Schon knifflig, diese Entscheidungsfindung, wofür man knapp fünftausend Euro ausgeben sollte. Eigentlich geht es darum, ob dieser Preis auch für einen Anzug von der Stange gerechtfertigt ist. Der kommt zwar aus der Premium-Kollektion Purple Label von Ralph Lauren, ist aber nichts desto trotz noch immer von der Stange. Wobei man die vier edlen Prêt à porter Suits von Maßanzügen mit freiem Auge fast nicht mehr unterscheiden kann. Und auch ohne dieses Kriterium ist alles tadellos an den Dreiteilern. Die Schnitte sitzen wie von Coco selig‘s Schneiderinnen von Hand hinein genäht, die Stoffe sind vom Feinsten, Fassons und Verarbeitung können mit der Maßschneiderei gut mithalten. Aber man weiß es eben, dass der Anzug schon fertig war… und ganz gewiss kein Einzelstück ist…
Daisydora
Da ist sie ja, die schöne schmale schwarze Hose, die ich zu den passablen und schönen Oberteilen in des Meisters Jil Sander Kollektion vermisste. Raf Simons Kollektion unter eigenem Namen beginnt und endet für mich bei dieser Hose und einigen schönen Sakkos und klassischen Mänteln. Ansonsten dominiert schwer Verständliches diese überwiegend schwarze Kollektion mit vielen karierten und leider auch blumigen Akzenten.
Wäre ich ein Mann von zirka zwanzig Jahren und wollte zum ersten Mal Streetwear von einem coolen Designer kaufen, meine Wahl würde im kommenden Frühjahr ganz bestimmt auf Klamotten aus der Kollektion von Philip Lim 3.1 fallen. Der hat verstanden, worauf es dabei ankommt: Nicht aussehen wie alle Anderen.
Individualität und modische Attitude ohne vordergründigen Jesetkram oder das, was Großstadtjungs tragen, die wollen, dass man ihr Outfit auf den ersten Blick einem Designer zuordnen kann. Alles muss entspannter und cooler wirken. Eng sitzendes ist nicht angesagt, man will ja nicht gleich zum Mode-Zwängler mutieren. Auch überflüssig: Schrille und bunte Farben. Die hat man schließlich schon von einigen Streetwear-Labels im Schrank.
Das wird den von Daisy geschätzten Bruder Paul riesig freuen, den obersten Häuptling aller Kapuzinermönche: Niemand geringerer als Rick Owens höchstpersönlich hat sich drum gekümmert, dass es endlich auch modische Kutten gibt. Da werden Anne Will und ihre Gäste aber gucken.
Das allerbeste daran, auch Männer, die ihr Gelübde aus höchst privaten Gründen noch hinauszögern wollen, können sich ab dem kommenden Frühling schon mal an ihre neue bodenlange Tracht gewöhnen. Wer redet bei so viel großem Theater noch von Tragbarkeit, frühsommerlichen Temperaturen und Stückzahlen, die man als Order bekommen will…
Es sind die Männer, die so schön bleiben wollen, wie sie sind, die Designerin Véronique Nichanian im Blick gehabt haben dürfte, als sie die Kollektion für das kommende Frühjahr geschaffen hat. So oft ich die ganze Kollektion von vorne nach hinten und wieder zurück gesichtet habe, ich konnte nichts finden, das keinen Sinn macht oder auch nur in Ansätzen untragbar wäre.
Es ist eine grundsolide Kollektion aus schönen und edlen Basics und besonderen Stücken aus teuren Ledern, wie man das von den luxusaffinen Sattlern aus der Rue du Faubourg Saint-Honoré auch erwarten kann. Der Hermès Mann will gut gekleidet sein, um gut auszusehen und hat das beim Kauf neuer Stücke immer im Blick.
Der neue Mens Style Director ist da: Kim Jones. Man durfte also noch etwas mehr gespannt sein auf diese Kollektion. Es war nicht schwer für mich, binnen der ersten Durchschau aller Outfits gleich fünf Lieblingsoutfits zu finden, darunter einen Sommer-Smoking mit kniekurzen Hosen und einen gestreiften Sommeranzug, der mich auf angenehme Weise ein wenig an den gepunkteten Seidenanzug im Pyjamastil mit Paspeln erinnert, bei dem ich vor ein paar Jahren auch bei Louis Vuitton schwach geworden bin.
Die Poesie Japanischer Hosenröcke – Yohji Yamamoto Spring 2012
Posted on 26. Juni 2011Plissierte Schürzen-Chaps aus traditionellen Japanischen Prints über voluminösen Culottes getragen…man kann Yohji Yamamoto nicht vorwerfen, keine der originellsten Kollektionen der Schauen geschaffen zu haben. Meine Gedanken oszillierten beim Betrachten aller Modelle zwischen: Das steht jedem Mann und sowas kann man doch nur mitten in Paris tragen, hin und her. Ich kann das aber auch näher erklären, liebe Leser.
In dieser ersten Kollektion des früheren Assistenten von Christophe Decarnin, Olivier Rousteing, findet der Balmain-Mann, der schon alles hat, bestimmt seine neuen Lieblingsteile. Eine ärmellose Krokoweste in Taubengraublau sucht man eben am besten bei Balmain. Viele Luxusteile, außer einigen T-Shirts und Jeansteilen, wenige Basics und keine Anzüge, könnte die Kurzbeschreibung der kleinen aber feinen Kollektion lauten. Aber gute neue Anzüge gibt es ohnehin in anderen Kollektionen genug.
Wenn wir hier in meiner kleinen Reihe der Stilvorbilder schon von außergewöhnlich gut gekleideten Männern reden, dann kommen wir an einem der bestangezogenen Künstler Deutschlands nicht vorbei: Professor Markus Lüpertz ist für mich irgendwas zwischen einer extravaganten Erscheinung und einer wahren Stilikone. Naturgemäß auch in modischer Hinsicht.
Ich glaube, ich habe in den letzten zehn Jahren niemand so regelmäßig perfekt gekleidet irgendwo beobachten können, wie den Maler und ehemaligen Rektor der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie. Ganz egal, was er gerade trägt, es passt immer zu seinem Typ und dem Anlass und unterstreicht die modische Attitüde eines Künstlers, der sich nicht hinter Schwarzen Klamotten verstecken mag.
Das Fabelhafte an seinem Stil ist die gelungene Mischung aus maßgeschneiderten, britischen Sakkos aus Tweeds, Samten und Glencheck-Stoffen zu Nadelgestreiftem und farbigen Akzenten, die er so eloquent zu kombinieren versteht, dass ein ganz eigentypischer Stil daraus entstanden ist, den man auf Neudeutsch auch dandyesk nennen könnte.
Seidene Einstecktücher und Schleifen beziehungsweise Fliegen an Stelle von Krawatten, alles im gekonnten Farb- und Mustermix, ergänzen den Lüpertz-Look, der manchmal wirkt wie aus einer anderen Zeit und Welt. Interessanterweise sehen die Outfits aber nie nach Landadel oder Prince Of Wales-Kopie aus, obwohl Stoffe und Schnitte oft Anleihen in diesem Genre nehmen. Man muss das auf jeden Fall mal live gesehen haben um zu erkennen, dass es mehrere Formen von Eleganz gibt…
Über die große Auswahl in diesem Herbst dürfte sich der Herr Professor sehr freuen. Ich hab eine ganze Reihe schöner Sakkos und Hosen und einem Mantel in diesem Stil gefunden. Alles Teile, mit denen man diesen Look, etwas jünger und weniger maßgeschneidert interpretiert, nachstylen kann.
Los geht es mit dem Blau, Creme und Braun karierten Houndstooth Peak Lapel Jackett von Alexander Mc Queen (Reihe 1; links). Das sieht aus wie eine Anschaffung für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre, kostet aber auch knapp 1.400 Euro. Als Sakkos gefallen mir für den Professor Lüpertz-Look außerdem noch besonders: Das Dunkelbraun-Orange melierte Two Button Tweed Jackett von Burberry Prorsum (Reihe 1; rechts), die beiden von Alexander Mc Queen (oben; 2.Reihe) stammenden Sakkos mit Karos. Das hellere nennt sich ganz standesgemäß Prince Of Wales, das dunklere ist ein Karoklassiker, der sich neben den passenden Hosen aus dem kompletten Suit wirklich gut zu vielen weiteren Stoffhosen – insbesondere auch Cord- und Samthosen – kombinieren lässt.



Der feine Etro (oben links) Plaid Cashemere Blazer ist so schön mit der typischen Paisley bedruckten Seide gefüttert, dass man ihn am liebsten auch mal andersherum tragen würde. Ein schönes Stück ohne Jahreszahl ist der Velvet Two Button Blazer von Canali. Bleibt noch ein schmal aber nicht eng geschnittenes Sakko von Richard James (oben mitte), das mir wegen der weit gesetzten Blauen Fadenkaros, die über dem Braunen Glencheck liegen, sehr gut gefällt.
Modisch auf der Höhe der Zeit, aber gleichzeitig klassisch-solide wirkt der Braun-Rot karierte, schmale Mantel mit verdeckter Knopfleiste von Paul Smith (oben rechts), dessen asymmetrische Patten-Anordnung einen extra modischen Akzent setzen.






Dazu und natürlich zu den Sakkos passen perfekt die Roten Coin Pocket Trousers von APC (oben; Reihe 1; links) , bei denen mir sofort Schreiberkollege Peter in den Sinn kam…der diesen Stil sehr gut tragen kann. Die zu den beiden schon gezeigten Karosakkos von Alexander Mc Queen (oben; Reihe 1; mitte und rechts) vorgesehenen Hosen können gut auch zu anderen Sakkos kombiniert werden, wenn man jungen Schwung in den Look bringen will. Noch etwas avantgardistischer wirken die Fischgrät-Wollstoffhosen von Neil Barrett (oben; Reihe 2; links) mit dem Farbverlauf von Dunkelgrau zu Hellgrau. Ich hatte euch ja versprochen, den Stil des extravaganten Professors etwas jünger zu interpretieren und dabei helfen solche Hosen, ohne das, was an dem Künstlerlook besonders gut funktioniert, zu zerstören. Auch sehr schön: Die sehr dezent melierten Wool Flannel Trousers von Canali (mitte) und die sehr gelungenen Dunkelgrauen Hosen aus Woll-Denim aus der Hugo Linie von Boss (rechts).


Da fehlen jetzt natürlich noch die perfekten Streifen- und Karohemden, die den Muster- und Farbmix dieses Kleidungsstiles abrunden. Davon seht ihr aber besser ein Andermal, um hier nicht jeden Rahmen zu sprengen. Aber zwei Paar Schuhe zeige ich euch trotz Überlänge noch: Die dandyesken Monk Strap Shoes von Ralph Lauren (oben links) und die Black Ankle Boxcalf Stiefeletten von Ludwig Reiter (oben rechts) aus Wien.
Wer den Lüpertz Stil mag, sollte was in meiner Auswahl gefunden haben, hoffe ich.
Wenn ihr neugierig darauf seid, wie er so denkt und ist, der überaus elegante und selbstbewusste Herr Professor, dann könnt ihr hier noch ein paar O-Töne und Bilder sichten:
Credits: Bilder Markus Lüpertz Screenshots, Mode von www.stylebop.com, www.mrporter.com und www.luisaviaroma.com
Project Runway Meets Massmarket Icon? – Calvin Klein Spring-Summer 2012
Posted on 23. Juni 2011Was machen eigentlich Heidis Project Runway-Designer-Talente?


…das war mein erster Gedanke, als ich die Calvin Klein Kollektion für den Sommer des nächsten Jahres erst einmal in Gänze gesichtet hatte…
So mitten in der Mailänder Männermodewoche machten sich bei mir erste Verständnisprobleme über Kollektionsteile bemerkbar, die auf mich wie Erstlingswerke angehender Jungdesigner wirken. Auch in der von Calvin Klein Chefdesigner Italo Zucchelli geschaffenen Kollektion für das kommende Frühjahr gibt es neben den überrepräsentierten Tanktops, die man eigentlich nur in der Freizeit und zum Sport tragen kann, überweite Bermudas aus einer Art Latex, einem Material, das anscheinend überhaupt keine körpernahe Form annehmen will. Diese Idee will und will mir nicht einleuchten. Wann und wohin trägt man denn sowas, bitte? Und warum um alles in der Welt, soll man kniekurze Hosen kaufen, die einen nicht eben schöner machen?












