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Täschligate

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Bild: Tom Ford

Die Geschichte hinter dem Täschligate-Skandal ist schnell erzählt – zumindest eine Version: Die Talkmasterin Oprah Winfrey war im Juli anlässlich der Hochzeit von Tina Turner in der Schweiz und wollte sich in einer Züricher Boutique eine Tasche zeigen lassen. Allerdings handelte es sich um eine besonders kostspielige Version der „The Jennifer“ von Tom Ford, die 35.000 Schweizer Franken (rund 28.000 Euro) kosten sollte. Die Verkäuferin hat dann wohl, so äußerte sich zumindest Oprah Winfrey in der Talkshow von Larry King vor ein paar Tagen, der Talkmasterin auch auf mehrmalige Nachfragen lieber günstige Taschen zeigen wollen und schlussendlich die Tasche nicht verkauft.

Ein wenig erinnert nicht nur mich die Szene an Pretty Women – auch Winfrey überlegte kurzfristig, in bester Vivian Ward Art zu reagieren „Verkäuferinnen in Edelboutiquen arbeiten auf Kommissionsbasis. Ich wollte nicht, dass diese Frau eine bekommt. Darum verzichtete ich auf den Kauf. Obwohl ich gern diesen ‚Pretty Woman‘-Moment gehabt hätte: Zurückkommen und den Laden leerkaufen.“ (Quelle: stern.de) Gut, bei Pretty Women war das alles etwas anders, aber wer guckt bei solchen Details schon so genau hin …

Wie auch immer – in der Tat schwingt da der bittere Beigeschmack von Rassismus mit – hat die Verkäuferin also wirklich die Tasche nicht gezeigt, weil Oprah eben nicht Britt am Mittag ist, sondern dunkelhäutig? Mir ist das zu schlicht gedacht und ich frage mich, warum die Verkäuferin (eine Italienerin) bisher nicht zur Situation befragt wurde und warum eigentlich niemand fragt, warum Oprah Winfrey, die PETA Frau des Jahres 2008, ausgerechnet eine Tasche aus Krokodilleder kaufen „muss“.

Die Touristik-Branche der Schweiz versucht übrigens auf eine ganz eigene Art den Schaden zu begrenzen – denn mittlerweile wurde aus der Tasche ein ganzer Täschligate mit eigenem Hashtag und allem Drum und Dran. Sie retweeten „One very stupid saleswomen is not reprensentative for a whole country …“ – One very stupid Twitteraccount hoffentlich auch nicht für ein ganzes Land …

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  • peter
    10. August 2013 at 14:00

    Ich liebe diese Geschichte!!!

  • Jörg
    10. August 2013 at 16:32

    Made my Day!

  • Hannes
    10. August 2013 at 17:49

    Man ist doch hier sonst immer so politisch korrekt und wenn eine Frau, die nicht in das Raster einer Nobelboutique zu passen scheint (aus welchen Gründen auch immer), unwürdig behandelt wird, dann trägt das zur allgemeinen Erheiterung bei?

  • Daisydora
    10. August 2013 at 18:09

    Es fällt schwer, zu glauben, dass man in so einem Laden, der ja in der Hauptsache von der reichen Klientel aus aller Herren Länder lebt, wirklich eine Verkäuferin beschäftigen könnte, die „Probleme“ mit anderen Hautfarben hätte und sich an Stelle des Verkaufs lieber selbst ins Knie schiesst.

    Ich glaube auch eher daran, dass es Sprach- und/oder Verständigungsprobleme gab (was auch nicht eben toll ist) .. und an Oprah Winfreys Stelle hätte ich das mit der Besitzerin sauber geklärt. .. wenn man das vor Ort so stehen lässt und dann aber in einer Talkshow als Fakt breitwalzt, bleibt da für mich zumindest stiltechnisch ein leichter Beigeschmack …

  • Ludger
    10. August 2013 at 23:22

    Man muß nicht schwarz sein damit einem so was passiert. Hier in Hamburg wurde ich auch schon mal nicht bedient weil ich eine Bomberjacke anhatte, auch wenn diese von Belstaff war…

  • HappyFace313
    11. August 2013 at 10:38

    Da Oprah Winfrey schon einmal ein ähnliches Problem bei Hermès in Paris hatte – und die Geschichte anschließend ebenfalls durch alle Medien schleppte – frage ich mich: was hat SIE getan, das diese Reaktion auslöste?
    Schönen Sonntag 🙂

  • Horst
    11. August 2013 at 11:07

    @Hannes es ging hier auch um die mehr als einseitige Berichterstattung.

    @Ludger ein unschönes Erlebnis und ja, es gibt leider Verkäufer, die sich ziemlich selbstherrlich vorkommen…

  • PeterKempe
    12. August 2013 at 07:39

    @ Happy Face
    Bei Hermes stellte sich allerdings raus das Frau Winfrey nach Ladenschluss in Paris war und der Laden schon zu hatte.Vielleicht ging’s da auch ein bisschen un Aufmerksamkeit ?!

  • Rene
    12. August 2013 at 08:49

    Man muss weder schwarz sein noch ne Bomberjacke tragen um ignoriert zu werden in Geschäften. In den meisten Geschäften gibt ein breites Portfolio an Verkäufernaturen, das reicht eben von super bis mies. Und gerade das Luxussegment bildet da keine Ausnahme.
    Im Falle von Oprah wird der Fall etwas aufgeblasen, weil sie damit eben auch gleich hausieren geht statt erstmal mit der Besitzerin des Ladens über das Problem zu sprechen. Hätte das zu nichts geführt wäre ihr diese Möglichkeit noch immer offen gestanden.

  • Thorsten
    12. August 2013 at 09:33

    Bei blick.ch kann man eine Stellungnahme der Ladeninhaberin sehen und ein Interview mit der Verkäuferin lesen. Ihre Version der Geschichte klingt ganz anders als die von Frau Winfrey. Mir scheint, dass die medienerprobte Dame diese Geschichte extrem aufgebauscht hat, weil sie Rassismus sehen WOLLTE (siehe Hermes). Vielleicht war sie auch sauer, weil ihre Prominenz nicht genügend gewürdigt wurde.

  • Horst
    12. August 2013 at 10:08

    @Thorsten Danke für den Hinweis!! Das Interview wurde leider erst nach der Veröffentlichung dieses Beitrages veröffentlicht, daher konnte ich die Sichtweise der Verkäuferin nicht mit einbauen. (hier der Link für Interessierte: http://www.blick.ch/people-tv/international/ich-kann-seit-tagen-nicht-mehr-schlafen-id2402940.html )

    @Rene ja, das Problem kennt man leider aus vielen Läden.

    Bewundernswert find ich übrigens die Loyalität der Ladenbesitzerin!

  • monsieur_didier
    20. August 2013 at 23:22

    …kleiner Nachtrag: …bemerkenswert und sehr seltsam finde ich, dass sowohl Oprah Winfrey als auch die Ladenbesitzerin mit Tina Turner befreundet sind und BEIDE bei der Hochzeitsfeier auf der gleichen Party zu Gast (oder zu Gästin 😉 ) waren…
    Zufall? …und dann kann Frau Oprah Winfrey nicht mal zu der Ladenbesitzerin hingehen? Denn sie hat doch bestimmt ihrer guten Freunding Tina T. diese Geschichte erzählt, die sie so aufgewühlt hat, dass sie diese danach in die gesamte Weltgeschichte getrötet hat…

    …wie hieß es früher so schön als letzten Satz bei den John-Sinclair-Gespenstergeschichten: Seltsam, aber so steht es geschrieben 😉

  • Shop Velvet Orchid! – Tom Ford-Online | Horstson
    31. März 2014 at 11:41

    […] sofort gedacht: Mrs. Oprah Winfrey dürfte im Dreieck gehüpft sein – endlich Tom Ford ganz ohne Täschligate. Die nächste Handtasche für 28.000 € wird ohne Ärger über bornierte […]