her seitdem „Overpowered“, Róisín Murphys letztes Album, erschienen ist. Auf dem Cover saß Miss Murphy in ein extravagantes Strickoutfit gehüllt mit Bommeln und Latexhandschuhen in einem Diner und schlürfte ganz lässig mit neckischem Blick einen Kaffee. Nun, einige Jahre später, steht Róisín Murphy auf ihrem Cover im roten Mantel und schaut mit einer Mischung aus prüfend bis skeptisch zu uns. Ist aus ihr ein scheues Reh geworden? Keine Sorge. Róisín ist immer noch Róisín. Aber während der Zeit in der sie vergleichsweise abwesend war, hat sie nicht nur ein italienisch sprachiges Album veröffentlicht, sondern auch zwei Kinder bekommen und somit ist jetzt auch mal Schluss mit Bommel auf dem und Flusen im Kopf.
„Hairless Toys“ startet mit „Gone Fishing“ als solider Einstieg mit wabernden und mysteriösen Elektrosounds. Das darauf folgende „Evil Eyes“ führt durch „Hocus Pocus“ zum eingangs erwähnten „Exploitation“, welches man in dieser knapp zehn minütigen Version eigentlich weniger als Song sondern vielmehr als Werk bezeichnen kann. Außerdem erinnert es an „Familiar Feeling“ von Molokos Album „Statues“, welches ein ebenfalls komplexes Intro hat. Dann bei „Exile“, beweist Miss Murphy, dass ihre Stimme auch für bedrückende Retro-Balladen gemacht ist („… Exiled … Banished from your love, I fear it’s a beautiful place, bit cold at night…“), bis dann bei „House of Glass“ wieder die alte Róisín da ist, die mit Bommeln am Tisch sitzt und ihren Kaffee schlürft.
