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Warum wir gar nicht wissen wollen, wer Banksy wirklich ist

Banksy in Hamburg; Bild: Horstson

Es gibt eine journalistische Unsitte unserer Zeit. Alles muss enttarnt werden. Jeder Mythos braucht einen Personalausweis, jedes Rätsel eine LinkedIn-Seite. Genau deshalb ist es vermutlich die langweiligste Nachricht der Welt zu erfahren, wer Banksy wirklich ist.

Seit Jahren erscheinen mit der Zuverlässigkeit eines schlechten Tatorts neue „Beweise“. Irgendwelche Datenanalysen, Flugrouten, Kartenauswertungen, Konzerttouren von verdächtigen Musikern. Dieses Mal scheint es gelungen zu sein, die Identität hinter dem Namen Banksy gelüftet zu haben. Doch wollen wir das wirklich wissen? Nein! Ihr habt möglicherweise gerade das Kunstwerk kaputt recherchiert. Danke für gar nichts.

Banksy ist nicht nur ein Künstler, sondern ein Konzept. Ein Phantom mit Spraydose. Seine Arbeiten funktionieren, weil sie aus dem Nichts auftauchen – über Nacht an einer Hauswand, mitten in politischen Debatten oder direkt neben dem nächsten Immobilienprojekt.

Die aktuelle Obsession, ihn endlich zu identifiziert zu haben, wirkt deshalb wie ein seltsamer Reflex aus der Influencer-Ökonomie. Wenn jemand Aufmerksamkeit bekommt, muss er doch auch ein Gesicht, ein Profilbild und idealerweise einen Podcast haben.
Aber genau das würde Banksy ruinieren. Aus einem urbanen Mythos würde ein Typ aus Bristol – oder woher auch immer – mit Medienberater werden. Statt geheimnisvoller Nachtaktionen gäbe es Interviewanfragen und Buchverträge.
Kurz gesagt, würden nicht mehr über Kunst reden. Sondern über eine Person.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum diese neuesten Enthüllungsrecherchen schon im Ansatz beschädigt sind. Sie glauben, ein Rätsel lösen zu müssen, das nie eines war.
Der Witz an Banksy ist schließlich nicht, dass wir nicht wissen, wer er ist.
Der Witz ist, dass es völlig egal ist.

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