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Auf der Baustelle von Erwin Wurms Haus: Róisín Murphy – „Take Her Up To Monto“

Es ist ein wenig bezeichnend, dass Róisín Murphy auf dem Cover zu „Take Her Up To Monto“ auf einer Baustelle zu sehen ist. Hört man sich die ersten drei Stücke ihres neuen Albums an, klingt das wie die Baustelle eines Hauses des Künstlers Erwin Wurm. Mal aufgeblasen, mal extrem schmal, mal auf den Kopf gestellt, aber auf keinen Fall stabil. „Mastermind“, „Pretty Gardens“ und „Thoughts Wasted“ (ein Song über Drunk Dialing) könnte man auch getrost aneinander schneiden. Auffallen würde das nicht. Und dann plötzlich kommt bei „Lip Service“ Bossa Nova um die Ecke und man mag sich gar nicht vorstellen, wie toll das Musikvideo dazu aussehen mag, sofern es denn eines geben wird. Es folgt „Ten Miles High“.

Im Video zur Single ist Murphy wiederum in Warnweste und allerlei Kreationen ihres Lieblings-Maskendesigners Christophe Coppens zu sehen. Nach „Lip Service“ ist dies tatsächlich eines der, man muss das Wort auch einfach mal verwenden, „radiotauglichen“ Stücke. Warum muss man das eigentlich erwähnen? Ganz einfach, weil Róisín Murphy mit Moloko und zumindest auch mit ihren ersten zwei anschließenden Soloalben Ambitionen hatte, dort stattzufinden. Zumindest machte sie den Eindruck. Was auf „Hairless Toys“ vergangenes Jahr begann, wird nun auf „Take Her Up To Monto“ so auf die Spitze getrieben, dass sie sich in ihrer experimentellen Wut ab und an verliert.

„Es zeigt das London in dem ich lebe. Es geht eine Menge um Architektur und darum die Zukunft aufzubauen … Es ist ein wenig sprudeliger, gegenwärtiger und respektloser mit Guerilla Filmen, Montagen und crazy shit.“

So beschreibt Murphy das Album. Was mit Sicherheit in puncto experimenteller Popmusik wieder Eindruck hinterlassen wird, macht bei Songs wie „Lip Service“, „Ten Miles High“ und der zauberhaften Ballade „Whatever“ Lust auf mehr, aber irgendwann ist der Lärm auf der Monto-Baustelle dann doch zu hoch und die orangene Weste eine Spur zu grell.

„Ten Miles High“

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  • René
    10. Juli 2016 at 23:07

    Ich mag das Album!

  • blomquist
    11. Juli 2016 at 08:49

    Ich habe es am Wochenende mehrmals gehört und war vom ersten Moment an ziemlich begeistert.

  • Siegmar
    11. Juli 2016 at 16:11

    super, gefällt mir sehr