Männermode

Unterwegs mit … Mini Fluid Fashion

(Bild: PR)

Ikonisches Design trifft modisches Statement – Wenn man auf der Pitti Uomo in Florenz unterwegs ist, fällt einem ein Stand ganz besonders ins Auge: der MINI-Pavillon. Zentral gelegen in der Mitte des Messegeländes, lenkt er den Strom des stetig hungrigen Modevolks in seine Richtung. Es wird vor ihm posiert, gefilmt und zwischendurch erntet man fragende Blicke: wo ist der MINI? Das Fahrzeug, vielmehr Stil-Statement? Das flamboyant-gekleidete Publikum steht dann etwas verwirrt da und auch ich muss zugeben, dass ich erst einmal stutzig bin. Klar, das Logo des Kleinwagens prangt zurückhaltend an der Außenfassade. Vom Ausstellungsmodell à la Cooper fehlt jedoch jede Spur – ganz bewusst, so erfahre ich später. Denn eingeladen wurde ich nicht für eine Testfahrt oder zur Vorstellung eines Modells, nein: im Rahmen der 90. Pitti Uomo – einer der bedeutendsten, wenn nicht bedeutendsten internationalen Messen für Männermode und zeitgenössischen Lifestyle – stellt MINI eine limitierte Sweatshirt-Kollektion vor. Fokus Mode, nicht Auto! Während Suzy Menkes und Scott Schuman alias The Satorialist hektisch auf der Messe nach neuen Trends suchen, lasse ich mir in entspannter Runde die Entwürfe der MINI FLUID FASHION Capsule Collection erklären. Fünf junge, innovative Labels entwickelten jeweils ein individuelles Design und verewigten sich auf fünf Sweatshirts. Meiner Meinung nach eine spannende und gar nicht mal so leicht umzusetzende Idee, denn: 2016 jault die ganze Modewelt nach Entschleunigung, fordert kleine, feinere Kollektionen und möchte den gefährlich verwässernden Vierteljahreskollektionen entkommen.
P90222911_lowRes_mini-fluid-fashion-pitti pavillonP90222911_lowRes_mini-fluid-fashion-pitti pavillon

Hält sich wirklich jemand dran? Nimmt sich irgendjemand die Zeit, einzelnen Kollektionsstücken die benötigte Achtung zu schenken? Ich bezweifle es und auch die renommierte Trendforscherin Li Edelkoort scheint mit ihrer „This is the end of fashion as we know it”-Befürchtung zunehmend in Vergessenheit geraten zu sein! Während ich in den MINI-Pavillon eintrete und einen ersten Blick auf die finalen Entwürfe werfen darf, wandert mein Blick immer wieder durch die bodentiefen Fensterscheiben: gestresste Gesichter, Orderdramen und eine überwältigende Masse an neuen Trends und Produkten. „Reizüberflutung“, denke ich mir und freue mich umso mehr, dass ich mit Sunnei, SANKUANZ, Agi & Sam, Études Studio und HIEN LE fünf vielversprechende Labels vorgefunden habe, die es schaffen, mit „nur“ einem einzigen Entwurf ihre ganz persönliche Idee von Mode darzustellen. Zu sehen sind nicht irgendwelche Pullover, sondern auf Stoff gebrachte Gedanken und Geschichten der einzelnen Designer.
P90222909_lowRes_tudes-studio-x-mini-P90222910_lowRes_agi--sam-x-mini-06-2
Links: Études Studio, rechts: Agi & Sam; Bilder: PR

Wortwörtlich eingerahmt, zwingen sie den Betrachter stehenzubleiben. Zielen darauf ab, dass man sich die Zusammenarbeit mit MINI ganz genau anschaut. Dass man nicht nur gekonnt-lässig über die einzelnen Kleiderstangen (hinter jedem Sweatshirt lassen sich vereinzelt Entwürfe vergangener und zukünftiger Kollektionen der Designer betrachten) streicht und monatelange Arbeit auf ein massentaugliches „awesome“ oder „interesting“ reduziert. Bereits durch die Wahl der zu gestaltenden Basis, dem Sweatshirt, implizieren die Verantwortlichen eine ungewöhnliche, wenn auch spannende Herangehensweise: Männer und Frauen können und dürfen die Modelle tragen – Kategorisierungen finden hier keinen Platz. Statt bei jedem PR-passenden Moment die trendmissbrauchte Genderkeule zu schwingen (wie es aktuell so viele andere Modeunternehmen und Labels tun), wird hier ganz selbstverständlich, ohne weitere Einordnung, vom Fashionklassiker gesprochen. So sieht Demokratisierung in der Modewelt aus, die wirklich gelebt und nicht nur auf Kampagnen oder mittels androgyner Burschen und Mädels propagiert wird.
P90222908_lowRes_sankuanz-x-mini-06-2P90222906_lowRes_sunnei-x-mini-06-201
Links: SANKUANZ, rechts: Sunnei; Bilder: PR

Zudem hat es MINI alles andere als nötig, dem vermeintlichen Trend blind zu folgen: „Seit ihrer Gründung steht die Marke für ikonisches Design und individuellen Lebensstil. Einen MINI zu fahren ist ein Statement in Stil und Identität, und auch deshalb hatte die Marke schon in den 60er-Jahren eine enge Verbindung zur Modewelt.“ Esther Bahne, Leiterin Brand Strategy und Business Innovation in dem Unternehmen, weiß wovon sie redet und führt gemeinsam mit ihrem Team durch die Räumlichkeiten. So erfahre ich, dass die MINI FLUID FASHION Capsule Collection auf 200 Stück pro Design limitiert ist. Vielleicht habe ich dennoch Glück und kann mir ab Mitte Juni ein Modell von Hien Le im Onlinestore von „Luisa Via Roma“ sichern. Das Automobilunternehmen, seit 2001 unter der Federführung von BMW mit Sitz in München, weiß mit sehr guten Partnern zu kooperieren: wer- wenn nicht LVA – wenn es um die Förderung experimentell-unkonventioneller Modeentwürfe geht? Der exklusive Verkauf in dem florentinischen Traditionshaus ist ganz bestimmt eine perfekte Möglichkeit, um den jeweiligen Designtalenten weitere internationale Reichweite zu ermöglichen.
mini_fluid_fashion-2

Ich komme mit Sabine Ringel aus dem Team MINI Fashion & Lifestyle ins Gespräch. Wir tauschen uns über die Zusammenarbeit aus und ganz klar: Wenn man in Florenz oder auch auf internationaler Ebene nach einem Store-Konzept sucht, das Online- und Offlinepräsenz perfekt vereinbart, bleibt eigentlich nur Luisa Via Roma. Sabine berichtet mir von vorherigen Umsetzungen auf der Pitti Uomo, wie z.B. der Gentleman’s Collection, einer sechsteiligen Accessoires-Kollektion für den modernen Gentleman. Sie wurde letztes Jahr vorgestellt und mehr als erfolgreich angenommen – Ich recherchiere anschließend im Internet und bin ganz begeistert von den Entwürfen. Langsam aber sicher verstehe ich auch, warum darauf verzichtet wurde, einen MINI als offensichtlichen Wiedererkennungswert vor Ort zu platzieren. Es geht den Verantwortlichen darum, dass die Designkollektionen und -kooperationen für sich alleine stehen. Sie sind ein wichtiges Instrument des Unternehmens, um sich immer wieder intensiv mit der eigenen Perspektive von Mode und Design auseinanderzusetzen. Genau diesem Ansatz folge ich nun und nähere mich den einzelnen Designern an.
Hin Le Mini Fluid FashionHin Le Mini Fluid Fashion 6
Hin Le Mini Fluid Fashion 2Hin Le Mini Fluid Fashion 3
Hin Le Mini Fluid Fashion 4Hin Le Mini Fluid Fashion 5

Hien Le – Ich glaube, ich muss eigentlich keine weitere Einleitung schreiben, oder? Ein großes, wenn nicht „das große Talent“ aus Berlin. Seine Entwürfe sind wunderbar minimalistisch, zeitlos und doch irgendwo immer auch zeitgemäß. Minimalism as its best würde ich grob verallgemeinernd sagen und verliebe mich sofort in seinen Pullover. Das „like heart“ von Instagram in dezent-zurückhaltender Form. Ergänzend dazu das Leitmotiv seiner aktuellen Kollektion: die Negativform. Als ich ihn antreffe, ist er wie immer absolut sympathisch und nimmt sich die Zeit über seine bevorstehende Kollektion im Rahmen der Berliner Modewoche zu sprechen. So wartet er stündlich auf die Anlieferung der Stoffe, um weiter an der Umsetzung seiner Ideen arbeiten zu können. Ich bin fasziniert davon, dass mir der Modedesigner, zumindest äußerlich, komplett relaxt gegenübersteht. Hut ab, Chapeau! Auf die Frage nach der Capsule Collection findet er folgende Antwort: „MINI FLUID FASHION ist für mich Grenzenlosigkeit, Mut und vor allem Liebe. Diese Dinge haben seit jeher eine Rolle für mich gespielt und sind heute wichtiger denn je.“

Ein guter Moment für einen Break, ich sage ciao, ciao und melde mich bei Euch in den nächsten Tagen mit dem zweiten Teil. Ich hoffe der Einblick hat Euch gefallen!? Ich freue mich über Euer Feedback und wünsche bis dahin eine schöne Zeit aus bella Italia! Anbei ein paar Impressionen vom MINI-Pavillon…

You Might Also Like

  • Siegmar
    23. Juni 2016 at 12:30

    sehr schöner Artikel und Hien Le ist für mich wirklich ein “ Großer „. Das Sweatshirt von ihm finde ich klasse und seine letzte Kollektion war super. Ich würde mich sehr freuen, wenn er richtig erfolgreich wird, er hat das Zeug dazu.

  • Die Woche auf Horstson – KW 25/2016 | Horstson
    26. Juni 2016 at 19:09

    […] Agi & Sam, Etudes und Hien Le) entwickelten jeweils ein individuelles Design für MINI und verewigten sich auf fünf Sweatshirts. 3) Übers Wasser wandeln – dank Christos „The Floating Piers“ ist das noch […]

  • Unterwegs mit … Mini Fluid Fashion / Teil 2 | Horstson
    28. Juni 2016 at 09:24

    […] Auto! Hien Le haben wir bereits unter die Lupe genommen (den ersten Teil des Berichts gibt’s hier), weiter geht’s mit den anderen Designern der MINI FLUID FASHION Capsule Collection… […]